26.02.12

Film•Peteback: Ein Tick anders (zu sein, schadet nie.)


Immer wieder Sonntags kommt das Peteback und heute bewegen wir uns nach "Suicide Club", wieder im deutschsprachigen Filmraum. Warum? Weil der Film mir echt Spaß gemacht hat.

Damit kommen wir zu
Ein Tick anderes

"Ein Tick anders" ist eine deutsche Komödie von Regiesseur Andi Rogenhagen aus dem Jahr 2011. Der Film befasst sich mit dem familiären Schicksal einer etws anderen und speziellen Familie und einem Mädchen, welches ihr Leben mit dem Tourette-Syndram meistert.

Trailer

Fakten
Deutscher Tital: Ein Tick anders
Originalsprache: Deutsch
Erschienen: 2011
Länge: ca. 90 Minuten
Regie: Andi Rogenhagen
Drehbuch: Andi Rogenhagen
Produktion: u.a. Stefan Schubert, Ralph Schwingel


Eva (Jasna Fritzi Bauer) ist eigentlich ja recht glücklich mit ihrem Leben, auch wenn ihre Familie etwas seltsam ist. Ihre Oma (Renate Delfs) sprengt ihren Staubsauger mit täuschend echten Dynamitstangen in die Luft um ihn zu "reparieren", ihr vollbärtiger Vater (Waldemar Kobus) sitzt in Schlips und Anzug im Wald auf einer Bank und schreibt Bewerbungen und übt Gespräche, ihre Mutter (Victoria Trauttmansdorff) ist eine ausgebildete Oniemanin, sprich Kaufsüchtige und Evas kleinkrimineller Onkel Bernie (Stefan Kurt) landet mit seiner alternativen Rockband auch keinen Charthit, der ihm das große Geld bringt. Daher die Kleinkriminalität. Und dann ist da noch Evas Tourette-Syndrom, das auch in ihrem sonstigen Alltag immer wieder für Probleme sorgt. Dennoch geht das Mädchen recht aufgeschlossen mit der ganzen Sache um, aber nur bis zu dem Punkt, wo es um wichtige Dinge geht. Im Kreise ihrer Familie, fühlt sich Eva aber sicher und vorallem verstanden und akzeptiert. Hier guckt keiner komisch oder macht schwachsinnige Kommentare. Zur Schule geht Eva schon lange nicht mehr, es ging einfach nicht mehr, eben halt wegen dem intoleranten Verhalten der Mitschüler. Zu Hause hat sie ihre Ticks einiger Maßen gut unter Kontrolle, wobei es daheim wohl am reduzierten Stressfaktor liegt, oder im Wald bei den Bahnschienen an dem See, wo Eva auf Naturexpeditionen geht und mit Molchen kuschelt. Die Situation ändert sich jedoch als Evas Vater ein Job in Berlin angeboten wird. Eva muss nun also ihre so vertraute Umgebung verlassen. Aber nicht mit ihr. Ein Plan muss da her und zwar schnell, denn eins ist für sie klar. Nach Berlin will sie auf gar keinen Fall.

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Man staunt schon allgemein nicht schlecht, wenn man von einem Mädchen grundlos als "Ficker", "Hure" oder sonst wie bezeichnet wird und erstrecht, wenn man auich noch eine Personalchefin einer Firma ist. Auch ist es nicht sehr sinnvoll, sich in einem Kfz-Betrieb mit einem freundlichen "Hitlergruß" vorzustellen. All das kann einer Jobsuchenden schon ordentlich die Tour vermasseln, auch wenn man selber dafür nichts kann, weil es nunmal eine angeborene Störung ist. Die sind nur in geringem Maße behandeln lässt.

