22.04.11

Film•Peteback: Dogtooth

Yupi Yupla Karapata! Zeit für ein neues Peteback :)
Heute behandeln wir einen Film der;
Erstens: Auf den ersten Blick irgendwie komisch ist
und zweitens: Auf den zweiten auch...

Ich präsentiere daher in gewohnter Weise
 Dogtooth
"Dogtooth" ist eine Drama von Yorgos Lanthimos, einem griechischen Regisseur über einen Mann, der seine Kinder und seine Frau auf dem eigenen Grundstück gefangen hält bis die Kinder erwachsen sind.

Trailer liebe Freunde:

Filmfakten:
Originaltitel: Κυνόδοντας (Kynodonatas)
Deutscher Titel: Dogtooth
Originalsprache: Griechisch
Erschienen: 18.05.2009
Länge: ca. 96 Minuten
Regie: Yorgos Lanthimos

Wo fängt man bei dem Film am besten an...?
Die Abschottung von der bösen Welt, der Rückzug ins Private und die totale Isolation ist für Diktaturen oft der letzte Weg, um das Unrechtsregime gegen das Gift des Niedergangs zu wappnen. Das kann man derzeit im Iran ebenso beobachten wie in Nordkorea. In Giorgios Lanthimos verstörendem Film "Dogtooth", der in Cannes den Hauptpreis der Reihe "Un certain regard" erhielt, ist die Diktatur, um die es dabei geht. Eine private, die die Mitglieder einer Familie vor den Anfechtungen der Außenwelt beschützen soll.
Kaum etwas erfährt man über die Familie, um die es in diesem Film geht. Weder fallen der Namen des Vaters (Christos Stergioglu), der Mutter (Michelle Valley) oder der drei nahezu erwachsenen Kinder (Aggeliki Papoulia, Mary Tsoni und Hristos Passalis) noch den Wohnort. Und ebenso wenig erklärt wird das seltsame Verhalten der Eltern, die ihre Kinder in einer Art Gefangenschaft halten. Um ihre Kinder von allen schädlichen Einflüssen der Außenwelt abzuschirmen, dürfen die Kinder das Haus nicht verlassen. Sie lernen über Kassetten eine eigene Sprache, die nahezu allen Dingen neue Namen und Bezeichnungen gibt, z.B "Zombie" ist eine kleine gelbe Blume. Gemeinsam vertreiben sich die Kinder die Zeit mit merkwürdigen, teils perversen Spielen wie "Wer kann länger am Chloroformlappen riechen ohne in Ohnmacht zu fallen" oder Doktorspielen. Und sie leben in der Hoffnung, das Gefängnis verlassen zu dürfen, wenn sie einen Eckzahn verlieren, den sogenannten Hundezahn – so wurde es ihnen von ihren Eltern versprochen.
Der Vater ist der einzige der das Gelände des Familienhauses verlassen darf und kann weil er das Auto fahren kann. Auf Anfragen nach der Familie lügt er, dass seine Frau im Rollstuhl sitzt und einer Lebenskrise erliegt und das Haus nicht mehr verlässt. 
Die einzige Verbindung zur Außenwelt besteht in Christina, einer Sicherheitsangestellten in der Firma des Vaters, die sich dazu bereit erklärt hat, den erwachenden sexuellen Regungen des Sohnes Abhilfe zu schaffen. Doch was als Triebabfuhr und –regulierung gedacht ist, untergräbt langsam das Gefüge der Familie. Denn durch Christina bahnt sich die Außenwelt den Weg in den Familienverbund. Und als Christinas Besuche enden, suchen die "Kinder" nach einem Ausweg aus der Gefangenschaft. Denn obwohl sie kaum etwas von der Welt da draußen wissen, spüren sie, dass ihr Leben kein normales ist...

"Dogtooth" wirkt auf der einen Seite beklemmend und auf der anderen Seite rätselhaft. Charakteristisch für den Film sind dabei die starren Kameraeinstellungen, der emotionale Kälte und Regungslosigkeit, mit der der Film vom Inzest unter den Geschwistern, von der radikalen Unterwerfung der Kinder unter den Willen der Eltern, von Manipulation und seelischer Grausamkeit in ihrer perfidesten Form nüchtern berichtet, der grimmige Humor, der immer wieder die Absurdität der Situation in grotesken Szenen einfängt. All dies ist eigentlich denkbar spröde eingefangen und übt doch eine ganz eigene Faszination aus, der man sich nicht entziehen kann.
Ich muss zugeben das ich den Film erst unterschätzt habe und ich ihn hab laufen lassen, während ich PlayStation 3 gespielt habe. Doch schon nach den ersten 20 Minuten war Battlefield: Bad Company 2 passé und ich hab mich voll auf den Film konzentriert.

