16.08.11

Film•Peteback: Das Labyrinth der Wörter

Hallo-hallo-hallo,
heute gibt es mal wieder ein nettes Peteback von mir, nachdem anderen Kroams den ich hier in letzter Zeit fabriziert habe. :D
Heute geht es mal wieder um einen Film. Und was für einen Film. Eigentlich ein Film für die Rubrik "Über den Teller gerannt". Es ist ein Film der erstens;
Aus uns unserem freundlichen Nachbarland Frankreich kommt
und zweitens; Einen meiner Lieblingsschauspieler in der Hauptrolle hat.

Die Rede ist von 
Das Labyrinth der Wörter

"Das Labyrinth der Wöter" ist eine französische Romanverfilmung aus dem Jahr 2010. Die Romanvorlage stammt von Marie-Sabine Roger und Regie bei dem Film führte Jean Becker.

Le Trailer
 

Ein paar Fakten
 Originaltitel: La tête en friche
Deutscher Titel: Das Labyrinth der Wörter
Originalsprache: Französisch
Erschienen: 2010
Länge: ca. 85 Minuten
Regie: Jean Becker

In Jean Beckers Verfilmung von Marie-Sabine Rogers Roman mimt Gérard Depardieu den sich mit verschiedenen Jobs über Wasser haltenden Germain Chazes. Mit dem Lesen hat er es eigentlich nicht so, wie er selbst sagt, und auch sonst ist er nicht der Scharfsinnigste. Über 50 Jahre lang führte er in einem kleinen Dorf in der südfranzösischen Provinz ein ruhiges und einfaches Leben. Aufstehen, Arbeiten, im Café seine Freunde und Bekannte treffen, in den Park gehen um die Tauben zu zählen, ein ganz normaler Alltag eben und wer würde ihn auch in seinem Leben stören? 

Bei seiner täglichen Taubeninspektion im Park, lernt er die 94-jährige Margueritte (Gisèle Casadesus) kennen, die ihren Lebensabend ausschließlich ihrer großen Leidenschaft, der Literatur, verschrieben hat. Bei den folgenden Treffen liest Margueritte dem aufgeschlossenen Germain Stück für Stück bedeutende französische Klassiker, wie zum Beispiel aus "Die Pest" von Albert Camus vor und eröffnet ihm so eine neue Welt, die Germain für sich eigentlich für unerreichbar erachtete. Margueritte und Germain bilden in ihrem respekt- und liebevollen Umgang miteinander das rührende Zentrum des Films, ohne ihn dabei in Sentimentalität abgleiten zu lassen. Becker gelingt eine glaubwürdige Entwicklung der Protagonisten. Der Umgang der gebildeten und kultivierten „Wissenschaftlerin, wenn man so will“, wie sie Germains Frage nach ihrem ehemaligen Beruf beantwortet, mit dem Illiteraten ist frei von jeglicher Überheblichkeit. Seine Anmerkungen nimmt sie stets ernst, mögen sie auch oft etwas unqualifiziert erscheinen und wirr, bishin zu kindlich erscheinen. Diese Empathie erklärt sich daher, dass sie das ungewöhnliche zweite „t“ in ihrem Namen ihrem Vater verdankt, der selbst seine Schwierigkeiten mit den Wörtern hatte. Marqueritte wirkt wie eine gemischt Person aus Mutter und Lehrerin und so fasst Germain sie auch auf. Er sieht in ihr das, was er selber gerne wäre bzw. hätte.

Depardieus Figur wird, neben seinem gewohnt präzisen Spiel, durch Rückblenden erschlossen, die zeigen, wie er als Kind von seiner Umwelt zurückgewiesen wurde. Angefangen von seinem Lehrer der in niedermachte, weil er eine Lese- und Rechtschreibschwäche hatte und schon als Kind eher...klein im Geiste war. Bishin zu seiner Mutter, die nicht sehr viel Liebe für ihn übrig hatte, da er auch kein Wunschkind war. Bei der Darstellung des liebenswürdigen Tölpels kommt Depardieu einmal mehr seine einzigartige Natur zugute. Germains wörtliche Ungewandtheit und sein fehlender Sinn für Feingefühl stimmt alle mal überein, mit der Grobschlächtigkeit, mit der sich dieser, nunja, Berg von Mann bewegt. Die Erscheinung Marguerittes dagegen, der zierlichen alten Dame, die Germain seiner Feststellung nach mit bloßer Hand zerbrechen könnte, steht nicht nur in Kontrast zu dem Hünen, sondern auch zu der Kraft ihrer Persönlichkeit und ihrer Lesungen und deren Bedeutung für die Entwicklung Germains.

"La tête en friche", so ist der Originaltitel von Roman und Film, meint wörtlich etwas wie „brachliegende Kopf“ und beschreibt Germains Ausgangssituation. Auch wenn er des Öfteren Hohn erntet, hat er mit seinen letztlich doch verlässlichen Freunden und mit der Busfahrerin Annette (Sophie Guillemin), die ihn aufrichtig liebt, eine gute Grundlage zum Glücklichsein. Seine Begriffsschwäche, durch die er sich gebrandmarkt sieht, und seine ihm gegenüber meist verächtliche Mutter (Claire Maurier) stehen dem jedoch im Wege.

Die über das Band der Literatur entstandene Beziehung zu Margueritte und die daraus hervorgehende geistige und emotionale Bereicherung verändern Germains Leben grundlegend. Sie ermutigen ihn, kleine Schritte ins Neue zu wagen, um schließlich die dadurch erreichbaren Schönheiten des Lebens genießen zu können. Demgemäß ist "Das Labyrinth der Wörter" in mehrfacher Hinsicht ein Liebesfilm. Neben der Liebe zu einer Sache, in diesem Fall zur Literatur, geht es um die platonische Liebe zwischen Seelenverwandten. Natürlich um die Liebe zwischen Frau und Mann und nicht zuletzt um Mutterliebe, die auch dort vorhanden ist, wo es schwer fällt, sie zu entdecken. Auch wenn der Erzählstrang der Mutter-Sohn-Beziehung einige tragische Momente enthält, die durch die Überzogenheit der Figur der Mutter freilich entschärft werden: Der Grundton bleibt der einer Komödie. Seinen Humor gewinnt "Labyrinth der Wörter" schlüssigerweise primär auf der verbalen Ebene, die von feinsinnigen Wortspielereien und amüsanten Dialogen geprägt ist. So entfaltet Jean Becker ein doch schon lebensbejahendes Plädoyer dafür, seine Möglichkeiten wahrzunehmen, und huldigt zugleich der Literatur, nicht als Selbstzweck, sondern als Weg zur einer gewissen Selbstfindung und vorallem grade der Selbsterkenntnis.


Dann empfehle ich mich nach langem mal wieder und sage Tschödeldö bis zum (baldigen) nächsten Peteback! :)

P.S: Derjenige oder diejenige die das hier liest, was hälst du von französischen Filmen und was macht die Filme so oft so besonders? Lasst ein Kommentar da ;D

Kommentare:

  1. der film hört sich interessant an.

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  2. werd ich mir mal bei gelegenheit angucken :)

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  3. danke, den werde ich haben. :) oh, ich denke da hat jeder ein anderes empfinden. :o

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  4. ich hab das buch gelesen und fand es ZAUBERHAFT!und ich kann mir keinen besseren darsteller für die hauptrolle als g.d. vorstellen! <3

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  5. ich danke dir. :)und ich denke nicht, dass es so weiter geht, aber wer weiß.. :D

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