12.02.12

Film•Peteback: Hugo Cabret


Hallo zusammen!
Heute wird es mal ein wenig aktueller als sonst, denn ich habe mal einen Film parat, der erst vor kurzem in die Kinos gekommen ist. Da ich der Entwicklung zum 3D-Kino immernoch eher skeptisch gegenüber stehe, war ich von diesem Vertreter des neuen Mediums doch sehr überrascht.

Ich spreche hier von
Hugo Cabret

"Hugo Capret" ist ein US-amerikanischer 3D-Film von Martin Scorsese aus dem Jahr 2011. Der Film basiert auf dem Kinderroman "Die Entdeckung des Hugo Cabret" von Brian Salznicks.

Trailer

Fakten
Originaltitel: Hugo Capret
Deutscher Titel: Hugo Capret
Originalsprache: Englisch
Erschienen: 2011
Länge: ca. 130 Minuten
Regie: Martin Scorsese
Drehbuch: John Logan
Produktion: u.a. Graham King, Johnny Depp, Martin Scorsese
Musil: Howard Shore


Die Waisenjunge Hugo Cabret (Asa Butterfield) nennt nach dem Tod seines Vaters (Jude Law) einen Pariser Bahnhof sein Zuhause. Alles, was ihm von seiner glücklichen Vergangenheit geblieben ist, ist eine mysteriöse, defekte Automatenfigur, die sein Vater einst aus dem Museum mitgebracht hat.
Hugos Alltag besteht darin, die Uhren im Gebäude aufzuziehen und sich vor dem hartnäckigen Inspektor (Sacha Baron Cohen) in Acht zu nehmen, der zusammen mit seinem Dobermann Jagd auf herumstreunende Kinder macht. Er hat die Arbeit von seinem Onkel übernommen, der seit Monaten nicht mehr in den Bahnhof zurückgekehrt ist. Sein Onkel nahm ihn bei sich auf, als  Hugos Vater bei einem Brand im örtlichen Museum ums Leben kam.Hugo Ziel ist es nun, sein Erbe zu reparieren und herauszufinden, welches Geheimnis das Roboter-Männchen mit dem Füllhalter in der Hand für ihn bereithält. Ist es eine letzte Botschaft seines Vaters? Der Junge lernt die Gleichaltrige Isabelle (Chloë Grace Moretz) kennen, die Tochter des grimmigen Spielzeugverkäufers (Ben Kingsley). Die Beiden freunden sich an und planen ein gemeinsames Abenteuer. Der erste Schritt führt sie ins Kino. Isabelle trägt eine Halskette mit einem herzförmigen Schlüssel daran. Einen solchen, der auch in das Schloss auf der Rückseite des Automaten passen würde. Sie versuchen ihr Glück...

