06.07.11

Film•Peteback: Goodbye Bafana


So mal wieder Peteback-Zeit :)
Heute geht es mal um einen Film der;
Erstens: Politischer ist als alle andere Filme die ich bisher vorgestellt habe
und zweitens: Um eine große Persönlichkeit der Menschenrechtsbewegung geht.

Ich präsentiere
Goodbye Bafana
"Goodbye Bafana" ist ein Filmdrama von Bille August aus dem Jahr 2007, basierend auf den Memoiren von James Gregory, dem Gefängniswärter der für Nelson Mandelas Bewachung verantwortlich war.

Trailer

Filmfakten
Originaltitel: Goodbye Bafana
Deutscher Titel: Goodbye Bafana
Originalsprache: Englisch/ Xhosa
Erschienen: 2007
Länge: ca. 140 Minuten
Regie: Bille August
Drehbuch: Greg Latter
Produktion: u.a. Iiann Girard, Andro Steinborn, David Wicht

Auch der letzte Zuschauer dürfte mitbekommen haben, wie die Story um Nelson Mandelas Gefängnisaufenthalt endete und er vier Jahre nach seiner Entlassung zum ersten in freien demokratischen Wahlen gewählten Präsidenten von Südafrika wurde. Stattdessen stellt August einen weißen Rassisten in den Mittelpunkt seines Films, der (nach heutigem Schlagwort gemäß) Mandela für einen Terroristen hält und ihn mit harter Hand bewachen soll. Seine Wandlung vom linientreuen Apartheidsanhänger zum verständnisvollen Demokraten wird in „Goodbye Bafana“ nacherzählt.

James Gregory hat es wirklich gegeben, und er hat auch über seine Erlebnisse mit Nelson Mandela ein Buch geschrieben. Dies bildete die Ausgangsbasis für das Drama, welches der Regisseur von „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ und „Das Geisterhaus“ hier inszeniert. Im Zentrum steht die Familie des Gefängniswärters aus der Unterschicht. James (Joseph Fiennes) und seine ehrgeizige Frau Gloria (Diane Kruger) ziehen mit ihren Kindern auf die Gefängnisinsel Robben Island vor Kapstadt, wo James, der fließend Xhosa spricht, weil er auf dem Land aufgewachsen ist, wo er einen schwarzen Freund hatte, der Bafana hierß. Er soll die Gespräche Mandelas und der anderen ANC-Gefangenen überwachen und zensieren soll. James erstattet dann direkt ins Hauptquartier des Geheimdienstes in Pretoria Bericht. Der erste zögerliche Wandel setzt ein, als James nach Prätoria berichtet, dass Mandelas Sohn den Führerschein gemacht hat und mit seinem Auto auf Fahrt geht. Was eigentlich als reine Familieninformation gedacht war, bereitet James Kopfschmerzen, als Mandelas Sohn unter mysteriösen Umständen mit dem Auto verunglückt. Dem linientreuen Wärter kommen die ersten Fragen über die Machenschaften seiner Regierung, die sich in Gesprächen mit seinem Gefangenen noch verdichten. Doch zu nahe darf James dem ANC-Führer auch nicht kommen, denn die finanzielle Grundlage und die Zukunft seiner Familie stehen auf dem Spiel.

Genau darin liegt die emotionale Dichte von „Goodbye Bafana“. Sehr nachvollziehbar und detailliert beschreibt Bille August James’ Wandel, der eben auch Auswirkungen auf seine Frau Gloria hat, die wesentlich stärker als er nach den Apartheids-Grundsätzen erzogen wurde. James kann man eher als einen Mitschwimmer sehen. Er scheint voll und ganz hinter dem Regime zu stehen, doch schon ein kleiner Kontakt mit Mandela genügte um ihn allem zweifeln zu lassen, wofür er Jahre lang einstand. Dazu kommt der Bezug zu seinem Kindheitsfreund Bafana hervor. Man merkt wie sich James sich mit Mandela anfreundet und seinen Freund auf jemanden überträgt der ihm einen neuen Weg und ein neues Denken ermöglicht hat. Zur Freilassung Mandelas schenkt James ihm ein Geschenk das er einst von Bafana bekommen hat. Auch der Satz "Lebwohl Bafana" bezieht sich doch eher auf die Freilassung Mandelas, als auf seinen Kindheitsfreund. Denn als Kind musste James Bafana verlassen und nun ist es mit Mandela ungekehrt.
Diane Kruger (Das Vermächtnis der Tempelritter, Troja) verkörpert diese starre und karrierebezogene Frau absolut glaubhaft und zeigt religiöse Strenge und Verletzlichkeit einer Frau, die vor allem die Sorge um Status und Auskommen der Familie bewegt. Noch langsamer vollzieht sich die Abkehr von rassistischen Prinzipien, aber auch noch eindrücklicher.

