05.01.12

Film•Peteback: O Brother, where art thou?


Gott zum Gruße. Da ich heute leider nicht das Haus verlassen kann, was ich mit der Angst begründe weggepustet oder von Hagelkörnern erschlagen zu werden, werd ich wiedermal ein Peteback machen. Irgendwie kommt es mir so vor alsob die viel zu kurz kommen in letzter Zeit. Oder liege ich da falsch?

Heute gibts nicht "Vom Winde verweht", sonder...
O Brother, where art thou?

"O Brother, where art thou?" ist eine US-amerikanische Drama-Komödie aus dem Jahr 2000. Regie führten hier die bekannten Coen-Brüder, Joel und Ethan Coen.

Trailer

Fakten
Originaltitel: O Brother, where art thou?
Deutscher Titel: O Brother, where art thou? - Eine Mississippi Odyssee
Originalsprache: Englisch
Erschienen: 2000
Länge: ca. 103 Minuten
Regie: Joel & Ethan Coen
Drehbuch: Joeal & Ethan Coen
Produktion: Ethan Coen
Musik: T-Bone Burnett, Carter Burwell

Wenn sich die Gebrüder Coen für einen Ausflug aufs Land entscheiden, kann dabei doch eigentlich nur eines herauskommen. Etwas abgedrehteres als je zuvor. Was gar nicht so einfach ist, hat man die Messlatte in puncto „abgefahrene Charaktere“ und „skurrile Story“ mit dem Kult-Vorgänger „The Big Lebowski“ doch fast schon zu hoch gelegt. Also versucht das Brüdergespann gar nicht, den Vorgänger krampfhaft zu übertreffen, sondern erzählt eine erstaunlich gradlinige, dabei aber zum Weinen komische Geschichte. Deren Story und Charaktere natürlich immer noch so weit jenseits von Gut und Böse sind, wie es nur bei den Coens gelingt.

Wir befinden uns im süden Amerikas zur tiefsten Depressionszeit: Drei Sträflinge fliehen aus einem Strafgefangenenlager. Die Landeiballade der Coen-Brüde ist eine skurrile Theatervorstellung, für den der tiefe, hinterweltlerischen Süden gerade die richtige Kulisse ist. Wer schon immer gedacht hat, dass es bei den hinterwäldlerischen Rednecks total beknackt zugeht, findet hier hundertprozentig Bestätigung. Ob unsere Helden nun einen einäugigen Bibelverkäufer treffen, einen milchgesichtigen Banditen oder einen machtgierigen Gouverneur - Debil sind sie alle im Coenschen Marlboro Country. Was auf unsere Helden ja auch durchaus zutrifft: Ulysses Everett McGill (George Clooney) ist der so selbstbewusste wie bauernschlaue Anführer der Truppe, der, obwohl selbst nicht so klug wie er von sich denkt – seine Kameraden mit schon zu hochgestochener Ausdrucksweise verwirrt. Was wiederum gar nicht verwunderlich ist. Delmar (Tim Blake Nelson) ist zwar rundum nett und freundlich, aber wohl der größten Einfaltspinsel vor dem Herrn. Und Pete (John Turturro) hinterfragt zwar ständig McGills Anführerschaft, ist aber selbst auch nicht unbedingt ein Meisterstratege, wodurch schon eine Abhängigkeit der beiden von ihrem Anführer entsteht. Zusammen sind sie die Neuinterpretation der drei Stooges, oder Dick und Doof plus einen Kumpel. Die Drei mit dem Herz am rechten Fleck sind auf der Jagd nach einem von McGill versteckten Goldschatz. Dabei verstricken sie sich in eine haarsträubende Odyssee. 
Damit wären wir auch schon beim passenden Stichwort und auch beim Untertitel des Film in der deutschen Ausgabe. Die Coen-Brüder deklarieren ihre Country-Ballade doch tatsächlich als moderne Interpretation von Homers „Odyssee“, dem zweitältesten Werk der Literaturwelt in unglaublichen 12.200 Versen. Das ist zwar ziemlicher Blödsinn, genauso gut könnten sie behaupten, „Big Lebowski“ beruhe auf der Nibelungensage, aber eine nette Idee. Denn bei den Coens ist das Augenzwinkern halt Grundvorrausetzung. Und so heißt der Held dann eben Ulysses und begegnet tatsächlich Sirenen sowie einem „Zyklopen“ (John Goodman). Dies sind letztlich nichts weiter als nette Spielereien, kleine Zitatgefechte, die selbst Literaturmuffel verstehen. Wichtig für die Geschichte selbst sind sie nicht wirklich. Diese hangelt sich von einer abgedrehten Situation zur nächsten. Das fatale Trio, zeitweilig um den schwarzen Musiker Tommy (Chris Thomas King) erweitert, wird von hinterhältigen Bauern verraten, nimmt mal schnell als die fantastischen „Suggy Bottom Boys“ eine Platte auf, die sie zum heißesten Act des Südens macht, trifft den Bankräuber „Babyface“ Nelson (Michael Badalucco), und stolpert in eine lächerliche Ku Klux Klan-Parade. Als zum Schluss der Galgen droht, kommt die große Flut ...