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Eins sei vorneweg gesagt: Die 3D-Effekte in „Hugo Cabret“ sind absolut atemberaubend und der gelungenste Einsatz dieser Technik, den ich bisher auf der großen Leinwand erleben durfte. Auch James Cameron müsste da den Hut vor seinem Kollegen Martin Scorsese ziehen. Wichtig ist jedoch, dass das Werk sich deshalb keinesfalls nur auf seine aufwendige visuelle Umsetzung reduzieren lässt. Die Adaption von Brian Selznicks Buch "Die Entdeckung des Hugo Cabret" entpuppt sich zugleich als das warmherzige und fantastische Abenteuer eines aufgeweckten Waisenjungen, ähnlich einem wie beim Klassiker der Waisenjungen Oliver Twist, als auch als feurig-nostalgische Liebeserklärung an den Film und das Kino selbst.
Als die Brüder Lumière ihren Stummfilm "Ankuft eines Zuges in La Ciotat" um herum 1895 erstmals einem Publikum vorstellten, soll dieses ja in Panik vor dem auf der Leinwand herannahenden Zug angeblich schlagartig den Saal verlassen haben. Ob diese Überlieferung nun stimmt, oder nur eine spannende Ausschmückung des Ereignisses gewesen ist, sei jetzt dahingestellt. Fest steht, dass diese Geschichte auf sehr schöne Weise die Macht der bewegten Bilder auf den Punkt bringt: Sie können in Zuschauern extrem starke und direkte Emotionen hervorrufen. Auch Filmgroßmeister Martin Scorsese hat das verstanden und wendet in seinem neusten Meisterwerk ähnliche Thematiken an. Scorsese, inzwischen fast runde 69 Jahre jung, ist ein Name, den man vermutlich zunächst eher mit rauen Arbeiten wie "Hexenkessel" (1973), "Taxi Driver" (1976) oder "Good Felllas - Drei Jahrzehnte in der Mafia" (1990) in Verbindung bringt. Auch hat er sich hier wieder von Leonardo DiCaprio losgesagt, der ja in seinen letzten Werken wie "Gangs of New York", "Aviator", Departed" und "Shutter Island" immer die Hauptrolle abgegriffen hatte. Mit „Hugo Cabret“ schlägt der italoamerikanische Regiesseur nun gänzlich neue Töne an und beweist damit, dass er auch als Märchenonkel eine ausgezeichnete Figur macht und die ganz Kleinen nicht immer aus seinem Werk ausschließen muss. Als Kinderfilm kann man dieses Stück purer Magie allerdings nicht bezeichnen – zumindest nicht nur. Falls ja, darf ich mich jetzt auch nochmal zu den kleinen Jungs zählen, habe ich doch auch mit teilweise offenen Mund und einem Lächeln, staunend bis zum Ende des Abspanns auf die Leinwand vor mir gestarrt.

Es ist eine einfache Geschichte, in der viel Kraft steckt - angesiedelt in den Dreißigern des vorherigen Jahrhunderts. Auch wenn die Freundschaft der Kinder im Mittelpunkt des Films steht, fungiert der gesamte Bahnhof als Mikrokosmos, gefüllt mit weiteren Individuen. Der verliebte Inspektor ist ebenso ein Teil davon, wie die Blumenhändlerin Lisette (Emily Mortimer) oder der unliebsame Spielzeugverkäufer Georges Méliès, der auch ein legendärer Zauberer und Filmregisseur war. Letzterer erstrahlt mit seinem früheren Schaffen die Geschichte. Martin Scorseses große Kunst besteht darin, die ambitionierte Huldigung mit dem unterhaltsamen Märchen harmonisch in Einklang zu bringen.

„Hugo Cabret“ möchte nicht Unwissende vollends über die Anfänge des Kinos aufklären, dafür ist eine Romanverfilmung auch nicht da. Er möchte Jung und Alt begeistern und so vielleicht dazu inspirieren, sich selbst einmal mit dem Thema auseinanderzusetzen. Wer eine nüchtern-detaillierte Aufarbeitung der Historie sucht, ist hier falsch. Der Film ist spannend, witzig und obendrein hochinteressant. Außerdem wird einem  vor Augen geführt, was Menschen damals am Film begeistert hat und wo es sich heute hinentwickelt hat und wo es sich noch hinentwickeln kann.
Wir treffen nicht nur einen bedeutenden Künstler, sondern wir erhalten sogar kurze Einblicke hinter die Kulissen. Werden Zeugen, wie der Zauber entsteht und zwar in diesem speziellen Fall tatsächlich hautnah. Verschiedene Werke, wie der eingangs erwähnte Film mit dem einfahrenden Zug, „Ausgerechnet Wolkenkratzer“ (1923) von Fred C. Newmeyer und Sam Taylor und vor allem die Arbeiten von Méliès (unter anderem „Die Reise zum Mond“, 1902) werden auszugsweise im Original vorgestellt und dann in späteren Szenen vereinzelt referiert.
Wenn beispielsweise ein Zug entgleist und im 3D-Verfahren bedrohlich auf die Zuschauer zurast, dann erweist Scorsese natürlich den Lumières nachträglich die Ehre und ermöglicht ihrer Eingebung eine Plastizität, von der sie ihrerzeit mit Sicherheit nicht einmal zu träumen gewagt hätten.
Das damalige Publikum wäre nach diesem Eindruck wohl nicht mehr schreiend aus der Vorführung gerannt, sondern gleich einem Herzinfarkt erlegen. Man mag sich nun fragen, wie das alles mit der eigentlichen Geschichte rund um die Kinder zusammenpasst.

