11.03.12

Film•Peteback: One Week


Willkommen zum Sonntags-Peteback! Ich war etwas unschlüssig über was ich dieses Mal schreiben soll, deswegen hab ich mich, weil ich gerade so entspannt bin, für etwas leichte Kost entschieden.

Heuten ziehen wir los mit
One Week

"One Week" ist ein kanadisches Drama/Roadmovie von Regiesseur Michael McGowan aus dem Jahr 2008. Der Film ist mehr eine Art Roadmovie als ein Drama und zeigt, was einen dazu bewegen kann, eine wichtige Reise anzutreten um sich selbst zu finden.

Trailer

Fakten
Originaltitel: One Week
Deutscher Titel: One Week - Das Abenteuer seines Lebens
Originalsprache: Englisch
 Erschienen: 2008
Länge: ca. 95 Minuten
Regie: Michael McGowan
Drehbuch: Michael McGowan
Produktion: u.a. Joshua Jackson, Michael McGowan


Hat nicht jeder einmal in seinem Leben daran gedacht einfach abzuhauen? Einfach wegzufahren, wo einen keiner kennt? Neue Leute kennenlernen, das Land kennenlernen und sich selbst auch. Ben (Joshua Jacksons) hat diesen Entschluss gefasst. Der 30-Jährige ist eigentlich Lehrer in Toronto, Kanada, wobei er seinen Job allerdings nicht besonders mag. Auch steht bald die Hochzeit mit seiner Verlobten Samantha (Liane Balaban) an, denn noch wirkt Ben nicht wie ein glücklicher Baldehemann. Von seinem Arzt bekommt er dann die niederschmetternde Mitteilung, dass er eine aggressive Form von Krebs hat und das auch noch im Endstadium. Der Arzt eröffnet ihm, dass es bei dieser Form auch nur eine ca. 10%ige Heilungchance gibt und das die Behandlung sofort beginnen müsse um die Chance noch ein wenig zu erhöhen. Ben berichtet seiner Familie und Samantha von dieser Nachricht und bitte sie ihm Kraft zu geben und bei ihm zu sein. Dennoch sinnt der junge Mann über sein Leben nach und kauft schließlich spontan ein Motorrad, weil er das schon immer tun wollte. Durch diesen Kauf fasst er den Gedanken, bevor er ins Krankenhaus geht, noch einmal die Freiheit zu genießen und das ganz für sich alleine. So beginnt ein Roadtrip dirch halb Kanada.


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Ich habe den Trailer für den Film vor ca. 2 Jahren gesehen und habe beschlossen ihn auf jeden Fall zu gucken. Leider geriet das ganze in Vergessenheit, doch nun ist mir der Film wieder untergekommen, aber irgendwie war ich nicht mehr so ganz überzeugt von dem Plot und der Idee. Dennoch habe ich mir den Film angesehen...

Ich fang gerne mal mit meinem ersten Stöhner bei dem Film an und das nicht im positiven Sinne. Ben hat Krebs - Ben hat Krebs und der ist auch noch fast nicht heilbar und außerdem ist die Lebenserwartung ohne Behandlung nicht mehr so groß. Das ist schon ein klassisches Dilemma, wenn nicht sogar furchtbar klischeehaft. Mann hat nicht mehr lange zu leben und zieht hinaus in die Welt um nochmal richtig zu Leben. Das stieß mir recht sauer auf, denn das lässt einen 08/15 Plot vermuten. Regiesseur Michael McGowan hat hier eine zentrale Frage im Leben als Grund idee genommen. Diese wird sogar einleitend zum Film genannt. "Was würden sie tun, wenn sie wüssten, dass sie nurnoch einen Tag, oder einen Monat oder ein Jahr zu leben hätten?" Das ist eine klassische Frage die sich jeder im Leben mindestens einmal stellt oder sie einem gestellt wird. Die Antwort darauf, ist nicht immer die Gleiche, manche haben auch gar keine Antwort darauf. Über Ben, den Hauptcharakter dieses Films weiß man von anfang an nicht sehr viel, erst als er auf die Reise seines Lebens aufbricht, beginnt eine Charakterzeichnung und mal lernt den Protagonisten erst richtig kennen. Auf seinem schlicht geplanten, eher kurzen Ausflug in die Natur und die Kleinstädte Kanadas, wird Bens bisherige Biografie durch einen Off-Sprecher erläutert und vorallem das, was ihn im Leben geprägt hat. Bens Gedanken und Eindrücke über das was er auf seiner Reise auf dem Motorrad erlebt, wird von ihm selber reflektiert und in kurzen Einschüben, während den Motorradfahrten erzählt, oft auch übernommen vom Off-Sprecher. "One Week" wirk dabei Teilweise wie ein vorgelesen, ja sogar fast wie ein Hörbuch oder Hörspiel. Mühelos kann man während des Films den Kopf abwenden, rumliegen etc. und man bekommt trotzdem die Handlung sehr gut mit und verpasst nichts. Dennoch entgehen dem Zuschauer dann makellose Einstellungen, wenn Ben in der kanadischen Natur und Kleinstädten rastet. Dabei wirkt Ben oft wie ein stiller Beobachter und interagiert ein wenig schwerfällig mit seiner Umgebung und den Leuten.

