05.02.12

Film•Peteback: Suicide Club


Sonntag ist Filmzeit, ich komme diesem Motto nicht immer nach, aber eigentlich sollte es schon so sein. Jedennfalls gibt es heute nach langer Zeit mal wieder eine Review zu einem deutschen Film, die hier ja sowieso eigentlich viel zu kurz kommen. Gleichzeitig haben wir hier mal wirklich einen Film für die Rubrik "Über den Teller gerannt". Los gehts!

Heute schauen wir
Suicide Club

"Suicide Club" in eine Tragikkomödie des deutschen Filmhochschulstudenten Olaf Saumer aus dem Jahr 1999, wurde aber 2010 erst veröffentlicht. Der Film dreht sich um 5 Personen, die sich über's Internet für einen gemeinsamen Selbstmord durch einen Sprung von einem hohen Gebäude entschieden haben, wobei aber nicht alles glatt läuft.

Trailer

Fakten
Deutscher Titel: Suicide Club
Originalsprache: Deutsch
Erschienen: 2010 (1999 gedreht)
Länge: ca. 96 Minuten
Regie: Olaf Saumer
Drehbuch: Olaf Saumer, Martin Saumer
Produktion: u.a. Olaf Saumer. Till Schermbeck


Bei Sonnenaufgang treffen sich fünf Menschen auf einem Hochhausdach, um gemeinsam in den Tod zu springen. Fünf völlig unterschiedliche Charaktere. Keiner weiß von dem anderen, warum und weshalb dem Leben ein jähes Ende gesetzt werden soll. Nicht einmal die Namen wissen sie voneinander. Nur der unmittelbar bevorstehende gemeinsame Suizid verbindet alle auf eine tragische und bizarre Weise. Doch durch eine absurde Verkettung von Ereignissen, müssen sie ihren Plan verschieben und gemeinsam dort oben bis zum Abend ausharren. Einer Insel inmitten des alltäglichen Trubels der Stadt, auf der die Fünf abgeschottet ganz in ihrer eigenen Welt für sich sind. Aus gegenseitiger Distanz und Ablehnung entwickelt sich eine ungeahnte Gemeinschaft. Sie erleben einen Tag, den keiner der Fünf vergessen wird.   - Offizeller Inhalt


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Fünf Fremde, ein gemeinsames Ziel: der Freitod. Das klingt zu erst nach einem melodramtisch- bis deprissiven Filmerlebnis, denn noch bietet "Suicide Club" so eiene Höhen, seine Tiefen, seine Belanglosigkeit, aber auch seinen ganz eigenen Humor.
Olaf Saumer versucht in seinem Abschlussfilm, der an Kunsthochschule Kassel entstand, deutlich, es mehreren Fronten Recht zu machen. Aber wer versucht das heut zu Tage nicht. Das Filmpublikum ist ein deinköstiger Haufen und irgendwie muss man schon auf bestimmte Sparten und Gruppen hinarbeiten um Erfolg zu habeb. Dennoch ist es dieses unentschlossene Pendeln zwischen leichter bis seichter Tragikomödie, die ein schweres Thema das selbst in Nachrichten nur mit der Kneifzange angefasst wird und einer möglichst schmerzfreien Behandlung des Themas, dazu noch mit leicht verdaulichen Arthouse-Anleihen. Es ist aber gerede dieser Spagat der das Gesamtwerk so nichtssagend geraten lässt. Die Grundidee ist recht interessant und wird auch bemüht durchgesetzt, leider aber ein wenig an der Streckung um die ganze Handlung, um als dramaturgisch effizienter Spielfilm zu funktionieren. Das Drehbuch versucht das triste Geschehen auf dem Dach mit Leuten die eigentlich kein Interesse aneinander haben, mit stark konstruiert wirkenden Plotwendungen etwas abwechslungsreicher zu gestalten. So verkommen beispielsweise die Auftritte der Polizisten zu skurrilen Lachnummern ohne gutes Timing, den schwarzhumorigen Anteilen, was den Film eigentlich einen gewissen Pfiff verleihen sollte, fehlt es dagegen an Biss und Souveränität und auch an dem nötigen Schuss Kaltschnäuzigkeit.