Wie schon gesagt wirkt der Film sehr perfide und verstörend und das ist der Reiz daran. Meine Reaktionen gingen von Erstaunen, über Entsetzen, über Verwunderung, über Verständnislosigkeit bis hin zu Ekel und Belustigung. Die Charaktere sind so unglaublich uneinschätzbar und die Handlungen die sie als nächstes treffen nicht vorhersehbar. Zum Beispiel hat der Sohn etwas falsch gemacht und die ältere Tochter rennt ins Haus um es der Mutter zu sagen. Ihr Bruder rennt ihr natürlich hinterher um sie aufzuhalten. Als er im Haus ankommt taucht seine Schwester um die Ecke mit einem Messer auf und schneidet ihm eine tiefe Wunde in den Arm. Daraufhin wird sie von der Mutter verprügelt.
Nach dieser Szene war ich erstens überrascht und zweites entsetzt, weil ich so etwas von den Kindern die so wohlerzogen scheinen, nicht erwartet hätte. So viel zum Thema "stille Wasser sind tief".

Der Film ist aber kein wirklich Thriller und auch kein Horrorfilm. Es wird einem zu keiner Zeit Angst gemacht, sondern es wird Spannung erzeugt. Die Spannung wird einfach damit erzeugt, dass sich der Zuschauer fragt, was wohl als nächstes passieren wird.

Merkwürdiger Weise ist "Dogtooth" stellenweise lustig, obwohl der Humor doch eher von der schwarzen Seite ist. Ins Lachen wird man vermutlich nicht verfallen, aber Schmunzler konnte ich bei mir schon feststellen. Zum Beispiel bei der Szene wo die Kinder draußen die Zeit totschlagen, bis der Vater den Kindern erzählt das ein Flugzeug im Garten abgestürzt ist. Die Kinder rennen sofort los weil, wer das Flugzeug findet darf es behalten. Es handelt sich dabei allerdings nur um ein Spielzeug.
Eine andere Szene ist die, wo die Familie auf der Terrasse das Bellen übt um Katzen zu vertreiben, die nach Aussage des Vaters die gefährlichsten Tiere der Welt sind und ihren Bruder getötet haben der das Haus schon verlassen hat, den sie Kinder aber nie gesehen haben.
An einem Abend fragt der Vater die Kinder ob sie ihren Großvater singen hören wollen. Er legt eine Platte in den Plattenspieler und Frank Sinatras Version des Jazzklassikers "Fly Me To The Moon" erklingt. Der Vater sitzt dabei am Plattenspieler und übersetzt für die Kinder das Englische ins Griechische. Wer das Original kennt muss nun lachen, weil der Vater das Lied in eine Lobeshymne auf die Gehorsamkeit der Kinder und die Wichtigkeit der Familie umwandelt.


"Dogtooth" war ein Film wo ich mal wieder im Nachhinein überlegt habe, was ich von ihm halte. Und nach reichlicher Überlegung fand ich ihn doch ziemlich gut für das was er darstellen möchte. Es ist kein Blockbuster, aber ein Film den man sich mal gönnen kann, wenn man Lust auf was Außergewöhnliches hat, wo der Zuschauer komplett im Dunklen gelassen wird, was die Handlungen und die Intentionen der Darsteller angeht.
Ich spreche jeden eine Empfehlung aus, der auch den Film "The Village - Das Dorf" gut fand, denn "Dogtooth" schlägt da in eine ähnliche Kerbe um eine geschaffene Welt, in einer Welt, die viel zu schlecht ist um Kinder in ihr aufwachsen zu lassen.

Dieses mal verabschiede ich mich mit einem mulmigen Gefühl ob diese Kritik nun Sinn gemacht hat. :D
Wie auch immer. Ich empfehle mich und geh nun ein paar Zombies pflücken. Tschödeldö!

Kommentare:

  1. Ich denk, die Kritik hat sehr viel Sinn gemacht, der Film klingt in meinen Ohren sehr interessant und ich werd ihn mir direkt mal auf meine "Muss ich mal gesehen haben" Liste packen. :D
    Ich danke fuer diese hilfreiche Kritik. :3

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  2. http://suppenhuhn112.blogspot.com/2011/06/ich-habe-ein-neues-narkosemittel-wer.html

    Ich fand den Film stellenweise auch echt witzig.. Was man dem Film allerdings zugute halten muss: Ich weiß endlich was ein Zombie ist.

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