23.12.12

Anime•Peteback: Tokyo Godfathers


Morgen ist Heiligabend und deswegen sind wir auch beim Filmprojekt ganz weihnachtlich eingestellt. Dazu haben wir natürlich auch den passenden Film parat.


Tokyo Godfathers




Fakten:
Originaltitel: Tokyo Godfathers (東京ゴッドファーザーズ)
Deutscher Titel: Tokyo Godfathers
Originalsprache: Japanisch
Erschienen: 2003
Länge: ca. 88 Minuten
Regie: Satoshi Kon
Drehbuch: Satoshi Kon
Produktion: u.a. Masao Maruyama, Shinichi Kobayashi

Trailer: Tokyo Godfathers

Kurz gesagt: "Tokyo Godfathers" ist ein Anime aus dem Jahr 2003, von Regisseur Satoshi Kon. Der Anime wurde von Studio Madhouse produzier und als Vorlage diente John Fords Western "Spuren im Sand" aus dem Jahr 1948. Der Anime handelt von drei Obdachlosen Japanern, die durch Zufall, beim Stöbern in Abfalleimern, ein Baby auftun. Nun müssen sie sich als Ersatzeltern für ein Baby behaupten, bis sie die wahren Eltern gefunden haben.




Es ist Heilig Abend, auch in Tokyo und es ist bitterkalt. Obdachlose stehen an, um ein Schälchen heiße Suppe zu bekommen, welche gratis ausgeben wird. Darunter sind auch der Trinker Gin, die arbeitslose Drag Queen Hana und die Mittelschülerin Miyuki. Sie sind leicht erbost darüber, dass die Speisung für die Armen eher kläglich ausfällt und wollen sich noch was aus ein paar Mülltonnen besorgen. Beim Wühlen nach essbaren Sachen finden die drei allerdings keine gewünschten Lebensmitteln, sondern ein kleines Baby. Es kommt nicht jeden Tag vor, dass man ein Baby zwischen Mülltonnen findet und so sind die Drei mit der Situation als neuerkorene Familie vollkommen überfordert. Gin und Miyuki können sich mit ihrem Schicksal nicht gerade anfreunden und beschließen, wie es auch richtig wäre, das Kleine zu einer Polizeistation zu bringen, damit die sich damit beschäftigen können. Die Vollblut-Transe Hana sieht den Fund aber als göttliches Geschenk und will das Kind gleich von Fleck weg adoptieren. Natürlich wird ihr bald klar, dass sie sich als Obdachlose nicht um sie kümmern kann, doch zur Polizei möchte sie trotzdem nicht gehen. Viel mehr fasst sie den Entschluss die Mutter zu finden und diese verantwortungslose Person zur Rede zu stellen, wie sie einfach ihr Kind aussetzen kann. Auf dieser Suche streifen die vier durchs halbe Tokyo und geraten auch in einige brenzlige Situationen.



Animes die richtig zum Thema "Weihnachten" passen, sind doch recht rar, vor allem auch noch mit deutscher Vertonung. Ein Glück, dass es wenigstens diese Perle nach Deutschland geschafft hat und sie sollte auch in keiner gut sortierten Sammlung fehlen. Für mich ist "Tokyo Godfathers" gleich doppelt ein Highlight, da auch noch einer meiner Lieblings-Anime-Regisseure beteiligt war - Satoshi Kon.

Eine Gruppe ganz verschiedener Charaktere findet ein Baby und muss damit zurechtkommen. Das ist ein grundsolides, zeitloses Grundgerüst für Filme die sowohl mit Komik als auch mit ein wenig Drama und Charakterstudie arbeiten wollen. Das dachte sich sicher auch Kon, als er die Idee von "Spuren im Sand" übernahm und die drei Bankräuber gegen drei Obdachlose austauschte und das dauch noch in der Megametropole Tokyo. Im Gegensatz zu seinen vorherigen Filmen, wie "Perfect Blue" oder "Millennium Actress", geht der Film einen gemächlicheren Gang, nimmt aber im Lauf der Handlung immer mehr Fahrt auf, weiß aber auch, wann man den Zuschauer Pausen gönnen muss. Trotzdem überschlagen sich die Ereignisse gerne mal und so wird die Gruppe um Gin, Hana und Miyuki mal zerrissen und bald wieder zusammengeworfen, wobei auch kurzzeitig unterschiedliche Handlungsstränge entstehen, die sich aber bald wieder zu einem Hauptstrang zusammenfinden. Die kleinen Pausen auf der wilden Reise durch Tokyo wird genutzt um ein bisschen Charakterstudie zu betreiben und vor allem um die Personen, mit denen man sich die ganze Zeit bewegt, richtig auszubauen. Das ist auf etwas knappen 88 Minuten ein bisschen schwierig, aber Kon nimmt sich gerne Zeit für seine Protagonisten.

