30.09.12

Film•Peteback: Wo die wilden Kerle wohnen



Diesen Sonntag besuchen wir ein paar sehr merkwürdige Kreaturen, 
in;
Wo die wilden Kerle wohnen


"Wo die wilden Kerle wohnen" ist ein Fantasyfilm aus dem Jahr 2009, von Regisseur Spike Jonze. Der Film basiert auf der weltbekannten, gleichnamigen Kinderbuchreihe von Maurice Sendak.


Trailer


Fakten
Originaltitel: Where The Wild Things Are
Deutscher Titel: Wo die wilden Kerle wohnen
Originalsprache: Englisch
Erschienen: 2009
Länge: ca. 100 Minuten
Regie: Spike Jonze
Drehbuch: Spike Jonze, Dave Eggers
Produktion: u.a. Tom Hanks, Maurice Sendak
Musik: Carter Burwell


Max (Max Records) hat es auch nicht leicht. Er ist jung, aufgeweckt, chaotisch und steckt voller Fantasie, vorallem was seine erfundenen Geschichten angeht. Außerdem hat er ein großes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Zuwendung. Er ist allerdings sehr unzufrieden mit seinem momentanen Leben. Seine Schwester Claire (Pepita Emmerichs) ist mitten im Teenageralter und hängt lieber mit ihren Freunden ab, als selbstgebaute Iglu ihres Bruder zu bewundern. Seine alleinerziehende Mutter (Catherine Keener) ist aufopfernd und liebevoll, aber schon seit langem gestresst, wegen ihres Berufs und außerdem ist da noch ihr neuer Freund (Mark Ruffalo), der Max auch ein Dorn im Auge ist. Außerdem muss er sich immer gut benehmen, wenn er da ist und das passt Max gar nicht. Als er sich eines Abends extrem aufmüpfig verhalten hat und seine Mutter sogar gebissen hat, schickt sie ihn ohne Abendessen ins Bett. Das hat Max kleines Fass zum überlaufen gebracht und er beschließt seinem Leben und seinem zu Hause den Rücken zu kehren. Ausgestattet mit einem Wolfsschlafanzug macht er sich mit einem Boot auf, über das große Meer, bis er zu einem Land kommt. Dem Land, wo die wilden Kerle wohnen. Fürchterliche Gestalten, Mischwesen mit riesigen Augen, spitzen Zähnen und gewaltigen Krallen und übermenschlichen Kräften. Sie versuchen Max einzuschüchtern, doch dieser ist unerschrocken und bändigt diese wilden Wesen und wird sogar ihr neuer König, denn er ist wildeste der wilden Kerle....



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Die wilden Kerle. Und nein, es geht hier nicht um die gurkige Kinder-Kicker-Truppe. Hier geht es um eine Erinnerung aus meiner Kindheit, denn wie viele andere Kinder auf diesem Planeten, bin ich mit den Geschichten von Max und den wilden Kerlen aufgewachsen und da konnte ich mir eine Verfilmung natürlich nicht durch die Finger gehen lassen. Der alten Zeiten wegen...

Wenn man es genau nimmt, bietet die Geschichte über den kleinen Jungen mit seinen Fantasiemonstern nicht genug Stoff für einen ernstzunehmenden Film. So ist  es noch überraschender, das sich gerade Spike Jonze der Verfilmung des Kinderbuchklassikers angenommen hat. Als Musikvideo-Regisseur hat er mit Größen wie den "Beastie Boys" und "Fatboy Slim" zusammengearbeitet und dabei fantasievolle, aber auch sehr skurrile Werke hervorgebraucht. Im Kino konnte er allerdings auch mit seinen Filmen, wie "Being John Malkovich" oder "Adaption" überzeugen, die zwar furchtbar pseudo-intellektuell daher kamen, aber ihre Fangemeinde haben. Für das Drehbuch holte er sich Dave Eggers ins Boot, der aus dem dreizehn Illustrationen umfassenden Werk von Maurice Sendak ein wunderbares Drehbuch zimmerte, dass sowohl Jung als auch Alt fesseln kann. Jonze kann in der Inszenierung von "Wo die wilden Kerle wohnen" mal seinen ganzen Spieltrieb rauslassen, der auch in seinen Musikvideos anschlägt. Mit seinem Drehbuchautor ist es ihm gelungen, die tiefgründigen und versteckten Botschaften der Vorlage hervorzuheben, aber dennoch genug Spielraum für viele Interpretationen und Auslegungen zu lassen. Das macht diesen Film so ursprungsnah. Bodenständig bleibt der Regisseur immer, was vorallem dadurch auffällt, das man hier fast vergebens nach aufwändigen Computeranimationen sucht.

