28.07.11

Samurai Champloo (Tosender Wind, Stürmische Brandung, Zarte Blüte und ein Flughörnchen)

Hallo ihr Königinnen und Könige von Neuengland!
Es gibt mal wieder in meiner eher kurzen Karriere wieder einmal eine Premiere! =)
Denn dieses Mal geht es nicht um einen Film, ein Spiel oder einen Anime...
nunja also doch schon einen Anime - aber keinen Film.
Heute verzapfe ich ne Kritik zu einer ganzen Serie! -Hier trockener Applaus-
Die Serie um die es geht ist;
Erstens: Von einem meiner Lieblingsregiesseure für Animes stammt
und zweitens: Ein sehr gutes Crossover Genre bietet :)

Ich präsentiere
Samurai Champloo

"Samurai Champloo" ist eine Anime-Serie aus dem Jahre 2004 von Sudio "Manglobe" (u.a. Ergo Proxy & Deadman Wonderland), die auch als Manga in zwei Bänden umgesetzt wurde. Sie handelt von den Erlebnissen
einer eher unkonventionellen Reisegruppe im Japan der der Edo-Zeit.



Fakten zur Serie
Originaltitel: Samurai Champloo (jap. samurai chanpurū)
Deutschter Titel: Samurai Champloo
Originalsprache: Japanisch
Erschienen in Deutschlang: September 2004
Episodenlänge: ca. 24 Minuten
Episoden der Serie: 26
Idee: Shin'ichiro Watanabe
Genre: Action, Abenteuer, Shonen, Drama, Komödie


Was man vielleicht zu erst klären sollte wär der Titel. Das Wort "Champloo" braucht da sicher Erklärungsbedarf. Es bedeutet im Großen und Ganzen so viel wie "vermischen". Es gib auch ein bestimmtes Gericht aus Okinawa, wo verschiedene Gemüsesorten vermischt und gekocht werden.
Im Allgemeinen kann man sagen das "Samurai Champloo" verschiedene Kulturen aufnimmt und zusammenwürfelt und schaut was dabei rauskommt. Dabei trifft vorallem Hip Hop auf die japanische Kultur, diese aber auch auf die Kultur der westlichen Welt im allgemeinen.

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Ich würde sagen ich erleutere erst einmal ein bisschen den Plot, damit man mal sieht was diesen Anime eigentlich ausmacht. Entgegen allen Vermutung wie die erste Folge einer Serie beginnen könnte, geht "Samurai Champloo" auf ganze und lässt in der ersten Szene zwei der drei Hauptprotagonisten hinrichten. Tja und damit hats sichs auch schon.

Das junge Mädchen Fuu arbeitet in einem Teehaus und wird von den freundlichen, alten Ehepaar behandelt wie ihre eigene Tochter, da sie ihre Eltern schon früh verloren hat. Dort wird sie aber oft  von den Kunden angepöbelt, wie auch in der ersten Episode. Sie lässt so etwas mit sich geschehen, da sie das Geld benötigt, um sich auf die Reise zu machen und den "Samurai, der nach Sonnenblumen duftet" zu suchen. Im weiteren Verlauf der Serie erfährt man mehr über die Hintergründe und Fuu's Beweggründe, aber so viel sei gesagt, es hat mit Rache und einem langen Familienproblem zu tun In der ersten Folge ist Fuu allerdings mal wieder ungeschickt und kippt dem Sohn des Landvogts, der gerade im Teehaus die Zeit totschlägt über den Kimono, das bedeutet eine schmerzhafte Strafe für unsere junge Freundin. Zu ihrem Glück ist ein gesetzloser Vagabund auch im Laden, der eigentlich nur Wasser wollte, welches Fuu ihm aber nicht geben durfte. Dieser will Fuu (welche in Gefahr schwebt ihre Finger zu verlieren) nur helfen, wenn er dafür Essen bekommt. Fuu willigt ein und Mugen fängt an sich mit dem Unruhestifter und seinen Gefolgsleuten anzulegen. Während Mugen gerade voll in seinem Element ist, betritt Jin, ein Ronin, also ein gesetzloser, vagabundierender Samurai,das Teehaus.
Zwischen den beiden entfacht ein so heftiger Streit, dass am Ende dabei das ganze Teehaus zerstört wird. Mugen und Jin werden verhaftet und sollen hingerichtet werden, doch Fuu rettet ihnen das Leben - allerdings nur unter der Bedingung, dass sie ihren Kampf erst austragen werden, nachdem die Suche nach dem "Samurai der nach Sonnenblumen duftet" beendet ist. Da beide auch ein gewisse Art von Ehre haben und Fuu sie vorm Tode bewahrt hat, begleiten sie sie, wobei sie bei der Suche nach dem 'Samurai, der nach Sonnenblumen duftet' als mehr oder minder gute Bodyguards fungieren sollen. Des Weiteren begeben sich die drei auf eine Reise durch halb Japan, die sie mit kleinen Jobs oder Wettkämpfen finanzieren. Wobei es aber immer wieder darauf hinaus läuft, dass sie in total absurde Situationen geraten, zwischen Fronten geraten, sich verlieren, aber trotzdem am Ende wieder gemeinsam weiterziehen. Das hängt vorallem mit den komplett unterschiedlichen Charakteren zusammen, wobei man sich da fragt, wie sowas gut gehen kann.

