21.08.11

Film•Peteback: Der Tintenfisch und der Wal

Hallo und Willkommen zurück in meiner schwarz-grünen Welt!
Heute gönn ich euch mal wieder einen kleinen Einblick in einem Film, wo der Titel doch mal was ganz anderes vermuten lässt, als dass, worum es im Film nun wirklich geht.
Irreführung ist doch eine tolle Sache, vorallem wenn man sich einen Film kaufen will und sich dann auf den Titel verlässt. Obwohl es doch auch langweilig wäre, wenn der Titel schon alles verraten würde, dann doch lieber den Titel subtiler als direkt machen.
So aber nun genug abgeschwofen :D
Heute gibt es einen Film der erstens; Unglaublich realitätsnah wirkt
und zweitens; Eines der besten Familiendramen darstellt die ich je gesehen habe.

Heute zeige ich
Der Tintenfisch und der Wal

"Der Tintenfisch und der Wal" ist ein Familiendrama vom US-amerikanuschen Regiesseur Noah Baumbach und basiert auf einem Originaldrehbuch von ihm selber.

Trailer

Fakten über Meeresgetier
Originaltitel: The Squid and the Whale
Deutscher Titel: Der Tintenfisch und der Wal
Originalsprache: Englisch
Länge: ca. 88 Minuten
Regie: Noah Baumbach
Drehbuch: Noah Baumbach
 Produktion: u.a. Wes Anderson


Wir befinden uns im Jahr 1986 in New York.

Bernard Berkman (Jeff Daniels) ist Akademiker und Schriftsteller, gnau so wie seine Ehefrau Joan (Laura Linney) und beide haben ihre Ehe aufgegeben. Joan hat schon seit vier Jahren eine heimliche Affäre mit dem Tennislehrer Ivan (William Baldwin) und hat gerade eine Kurzgeschichte an den New Yorker verkauft. Ihr Ehemann zehrt derweil seit Jahren, und das sehr frustriert, von dem Erfolg seines ersten Romans, befindet sich aber auch schon seit längerem in einer künstlerischen Schaffenskrise. Er versteht nicht, aus welchen Gründen seine Ehe mit Joan scheiterte und beginnt eine Affäre mit der Studentin Lili, die bei ihm und seinem Sohn zur Untermiete eigezogen ist.
Das Sorgerecht für die Söhne Frank (Owen Kline) und Walt (Jesse Eisenberg) und ihre Katze wollen sich die Eltern teilen. Der 16-jährige Walt zieht mit seinem Vater in ein neues, doch eher sparsames Zuhause, während der 12-jährige Frank bei seiner Mutter im alten Haus verbleibt. Die beiden Söhne sind traumatisiert von der Scheidung ihrer Eltern und der Vereinbarung, dass sie die Hälfte der Woche mit dem jeweils anderen Elternteil verbringen sollen. Vorallem dem jüngsten Spross der Familie macht das zerstörte Familienleben sehr zu schaffen.

Allerdings ist Frank seiner Mutter und ihrem Freund, dem Draufgänger Ivan, sehr zugetan. Der Junge, der grade am Anfang seiner Pubertät steht, beginnt bald, bei jeder Gelegenheit obszöne Wörter zu verwenden und die Masturbation als eine Art Alleilmittel für alles zu entdecken. Er fängt an, Bier zu trinken und geht auch in der Schule eifrig seinem neuen Hobby nach, was ein ernstes Gespräch mit seinen Eltern und seinen Lehrern nach sich zieht. Tss...Kinder...