Das ist auch das wirklich Interessante an der Machart des Films. Alles wirkt wundervoll handgemacht, so fassbar und echt. All dies ist eine neue, echtere Form der Fantasie, fernab von der üblichen Hollywood-Plastik-Fantasie, die man in den meisten Großproduktionen sieht. Die Animationstechnik wirkt nicht aufdringlich und wird nur bei den Gesichtern der Wilden Kerle eingesetzt um ihnen Mimik zu verschaffen und dabei wirken sie so menschlich, dass man jede Emotion klar ablesen kann, oder auch nicht richtig deuten kann. Denn Blicke sagen so viel. Ob es nun Fell, Federn, Sonnenstrahlen, Staub, Sand oder Schnee ist. Alles wirkt in diesem Film so greifbar und spürbar, wie im echten Leben. Wie sollte man sonst dieses Gefühl der Wildheit wecken, dieses Animalische in jeden von uns, den Wilden Kerl in jedem?

Der Film ist ungestüm und spielt mit dem Krach, dem Radau, dem berstenden Holz und dem Krawall. Eine auspowernde, befriedigende Verausgabung beim ausgelassenen Spiel und das kleine Risiko, dass man sich verletzen kann. Wie damals in der Kindheit. Hat man sich je besser gefühlt als nach einem exzessiven Spieltag mit Freunden? Körperlicher Einsatz ist das Thema, doch auch die Seele muss im Einklang sein - und die spürt man bei den skurrilen Monstern sehr stark. Eggers hat es geschafft den eher undefinierbaren, gar flachen Kerlen der Vorlage eigene Charakterzüge zu verpassen, die sie einzigartig machen und sie glaubwürdig erscheinen zu lassen. Dabei merkt man immer menschen-typische Macken und Schrullen in ihrem Alltagsleben, die ihr Handeln nachvollziehbar machen. Dieser Punkt ist fundamental wichtig, damit der Zuschauer sich fein mit ihnen identifizieren kann.

"Wo die wilden Kerle wohnen" ist klar ein Film über das 'Kindsein' an sich, aber nicht durch und durch ein Kinderfilm. Ich würde sogar sagen, dass dieser Film für Kinder nicht wirklich schlüssig ist, weil viele Szenen vermutlich nicht richtig verstanden bzw. gedeutet werden können. Es wird nichts explizit erklärt, denn trotz all dem Realismus bleibt der Film ein Märchen und genau wie in einem richtigen Märchen wird nicht alles erklärt, sondern nur taktvoll angedeutet und man füttert den Zuschauer mit Halbwissen. Man muss dazu auch verstehen, man erlebt diese Welt aus der Sicht eines Kindes.

Der junge Max wird gespielt von seinem Namensvetter Max Records, der seine Rolle wirklich grandios spielt. Er ist gleichermaßen glaubhaft, wie ausdrucksstark und kann durch sehr starke Emotionen überzeugen. Die Rolle des wilden Max ist auch keine einfache. Man erlebt Max im ersten Drittel des Film zwischen Euphorie und Kränkung, er macht ein Wechselbad zwischen großer Frustration und Macht durch, zwischen totaler Liebe und tiefem Hass. Sind es nicht diese Extremen, zwischen denen das 'Kindsein' schwankt und es prägen? Der Zuschauer kann hier mit Max mitfühlen, was vorallem den jüngeren Zuschauern leicht fallen wird, während die Älteren ihn eher kritisch betrachten. Der Film spielt gerade an diesem verwundbaren Punkt der Kindheit, wo die eigenen Bedürfnisse noch als das Absolute gelten, aber sich auch schon so eine Ahnung breit macht, dass der Rest der Menschheit es nicht ganz so sieht. Die Welt dreht sich doch nicht ganz alleine um einen selbst, obwohl sie das eigentlich tun sollte und das muss auch Max schmerzlich feststellen - Sei es in Bezug auf seine Mutter, seine Schwester und vorallem in Bezug auf seinen Vater.

