15.04.11

Film•Peteback: 127 Hours

Meine Damen und Herren es ist mal wieder soweit!
Es ist Weihnachten? Nein! Es gibt wieder ein Peteback! :)
Nach einer eher kurzen Kritik vom letzten Mal, nun wieder eine etwas längere von einem Spielfilm.
Diesmal geht es um einen Film der;
Erstens: Nichts für Schwache nerven ist >:D
und zweitens: Jemanden zeigt der an seine Grenzen gegangen ist.

Ich präsentiere
127 Hours

"127 Hours" ist ein biographischer Film von Danny Boyle. Die Geschichte wurde von Boyle adaptiert und basiert auf dem autobiographischen Buch " Between a Rock and a Hard Place" von Aron Ralston (gespielt von James Franco).

Hier der wunderbare Kinotrailer:


Filmfacts ab!:
 Deutscher Titel: 127 Hours
Originaltitel: 127 Hours
Originalsprache: Englisch
Erschienen: 04.09.2010
Länge: ca. 94 Minuten
Regie: Danny Boyle
Produktion: u.a. Christian Colson & Danny Boyle
Musik: A.R. Rahman

Was tun, wenn man alleine, ohne sonderlich viel Proviant, ohne Verbindung zur Außenwelt – kurz, ohne jede Chance auf Hilfe in einer Felsspalte gefangen ist und ein Arm von einem unbeweglichen Felsen zerquetscht wird? Die verstörende und zugleich inspirierende Antwort liefert "127 Hours".

Aron Ralston ist ein begnadeter Kletterer, Mountainbiker und Bergsteiger, kurzum ein richtiger Naturbursche. An dem Tag der wo "127 Hours" einsetzt, macht sich Aron auf in die Canyonlands-Nationalparks in Utah. Beim aus dem Haus gehen ignoriert er den Anruf seiner Schwester und macht sich, ohne eine Nachricht zu hinterlassen, auf den Weg. Damit nimmt das Unglück auch schon seinen Lauf.
Aron freut sich sehr auf die Tour. Nur Er , die Canyons und die Musik. Er lässt sein Auto auf einem verlassenen Gelände stehen und fährt mit dem Mountainbike weiter ins Innenland.
Nachdem er mit den zwei Anhalterinnen Kristi und Megan, die er unterwegs getroffen hat, in einer Kaverne voll mit klaren Wasser einen auf Wasser-Spaßparadies gemacht hat, geht er zu Fuß weiter in die Canyons. Teile davon filmte er mit seiner Kamera.
Beim durchklettern, hält er sich an einem Felsbrocken fest, der sich daraufhin löst und nach einem kurzem Fall seinen rechten Arm an einer Felswand einklemmt.
Die unglaubliche Ironie daran ist, dass er den Fels vorher mit dem Fuß auf seine Stabilität geprüft hatte. 

Nachdem es ihm nicht gelingt den Stein zu bewegen, versucht er vergeblich, diesen mit seinem Taschenmesser zu zerkleinern. Nebenbei bemerkt, ein asiatisches Billigprodukt, das wie er resigniert feststellt ein totaler Fehlkauf war. Sein improvisierter Flaschenzug funktioniert nicht wirklich, da das Kletterseil zu elastisch ist. Nach einem Tag stellt er verbittert fest, dass seine Hand mangels Blutzirkulation bereits abgestorben ist. 
Bald beginnt Ralston unter Wasser-, Nahrungs- und Schlafmangel zu halluzinieren. Er überdenkt sein Leben und ruft sich Erinnerungen an seine Freunde und Familie ins Gedächtnis, für die er Abschiedsvideos mit seiner Kamera dreht.
Die einzige Möglichkeit die er noch sieht ist sich mit den wenigen Mitteln die im bleiben den Arm zu amputieren.



So viel zum Inhalt. Da dieser Film ja nun existiert, greife ich nicht wirklich vor, wenn ich sage das Aron seine Amateuraputation durchgezogen hat und noch am Leben ist und das quietschfidel.