Der intelligente und sexuell unerfahrene Walt identifiziert sich sehr mit seinem Vater und beginnt bald, ebenso wie sein Vater, von seiner Mutter das Schlimmste zu denken, die die Beziehung zu ihrem Liebhaber nicht mehr geheim hält und diesen mit zu sich nach Hause bringt. Walt jongliert dazu noch eher stümperhaft mit literarischen Fachausdrücken seines Vaters, um seine Mitschülerin Sophie zu beeindrucken. Mr. Berkman ist zwar ein gütiger Vater, doch so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass er die wichtigen Momente im Leben seiner Söhne verpasst. Um seinem Vater zu imponieren, gibt Walt bei einer Talentshow in seiner Schule den Song „Hey You“ der Band "Pink Floyd" als eigene Komposition aus. Walts Auftritt ist zunächst ein großer Erfolg, doch er wird danach von einem Mitschüler, der die Liedtexte von Pink Floyd kennt, des geistigen Diebstahls überführt. Rückschläge, Frustration, falsches Denken und Aussichtslosigkeit regieren. Und auch der größte Wunsch der zwei Brüder, dass ihre Eltern wieder zueinander finden mögen, erfüllt sich nicht.
Wie zwei Brüder in den Trümmern der elterlichen Ehe nach Orientierung suchen, erzählt Noah Baumbach mit einer schon glänzender Gratwanderung zwischen Drama und Komödie. Wobei das Drama eindeutig im Vordergrund steht und oft latent zu spühren ist. Das doch sehr autobiografisch Drehbuch Baumbachs, war außerdem für den Oscar nominiert. Mit gutem Grund, gelingt es doch dem Skript, die Vergiftung des Familienlebens, die ungewollte Neuordnung der inneren Hierarchie und die Unsicherheiten des Heranwachsens zu zeigen und doch viele Situationen mit einem Augenzwinkern dazustellen. Es muss ja nicht immeralles knallhart und ernst sein ;)

Klasse ist vorallem die Darstellungen von Jeff Daniels und Laura Linney, die mit sympathischen und auch unangenehmen Zügen helfen, die Desorientierung der Kids zu verstehen. Nachdem die Disharmonien bei einem giftigen Tennismatch schon am Anfang zu Tage kommt, trennt sich Joan (Linney) von Bernard (Daniels). Der ehemals gefeierte Autor und Intellektuelle zieht aus, bildet mit seinem 16-jährigen Sohn Walt eine Einheit, während sich der jüngere Sohn mit der Mutter besser zu verstehen weiß.

Die Spaltung der Familie findet ihre räumliche Entsprechung, als Walt zu seinem Vater zieht. Beide Söhne reagieren auf die veränderte Situation mit Verunsicherung. Der Jüngere sucht ein Ventil für seinen Zorn, der Ältere kopiert die arrogante Überlegenheit seines Vaters und sabotiert so die Beziehung zu seiner ersten Freundin, die er stellvertretend für seine Mutter demütigt. Obwohl er doch eigentlich am Anfang ganz andere Gefühle für sie hegt. Vermutlich ist es auch seine Frustration, dass sein Vater doch mehr Glück bei den Frauen hat ausschlaggebend. Baumbach beobachtet ohne großartige Überzeichnung. Ja er beobachtet. Und lässt dabei beide Elternteile in eine Affäre flüchten, die ihre Persönlichkeit widerspiegelt. Joan sucht Trost bei einem Tennislehrer und zeigt Reife, Bernard schläft mit einer Studentin und gibt das trotzige Kind, das sein Ego wiederaufrichten muss, weil ihn Frau und Erfolg verlassen haben. Linney hat hier die Rolle der Verantwortungsträgerin inne, während Daniels zwischen frustriertem Egomanen und einer coolem Art von Kindskopf für gezwungene Schmunzler sorgt. Es finden die bekannten Positionierungskämpfe der Eltern statt, vorallem nach dem Bruch. Und die  porträtiert Baumbach genau so souverän, wie auch die Zerrissenheit der Kinder. Am Ende reiht sich "Der Tintenfisch und der Wal", zusammen mit Alan Parkers "Du oder beide", wer den Film kennt, in die Reihe der besten Trennungsfilme ein.

Ich empfehle "Der Tintenfisch und der Wal" allen die einen soliden Film sehen möchten, mit viel Realtitätsnähe. Der Film ist durchgehend authentisch und man wird sicher nie gelangweilt sein, denn die Charaktere halten einen wirklich bei Laune und man ist gespannt, wie sich die gesamte Geschichte entwickeln wird.

Und damit empfehle ich mich wieder einmal und sage Tschödeldö und wünsche noch einen schönen Tag. ( Obwohl es gerade in Strömen regnet :-/ )

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