04.10.11

Film•Peteback: Barfuß auf Nacktschnecken

Hoi hoi aloah!
Heute gibt es ein erfrischend neues Peteback, von einem erfrischend, entspannten Film.
Und deshalb geht es auch schon los!

Ich präsentiere
Barfuß auf Nacktschnecken

"Barfuß auf Nacktschnecken" ist eine französische Drama-Komödie der französischen Regiesseurin Fabienne Berthaud. Der Film stammt von 2010 und handelt von zwei ungleichen Schwester, die doch einen sehr guten Draht zueinander finden.


Fakten
Originaltitel: Pieds nus sur les limaces
Deutscher Titel: Barfuß auf Nacktschnecken
Originalsprache: Französisch
Erschienen: 2010
Länge: ca. 103 Minuten
Regie: Fabienne Berthaud
Drehbuch: Fabienne Berthaud


Lily (Ludivine Sagnir) ist längst kein Teenager mehr, träumt aber noch immer den Traum der Kindheit und verweigert sich den langweiligen Verhaltensregeln des Erwachsenenreichs. Sie lebt im Moment, so frei wie es nur geht, sammelt Tierfelle und bastelt stetig an der eigenen Fantasiewelt. Sie sagt, was sie denkt, und tut, wozu sie Lust hat, und das ist für ihre Umwelt manchmal nur schwer zu ertragen. Kurzum: Lily ist ein klein wenig verrückt. Zu Beginn von "Barfuß auf Nacktschnecken" wird Lily mit dem plötzlichen Tod der Mutter konfrontiert, mit der sie auf einem Landhaus außerhalb von Paris gelebt hat. Dieser Schicksalsschlag ist nun nicht so sehr emotionales Problem für die abseits ihrer Traumwelt eher überrationale Lily als vielmehr der Auslöser dafür, dass sie selbst zum Problem wird. Denn das Mädchen auf dem Hof sich selbst zu überlassen scheint ausgeschlossen. So kommt ihre große Schwester Clara (Diane Kruger) aus Paris zu Lily aufs Land, erst nur an den Wochenenden, dann auf Dauer. 

Clara – man mag es geahnt haben – ist das Gegenteil von Lily. Sie hat den Anwalt Pierre (Denis Ménochet) geheiratet, die beiden leben ein geregeltes Leben und wollen eine Familie gründen. Dass Clara nun zunächst in die Rolle der Ersatzmutter gedrängt wird, sorgt naturgemäß für Konflikte. Nicht nur wollen Pierre und dessen Eltern das Sorgenkind am liebsten loswerden, auch Lily selbst bemerkt, dass sie zu einer Last geworden ist. Doch je länger die beiden Schwestern zusammen sind, desto deutlicher tritt ein anderes Motiv in den Vordergrund und löst die scheinbar klare Opposition zwischen der aufgeräumten Clara und der verrückten Lily auf. Denn auch hinter Claras Fassade der Zufriedenheit versteckt sich eine innere Unruhe. Für ihr geregeltes Leben ist sie Kompromisse eingegangen – das durchschaut niemand so gut wie die naiv wirkende, aber scharf beobachtende Lily. Und so geht es immer weniger darum, wie Clara ihre kleine Schwester zur „Vernunft“ bringt, und immer mehr darum, wie Lily ihrer großen Schwester die Absurdität des „normalen“ Lebens zeigt.

