04.11.12

Film•Peteback: Rubber


Neue Woche, neues Glück, neuer Film, altes Projekt!

Rubber


 "Rubber" ist eine Slasherkomödie aus dem Jahr 2010, von Regisseur Quentin Dupieux. Protagonist des Films ein hierbei ein Autoreifen, dein Eigenleben entwickelt.


Trailer


Fakten
Originaltitel: Rubber
Deutscher Titel: Rubber
Originalsprache: Englisch
Erschienen: 2010
Länge: ca. 82 Minuten
Regie: Quentin Dupieux
Drehbuch: Quentin Dupieux
Produktion: Julien Berlan, Gregory Bernard
Musik: Gaspard Augé, Quentin Dupieux


Es lebt.
Ein Autoreifen erwacht in einer amerikanischen Wüste zum Leben. Er stellt sich von selber auf und macht seine ersten vorsichtigen Rollversuche. Was fängt man nun mit einem Leben als einsamer Autoreifen mit Seele und Bewusstsein an? Man erforscht erst einmal die Gegend. Auf seiner kleinen Reise durch die Steppen der Gegend entdeckt der Reifen, der übrigens Robert heißt, auch seine verborgenen Kräfte. Der kleine Gummikerl scheint nämlich übernatürliche Fähigkeiten zu haben, Telekinese. So musste auf dem Weg zur Straße schon einmal eine Bierflasche und ein Hase das explosive Zeitliche segnen. An der Straße angekommen, fährt gerade die junge Sheila (Roxane Mesquida) in ihrem Auto vorbei. Liebe auf den ersten Blick. Robert hat sich verliebt und nichts wird sich ihm und Sheila in den Weg stellen, Nichts und Niemand...


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Was in der großen, weiten Filmwelt oft fehlt ist Abwechslung, Originalität und das nötige Quentchen Wahnsinn und Kreativität. Anscheinend ist "Rubber" in der Hinsicht eine Offenbarung.

Ein Mann an einer staubigen Straße irgendwo in einer amerikanischen Wüste, Nevada, New Mexiko, Arizona, wer weiß das schon. Auf der Straße stehen Stühle. Ein Auto kommt herangefahren und fährt mit chirurgischer Präzision die Stühle um. Der Wagen hält an, ein Polizist steigt aus dem Kofferraum, geht zur Fahrertür, gibt dem Fahrer seine Brille und erhält dafür ein Glas Wasser. So beginnt es.

Der Prolog des Films macht schon klar, was man von dem Film zu erwarten hat, nämlich auf der einen Seite so gut wie alles und auf der anderen, so wenig wie möglich. Lieutenant Chad (Stephen Spinella) hält hier der Zuschauerschaft eine Rede und erklärt damit auch schon den ganzen Film. "Rubber" ist eine Hommage an die Willkür. Die Willkür ist das mächtigste und am meisten verwandteste Stilelement der Welt und das noch nicht einmal gewollt. Wieso ist der Außerirdische in "E.T." braun? Reine Willkür. Wieso hat der Fahrer des Wagens die Stühle umgefahren? Reine Willkür. Wieso schüttet Lieutenant Chad das Glas Wasser nach seinem Monolog einfach weg, ohne einen Schluck zu trinken? Reine Willkür! Es ist auch nichts anderes als eine philosophische Frage, schon seit der frühsten Antike. Die Frage nach dem "Warum". Aber wieso sollte man einen Sinn in Handlungen und Sachverhalten suchen, wenn es doch gar keinen gibt? Wieso verbissen nach rationalen, logischen Begründungen suchen, wenn der Film doch sowieso auf der Willkür des Autors und des Regisseurs beruht? Willkür. Es kann so einfach sein, etwas zu erklären, was keine Erklärung benötigt. Douglas Adams hat in seinem Werk "Per Anhalter durch die Galaxis" schon eine einfache und simple Antwort auf eine große Frage gefunden - 42.

Interessant hierbei, dass Lieutenant Chad gar nicht direkt mit dem Zuschauer geredet hat, sondern mit einer ganzen Gruppe von Leuten, an die nach der Einleitung Ferngläser verteilt werden. Eine Gruppe Schaulustiger, die aus sicherer Entfernung das Spektakel in anderen Teilen der Wüstenlandschaft verfolgen. Wir sehen also einen Film, über Leute die einen "Film" schauen. Ein Film-im-Film. Dieser Fakt ist sehr interessant, weil sie sich genauso verhalten, wie jeder der sich in einer Gruppe einen Film ansieht. Einer redet, andere wollen ungestört die Handlung verfolgen, es gibt die Besserwisser, ein quengelndes Kind und es wird nach unverständlichen Sachen gefragt. Sie sehen sich selbst nicht als Teil des Films, sondern nur als Zuschauer. Sie leiden an einer bestimmten Stelle Hunger, gehen aber nicht nach Hause, oder woanders hin, obwohl sie es offenbar könnten. Sie entziehen sich jedem rationalem Verhalten. So sind sie  auf einen Gehilfen angewiesen, der die Gruppe eines Morgens mit einem gebratenen Truthahn versorgt. So stehen sich die Realität des Films und die Fiktion des Selbigen gegenüber, wobei man verstehen muss, was nun was ist.