Man sollte sie daher eher als eine Notgemeinschaft sehen, die doch irgendwo freundschaftliche Gefühle für einander hegen. Jedenfalls erleben sie auf dieser Reise einige Abenteuer. Fuu wird dabei einige Male entführt oder als Geisel gehalten. Einerseits sind Mugen und Jin genervt von der jungen Frau, doch andererseits schweißt sie diese lange gemeinsame Reise wie gesagt zusammen. Auf ihrer Reise begegnen sie zahlreichen weisen oder auch merkwürdigen Menschen, durch die sie nach und nach reifen. Man kann sich freuen auf das Treffen mit einem schwulen Holländer, einem rappen Patchwork Familienvater der die großen Samurai töten will, einer blindern Schwertkämpferin, einer geheimen Gruppe von Christen, auf ein Baseballspiel, auf Graffitti-spayende Zwillinge, kiffende Mönche und eine Horde von Zombies freuen. Das klingt doch sehr prickelnd oder nicht? =)

Ich denke mal die ganze Sache wird noch ein bisschen interessanter wenn man ein wenig mehr über die Charaktere weiß. "Samurai Champloo" arbeitet aber nicht mit sehr tiefen Charaktermodellen, sie sind eher Oberflächlich, aber dennoch interessant und man erfährt nach und nach immer mehr über die Vergangenheit der Drei und das ist eigentlich das wirklich interessante.

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Fangen wir mal an mit Mugen:
Mugen ist auf Okinawa Honto geboren, einer Insel im Ostchinesischen Meer. Mugen ist über die Maßen unfreundlich und vorallem egoistisch, aufbraused und leicht reizbar, sodass er den Leuten, also auch Fuu und Jin, öfters mal Ärger einbrockt. Er ist ungebildet und kann nicht lesen, was im Japan der Edo-Zeit nichts ungewöhnliches für die normale Bevölkerung ist. Er ist nunmal ein einsamer Wolf, ein Einzelkämpfer, eigentlich nicht geschaffen um sich in einer Gemeinschaft zurecht zu finden...erinnert mich ein wenig an Dr. House wenn ich ehrlich bin...hm. :DSein Erscheinungsbild ist lässig und eher aus der Not heraus zusammengewürfelt als zweckmäßig. Es erinnert ein wenig an die Hip Hop Mode. Kurze Hose, Unterhemd und eine dünne, rote Weste und Holzschuhe. Mehr braucht er nicht. Außerdem ist er wie es scheint an beiden Handgelenken tätowiert, was aber nie zur Sprache kommt wieso und was es bedeutet. Seine Klamotten sind im Sinne seiner Kampfkunst doch zweckmäßig. Dieser wirkt vorallem unkonventionell und hat nichts mit der hohen Schwerkampfkunst aus Japan zu tun. Es erinnert eher an eine Mischung aus Capoeira und Breakdance, was ihn aber dennoch zu einem gefährlichen Kämpfer macht. Sein Name bedeutet so etwas wie "Unendlichkeit" was stimmen könnte weil die Schriftzeichen in seinem Namen mit denen aus dem Wort "Unendlichkeit" übereinstimmen
Undlichkeit = 無限 ムゲン
Mugen = ムゲン

