30.01.12

Film•Peteback: Liebe mich, wenn du dich traust

Lang, lang ist her da gab es mal wieder einen Beitrag zu einem Film. Aber heute geht es wieder mal los! Ich schau in letzter Zeit einfach zu wenig, oder habe zu wenig Ideen. Vermutlich liegt es irgendwie an beidem. Nun kein langes Geschwafel und los gehts mit - 

Liebe mich, wenn du dich traust

"Liebe mich, wenn du dich traust" ist eine franzözische Liebeskomödie und gleichzeitig war es das Regie-Debüt von Yann Samuell aus dem Jahr 2003. Die Geschichte dreht sich um einen Jungen und ein Mädchen, die eine gemeinsame Leidenschaft teilen und ein Leben lang ein Spiel spielen.

Trailer

Fakten
Originaltitel:Jeux d'enfants
Deutscher Titel: Liebe mich, wenn du dich traust
Originalsprache: Französich
Erschienen: 2003
Länge: ca. 90 Minuten
Regie: Yann Samuell
Drehbuch: Yann Samuell, Jacky Cukier
Produktion: Christopher Rossignon
Musik: Philippe Rombi


Zwei 8-jährige Kinder in einer belgischen Stad. Fängt schon gut an:
Julien Janvier (Gaillaume Canet) lebt im gehobenen grünen Villenviertel, Sophie Kowalski (Marion Cotillard) in der schäbigen Betonsiedlung. Obwohl sie aus so unterschiedlichen Verhältnissen kommen, freunden sich die beiden an. Sie schließen ein Bündnis, dass ein Leben lang halten wird und auf einem Kinderspiel begründet ist. Julien schenkt Sophie eine Spieldose, die als Pfand für zahlreiche Mutproben zwischen den beiden hin- und herwandert. "Top oder Flop" ist die jeweils entscheidende Frage. Wer von beiden geht weiter, wer traut sich mehr? Die Spieldose hat er einst von seiner krebskranken Mutter bekommen und ist für ihn wie ein Schatz. Den Schatz hat er nun mit Sophie geteilt. Die Jahre vergehen, Sophie und Julien sind erwachsen geworden und aus Freundschaft wird Liebe. Doch das einzugestehen trauen sie sich beide nicht. Und so spielen Sophie und Julien ihre Kinderspiele weiter, die immer extremer und existentieller werden. Nach zehn Jahren, in denen sie sich nicht gesehen haben, kommt es zur alles entscheidenden "Top oder Flop" Frage... geht das Spiel weiter oder ist die Liebe am Ende doch stärker.

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Regisseur Yann Samuell ist mit seinem ersten Kinofilm direkt ein kleines Meisterstück gelungen, welches aus der Masse hervorsticht. "Liebe mich, wenn du dich traust" ist eine nahezu perfekte Mischung aus Komödie, Drama, Romanze und Tragödie, dazu noch gepaart mit einer gehörigen Portion bitterbösem, schwarzem und auch kindischem Humor. Dieser Film hat eine recht originelle und solide Geschichte zu erzählen, ist unter anderem durch die mehr als überzeugenden Darsteller sehr mitreißend geworden und hat obendrein auch irgendwie eine Seele. Es ist eine wahre Wohltat zwischen den ganzen Special-Effect-Beladenen und meist nicht wirklich überzeugenden Blockbustern, denn wollen wir doch mal ehrlich sein, wenn es um Liebesgeschichte mit einem gewissen Flair und ner ordentlichen Portion Ideenreichtum geht, da hat Frankreich in dem Bereich einfach die Nase vorne, im Gegensatz zu dem Hollywood-Kram.

Anfänglich erinnert der Film durch seinen liebenswerten Erzählstil, der mit skurrilen Ideen und grotesken Kamerafahrten gespickt ist, stark an „Die fabelhafte Welt der Amelie“. (Ein Kracherfilm auf jeden Fall. Wer ihn noch nicht gesehen hat. Gucken!) Doch je erwachsener die beiden Protagonisten werden und je mehr sich bei den beiden eine richtige Liebe zueinander entwickelt, desto mehr ändert sich der Stil des Films. Dieser Wechsel vom Kind zum Erwachsenen zeigt der Regisseur durch einen Wandel von einer eher liebeswerten Erzählweise zur kälteren und nüchterneren Stimmung in den Bildern und der Erzählart.
 

