27.04.12

Anime•Peteback: Franz Kafka: Ein Landarzt


Irgendwie kann ich es ja nicht lassen. Ich entwickle langsam einen Faible für ganz spezielle Animes und vorallem Kurzfilme, hab ich etwa zu wenig Zeit? #LebenAufDerÜberholspur. Das ist nicht Twitter...

Heute zeig ich
Franz Kafka: Ein Landarzt

" Franz Kafka: Ein Landarzt" ist die japanische Anime-Adaption zu Franz Kafkas bekannter Kurzgeschichte von 1917.

Fakten
Originaltitel: Franz Kafka: Inaka Isha (カフカ 田舎医者)
Deutscher Titel: Franz Kafka: Ein Landarzt
Origianlsprache: Japanisch
Erschienen: 2007
Länge: ca. 22 Minuten
Regie: Koji Yamamura
Drehbuch: Koji Yamamura, Original: Franz Kafka


Ein älterer Landarzt wird in einer eisigen Winternacht zu einem Schwerkranken gerufen. Doch die Wege sind verschneit und sein Pferd ist in der Kälte verendet. Während das junge Dienstmädchen Rosa vergeblich versucht im Dorf ein anderes Pferd zu leihen, steht der Arzt ratlos im Hof und tritt frustriert gegen die Tür des Schweinestalls, in dem er zu seiner Überraschung zwei kräftige Pferde und einen unbekannten Mann vorfindet. Dieser überlässt ihm zwar seine Tiere aber fällt sofort über Rosa her, die der Arzt, nur halbherzig eingreifend, ihrem Schicksal überlässt, um rechtzeitig seinen Patienten zu erreichen. Die Pferde bringen ihn in kürzester Zeit ans Ziel, aber kann er seinem Patienten helfen für den Preis den er zahlt?

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Japanische Animes und klassische, deutschsprachige Lyrik? Passt das zusammen? Wir werden sehen.

Wenn man davon hört, dass ein japanisches Studio eine Kurzgeschichte von Franz Kafka adaptiert, dann ist das schon ein sehr seltsamer Zusammenhang. Gleichermaßen kommen einem da paradoxe Zusammenhänge in den Sinn wie "kaltes Freuer", "Hassliebe" oder "gesunde Cola". Doch das Studio unter Koji Yamamura hat es wirklich gewagt diesen Schritt zu gehen. Yamamura ist allgemein bekannt, kleine Kurzfilme zu machen, die auch relativ anerkannt sind. Sein Kuzfilm "Atama-Yama, deuts. Kopfberg" wurde 2003 sogar als bester Kurzfilm für einen Oscar nominiert. Was Yamamura nun aus der lyrischen Vorlage geschaffen hat, ist wirklich eine Sache für sich, denn, eine Review zu schreiben fällt da recht schwer, denn man muss den Film wirklich selber sehen um zu entscheiden, ob man ihn mag oder nicht. Der Stil des Streifens ist sehr, sehr, sehr und betone nochmal, seeeehr eigenwillig. Er ist fernab jeder realistischen Animekunst. Der Stil wandelt zwischen surreal und skurril, wird dabei wie ein Holzsschnitte den man in ein verzerrendes Goldfischglas gesteckt hat. Gerade das ist aber auch das Markenzeichen von Koji Yamamura, der eigenwillige Animationsstil. Und so skurril er auch sein mag, weiß er zu begeistern. Der Film beginnt aber, wer hätte es gedacht, mit einem Zitat von Franz Kafka.