Nun gehts um Jin:
Jin ist ein Ronin, ein gesetzloser, vagabundierender Samurai. Im Gegensatz zu Mugen ist er in einer Schwertkampfschule aufgewachsen. Er beherrscht die hohe Kunst des Schwerkampfes, kann lesen, ist gebildet und hat auch einen Sinn für Kultur, da er ein sehr gute Shogi (japanische Art von Schach) spielt und einen andere Auffassung von Ehre als Mugen hat. Er spricht immer sehr ruhig und bedacht und scheut peinliche Situationen. Außerdem wirkt er gegen über Frauen etwas schüchter, nicht wie Mugen der ein echter Frauenheld ist und jeder hübschen Frau nachläuft. Seit dem Showdown im Teehaus haben sich Mugen und Jin geschworen, sich gegenseitig zu töten. Er besitzt ein sehr schön gearbeitetes Schwert und einen schön gearbeiteten Kimono in schwarz und blau. Außerdem trägt er, für das Japan der Edo-Zeit eher und vorallem sehr unüblich, eine Brille mit einem festen Gestell. Das macht ihn schon sehr einzigartig, weil die Brille anscheinend viel Wert ist. Jin kennt die Lehre des Bushido und des Zen-Buddhismus und versucht nach bestem Gewissen danach zu handeln, was in der Gruppe mit Fuu und Mugen doch nicht immer leicht fällt. Er ist ein Aussetziger Samurai nachdem er seinen Meister getötet hat und wird vorallem von den ehemaligen Schülern des Dojos verfolgt, weil diese Rache für ihren Meister nehmen wollen.
Sein Name bedeutet den Schriftzeichen zufolge so viel wie "Wohlwollend".

Kommen wir zu Fuu:
Fuu ist so gesehen der Hahn im Korb. Oder besser die Henne. Denn Fuu ist ein normales ca. 15-Jähriges Mädchen das alleine mit zwei Schwertkämpfern umherzieht. Sehr normal...Sie hat einen eher positiven, vertrauensvollen und offenen Charakter, ist aber gleichzeit tollpatschig und zieht totz ihres bedachten Handels unangenehme Situationen magisch an. Ihre Mutter ist an einer Krankheit gestorben und ihr Vater hat die Familie schon früh im stich gelassen. Fuu ist gut darin für sich selber zu sorgen, weil sie ohne einen Vater und mit einer kranken Mutter aufgewachsen ist. Man kann sagen, das sie der gute Geister der Gruppe ist. Immer wenn Mugen und Jin sich an die Gurgel gegen, oder was ungesetzliches vorhaben, werden sie von ihr zur Raison gerufen.
Wie schon erwähnt sucht sie "Den Samurai der nach Sonnenblumen durftet" erleutert aber nie warum er angeblich nach Sonnenblumen durftet, oder wie er aussieht. Obwohl sie die meiste Zeit genervt von ihre beiden "Bodyguards" ist und von einer Katastrophe in die nächste rutscht, mag sie die beiden Streithähne doch sehr gerne und sagt auch selbst, das sie hofft das die Reise nie zu Ende geht.
Fuu ist echtess Mädchen. Sie ist immer gestylt, liebt es zu baden und meckert rum wenn sie das mal nicht kann. Außerdem trägt sie einen rosanen Kimono mit Blumenmuster. Fuu ist aber nicht unbewaffnet, sie besitzt ein schön gearbeitetes Tanto, ein Kurzschwert bzw. Kampfmesser. Es ist auch in rosa gehalten, mit verziehrungen und anhängern mit bunten Perlen und Würfeln. Es erinnert stark an die kitschig-verzierten Handys der japanischen Mädchen. Fuu ist aber nie alleine, bei ihr ist immer ihr kleines Flughörnchen Mo-mo, dass hier und da mal Auftritte hat und ihn ihrer Kleidung wohnt.


Jetzt fragt man sich sicher: "Mh? Ein Anime von Shin'ichiro Watanabe? Der war doch auch Regiesseur von "Cowboy Bebop" oder?"
Wer "Cowboy Bebop" nicht kennt --> Hier

Ganz genau. Leider bietet "Samurai Champloo" nicht ganz die Tiefe der Charaktere und der Story wie man es aus Cowboy Bebop kennt. Es gibt keinerlei große Twists in der Story und nur wenig Entwicklung bei den Charakteren. Dennoch sich die Stilmittel und das Setting ähnlich. In "Samurai Champloo" sowie auch "Cowboy Bebop"  geht es beidermaßen um eine Notgemeinschaft von Leuten die unterschiedlicher nicht sein könnten, aber doch durch den Verlauf der Story zusammenschweißt werden. Charakteristisch für Watanabe ist die Musik und das besondere Setting. Schon bei "Cowboy Bebop" war die Musik ein wichtiges Stilmittel. Dort war es die Jazz- und Blues Musik, gemischt mit modernen Funk die ein Grundstein der Serie bildete und die Einflüsse der amerikanischen Kultur und Architektur der 40er und 50er Jahre, dort regierte.