Sieben Monster sind es an der Zahl und auch sieben Ausprägungen von Max kindlicher Persönlichkeit, werden in ihnen verarbeitet und widergespiegelt. So ist Carol das Monster, mit dem er am besten auskommt, der ihm auch am ähnlichsten ist. Carol hat ein Bedürfnis nach Lebensfreude, Kreativität und Spaß. Alexander ist klein, zurückhaltend und schüchtern und vorallem unsicher. Ira hat ein großes Geltungsbedürfnis und sucht nach Bestätigung und Belobigung. Am geheimnisvollsten ist aber immer "Der Bulle", der oft fernab der Gruppe ist und nie etwas sagt. Nur um hier vier zu nennen. Doch auch Max Beziehungen zu anderen Personen werden in den Monstern verarbeitet. Er schließt mit diesen Monstern Freundschaft, die aber gepaart ist mit Eifersucht und Verletzlichkeit. Max übernimmt in seiner Rolle die Position eines Familienoberhauptes und muss lernen mit den verschiedenen Charakteren der Monster, ihren Macken und Bedürfnissen klarzukommen und gerecht zu sein, was auch nicht immer funktioniert. Er erfährt es am eigenen Leib, wenn man es dem Einen besonders Recht macht, aber der Andere sich dadurch vernachlässigt, oder sogar betrogen fühlt. Die Monster sind wie er; Egoistisch und eingeschnappt, ungerecht und launisch und doch auf der anderen Seite liebenswert und verständnisvoll. Und er darf sich von ihnen nicht unterkriegen lassen und da ist der Punkt wo man lernen muss, auf irgendeine Art und Weise loszulassen.


"Der erste König den wir nicht gefressen haben..."  
                                                                                             -Judith


Fazit.
Spike Jonzes und Dave Eggers Verfilmung der Kinderbuchklassiker von Maurice Sendak ist ein wertvoller Film über das 'Kindsein', aber auch über das 'Heranwachsen', der von Jung und Alt gleichermaßen geschaut werden sollte. Moderne Technik und bodenständiges Filmhandwerk vereinen sich zu einem tollen, fesselnden Märchen. Jeder kann seine eigene Botschaft in dem Film entdecken und was man daraus mitnimmt, ist in vielerlei Hinsicht wertvoll. Gleichermaßen lässt die Handlung viel Raum für Spekulationen, Interpretationen und Auslegungen, was ein wieder anschauen möglich macht. Die wilden Kerlen sind wunderbar in Szene gesetzt und können durch ihr Äußeres, aber auch durch ihren jeweiligen Charakter erstaunen und man kann sich gleichermaßen an den wunderbaren Landschaften und Szenenbildern erfreuen. Es ist ein Film der zum Nachdenken anregt und ich frage mich, wie meine inneren Monster damals wohl ausgesehen hätten...







Bis dahin - Tschödeldö







P.S.: Ich kann dieses Mal schon wieder etwas feiern, denn mit dieser Rezension habe ich meine 100stes Peteback verfasst! Yay! *Konfetti werf* :}

Fakten: http://de.wikipedia.org/wiki/Wo_die_wilden_Kerle_wohnen_%28Film%29
             http://www.kino.de/kinofilm/wo-die-wilden-kerle-wohnen/98827
Bilder:  http://www.kinderfilmwelt.de/index.php/de/filme/detail/items/wo-die-wilden-kerle-wohnen.html
             http://www.sundancechannel.com/sunfiltered/tag/where-the-wild-things-are/
             http://www.comicbookmovie.com/fansites/MARVELMANIACS/news/?a=6742
             http://hollywood.hamaraphotos.com/movie-reviews/where-the-wild-things-are.html

             http://screencrave.com/2009-09-30/more-where-the-wild-things-are-photos/where-the-wild-things-are-movie-15/
             http://www.moviegod.de/x/viewer/image_viewer.php?s=8&k=607&i=25787

Kommentare:

  1. *mit Konfetti werf* Herzlichen Glückwunsch dafür! Wo die Wilden Kerle wohnen werde ich mir wohl auch mal ansehen, auch wenn ich es nicht mal zu meiner Kindheitslektüre zählen würde, ich mochte die Bilder damals nicht (was man als Kind immer so denkt, inzwischen finde ich sie sehr interessant).

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    1. Als Kindheitslektüre würde ich es auch nicht bezeichnen. Das hab ich mir vor dem Einschlafen immer angeguckt, dass war noch bevor ich in der Schule war und lesen konnte^^ Oder meine Mutter hat mir vorgelesen.

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  2. Glückwunsch! :-)

    Und ich kenne nur das Bilderbuch bzw. die neue Romanfassung. Den Film werde ich mir aber sicher auch mal ansehen!

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