Der Film beginnt sehr rasant und temporeich. Und das schon mit schnellen Bildfolgen im Intro. Ein Autofahrt mit Musik untermalt, eine Mountainbike Tour mit einem Sturz, Sprünge aus 5 Meter höhe in eine mit Wasser gefüllte Kaverne.
Das Tempo wird jedoch beendet, durch den Sturz. Schlagartig schlägt die Stimmung von lockerer Freefun Action in eine deprimierende, verstörende und vorallem ausweglose Situation um.
Nach klassischer McGuyver-Art versucht Aron die Situation mit klarem Kopf zu überblicken und so schnell wie möglich eine Lösung für seine Lage zu finden.
Ab dem Zeitpunkt wird der Film zum Kammerspiel.
Es spielt sich nun alles in der Felsspalte ab und wegen des geringen Platzes, klebt die Kamera formlich an Arons Gesicht und fängt vor allem seine Mimik ein, aber auch seine Gestik.

Ich spreche hier die ganze Zeit von Aron, dabei sollte ich eigentlich viel mehr von James Franco (Harry Osborn in den Spiderman Filmen und Scott Smith in "Milk") sprechen.
Er spielt die Rolle des "gefangenen" Aron Ralston wirklich authentisch und vor allem für den Zuschauer nachvollziehbar. Seine gesamten Handlungen basieren auf reinem Denken und Handeln aus der Not heraus, wie es jeder versuchen würde.
Es wirkt alles in sich schlüssig. Von der Anstrengung, sich mit den Utensilien in seinem Rucksack aus der Klemme zu manövrieren, über die vage Hoffnung doch noch von Wanderern gefunden zu werden, bis zur totalen Verzweiflung, dem Tod ins Auge schauend. 
Franco überzieht nicht und agiert immer angemessen. Eine Oscar-Nominierung war eigentlich nur noch reine Formsache. :)

Die Szenen die Aron im Film mit der Kamera aufzeichnet, kommen nicht aus der kreativen Vorstellungskraft Boyles. Er und Franco durften, wie nur weniger Menschen, Aron Ralstons echte Filmaufnahmen einsehen und sie wurde zu 100% in den Film übernommen. Besser kann eine Recherche kaum laufen!

Um nochmal auf die Handlung einzugehen - es ist kein reines Aussitzen in der Felsspalte. Man wird mitgenommen auf die Ablenkungsversuche von Aron. Zum Beispiel wo er sich auf die Party denkt, zu der er von den beiden Anhalterinnen Kristi und Megan eingeladen wurde. Eisgekühltes Bier, Softdrinks, rote Pappbecher, Musik, viele Leute und allerbester Stimmung bei einem leuchtenden Scooby-Doo Aufsteller.
Ein Einspieler "Scooby-Dooby-Doo, Where Are You? We got some work to do now [...].
Na wenn man das nicht auch auf die aktuelle Lage beziehen kann weiß ich auch nicht. ;)
Auch die Aufnahme, die sie für ihn gemacht haben während sie schwimmen waren, gab ihm wieder Kraft. Doch sind es viel mehr die Erinnerungen an seine Familie und die Vision einer eigenen Familie die ihm Kraft geben, das er auf keinen Fall alleine sterben will.
Aron wirkt aber in keinster Weise wie jemand der sich grade aufgibt. Nach einer Nacht wo ein Wolkebruch seine Felspalte durchspült und ihm wieder Wasser zum trinken liefert, hat er am Morgen nichts besseres zu tun, als eine Pseudo-Morning Show aufzunehmen mit sich selbst als Moderator und Anrufer.
In der Szene merkt man sehr schön wie er langsam resigniert und einsieht, das seine Lage nicht ganz so, beschissen (ja genau!) wäre, wenn er mal ein Zettelchen zu Hause gelassen hätte, oder ans Telefon gegangen wäre.

Regisseur Boyle bleibt zwar konsequent innerhalb der Handlung im Canyon, mischt Ralstons Todeskampf aber stilistisch mit Kindheitserinnerungen und Tagträumereien, wenn der Havarierte immer stärker zu halluzinieren beginnt. An dieser Stelle wirkt „127 Hours" genauso knallbunt und überbordend wie Boyles Meisterwerk „Slumdog Millionär". 
Bis die unausweichliche Szene kommt, die sich wohl die wenigsten herbeisehnen. Boyle zieht das auch hier knallhart durch und erspart seinem Publikum nichts. GAR NICHTS! :- /