Berthaud benutzt eine Art von Porträt zweier Schwestern zur Verhandlung zwischen Normalität und Wahnsinn. Und Wahnsinn ist dabei eigentlich nicht weit hergeholt... Als Stimme der Norm tritt Claras Mann Pierre in Erscheinung, der andeutet, dass er Lily für verrückt hält  – Berthaud verbannt diese unangenehme Figur in den Hintergrund und versucht, den Blick "auf " Lily und in einen Blick "durch" Lily auf die Gesellschaft zu verwandeln. Warum beschweren sich die Nachbarn, wenn Lily das Grab ihrer Mutter auf ihre eigene Weise schmückt? Warum schimpft ihre Schwester, wenn sie ihren Körper den schüchternen Dorfjungs zur Verfügung stellt und es allen Spaß macht? Ist eine Gesellschaft, die sich über frigide und bei näherem Hinsehen absurde Prinzipien definiert, nicht schon viel verrückter, als Lily es je sein könnte? Dieses Motiv des vermeintlich Wahnsinnigen, der unsere Kultur als den eigentlichen Wahnsinn entlarvt, ist nun allerdings nichts Neues.
Zwei Aspekte machen den Film allerdings sehr sehenswert: 
Zum einen die angenehm unvorhersehbare und doch stets plausible Entwicklung der Beziehungen. Vorallem zwischen den beiden Schwestern, die sowohl der starken Figurenzeichnung Berthauds wie auch den Leistungen ihrer Darstellerinnen zu verdanken ist. Während Diane Kruger zeigt, dass sie besser ist als ihr Ruf, geht Sagnier völlig in ihrer Rolle auf – ihre Darstellung macht Lily von der durch das Drehbuch vorgesehenen Funktion als Außen der Gesellschaft zu einer Figur, die uns in Erinnerung bleibt. Zum anderen sind die Settings und Orte sehr schön, malerisch und manchmal etwas skurill, vorallem, wenn Lily ihr Versteck im Wald aufsucht, wo sie einen Baum mit Puppenbeinen geschmückt hat. Die Regisseurin teilt die Experimentierfreude ihrer Protagonistin, versucht sich immer wieder an ungewöhnlichen Blickwinkeln und findet einen filmischen Rhythmus, das merkt man schon von Anfang an. :)  Diese Stilisierung des einzelnen Moments wirkt manchmal etwas bemüht, was auf den ersten Blick schade ist, aber niemals beliebig, weil sich die Kamera der starken Geschichte und ihren Figuren bescheiden unterordnet. Häufig wird nur einen Teil der Gesichter erfasst und die Kamera muss sich immer wieder distanzieren und neu positionieren Damit ist "Barfuß auf Nacktschnecken" nicht nur wegen der lichtdurchfluteten Landschaft Südfrankreichs ein„verspielter Sommerfilm“, sondern auch, weil der Film weniger an umfassender Gesellschaftsanalyse interessiert ist, als zum Genuss seiner aufregenden Bilder und zum Kennenlernen seiner starken Figuren einlädt –  Barthauds filmischer Blick ist nicht allmächtig, sondern in der Tat verspielt und offen.
Ein Fazit ist schnell gemacht.
Dass ein Film unterhält, ist alles andere als verwerflich. Die leicht zynische Einschätzung als „Crowdpleaser“, also ein Film der vom Drehbuch her nicht so pralle ist, aber das Publikum doch unterhalten kann, deutet oft auf ein grundsätzliches Dilemma hin – solche Filme wollen ja nicht nur unterhalten, sondern zudem etwas Relevantes über das Leben aussagen. Anspruch und Wirklichkeit klaffen mal mehr, mal weniger weit auseinander. Und doch hat mich der Film doch irgendwie berührt.
Ich habe beim schauen des Films immer eine weibliche Version von Forest Gump im Hinterkopf gehabt, mit einer Protagonistin, die auf ihre warmherzige, verspielte und doch etwas unbeholfene Art und Weise, dem jungen Tom Hanks in einer seiner Paraderollen ähnelt. Und das will schon etwas heißen. 



Ich erinnere mich noch stark an das Eichhühnchen :D Einfach grandios!
Ich empfehle mich mit diesen letzten Worten also!
Bis dahin - Tschödeldö

Kommentare:

  1. Vielen Dank fürs verfolgen, der Herr! Der hier angepriesene Film verspricht - abgesehen vom Titel, der mich schaudern lässt, weil ich schonmal auf eine Nacktschnecke - barfuß- getreten bin, sehr gut zu sein! (:

    AntwortenLöschen
  2. den muss ich mir unbedingt angucken. :)

    AntwortenLöschen