So richtig neu sind die aberwitzigen Situationen in „O Brother, Where Art Thou“ nicht, dafür sitzt aber jede Pointe. Politikersatire, Rassismus und früher Boygroupwahn ... all das wird der Lächerlichkeit zugetan und beschönt, immer jedoch mit einem verständnisvollen Zug um die lächelnden Mundwinkel. Die Coensche Odyssee ist eine Odyssee der Narren, für Narren und das für eine genauso närrische Welt. Selig sind hier die geistig Armen, die der grenzenlosen Beknacktheit der Welt mit Eifer und Herzensgüte begegnen. Grandios ist das Schauspielerensemble, jede Rolle wirdgepflegt auf den Punkt gebracht. Besondere Würdigung verdient dabei das Hauptdarstellertrio. Allen dreien sprüht die Schauspielfreude aus jeder Geste und jedem gedankenfreien Gesichtsausdruck. Gerade George Clooney mit fürchterlichem, schon fast aufgemalten Schnauzer nutzt seine Rolle, um genüsslich das eigene Image zu parodieren Sein Ulysses ist ein eitler Geck, der nur mit Haarnetz schläft; Clooney ist anscheinend selbst uneitel genug, um sich über diese Rezeption seiner Person lustig zu machen.

Mit „O Brother, where art thou?“ gehen Joel und Ethan Coen konsequent den Weg weiter, den sie mit „Big Lebowski“ einschlugen. Weg vom düster-schwarzhumorigen Charakterkino wie „Blood Simple“ oder „Fargo“ hin zum leichtfüßig-abgefahrenen Abenteuer. Popcornkino ist das deswegen noch lange nicht und dumm schon gar nicht. Ohne die schwermütige Last der meisten Satiren nimmt sich „O Brother Where Art Thou“ selbst keine Minute zu wichtig und gewinnt eben deshalb an Fahrt und nimmt den Zuschauer mit. Gerade im Sog der heutzutage beliebten Fäkalkomödien à la „Road Trip“ kommt diese grandiose Farce erfreulicherweise so ganz ohne Uraltklischees aus. Genussvoll zelebrieren die Coen-Brüder ihre irrwitzigen Ideen und machten „O Brother, where art thou?“ dabei zu einem der lustigsten Filme des Jahres 2000.


Fazit.
Wer des Englischen auch nur einigermaßen mächtig ist, sollte sich „O Brother, where art thou?“ unbedingt im Original angucken. George Clooney nimmt man zwar den sein Englisch zerdehnenden Redneck nicht so recht ab, aber der Südstaatenakzent der anderen Figuren ist in den meisten Szenen schon Grund genug, sich vor Lachen wegzuschmeißen.Wer sich mit einem urkomischen, schon fast Klassiker in Südstaatenoptik anfreunden kann, der wird bei diesem Film mit einem tollen Erlebnis belohnt werden. Fans vom Clooney George sind hier sowieso als Pflichtpublikum eingetragen, denn es ist wahrlich eine seiner besten Rollen. Für alle, die sich fragen, was es mit dem komischen Titel des Films auf sich hat: Dies ist eine Referenzan einen alten Filmklassiker von 1941, „Sullivans Reisen“ von Preston Sturges. In dieser Satire reist ein Regisseur inkognito als Landstreicher umher, um für sein sozialkritisches Werk „O Brother Where Art Thou“ zu recherchieren. 


So und hier auch wieder meine Empfehlung für den Film und für mich und lasst euch nicht wegwehen.



Bis dahin - Tschödeldö



Kommentare:

  1. Oh, da habe ich dich ganz falsch eingeschätzt..aber dieses Jahr klappt es bestimmt!

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  2. Die coens! Meine liebsten Filmemacher :)

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  3. Ohja nur manche sehen es mal wieder viel zu ernst :D

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  4. Der Film klingt gut! Werde ihn mir gleich ansehen :D
    Ich mag deine Reviews/Petebacks! Tolle Sache :)

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