Der in unregelmäßigen Abständen einsetzende Off-Kommentar des 16-jährigen Fabian (Arne Gottschling) steht Sinnbildlich für das Hauptproblem des Films, der scheinbar nicht vollends auf seine Bilder vertraut. Ohne der Handlung nur den geringsten Dienst zu erweisen oder vielleicht Hintergrundinformationen zu liefern, erzählt der Junge lediglich nach, was es auf der Leinwand zu sehen gibt und was keiner weiteren Erläuterung bedarf. Es wirkt etwas so, dass man auch die in Boot holen wollte, die nicht ganz so viel mit der Interpretation von Personen und Szenenbildern anfangen können. Statt die Bilder für sich sprechen zu lassen, werden sie zu Tode erklärt. Selbiges Schicksal erleiden die Motivationen der Selbstmörder, die lange Zeit im Dunkeln bleiben, nur um letztlich doch komplett ausformuliert ihre Wirkung einzubüßen. Innerhalb kürzester Zeit verwandeln sich die anfänglich in sich gekehrten Personen zu redseligen Zeitgenossen, die sich das ganze suizidale Gedankengut mal beim gemeinsamen Flaschendrehen (hier kombiniert mit „Wahrheit oder Pflicht“) gehörig durch den Kopf gehen lassen. Begleitet wird dieser durchschaubare Entwicklungsprozess von Dialogen, die nie ein Gefühl von Spontaneität aufkommen lassen und gerade in den extremen Gefühlsausbrüchen das Unfertige und nicht zu Ende Gedachte an der von Anfang an drastisch zugespitzten Situation betonen. Ehrlich gesagt sind die Dialoge ein wenig die Paradebeispiele, wie schlecht gesprochene Dialoge sich anhören. Ich habe es teils auf RTL in "Familie im Brennpunkt" und wie sie alle heißen, schon leider besser erlebt. Wenn sich die Gemüter dann sukzessive aufhellen, kippt die Ausrichtung des Films mehr Richtung Komödie, schlägt aber immer wieder unvermittelt und das in den richtigen Momenten ernstere Töne an, was natürlich gut ist und die Thematik in der Handlung wieder aufgreift. Es ist ein Wechselbad der Gefühle, dass mehr und mehr kalt lässt, dabei außerdem das kleine Ensemble sichtbar überfordert, das so verzweifelt wie vergeblich gegen die Schablonenhaftigkeit ankämpft. Ja man muss kein Genie sein, um die Charaktere von Anfang an in Schubladen stecken zu können.

Nun täte man Olaf Saumer Unrecht, würde man seinem "Suicide Club" jeglichen Reiz absprechen: Gerade der Anfang, der sich noch wenig für die Ausmalung der Figuren interessiert, weckt wirklich Neugier und kreiert eine stark einbindende Situation, die leider aber auch schnell ihre Ziellosigkeit zu erkennen gibt. So manche malerische Einstellung verwischt kurzzeitig den Eindruck eines besseren TV-Films und lässt Saumers filmisches Talent erahnen, dass er auch durch den sauberen Schnitt belegt, den der Regisseur wie bei den meisten seiner Produktionen vermutlich selbst machte. Etwas unglücklich dagegen sind die klischeehaften Figuren geraten, mit deren eingefahrenen Rollenprofilen der Film in keiner Weise bricht: Der verzweifelte Staubsaugervertreter, die Künstlerin mit Borderline-Persönlichkeit, die esoterisch angehauchte Mittvierzigerin, der freigeistige Kiffer und zu guter Letzt der depressive Aussenseiterschüler, der sich unbeachtet und allein fühlt. Genau die Vorhersehbarkeiten, die zu solchen Typisierungen zu erwarten sind, bedient "Suicide Club" und bietet statt stark gezeichneter Charaktere, einige zurechtgeschliffene Identifikationsfiguren, die aufgrund ihrer Stromlinienförmigkeit aber ironischerweise eher eine mögliche Identifikation ausschließen. Unterschwellig ist das Prinzip lesbar, als kritischer Kommentar zu den voranschreitenden Vereinsamungsmechanismen des Internets, in dessen Untiefen der Selbstmordpakt mutmaßlich geschlossen wurde und das alle Altersstufen gleichermaßen anzusprechen weiß. Dankenswerterweise verfällt der Film nicht in eine pathetische Überhöhung des Selbstmordes, kommt in seinen lebensbejahenden Statements über Tipps aus dem Selbsthilfeschmöker aber auch kaum hinaus.


Dann ein Fazit.
Meine Erfahrung mit dem Film liest sich in erster Linie eher negativ für den Film, das muss ich zugeben, aber es sind halt die Dinge die mir so aufgefallen sind. Dennoch muss ich sagen, dass mich "Suicide Club" doch recht gut unterhalten hat und das der Film mal eine Interessante Erfahrung war, was man als Filmstudent so zu leisten vermag, denn der Film polarisiert halt. Und das ist gut, denn es ist keiner dieser "Guilty Pleasures", sondern es gibt die, die ihn mögen und dann die Gegenseite und so baut man sich schließlich eine Fan-Gemeinde auf. Man muss den Film schauen um ihn zu begreifem, man muss sich eine Meinung bilden, denn der Film funktioniert eher im Nachhinein das man sagt "Hey, der war doch eigentlich ganz gut" und er funktioniert als Ganzes, wo die Mängel die ich aufgezählt habe nicht mehr sind, als ein Sandkorn im Schuhe das keinen stört. Wer den Trailer allerdings schon nicht gut findet, der braucht es mit dem Film gar nicht erst zu versuchen. Ist leider so, denn der Trailer gibt viel vom Film wieder.
Suicide Club ist insgesamt ein interessantes Einstiegswerk von Olaf Saumer in den Spielfilm und ich hoffe das der Mann bald noch mehr auf die Leinwand bringt!


Dann wünsche ich viel Spaß beim anschauen und einen schönen Abend!


 Bis dahin - Tschödeldö


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