In "Samurai Champloo" ist es ja offentlichlich der Hip Hop der sich in die Edo-Zeit eingeschlichen hat, dazu noch der westliche Kleidungsstil und Teile der Kultur. Was er auch mit eingebracht hat, sind die malerischen Hintergründe wo sich die Figuren drin bewegen, diese sind auf jeden Fall sehenswert und sehr schön ausgearbeitet und in Szene gesetzt. Die Welt an sich, wirkt immer authentisch und trifftet nie ins vollkommen Absurde ab und das ist das Wichtigste. Zudem ist "Samurai Champloo" niemals langweilig oder langatmig. Die Episodenlänge von rund 23 Minuten ist vollkommen ausreichend und vorallem gut gefüllt. Dennoch fällt in manchen Episoden doch eine gewisse Monotonie auf. Entweder wird Fuu entführt oder die Gruppe wird ungewollt zerrissen und es entstehen bis zu drei Handlungsstränge, bis alle wieder Friede-Freude-Eierkuchen-like zusammenkommen und weiterziehen könnnen. Doch es sind viel mehr die Charaktere und ihr Zusammenleben, was die Serie wirklich interessant und attraktiv macht. In jeder Episode gibt es immer etwas zu schmunzeln, doch die Ausrichtung vieler Episoden schwankt schon sehr, das es nicht zu sehr Monoton wird. Es gibt Folgen die eher auf Action abzielen, dann andere eher auf Comedy und in wieder anderen geht es um Tragik und Liebe. Man kann also nicht sagen, dass "Samurai Champloo" ein eintöniger Genrevertreter ist.

Meiner Meinung nach bietet die Serie auch einen hohen Wiederanguckwert, wobei man dann auch noch zwischen Deutsch und dem japanischen Original switchen kann. 
Es lohnt sich auf jeden Fall!

Kommen wir mal zu einem wichtigen Punkt. Und zwar der Synchronisation! Während andere Anime-Fans die Synchronisation doch schon mittelmäßig einstufen, finde ich hingegen, dass sie recht gelungen ist. Aber solche Menschen halten die deutsche Synchro sowieso immer für unnötig undschlecht. Die Stimmen passen sehr gut zu den einzelnen Personen und man kann sich sowohl die deutsche Synchronisation und auch das japanische Original ansehen, man wird dabei auf keinen Fall enttäuscht, dafür leg ich meine Hand ins Feuer. Für Mugen wurde ein echter Star am Synchronsprecher-Himmel engagiert, nämlich David Nathan. Er ist die charismatisch, deutsche Stimme von Johnny Depp und Synchronsprecher in weiteren Animes wie Wolf's Rain (Tsume) oder Fullmetal Alchemist (Roy Mustang). Für Jin wurde Markus Pfeiffer gewählt, er ist nicht weniger bekannt als David Nathan und ist die deutsche Stimme hinter Stars wie Adrien Brody, Colin Farrell und James Franco. Für Fuu wählte man Corina Dorenkamp. Im Gegensatz zu ihren zwei Kollegen ist sie eine eher unbekannte Synchronsprecherin, ist aber unter Dragonball Fans bekannt, weil sie die deutsche Stimme von Son-Goku in der frühen Dragonball Serie war.
Was bleibt mir am Ende noch zu sagen? Ach ja eine Empfehlung...
Ich empfehle "Samurai Champloo" allen, die auf großartige Schwerkampf-Action stehen, aber auch den Leuten die auf abgedrehte Animes und ein unnatürliches Setting setzen, denn bei diesem Anime kommt man auf jeden Fall auf seinen Kosten. Wer mit Samurais und Schwertkampf, Hip Hop und einer Serie die sich nicht ganze ernst nimmst, nicht so viel anfangen kann, der sollte sich vielleicht an "Cowboy Bebop" wagen, denn darauf lohnt es sich auch einen Blick zu werfen.

So damit empfehle ich mich wieder an diesem ENDLICH mal sonnigen Tag, ich geh nun ein bisschen raus und werd mal die Lage peilen. Also! Tschödeldö!

P.S.: Achja. Was haltet ihr eigentlich von so einem Crossover Genre bei Animes? Würd mich mal interessieren! :)

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