Auch wenn der Film von James Gregory handeln soll, ist er doch als deutliche Hommage an Nelson Mandela zu verstehen. Natürlich hat ein Mann wie Mandela ein filmisch größeres  Denkmal verdient. In „Goodbye Bafana“ lässt ihn das Drehbuch trotz einer absolut hervorragenden Leistung von Dennis Haysbert („24“, Heat) stets distanziert und etwas stoisch wirken. In jeder seiner Szenen dominiert er durch heroische Zurückhaltung und Besonnenheit, auch wenn er eigentlich der Gefangene ist, der 21 Jahre lang nicht mit seiner Familie in einem Raum war oder den Tod seines Sohnes verarbeiten muss. Man findet keinen rechten emotionalen Zugang zur Figur, die die Erzählstruktur auch für die Gregories bestimmt.

Zum Schluss bricht „Goodbye Bafana“ dann leider auch einen seiner eigenen Vorsätze. „Was wir auf keinen Fall wollten, ist, dem Film einen melodramatischen Beigeschmack zu geben“, sagte Bille August in Berlin. Ohne den Schluss en detail vorwegnehmen zu wollen: Der Zuschaer kann sich da auf einige komplett gekitschte und seifenopernartige Einstellungen gefasst machen. Zu sehr will der Regisseur seine Zuschauer versöhnen und dem großen Freiheitskämpfer ein eingängiges Denkmal setzen. Ein gelungenes Portrait über Nelson Mandela und seinen Gefängniswärter ist „Goodbye Bafana“ trotzdem geworden. Vielleicht ist er kein must-see für alle Filmfans, aber interessant anzusehen ist das emotionale Drama sicherlich.

 In dem Film gibt es eigentlich keine Stellen über die man lachen oder schmunzeln könnte. Trotzdem musste ich unweigerlich schmunzeln, als James von seinem Vorgesetzen zusammgestaucht wird, weil er zugelassen hat, dass Mandela seiner Frau Schokolade zu Weihnachten schenkt. Er dramatisiert dabei so dermaßen und wirft mit zynischen und sarkastischen Kommentaren um sich, das ich nicht anders konnte als mir ein kleines Lächeln aufzusetzen. Das wird sicher nicht bei jedem funktionieren, aber das ist nunmal mein Humor. Sehr authentisch wirkt hingegen das Gefängnis. Bille August entwirft trotz des isolierten Spielraums eines Gefängnisses ein breites Bild des Apartheid-Terrorsystems, das die Afrikaner im Namen von Rassismus und Ignoranz knechtete. Gleichzeitig bemüht er sich darum, Licht ins Dunkel des Erkenntnisprozesses zu bringen, mit der ein Umdenken vom Rassismus zur Toleranz möglich wird. August umhüllt die Ausführungen mit einer Familiengeschichte, die ihr Leben vermeintlich in Freiheit und doch hinter Mauern lebt. Die Gefangenen wirken gebeutelt und die Wärter dazu noch erbarmungslos, ohne jedes Mitgefühl.

Zum Schluss empfehle ich "Goodbye Bafana" allen die auf seichte Dramen stehen, oder mal etwas über Nelson Mandela erfahren möchten und über die Zeit und die Umstände im Südafrika der späten 60er Jahre.


Damit empfehle ich mich und sage Tschödeldö bis zum nächsten Mal! :)

1 Kommentar:

  1. Der ist unglaublich gut. Habe ihn mal vor Jahren im Kino gesehen, aber irgendwie ist er bei mir in Vergessenheit geraten. Muss ich mir unbedingt nochmal anschauen.

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