Da werden Stimmen laut, die der Verbindung nicht sonderlich viel abgewinnen können und lieber eine echte Biografie über Georges Méliès gesehen hätten. Doch geht es nicht auch um ein Geheimnis? Das Geheimnis der bewegten Bilder, das die Schicksale der Figuren letzten Endes feierlich in einem riesigen Saal vereinigt. In seiner Erinnerung berichtet Hugos Vater ihm immer wieder von einem prägenden Kinobesuch: Dieser sah direkt vor seinen Augen den Mond, in den eine Kugel eingedrungen ist, auf sich zukommen. Hugo kennt den Namen des Werkes nicht, aber findet eben diese Szene auf einer Zeichnung wieder. Ist das die Nachricht, auf die er so lange gewartet hat? Das Bild führt ihn und seine neue Freundin immer weiter in ein magisches Reich, mitten in der tristen Realität. Da ist Romantik, da ist Schönheit, da sind entfesselte Ideen - und da ist das Gute, das am Ende siegen wird. Das muss es.

Gesetzt hat Scorsese auf den jungen Asa Butterfield, der uns schon in "Der Junge mit dem gestreiften Pyjama" überzeugen konnte. Zwar schafft es der junge Schauspieler auch hier, gerade in den stillen Momenten, seiner Figur Ausdruck zu verleihen, gänzlich tragen kann er die Geschichte aber nicht. Dazu reicht seine Ausstrahlung nicht wirklich. Schauspieler, wie Ben Kingsley und Jude Law sind nur Nebenfiguren und Nebendarsteller und sind nicht so oft zu sehen, als dass sie Butterfield viel abnehmen könnten. Toll ist jedoch Sacha Baron Cohen als Bahnhofsvorsteher. Er darf nicht nur richtig lustig, sondern auch emotional werden. In diesen wenigen Momenten ist der Zuschauer ehrlich ergriffen.
Ein Fazit.
„Hugo Cabret“ ist wie ein Traum über einen Traum, der noch nicht beendet ist. Der Film erzählt eine mitreißende Geschichte über Kinder und einen Bahnhof und ein großes Geheimnis und bietet wunderbare Bilder und Kulissen. Alles wirkt im Bahnhof harmonisch und man wird nur selten von der allzu harten Realität eingeholt. Wer Lust auf ein Märchen mit nicht allzu viel Tiefgang hat, auf interessante Charaktere setzt und einen tollen Soundtrack erwartet, der ist hier genau richtig. Es ist auch einer der wenigen Filme bisher, der 3D-Effekte wirklich gut umsetzt und sie nicht dadurch bedient, dass einem Sachen um die Ohren fliegen. Der Film wirkt plastischer und realer auf den Zuschauer und das ist es, was 3D heut zu Tage erreichen sollte und dafür lohnt sich auch der Eintrittspreis. Der Film ist eine Hommage an den Film selbst und so sollte er auch gesehen werden. Wer nur Filme gerne nebenbei schaut, ist hier leider falsch.


Und hier wünsche ich auch viel Spaß beim Kinobesuch und empfehle mich und vorallem diesen Film


Bis dahin - Tschödeldö


1 Kommentar:

  1. Ich hab das Buch damals gelesen und fand das schon wirklich gut. Ich bin froh, dass der Film anscheinend so gut umgesetzt wurde. :-)

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