Wie schon nebenbei erwähnt, ist der Protagonist des Film ein Autoreifen. Wieso? Ich glaube die Antwort ist klar. Reine Willkür! Und wieso auch nicht, denn es gab schon genug "tote" Gegenstände, die eine Filmhandlung dominiert haben. Man denke da an "Chuckie die Mörderpuppe" oder Stephen Kings "Christine" oder "Trucks". Letztere liefen auch auf Reifen und wieso dann nicht mal den Autoschuh zum 'Helden' machen. Robert der Reifen ist dabei ein sehr genügsamer Protagonist. Es ist recht putzig anzusehen, wie er seine ersten Rollversuche losgelöst von der Achse macht. Außerdem gibt es eine sehr putzige Szene, wo es so scheint als würde er aus einer Pfütze trinken. Allgemein legt Robert sehr menschliche Züge an den Tag. So kann er sich verlieben, hat Rachegefühle, duscht und schaut anscheinend gerne Fernsehen. Und was guckt so ein Reifen gerne? Autorennen natürlich! Auch scheint er so etwas wie ein Gesicht zu haben, da er sich zu manchen Personen umdreht. Alles recht gut durchdacht.

Quentin Dupieux alias. Mr.Oizo, hat sich in seinem Film außerdem dem Minimalismus verschrieben. Der Film hatte ein minimales Buget und sparte sich auch großartige Effekte. Das Eindrucksvollste sind vermutlich doch die platzenden Tiere oder Köpfe, die Robert mit seinen telekinetischen Kräften bearbeitet hat. Sie sehen auf den ersten Blick ganz ordentlich aus, doch auf den zweiten Blick sieht man schon die küstlichen Replikate aus Pappmaschee oder ähnlichem. Auch gibt es einige Stellen in denen "Rubber" wie ein Musikvideo wirkt. Das kommt auch nicht von ungefähr, denn Mr.Oizo ist ja auch Musiker im elektronischen Bereich und hat von daher auch schon einige Erfahrungen mit Musikvideos gemacht. Der Soundtrack des Films, stammt übrigens auch von ihm.

Einzige Kritikpunkte wären vielleicht die Handlung, die über die Länge in manchen Szenen ein wenig an Fahrt verliert. Der Film nimmt sich anscheinend gerne Zeit, was ich auch gar nicht für schlecht erachte. Die Schauspieler tun auch ihr Nötigstens und das ist bei dem minimalen Aufgebot auch recht ordentlich geworden, da kann man soweit nicht meckern. Einzig und allein der weibliche Part und das Objekt der Begierde Sheila, kommt ein wenig lahmarschig rüber. 



Fazit.
"Rubber" bietet über die gute Länge von bisschen mehr als achtzig Minuten genug Potenzial um den interessierten Zuschauer zu unterhalten und auch genug Fragen zu stellen und auch offen zu lassen. Der Film läd zu Interpretationen, Deutungen und Auslegungen und auch einige Überlegungen in Bezug auf die Willkür ein, die in dem Film allgegenwärtig ist. Der Film ist auf der einen Seite leichte Kost, bietet aber auch Tiefgang, wenn man das möchte. "Rubber" macht in der Gruppe aber noch am meisten Spaß, weil der Film einfach dazu anregt sich über die Handlung zu unterhalten. Ein klasse Gesellschaftsfilm!





Bis dahin - Tschödeldö




P.S.: Und auch hier zur Erinnerung, dass es auch dem Blog der Erdbeerkriegerin auch eine Rezension gibt. Also ordentlich reinschaun'!

Fakten: http://de.wikipedia.org/wiki/Rubber_%28Film%29
             http://www.filmstarts.de/kritiken/179625.html
Bilder:  http://twodollarcinema.blogspot.de/2012/05/this-is-first-time-in-my-life-ive.html
             http://cdn.whatculture.com/wp-content/uploads/2011/04/2rubber-movie.jpg
             http://thechoppingblock.tv/index.php/2011/01/23/the-rubber-hits-the-road/

             http://www.thefilmpilgrim.com/reviews/rubber-review/2794
             http://thesketchydetails.net/archives/1194

Kommentare:

  1. Hehe. Sehr schöne Review! Gefällt mir. Über Sheila hab ich mir auch schon Gedanken gemacht, aber ich glaube das es sehr gewollt war, dass sie so lahm ist, wie sie ist. Seltsam nur das sie nicht blond war.

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    1. Aha aha, Madame hat sich auch mal dazu bequemt ihren Beitrag hochzuladen :D

      Vermutlich sollte man zu Sheila einfach keine innige Bindung aufbauen oder nicht zu viel Charaktertiefe schaffen. Wer weiß das schon^^

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