08.12.11

Film•Peteback: 8 Femmes

Seid gegrüßt Regenfreunde. Ja...es regnet, ich habe Schnupfen und hab' außerdem 2 Tage frei bekommen. Immerhin :)
Heute wandel ich wieder einmal auf alten Pfaden und präsentiere ein neues Filmmitglied für die Rubrik "Über den Teller gerannt". Freut euch! ^_^

Heute präsentiere ich
8 Femmes

"8 Femmes" ist eine französische Krimikomödie mit Zügen eines Dramas und Elementen aus Theater und Musical. Der Film stammt von 2002 und ist das Werk des Regisseurs Francois Ozon, der als Vorlage das gleichnamige Theaterstück von Robert Thomas nahm.

Trailer

Fakten
Originaltitel: 8 Femmes
Deutscher Titel: 8 Frauen
Originalsprache: Französisch
Erschienen: 2002
Länge: ca. 110 Minuten
Regie: Francois Ozon
Drehbuch: u.a. Francois Ozon, Robert Thomas
Musik: Krishna Levy


Wir schreiben das Jahr 1950, kurz vor Weihnachten. Suzon (Virginie Ledoyen), die bislang in England studierte, kehrt nach Hause, in einen kleinen verschneiten Ort irgendwo in Frankreich zurück. Ihre Mutter Gaby (Catherine Deneuve) hat sie vom Bahnhof abgeholt und führt sie ins abgelegene Haus der Familie. Dort wird Suzon mehr oder weniger euphorisch von ihrer Großmutter Mamy (Danielle Darrieux), ihrer jüngeren Schwester Catherine (Lidivine Sagnier), von der Köchin Madame Chanel (Firmine Richard) sowie von ihrer Tante Augustine (Isabelle Huppert) und dem neuen Hausmädchen Louise (Emmanuelle Béart) empfangen. Lediglich Suzons Vater Marcel (Dominique Lamure) – der einzige Mann im Haus – dessen Geschäfte in letzter Zeit schlecht liefen, lässt sich nicht blicken. Als Louise ihm sein Frühstück aufs Zimmer bringen will, entfährt ihr ein gellender Schrei, denn der vermeitlich schlafende Hausherr liegt auf dem Bauch tot in seinem Bett, mit einem Messer im Rücken. Wie klassisch :)
Aus Angst, der Mörder könne zurückkehren oder sogar noch im Haus sein, um eventuelle Spuren zu verwischen, schließt Catherine das Zimmer des Toten ab. Der Versuch, die Polizei zu rufen, scheitert, weil das Telefonkabel durchtrennt wurde. Auch das Auto springt nicht an. Daher sehen sich die Frauen gezwungen, selbst den Mörder zu finden oder zu enttarnen. Durch den vielen Schnee, der das Verlassen des Anwesens unmöglich macht, wird ihnen schnell klar, dass eine von ihnen den Mord begangen haben muss...

Der Film war ein Erfolg und das nicht nur in Frankreich. Kritiker und Publikum auf der 2002er Berlinale waren begeistert und schließlich drängte dieses feminine Filmwunder der "8 Femmes" alle Wettbewerber auf die Statistenplätze, sicherte sich den silbernen Bären. Wird bei so viel Hysterie der Begeisterung der klare Blick getrübt? Keineswegs. Für uns mag nur die nicht altern wollende Legende Catherine Deneuve ein wirklicher Begriff sein, in Frankreich allerdings - und das ist natürlich Erfolgskalkül - stehen alle acht Darstellerinnen im auf dem "Walk of Fame" der französischen Filmgeschichte. Und die Idee, sie alle sich vor einer theatergleichen Kulisse ausspielen zu lassen, ist so simpel wie einmalig in der Entfaltung.