Beim Tourette geht es um das unwillkürlichen Ausstoßen von Obszönitäten, begleitet von Muskelkrämpfen und auch Zuckungen. Das wird alles an einem sehr schönen Beispiel am Anfang erklärt. Der Film tut dies in einer locker-flockigen Art und Weise und streubt sich auch nicht dagegen mal über die Strenge zu schlagen, sodass Köpfe rollen. Vermutlich liegt es grade an dieser Hauptdarstellerin mit dem sonnigsten Gemüt von allen, dass hier nicht wirklich die negativen Seiten der Störung zur Sprache gebracht werden, sondern, dass man sehr selbstironisch mit den Ticks umgeht und kaum einen Hel daraus macht, dass man mal schief angesehen wird. Leute mit Tourette haben sich sowieso in ihrem Leben daran schon gewöhnt. Dabei stört es Eva auch wenig vor ein Talent Jury zu treten und einen Song zu performen, der aus ihren Ticks und der Band frei entstanden ist. Wen das interessiert, darf gerne mal bei Youtube danach suchen. Wohl ist dieser Film vielmehr dem jüngeren Publikum zuzuordnen, bei all den eingespielten Gags und der...sagen wir oberflächlichen Story.
Jasna Fritzi Bauer macht hier als junges Mädchen mit "Schluckauf im Gehirn", wie sie es selber nennt allerdings noch die beste Figur. Das sie so offen mit ihrer Krankheit umgehen kann, liegt an ihrem sonnigen Gemüt und an ihrem lebensfrohen Temperament und das sie stehts darauf achtet im Einklang mit der Natur und ihrer Umgebung zu sein.
Ähnlich wie die Figur der Lily im französischen Drama "Barfuß auf Nacktschnecken", über den ich ja schon etwas geschrieben habe. Es liegt aber vor allem an ihrer ebenso merkwürdigen wie auch an ihrer liebenswert-verrückten Familie. Vater, Mutter, Großmutter und Onkel haben selbst so viele Macken, dass ein paar Schimpfwörter kaum ins Gewicht fallen und sie sich also niht ganz alleine fühlt. Um ehrlich zu sein, war mir die Familie nicht ganz geheuer. Wenn man es genau betrachtet, ist eigentlich der Vater noch der Normalste der ganzen Sippe. Ein Mysterium rankt sich dabei irgendwie um Evas Großmutter, die schon etwas senil und demenzkrank daherkommt, aber doch oft genug die erste Anlaufstelle für Probleme ist. Was allerdings auffällig ist der, schon etwas einfallslose Twist in Form des Unheilst, dass der Vater ein Jobangebot in einer anderen Stadt bekommt und die Familie vom verstecken, ruhigen, ländlichen Haus nach Berlin mitnehmen möchte. Das ist ja nun das größte Unheil was passieren kann, wobei meiner Meinung nach im Laufe der Handlung zwei viel schwerere Schicksalsschläge auf das junge Mädchen zukommen. Aber hey, es liegt im Auge des Betrachters.

Regiesseur Rogenhagen hat er verstanden, wie man den Zuschauer dazu bringt, sich für die Probleme und Nöte der Protagonisten zu interessieren. Das schafft er vorallem mit dem Mitte der seichten, aber wirkungsvollen Komödie, die er um einige Gags spinnt und somit eine eher nicht so spannende Story zusammen hält. Geschildert wird alles aus der Sicht der Hauptperson Eva, was auch bedeutet, das sie sich noch als die normalste der Familie sieht. Sie erzählt dann in Off-Kommentaren von den Geschehnissen von früher und von heute. Dabei wird auch in schicken inszenierten Einspielern gezeigt, was Tourette eigentlich ist, wie Eva ihre Therapeutin sieht und was so mit bösen Menschen passieren kann. Zum schreien komisch fand ich die Szene wo Eva die These aufwirft, dass Leichen im Wald in erster Linie immer von Pilzsammlern gefunden werden. Dabei hat das ganze schon Charakter von der Serie "Mein Leben und ich", wenn man die kennt. Ich vergötter diese Serie.
Dabei bleibt es aber immer offen wohin sich die Handlung entwickelt, denn irgendwie kommt es in dem Film immer anders als gedacht.

Dazu ein Fazit.
"Ein Tick anders" ist meiner Meinung nach, eine der originellsten deutschen Komödien der letzten Zeit und kann dabei mit interessanten und liebevollen Charakteren und eine schwarzhumorigen Charme punkten. Andi Rogenhagens Film ist damit einer der deutschen Jugendfilme über eine einschneidenes Problem und sollte bei Liebhabern von Komödien nicht unter den Tisch fallen. Wer 90 Minuten Spaß und eine interessante und twist-gesteuerte Geschichte erleben möchte, der darf hier gerne mal zugreifen!


Gut damit hab ich meine Arbeit getan und empfehle mich und diesen Film, ich geh jetzt ein paar Molche streicheln. :)

Bis dahin - Tschödeldö




 Bilder: http://www.profirad.de/fahrrad-tipps/wp-content/uploads/EinTickAnders_A4_300dpi.jpg
             http://www.getidan.de/kritik/film/peter_claus/33524/ein-tick-anders-ab-07-juli
             http://www.filmreporter.de/kino/46794%3BEin-Tick-anders
Fakten: http://de.wikipedia.org/wiki/Ein_Tick_anders
             http://www.kino-zeit.de/filme/ein-tick-anders

Kommentare:

  1. Ich bin eigentlich kein Fan von deutschen Komödien, aber dieser Film hatte mich schon damals vom Trailer her fasziniert. Und wenn du es empfehlen kannst, kommt er auf meine Liste an Filmen, die ich noch sehen muss.

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    1. Auf die Liste sollte er auf jeden Fall drauf :O
      Aber man muss den deutschen Komödien aufgeschlossener sein, man muss sich nur die richtigen vornehmen ;>

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  2. Ach, den Film wollte ich mir vor Ewigkeiten (also als er aktuell noch im Kino lief) mal ansehen, wieso hab ich es nicht getan? D:
    Doofes ich.

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    1. Ja, tatsächlich letztes Jahr im Altweibersommer irgendwann. Allerdings nur in wenigen, Kleinen. Jedenfalls hier in Berlin :X

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    2. Achso in solchen Kinos meinst du^^

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