25.11.12

Film•Peteback: Kriegerin


Diese Woche geht wieder weiter im Projekt! Nachdem wir mit "Inside a Skinhead" schon vor zwei Wochen ins Nationalsozialistische Milieu eingetaucht sind, machen wir diese Woche weiter mit einem deutschen Film und einer ähnlichen Thematik.

Kriegerin



Originaltitel: Kriegerin
Originalsprache: Deutsch
Erschienen: 2011
Länge: ca. 100 Minuten
Regie: David Wnendt
Drehbuch: David Wnendt
Cast: Alina Levshin, Jella Haase, Gerdy Zint, Klaus Manchen, Winnie Böwe

Trailer: Kriegerin


Kurz gesagt: "Kriegerin" ist ein deutscher Spielfilm aus dem Jahr 2011 und ist das Regiedebut von Regisseur David Wnendt, über die deutsche Neonazi-Szene. Der Film hatte seine Premiere beim Filmfest München 2011 und dann im Rahmen der Reihe "Das kleine Fernsehspiel" im ZDF gezeigt.




Protagonistin ist die 20-jährige Marisa.
Sie lebt in einer ostdeutschen Kleinstadt im ländlichen Raum und arbeitet zeitweise in einem kleinen Supermarkt, in dem auch ihre Mutter beschäftigt ist. Marisa kommt aus zerrütteten Familienverhältnissen, ist ohne Vaterfigur aufgewachsen und hat daher sehr viel Zeit mit ihrem Großvater verbracht, den sie über alles liebt. Ein wichtiger Punkt ist das Milieu in dem sich die junge Frau bewegt, denn sie ist Mitglied einer rechtsradikalen, Neonazi-Jugendclique, mit radikalem Denken, Verhalten und Tattoos. Ihr Leben ist geprägt von oberflächlichem Hass gegen Ausländer, Juden und halt Andersdenkende und exzessiver Gewalt gegenüber ausländischen Mitbürgern und Asylanten. Ihr Freund hat dabei einen sehr großen auf sie und sie hält sich auch sehr an ihn, bis zu dem Tag, als die Wohnung von einer Eingreiftruppe gestürmt wird und ihr Freund festgenommen und eingebuchtet wird. Als dann auch noch der afghanische Asylbewerber Rasul in ihr Leben tritt , fängt sie auch an, an ihrer Ideologie und Umfeld zu zweifeln und stellt ihr bisheriges Leben in Frage. Den zweiten Handlungsstrang bildet dann die 15-jähirge Svenja, die durch ihren Freund in die Neonazi-Szene rutscht. Die beiden Handlungsstränge werden sich auch schnell kreuzen und zusammenlaufen.





Manchmal glaube, dass sich die Deutschen gerne mit ihren rechtsextremistischen Themen auseinandersetzen, sei es nun in Film oder Dokumentation. Die Thematik bietet natürlich sehr viel Spannungspotenzial, dass man einen Einblick in die jeweilige Szene bekommt und so finden Drehbücher die sich damit auseinandersetzen, viel Anklang. Wenn es sich dann auch noch im Bereich von Jugendlichen abspielt, umso besser.

"Kriegerin" zeigt die Geschichte zweier Mädchen, die sich beide in der Neonazi-Szene rumtreiben. Marisa, die sich schon länger in dem Milieu bewegt und kurz vor dem Ausstieg steht und die jüngere Svenja, die erst in die Szene integriert wird. Beide Handlungsstränge kreuzen sich an bestimmten Stellen im Film, bis sie gegen Ende irgendwann zusammenlaufen.

Die Charakterzeichnung ist dabei etwas hölzern und sporadisch. Man erfährt allgemein sehr wenig über die handelnden Personen oder es wird nur seicht angedeutet. Das lässt zum einen Raum für die Interpretation und Auslegung der Handlungen und Entscheidungen, lässt die Charaktere an sich aber ein wenig zu eindimensional erscheinen. Die Absichten bzw. die Intentionen von Marisa sich in der Szene rumzutreiben sind von Anfang an nicht ganz klar und werden erst gegen Ende der Handlung genau klar. Ständig stellt man sich die Frage, was dieses Mädchen mit diesen Menschen will, was sie dort hält und was sie so fasziniert und am Ende versteht man dann, dass dieser ideologische Glaube nur an einer einzigen Person festgemacht wird. Da wirkt es doch etwas an den Haaren herbeigezogen. Bei den Intentionen von Svenja ist es auch sehr schwammig. Sie scheint von ihrem Stiefvater in Bezug auf Schulnoten unter Druck gesetzt zu werden, die sie auch hat und hat anscheinend auch keine wirklichen Freunde. Ihrer Mutter steht sie positiv gegenüber, aber meint das sie ein Schattenleben fristet und eigentlich kein wirklich Leben hat. Sie kommt aus einem relativ geordneten Umfeld und findet sich merkwürdiger Weise in diese dumpf-dumme, rechte Szene ein, was nicht absolut nachzuvollziehen ist, denn auf das elterliche Umfeld kann man es nicht zurückführen. Höchstens auf ihr Verlangen nach Anerkennung und Erwachsensein und die Stärke zu rebellieren. Fragwürdig finde ich die Beziehung zu dem afghanischen Asylbewerber Rasul, dessen Auftritt eigentlich Sinn macht, aber nicht richtig ausgeschöpft wird. Marisas Beweggründe ihm nach Schweden zu seiner Familie zu verhelfen, sind nicht wirklich nachvollziehbar und sind, meiner Meinung nach, nur auf ein schlechtes Gewissen zurückzuführen, was allgemein ein bisschen wenig Hintergrund ist, wenn man vorher noch eine überzeugte "Nazibraut" war. Das Ende des Films ist auch mehr als lächerlich und sinnfrei geraten.