Dass Ozon sich dabei vor allem eines klassischen Agatha Christie-Szenario bedient, klingt ja nach gar nicht so viel Phantasie. Und sicherlich, was dies betrifft, würde "8 Frauen" im Vergleich mit " Die fabelhafte Welt der Amélie" ausscheiden, allerdings lassen sich die Filme nicht einfach so in einen Topf werfen.. Geht es in "Die fabelhafte Welt der Amélie" um den schrillen Traum von der Liebe, so handeln "8 Frauen" von der ironischen Zerstörung derselben unter dem unerbittlichen Terror des Matriarchats. Das klingt nach sehr viel schwarzem Humor, natürlich. So ist es auch, und noch viel mehr. Nachdem der Tote entdeckt und der aufgesetzte Schrecken verflogen ist, heißt es Vorhang auf für die schwer originelle Biester-Revue, die alles hervorkehrt, nur keine Glaubwürdigkeit. Aber dass es darum Ozon nicht geht, steht umgehend fest.

Ozoms Synthese aus überzeichneten Krimikulissen, Diven- und Neurosenshow integriert sogar Musicalelemente, die dem Eindruck nach zuerst einmal aus der Form fallen. Ich hatte auch erstmal einen kleinen "Was geht denn jetzt"- Gesichtsausdruck aufgesetzt als plötzlich Rock'n Roll Musik ertönte und sich drei Schauspielerinen zu Gesang und einem improvisierten Tänzchen verführen ließen.
Die singenden Solo- und Duettnummern der Acht überrumpeln also schon und wirken erst  mehr oder weniger deplaziert. Jede Dame darf hier ihre Galavorstellung feiern und längst hat man sich auf Ozons freche Art, so das Geschehen aufzulockern eingelassen. Das hat es aber sogar nicht nötig, denn die acht scheinheiligen Diven haben es verschärft hinter den Ohren. Nach dem Theaterstück von Robert Thomas ist jeden von ihnen zwar typisiert und klischeehaft überzeichnet, aber zum einen ist das das leicht surrealistische Konzept des ganzen Filmes und zum anderen ist es sehr vergnüglich. Es ist schon eine Spaß, wie nach und nach mit gekünstelten Theatergehabe immer neue Masken und ganze Vorhänge fallen, wie hysterische Wogen mit homosexueller (oh ja :D) Stimmung verschmelzen.


Doch vor allem gelingt es "8 Femmes", dem inszenierten Befragungskrimi immer neue, absolut wahnwitzige Wendungen zu verleihen. Kaum glaubt der Zuschauer, dem einen, neu ersponnenen Wahrheitskonstrukt nun nachhängen zu dürfen, explodiert die nächste Überraschung in Form von Anschuldigungen und neuen Tatsachen. Dramatische und komische Elemente geben sich dabei in perfekter Balance die Klinke in die Hand. Das hat zudem noch bestechend viel Stil, aber das ist nur reines Beiwerk. Denn das Originellste liegt doch darin, dass der einzige zu sehende Mann nur mit Messer im Rücken eine Rolle spielt. Hätte ihn schon der Egoismus jeder Einzelnen geschafft, so ist das intrigante Achter-Weiber-Kollektiv mit seinen ständig wechselnden Masken eine wirklich schrille und sich wundervoll schließende Krimisatire. Die Waffen der Frau sind eben doch die fatalsten...

Der Film bietet jeden Fan von französischen Filmen etwas, aber auch Musical- und Krimifreunde  werden hier auf ihre Kosten kommen, wenn man sich nur drauf einlässt. Der Film ist sowohl in der Originalsprache mit Untertitel, wie auch in der deutschen Synchronisation zu genießen. Wer allerdings weder mit Krimi, noch mit einem überzeichneten Setting etwas anfangen kann, der wird mit diesem Film wohl nicht warm werden. Ein Experiment ist es auf jeden Fall wert!


Dann wünsche ich auch hier wieder Spaß beim angucken und empfehle mich wie gewohnt!

Bis dahin - Tschödeldöö.

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