Der Film wird immer frecher mit zum Teil wirklich schwarzen Humor. Das ist eine konsequente und kontinuierliche Entwicklung sowohl im Filmstil als auch in der Handlung und der charakterlichen Entwicklung der beiden Protagonisten. Beide haben sich bei ihrem Spiel nie um die Meinung von anderen geschert und auch nicht darum, ob sie die Gefühle von anderen Leuten verletzen. Auch haben sie in der Kindheit von ihrer Umwelt nie besonders viel liebenswerte Gefühle (außer Julien von seiner Mutter) erfahren und haben sich somit ihre eigene kleinen Welt aufgebaut und in ihr gelebt. Diese können sie aber in der Realität der Erwachsenenwelt nicht mehr aufrechterhalten. So sind beide und ganz besonders Julien, sehr egozentrisch geworden und nicht in der Lage, ihre wahren Gefühle füreinander auszudrücken. Die nicht gezeigte Zuneigung mündet schließlich in eine fanatische Abhängigkeit, in der beide nur noch verletzend zueinander sind. Ob das bis zum Ende so bleibt, wird hier nicht verraten! 

Einigen Zuschauern wird der Film auf Grund seiner vielen miteinander verwobenen Genre- und Stilrichtungen letztendlich zu unentschlossen vorkommen. Ich finde diese Mischung die Yann Samuell dort gezaubert hat, wo er ja auch am Drehbuch mitgeschrieben hat, einfach genial und mit viel Elan umgesetzt. Außerdem schafft er es, die Charakterentwicklung von Julien und Sophie glaubhaft darzustellen und immer fortzusezten. Was den Film aber vor allem auszeichnet, sind die überraschenden Ideen und Wendungen in der Handlung, mit denen man wirklich nicht rechnet. Samuell bleibt seiner originellen Linie in der Machart auch Gott sei Dank den gesamten Film über treu, denn selbst das Ende ist nicht wirklich so, wie man es bei einer normalen Romantik-Komödie erwarten würde, sondern lässt Freiraum für Spekulationen. Das ist bestimmt nicht für jeden Zuschauer befriedigend, aber mit Sicherheit sehr konsequent und äußerst originell. Übrigens ist der Soundtrack des Films genauso pfiffig wie Handlung und Erzählstruktur: Das wunderbare Lied "La Vie en Rose" kommt in zahlreichen Versionen im Film vor und gibt somit nebenbei noch ein Indiz für den Zeitverlauf von den achtjährigen bis zu den erwachsenen Protagonisten.


Fazit mal eben.
"Liebe mich, wenn du dich traust" ist ein origineller und sehr ungewöhnlicher Film geworden. Die Mischung von liebenswerter Erzählung, Liebesdrama und bitterböser Komödie, erinnert in der ersten Hälfte stark an die Liebesgeschichte um Amelie und glänzt durch den Erzählstil und die überraschenden Einfälle. Der Film ist Freunden von ungewöhnlichen Storys und gut gemachten Filmen, die eine Seele haben, auf jeden Fall zu empfehlen. Ich bin nicht sicher, ob ich diesen Film in meine Kategorie "Über den Teller gerannt" einordnen darf. Gebt mir ein Feedback dazu, wenn ihr ihn gesehen habt oder schon kennt! :)





So nun auch hier viel Spaß beim anschauen und meine Empfehlung dazu!
Bis dahin - Tschödeldö








Kommentare:

  1. Okay werd' ich doch mal ausprobieren. Alle hören Cro :O

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  2. Ich dachte ja anfangs, rein vom Titel & Cover.. Oh nein, ein Bollywoodfilm. So weit ist er jetzt schon gesunken? ;P
    Aber deine Rezension hat mich überzeugt! Der Film klingt gut!
    Uuuuuuuund: Wenigstens ist es kein schwieriges Thema... xDDD

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  3. @Pat V: Nun, Cro ist halt ein ziemlich guter Newcomer und macht vorallem Gute-Laune-Mucke, was will man mehr? :)

    @Sailor Strawberry: Wäre auch hinderlich, wenn meine Rezensionen schwierige Themen wären. Wie sollte ich dann ordentlich die Filme an den Mann oder die Frau bringen :D

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