Ähnlich wie in "Into the Wild" begegnet Ben einigen Menschen, die ihn auf seiner Reise prägen und die ihm Ratschläge und neue Sichtweisen mit auf den Weg geben. Ben provitiert nicht unbedingt von allen diesen Begegnungen, dennoch sind die Charaktere die er trifft nicht uninteressant. Auch geschied ein kleiner Austausch, dass Ben nicht nur von den Leuten lernt, sondern auch andersherum. Es gibt Weisheiten, wie Dummheiten und auch einige überzogene Begegnungen. 

Zeitweise benutzt McGowan ein Mittel das schon in "Die fabelhafte Welt der Amélie" oder "Huge Cabret" zum einsatz kam. Hier werden viele Details über die Leute die Ben trifft erläutert, ihre Vorlieben und Abneigungen, ihre Vergangenheit und auch ihre Ticks und Macken, werden zur Sprache gebracht. Dabei sind die Off-Dialoge nie so detailreich, wie in "Die fabelhafte Welt der Amélie", dennoch reichen sie aus um den Zuschauer mit genug Infos über die Menschen zu versorgen und somit für einen gewissen Charme der Erzählstruktur zu sorgen. Dabei rückt der Protagonist allerdings nie aus dem Rampenlicht, denn er soll es sein, mit dem sich der Zuschauer identifizieren soll. Man lernt Ben kennen, man versteht ihn oder auch nicht, man findet ihn sympathisch und mal nicht. Er ist ein normaler Durchschnittstyp, der auch seine Macken und Fehler hat und das will man ihn auch gar nicht übel nehmen. Das macht ihn im Endeffekt nur symapathischer, denn Ben ist nicht der typische Held in einem eher tragischen Spiel, er ist nunmal ein normaler Mensch. Ben lernt wie gesagt sehr viel und lernt sich Stück für Stück selber und seine Situation ein bisschen besser kennen und merkt mit der Zeit, dass er in seinem Leben viel zu selten auf sich selber gehört hat und das was er selbst für richtig und wichtig hält. Bei all der Erzählung und detailreichen Handlung bleibt hier und da auch noch Platz für Interpretationen, die der Zuschauer selber treffen darf. Dennoch gibt der Erzähle meist zu viele Hinweise und Aussagen, wobei das Gemeinte schon offensichtlich genug war. Vermutlich will man auch die Leute, die nicht so sehr an Interpretationen interessiert sind, noch mit im Boot behalten, was man dem Regiesseur auch nicht übel nehmen möchte.

An dem schauspielerischen Können von Joshua Jackson (Eiskalte Engel, Dawson's Creek, Fringe) ist nichts zu mäkeln. Er bringt den Charakter und auch die feinen Charakterzüge von Ben sehr glaubhaft und authentisch hervor. Anfänglich noch etwas unsicher auf seiner Reise wird er von Stadt zu Stadt immer mutiger und offener. Die Rolle scheint Jackson wie auf den Leib geschnitten zu sein und man schaut ihm gerne zu. Bens Verlobte Samantha, die von Liane Balaba gespielt wird, glänzt im Gegensatz zu Jackson eher durch Hintergrundauftritte. Ich habe sie nicht wirklich als ausdrucksstarke Schauspielerin gesehen, kann auch sein, dass der Fokus in diesem Film eher auf Ben liegen soll und nicht auf seine Freundin.