„Der wahre Weg geht über ein Seil, das nicht in der Höhe gespannt ist, sondern knapp über dem Boden. Es scheint mehr bestimmt stolpern zu machen als begangen zu werden"   - Franz Kafka

Vorgetragen mit einer schaurigen, mehrstimmigen Stimme, bildet dieser Satz die Einleitung in den Film. Es sei aber gesagt, dass dieser Satz keinerlei Bezug zur eigentlich Geschichte "Ein Landarzt" hat. Oder doch? Interpretationen kann man immer anstellen. Die Kamera schwenkt dann hoch auf den verschneiten Hof des Doktors und man wird auch direkt in die Szenerie hineingezogen. Koji Yamamura hat es mit seinem Drehbuch verstanden, das was im Text steht in sinnvolle Bilder zu fassen. Ich kannte den Prosatext zu "Ein Landarzt" noch von damals aus der Schule und konnte somit ohne Schwierigkeiten folgen und verstehen. Ich glaube aber, dass ein jemanden der Kafka nicht kennt, bzw. auch diese Kurzgeschichte nicht kennt, einige Probleme haben wird, die Handlung komplett und sinnvoll zu durchdringen. Trotzdem sollte das den Anime-Freund nicht davon abhalten, einen Blick auf diesen Film zu werfen. Ich stell hier nochmal einen Link für "Ein Landarzt" rein, für jeden der sie nochmal gerne nachlesen, oder kennenlernen möchte.
Wie gesagt, punktet der Film nicht nur durch seine Storyadaption, sondern auch durch seine Aufmachung und seinen Stil. Die Eigenarten des Stils sind nicht immer verständlich und ich denke das sollen sie auch nicht sein. Ich es ist vermutlich nur ein kleiner Streich, dass die Eltern und die Schwester des Patienten mal eben auf dem Kopf stehen. Viele Handlungen der Figuren sind überzogen gezeichnet und tragen zum fiktionellen Stil bei. Hier und da wirken die Bilder wie Konzeptzeichnungen und weisen sehr viele Bleistiftstriche, Schnörkel und Flecken von Zeichenkohle auf. Aber auch hier kann man ja Interpretationen und Deutungen anbringen. Farbe vermisst man beim Schauen wirklich schmerzlich, denn alles ist Grau in Grau und ein wenig Sepia. Die Farbstimmung ist kalt wie das Wetter draußen und doch gibt es kleine Lichtblicke. Ja Lichtblicke, denn die einzige Wärme kommt von den Lichter, Kerzen, den Kaminen der Häuser und man schätzt das als Zuschauer. Die Musik ist dabei etwas gewöhnungsbedürftig und schmeichelt nicht gerade dem Ohr, aber ist mit den gezeigten Bildern immer stimmig. Der Film zieht seinen Stil kontiunierlich durch und das ist gut so, hier haben wir eine Perle die sich mal traut, etwas Anderes zu machen und mit dem Unerwarteten aufwartet. Höhö - Wortspiel. Glücklicherweise kann man den Film auch bei Youtube ganz ungehemmt gucken, sogar mit deutschen Subs.


Fazit.
"Franz Kafka: Ein Landarzt" ist ein wirklich guter Kurzfilm und eine noch bessere Adaption von Kafkas Klassiker und sollte nicht nur Freunde es Animes, sondern auch Freunde der Werke von Franz Kafka erfreuen. Man bekommt eine schaurige, kleine Alptraumgeschichte aus der man am Ende gerne wieder erwacht, aber doch gerne auf diesen Traum zurückblickt.



Bis dahin - Tschödeldö




 Fakten: http://de.wikipedia.org/wiki/K%C5%8Dji_Yamamura
             http://de.wikipedia.org/wiki/Ein_Landarzt
             http://www.eliteanimes.com/details/6477/Franz+Kafka%3A+Ein+Landarzt.html
Bilder:  http://www.eliteanimes.com/details/6477/Franz+Kafka%3A+Ein+Landarzt.html
             http://en.aiff.gr/article.asp?catid=24178&subid=2&pubid=15177016

Kommentare:

  1. Sieht interessant aus. Schau ich mir mal an.

    Und (*klugscheiss*) du hast カフカ bei deinem Orginaltitel vergessen. :-)

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