So ist der Film auf diesem Höhepunkt der Amputation ungeheuer effektiv – selbst wenn der Ausgang für jeden Zuschauer schon vordefiniert ist. Wer sich noch nicht mit der Hauptfigur verbunden fühlte, den holt Boyle allerspätestens hier an Bord.
Ich musste schon verdammt schlucken als Aron sich die stumpfe Klinge im Affekt in den Arm rammt und mit dem Schmerz ringt.
Von daher sorgte der Film auf dem Filmfestival von Toronto für Furore, als bei einigen Vorführungen von Ohnmachtsanfällen unter dem Publikum berichtet wurde. Diese sollen insbesondere der haarstäubenden Amputationsszene zugrunde liegen.
Um bei dieser Szene ein möglichst hohes Maß an Authentizität zu erreichen, arbeitete Special-Effect Designer Tony Gardner mit medizinischen Experten zusammen. Angesichts der dramatischen Publikumsreaktionen scheint sich die Mühe gelohnt zu haben. 100% Nervenkitzel! :)
Nervenkitzel ist hier das richtige Wort. Wenn Aron den Nerv erreicht ertönt plötzlich ein Ton den man kennt wenn man beim Spiel "Der heiße Draht" mit den Kontakten an den Draht kommt.
Das ist ein grandios eingesetztes Mittel, wodurch der Zuschauer instinktiv zusammenzuckt, genau wie James Franco auf der großen Leinwand.
Man ist erleichtert wie der Hauptdarsteller selbst, als Aron einen Schritt zurück macht und nun weiter vom Fels entfernt ist, wie in den  letzten 5 Tagen nicht.

Vorwerfen lässt sich Boyle und Franco nur wenig. Wer weiß schon, wie es sich anfühlt, wenn ein Arm tagelang abgeklemmt und  taub an einem Körper hängt? Der erste Gedanke: "Das muss ungeheuer weh tun! >.<"
Auf diesen Aspekt geht „127 Hours" aber kaum ein. Ralston nimmt die demolierte Hand relativ klaglos hin. Auch erfährt der Betrachter wenig von Aron selbst. Erst nach und nach fügt Boyle ein grobes Bild seines Protagonisten zusammen. Das verhindert zu Beginn ein wenig die Identifikation und Anteilnahme, ist aber im weiteren Verlauf kein Problem.

Synchronisiert wird James Franco wie gewohnt von Markus Pfeiffer, der ja nebenbei noch die Stimme von Adrien Brody, Colin Farrell und Luke Wilson im deutschen darstellt. Die Synchro ist perfekt abgemischt und auf "Höhle" getrimmt. Top!
Außerdem gibt Markus Pfeiffer die Emotionen sehr gut wieder und wirkt zu keinem Zeitpunkt Lippenasynchron.

Fazit Time!
Danny Boyles berauschend und überragend gespieltes Überlebens-Drama „127 Hours" ist ein erschütterndes Drama, das den manchmal minimalen Spielraum zwischen Leben und Tod stilistisch elegant und effektiv darstellt. Es ist lebensbejahend und ich habe selten einen Film gesehn, wo man so stark mit der Hauptfigur mitfühlen kann. Aron Ralston hat es gezeigt; "Nichts auf der Welt ist stärker als der Wille zu Überleben" :)

Und wiedermal war es das mit den Peteback und ich empfehle mich in gewohnter Weise und sage Tschödeldö bis zum nächsten mal! 

Kommentare:

  1. Interessantes Peteback :3
    Ich hab zur Zeit der Oscar-Verleihung von dem Film, bzw. von der Geschichte gehört und das klang schon sehr dramatisch. Dann habe ich den Trailer im Kino gesehen und konnte den zu Beginn absolut nicht zuordnen, da er, soweit ich mich erinnere, doch recht humorvoll gestaltet war. Da war ich absolut verwirrt irgendwie :D Dein Text liest sich jetzt aber nicht unbedingt so als wäre der Film stellenweise witzig, von daher werde ich ihn mir bestimmt nochmal ansehen :)
    TRASH / Jana /whatever :D

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  2. Boah, wenn ich an die Szene zurückdenke, als er sich.. da schaudert es mich immer noch! Kein Film, den ich mir nochmal ansehen würde. Nicht, weil er schlecht war, sondern weil ich nicht nochmal durch dieselben Höllen gehen will wie der Protagonist..

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