10.06.12

Film•Peteback: Lord of War - Händler des Todes


Einen gesegneten Sonntag!
Heute stelle ich mal einen meiner absoluten Lieblingsfilme vor. Nicht wirklich ein Geheimtipp, aber das muss es ja nicht immer sein. Viel Spaß.

Heute präsentiere ich
Lord of War


"Lord of War" ist ein US-amerikanischer/es Thriller/Drama aus dem Jahr 2005. Regie führte  Andrew Niccol und zeigt hier eindrucksvoll einen Einblick in den internationalen Waffenhandelt auf.


Trailer


Fakten
Originaltitel: Lord of War
Deutscher Titel: Lord of War - Händler des Todes
Originalsprache: Englisch
Erschienen: 2005
Länge: ca. 120 Minuten
Regie: Andrew Niccol
Drehbuch: Andrew Niccol
Produktion: u.a. Nicolas Cage, Andrew Niccol, Chris Roberts


Unsere Hauptfigur ist der aus der Ukraine nach Amerika eingewanderte Yuri Orlov (Nicolas Cage). Yuri wächst als kleiner Junge in "Little Odessa" in Brighton Beach, New York auf. Dieses Viertel wird vornehmlich von ukrainischen Einwanderen bewohnt. Seine Familie betreibt dort ein Restaurant, was die heimische, ukrainische Küche anbietet. Yuri sieht in seinem jetztigen Dasein in "Little Odessa" keine Zukunft, bekommt aber einen Wink des Schicksals, nachdem zwei Menschen vor seinen Augen erschossen wurden. Er beschließt in das Waffengeschäft einzusteigen, weil Waffen unter den Menschen immer benötigt werden. Er fängt klein an indem er Kleinkaliberwaffen wie UZIs, oder Gewehre aus dem Libanonkriegn von 1982 verkauft. Natürlich alles unter der Hand und ohne das Wissen seiner Eltern. Nur seinen Bruder Vitaly (Jared Leto). Zusammen verkaufen sie immer größere Mengen an Waffen und machen auf einer Schmugglerfahrt mit einem ranzigen, alten Frachtschiff die Bekanntschaft mit dem Interpol-Agenten Jack Valentine (Ethan Hawke). Da Yuri die Waffen geschickt getarnt hat und der Name des Schiffes schnellstmöglich umlackiert werden konnte, hat Valentine nichts gegen ihn in der Hand und muss Yuri laufen lassen. Von da an beginnt ein verzwicktes Katz und Maus spiel zwischen den Beiden...
Beflügt wird Yuris Tatendrang auf der Waffenmesse in West-Berlin. Dort trifft er auf Simeon Weisz (Ian Holm), einem renommierten, weltbekannten Waffenhändler. Auf Yuris Anfrage verweigert er die Zusammenarbeit mit der Begründung, dass er nicht mit Amateuren arbeiten würde. Das ist der Zeitpunkt, wo unserer Protagonist beschließt, keine kleinen Brötchen mehr zu backen.


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Nun sicherlich hatte Andrew Niccol leichte Probleme ein passendes, amerikanisches Studio für seinen Film zu finden. Mit seiner Anfrage an ausländische Studios hatte er dennoch Glück und fand interessierte Investoren. Ein Glück!

Fangen wir mit dem Anfang an, denn hier wird dem Zuschauer etwas einmaliges geboten. Ein guter Film braucht ein gutes Intro und bei "Lord of War" hat man keine Kosten und Mühen gescheut und hat den Werdegang einer Gewehrpatrone animiert. Von der Herstellung bis über die Verschiffung bishin zum fragwürdigen Gebrauch, alles unterlegt mit dem stimmingen Song "For What Its Worth" von Buffalo Springfield. Schnell wird klar, dass "Lord of War" keine halben Sachen macht und schonunglos und ungeschön mit der Thematik des illegalen Waffenhandels umgeht. Dabei wirkt der Film oft ein wenig faktisch und kann mit interessanten Fachwissen glänzen. So erklärt Yuri Orlov in einem Vorwort, dass derzeit ca. 550 Millionen Schusswaffen im Umlauf sind. Das bedeutet im Endeffekt, dass jeder zwölfte Mensch auf der Erde eine Waffe besitzt. Für ihn stellt sich allerdings die Frage, "Wie bewaffnet man die anderen elf?". Hier wird auch klar, welche Art von Humor dem Zuschauer im Film geboten wird, denn schwarzer kann er nicht sein. Als Waffenhändler ist Yuri in erster Linie Geschäftsmann. Er blättert die Zeitung durch und ärgert sich, wenn in einem Kriegsgebiet nicht seine Waffen verwendet wurden. Er sieht die Waffen als reine Produkte und ist es ihm auch ziemlich egal, was mit den Waffen getan wird und wozu sie genau gebraucht werden. Er ist nur der Lieferant und auf den Umsatz aus. Er lässt keinerlei Emotionen an sich heran, denn wie ein Arzt kann er seinen Job nicht hinwerfen, nur weil jemand stirbt. Wobei man es bei ihm eher Skrupelosigkeit nennen sollte. Damit seine Transaktionen auch reibungslos ablaufen können, hat er für sich selber vier einfach Regeln aufgestellt, nach denen er nach bestem Gewissen handelt.
 
  1. Lass dich niemals von deiner eigenen Ware anschießen.
  2. Habe immer einen todsicheren Plan, um bezahlt zu werden.
  3. Nimm niemals selbst eine Waffe in die Hand und schließe dich deinen Kunden an.
  4. Ziehe niemals in den Krieg. Besonders nicht mit dir selbst.