Dazu das Fazit.
"One Week" weckt ein wenig Fernweh im Zuschauer. Es werden Sehnsüchte geweckt, zu entdecken, zu sehen, kennen zu lernen, zu lieben und vorallem, zu leben! Der Film zeigt mit einer einfach herbeigeführten Grundidee, dass es nicht sehr viel braucht um sich selber neue zu entdecken und dem Leben eine ganz andere Wendung zu geben. Der Film könnte zum Umdenken und auch Nachdenken anregen, verläuft dabei aber nicht immer so draufgängerisch und auch tragisch wie "Into the Wild", mit dem man ihn vielleicht vergleichen könnte. Die Intetionen die die Hauptcharaktere für ihre Reise haben, sind aber dennoch grundverschieden. Mir hat der Film im Schnitt recht gut gefallen und hat mich auch über seine länge von etwas mehr als 90 Minuten ganz gut unterhalten, hat bei mir aber keinen großen, bleibenden Eindruck hinterlassen.
Wer einen netten, actionlosen Roadmovie sehen möchte, mit einem sympathischen Hauptcharakter und einer nicht belehrenden, aber dennoch nachdenlichen Aussage, der darf hier gerne mal zugreifen, auch wenn der Film eher etwas für Zwischendurch ist.



Bis dahin - Tschödeldö





 Bilder:  http://scottpilgrim.ning.com/forum/topics/kupek-in-one-week
             http://www.ffwdweekly.com/article/screen/film-reviews/one-week-does-canada-proud-3397/
             http://josh-jackson.net/2009/04/one-week-to-make-united-states-debut-this-month/

             http://www.impawards.com/intl/canada/2009/one_week_xlg.html

Fakten: http://en.wikipedia.org/wiki/One_Week_%282008_film%29

Kommentare:

  1. Ich könnte mich an Coraline nicht satt sehen :) aber ich bin auch mit den Ansatz, mehr aus den Techniken des Filmes zu lernen rangegangen, da konnte mir gar nicht öde werden. Ich mochte die ganzen verrückten Ideen und Umsetzungen.
    Der Comic hingegen hat sich gegen Ende gezogen und es war eine kleine Umgewöhnung von der flaschigen Henry Selick Coraline zu so einem normalen Mädchen zurückzukehren.

    Natürlich kann eine Buchverfilmung nie an das Buch heranreichen, es sei den das Buch ist wirklich schlecht geschrieben. Ich finde es schade, dass selten genau an der Buchvorlage festgehalten wird. Ich finde es teilweise richtig schön genaue Dialoge aus Büchern wiederzuerkennen, aber für die Mehrheit der Leser oder der neuen Leute wird das wohl nicht so spannend sein.

    Ich hab mich beim ersten Harry Potter Film auch so über seine Haare geärgert, aber dann im Nachhinein waren seine Haare anfangs eher Harry Potter als in den Folgefilmen. xD

    "Into the Wild" war für mich ein spannender Film, besonders das Ende war genau nach meinen Geschmack. Nicht alles endet mit einer Fahrt in den Sonnenuntergang und lauter happy Happy Ends. Das und die Aufnahmen der Umgebung haben den Film für mich wirklich interessant gemacht.
    "One Week" kenne ich nicht, aber es ist schade, dass er natürlich mit dieser Klischeesituation beginnen muss. Es hört sich nach einen netten Film an, aber nicht danach, dass sich bei dieser Anfangssituation wirklich etwas tut. Ich finde es schade, dass Geschichten immer auf dasselbe Material zurückgreifen müssen. Na klar, ist es eine Thematik, die Menschen beschäftigt, aber nach den zehnten Film wird der Beigschmack etwas fahl. Leb sein Leben, egal was passiert, du hast doch nur eine begrenzte Zeit auf diesen Planeten... tu es und du hast die Chance in Realität noch weniger als diese begrenzte Zeit zu haben. Bei viel Pech war auch noch eine Fehldiagnose deines Arztes im Spiel. Hurrah!
    Ich würde es spannend finden selbst durch die Welt zu reisen und solche Filme sind immer wieder schön anzusehen, aber leider haben sie für mich den Reiz verloren. Zwischendurch, na klar, geht alles, aber irgendwie will man doch auch Filme gucken, die einem wirklich gefallen.

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    1. Nun "Into the Wild" fand ich nun auch nicht direkt spannend, aber da wurde es ja geschafft, ohne eine tragische Lebenssituation wie Krebs auszukommen. Ob sowas auch bei "One Week" möglich gewesen wäre, ist fragwürdig. Der gesamte Film baut auf der Erkrankung auf, wobei sie während der Reise sehr in den Hintergrund gestellt wird...

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