David Wnendt hat mit "Kriegerin" drei Filmpreise beim "Deutschen Filmpreis" einsacken könne, zum einen für beste Drehbuch, eine bronze Auszeichnung für den besten Film und die Hauptdarstellerin Alina Levshin für die beste weibliche Hauptrolle. Was die weibliche Hauptrolle angeht ist der Preis berechtigt, denn Alina Levshin bringt die Figur von Marisa sehr gut und auch glaubwürdig rüber. 

Was mich ein wenig an an dem Film stört, ist die stereotype Darstellung. Die gezeigten Neonazis sind saufende, prügelnde, pöbelnde Schwachköpfe, die jeden Ausländer anmachen oder ihn sogar verprügeln. Das sind stereotype Bilder, die natürlich nicht von ungefähr kommen, denn es gibt einen großen Teil, der so ein Leben wirklich führt. Allerdings zeugt so eine stereotype Darstellung nicht gerade von einer Objektivität des Drehbuchautors und wirkt unglaubwürdig, weil das Feindbild auf jeden Fall klar gemacht werden will. Im Film wird auch oft von einer politischen Ausrichtung gesprochen, aber es geht in dem Film kein Stück um den politischen Teil der Rechten. Es sind nur diese saufenden, prügelnden Schwachköpfe die gezeigt werden. Marisas Freund ist dafür das stereotype, ultimative Neonazi-Vorzeigebild. Nur einer der Typen auf einer Party, erzählt von Arbeitslosigkeit, hoher Zuwanderungsrate und sozialer Ungleichheit und das es sich nicht lohnt den Hass auf die Juden zu konzentrieren. Es zeugt von wenig Verständnis von der Szene, wenn man nicht mal ein paar rechte Aktionen (Demonstrationen, Propaganda, Mitgliederversammlungen) eingebringt. Da hätte man eindeutig mehr Substanz einbringen können.

Fazit.
"Kriegerin" ist alles in allem ein sehenswerter Film, der mit der deutschen Neonazi-Thematik aufwartet und auch einen Standpunkt klar macht. Den Charakteren fehlt es allgemein an Feinschliff und Ausstrahlung, aber wenigsten die beiden Mädchen werden gut verkörpert. Außerdem passt der Ausdruck "ungeschönt" sehr gut zu diesem Film, denn das ist er wirklich. Was das den Aufdruck auf der DVD angeht - "Ein wichtiger deutscher Film" - kann ich da leider nicht zustimmen, denn der Film ist eher gutes Mittelmaß und sollte nicht als Milieustudie angesehen werden. In Hinblick auf die Tatsache, dass es Wnendts Regiedebut ist, ist "Kriegerin" doch einigermaßen annehmbar geworden.





Bis dahin - Tschödeldö





PS: Wie immer an dieser Stelle auch der Link zum Blog der Erbeerkriegerin und ihrer Kritik zu dem Film. Schaut mal rein!

Infos:  http://de.wikipedia.org/wiki/Kriegerin
           http://www.filmstarts.de/kritiken/185867.html
Bilder:http://www.zeit.de/kultur/film/2012-01/kriegerin-interview-wnendt
           http://www.filmempfehlung.com/kritik,1284.html
           http://www.kinoundco.de/Kriegerin/Hamburg,m242886
           http://www.dvd-forum.at/film-details/20889-kriegerin

Kommentare:

  1. Fand ich auch etwas rätselhaft - die Klischeehafte Darstellung. Ansonsten fand ich den Film allerdings eindrücklicher als Inside a Skinhead :3

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    1. "Kriegerin" ist halt offensiver, aber ich würde die Filme auch nicht miteinander vergleichen, schon was dasd Niveau angeht.

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