Sämtliche Informationen erhält man von Yuri selber aus dem Off, der seine Geschichte erzählt und dabei kein Detail auslässt. Für den Film wurden anscheinend ordentliche, sorgfältige Nachforschungen angestellt. Denn Yuri geht wir ein Insider an die ganze Sache heran. Wie beschafft man sich günstig Waffen? Wenn die USA beispielsweise ein Kriegsgebiet verlässt, lässt sie den Großteil der dort benutzten und belagerten Waffen zurück. Das allein, weil der Rücktransport zu teurer wäre, als neue Waffen zu kaufen. Da kommen dann "War Lords" wie Yuri ins Spiel, die die Waffen günstig aufkaufen und weiter verkaufen. Die Amerikaner sind sie los und es spring sogar noch ein nettes Sümmchen dabei raus. Es ist klar, dass dieser Handel gegen zahlreiche Embargos verstößt und das Interpol diese Leute verfolgt. Die sind allerdings schwer zu kriegen. Interessant hierbei natürlich die Betrachtung der Abhängigkeit zwischen Käufer und Verkäufer. Die "War Lords" handeln im engeren Sinne im Interesse der kriegstreibenden Staaten und Regierungen. Es wird ein Gleichgewicht aufrecht erhalten, was für den Krieg sehr nützlich ist. So sollte man bei der Suche nach Schuldigen bei den Verkäufer an der Basis anfangen. Dabei geht es natürlich vornehmlich um die USA, aber auch andere Staaten, darunter auch Deutschland, was im Falle der aktuellen U-Boot-Transaktionen nach Israel schon traurig ist.

Von der technischen Seite, gibt es an dem Film nichts zu meckern. Die Drehorte sind vielfältig und die Szenen sind mit wunderbaren Einstellungen und Kulissen ausgestatten. Eindrucksvoll vorallem die Waffenmesse in West-Berlin, Yuris Besuch in Russland und die Notlandung mit einem Frachtflugzeug. Die Bilder sind beeindruckend und einprägsam, was von Niccols Filmverständnis und Können zeugt. Der Film ist ein bisschen Action und ein bisschen Thriller, aber viel mehr Drama. Es geht hier auch um Yuris Familie, seine Frau Ava (Bridget Moynahan) und wie er versucht siene Geschäft zu vertuschen. Auch im Vordergrund die Beziehung zu seinem Bruder Vitaly, der nicht ganz so gut mit dem Geschäft des Waffenhandels umgehen kann und viel emotionaler an die Sache herangeht, als sein großer Bruder. So muss man erleben wie der mächte Waffenhändler zwischen seinem Beruf und seinem Privatleben hin und her gerissen ist, aber nie das Geschäft aus den Augen verliert.

Wie schon die Technik ist auch die Auswahl und die Arbeit der Schauspieler erstklassig. Hier kann man noch Nicolas Cage in einer seiner Glatzrollen erleben. Er spielt den skurpel- und gewissenlosen Waffenhänder überzeugend, lässt aber hier und dort immer etwas Menschlichkeit durchblicken, sodass man ihn nie ganz aufgibt. An seiner Seite sein Filmbruder Jared Leto, der ein gutes Gegenstück zum etwas stärkeren Charakter von Yuri Orlov bildet. Er lässt immer anmerken, dass er nicht vollkommen einverstanden mit dem ist, was sein Bruder für einen Beruf hat und bildet hiermit den Part des Kritikers aus. Allerdings hätte ich ihm ein wenig mehr Leinwandzeit zugestanden. Auch interessant ist hier Bridget Moynahan in der Rolle von Yuris Frau Ava zu betrachten. Sie war ein gefeiertes, weltbekanntes Model, bis sie Yuri kennenlernt und langsam in der Ehe an ihrem Mann zerbricht. In Nebenrollen haben wir noch Ethan Hawke, den den unbestechlichen und hartneckigen Interpol-Agenten Jack Valentine wirklich eindrucksvoll verkörpert und unter Beweis stellt, was für ein Bluthund er ist. Ein wenig leidig sehe ich die Rolle von Ian Holm, in der Rolle von Simeon Weisz, Yuris größten Konkurrenten. Er taucht nur ein paar mal auf und darf seine doch recht wichtige Rolle nicht würdevoll genug vertreten. Schade.


Fazit.
"Lord of War" ist wirklich ein interessanter und beeindruckender Film, der es schafft den Zuschauer über die ganzen zwei Stunden zu fesseln, ohne das es langweilig wird. Man wird als Zuschauer mit gemischten Gefühlen zurückgelassen und fühlt sich hier und dort ein wenig schlauer, was die damalige Weltsituation des Waffenhandels betrifft. Dabei sollte man allerdings im Hinterkopf behalten, dass der Film schon gute sieben Jahre alt ist und das sich bisher einiges geändert hat. Das aber leider nicht wirklich zum guten. Wir haben Nicolas Cage in einer seiner Paraderollen, der weiß, wie man das Publikum an der Hand nimmt und durch sein Leben führt. Ein mutiges Drama mit einer ernsten Grundthematik und einer ordentlichen Prise Zynismus und schwarzen Humor vertragen kann, der sollte hier zugreifen. Meine absolute Empfehlung!





Bis dahin - Tschödeldö






 Fakten: http://www.filmszene.de/filme/lord-of-war-h%C3%A4ndler-des-todes
             http://de.wikipedia.org/wiki/Lord_of_War_%E2%80%93_H%C3%A4ndler_des_Todes
Bilder:  http://www.filmstarts.de/kritiken/39038-Lord-Of-War/bilder/?cmediafile=18866913
             http://www.allmoviephoto.com/photo/2005_lord_of_war_009.html
             http://www.availableimages.com/celebs/l/jared-leto/pictures-lord-of-war_pph_15.html
             http://forum.sysprofile.de/fotografie-und-videotechnik/23319-bilder-der-sysprofile-community-80.html

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