Die Inszenierung ist dabei solide und gleichzeitig unspektakulär. Der Film hat natürlich auch seine Spitzen, wirkt aber nie ÜBERspitzt. Der Gedanke und der Geist von Weihnachten wird liebevoll aufgegriffen und widergespiegelt. Wenn man schon einmal drei Protagonisten mit einem Baby hat, denkt man doch gleich an die Heiligen Drei Könige und man bekommt gezeigt, dass es an Weihnachten um viel mehr gehen kann, als den puren Materialismus. Dem hat Satoshi Kon sowieso schon entgegengearbeitet, indem er seinen drei Protagonisten überhaupt nichts gegeben hat, nicht mal ein richtiges Zuhause.

Drei grundverschiedene Figuren, drei grundverschiedene Charaktere. Typisch für so eine Story hat jede Figur ihre speziell zugeschriebene Rolle. So ist der Transvestit Hana ein herzensguter Mensch, aber auch genauso durchgedreht wie exzentrisch. Er/Sie ist altklug, vorlaut und sogar recht eingebildet, hält die Gruppe aber fest zusammen. Gin hingegen ist ein Sturkopf und ein Einzelgänger.  Er ist oft von Hana genervt und hasst es von ihm/ihr bemuttert und bevormundet zu werden. Er ist oft grantig drauf, hat das Herz aber am rechten Fleck. Er gibt am wenigsten über seine Vergangenheit preis, was in der ersten Erzählung sehr melodramatisch ist, sich aber später plausibel ändert. Die letzte im Bunde ist die Mittelschülerin Miyuki, das "Kind" der Gruppe. Sie ist ein wahrer Dickkopf, doch auch genauso pflichtbewusst und warmherzig. Ihr liegen Hana und Gin sehr am Herzen, was sie aber nie offen zugeben würde. Sie hat es auf die Straße verschlagen, nachdem sie einen Streit mit ihrem Vater hatte und einfach weglief. Sie könnte jederzeit nach Hause zurück, ist dafür aber viel zu stolz und auf der anderen Seite auch zu beschämt.

Der Film bietet typisch-sympathische Animationen und ein realistisches Charakterdesign. Ein ganz besonderes Augenmerk sollte man auf die Mimiken der Figuren legen, denn sie sagen oft viel mehr als 1000 Worte - einfach typisch Madhouse. Das Drehbuch tut das Übrige. Die Story ist niemals zu sentimental, zu bezaubernd oder so melancholisch. Der Mittelweg wird gefunden und die die Dialoge weisen eine passende Eloquenz auf und können den Zuschauer sowohl zum Lachen, Schmunzeln, als auch zum Seufzen bringen. Im Mittelpunkt natürlich das dynamische Trio mit ihrem kleinen Zögling, die sich öfter kabbeln, als eigentlich gewollt. Dies wirkt hier und da ein wenig zu albern bzw. zu überzogen, aber das ist halt humorbedingt.

Die Synchronisation kann sich durchaus hören lassen, denn es sind bekannte Sprecher mit am Start, wie Walter von Hauff (Stammsprecher von Tim Allen), Kai Taschner (Kiff in Futurama) und Caroline Combrinck (1. Stimme von Ash Ketchum in Pokémon).


Fazit.
"Tokyo Godfathers" bekommt von mir eine klarer Empfehlung und das nicht nur für die Feiertage. Satoshi Kon hat hier eine skurrile und moderne Weihnachtsgeschichte mit ganz viel Herz entstehen lassen, die mit tollen Charakteren, einer rasanten Story und einer tollen Atmosphäre aufwarten kann. Eine Reise quer durch die japanische Metropole Tokyo, die dabei nicht nur die Geschichten der Charaktere offenbart, sondern auch einen Querschnitt der Stadt und ihrer Eigenarten zeigt, so schön und unschön sie auch sein mögen.






Ich wünsche euch, meinen Lesern, an dieser Stelle natürlich eine frohes Weihnachtsfest, schöne Tage mit der Familie und Freunde und hoffentlich ein paar tolle Geschnke! Frohe Weihnachten alle zusammen! :)

Bis dahin - Kling, Glöckchen, klingelingeling.








Fakten: http://de.wikipedia.org/wiki/Tokyo_Godfathers
Bilder:  http://outnow.ch/Movies/2003/TokyoGodfathers/Bilder/movie.ws/08

             http://www.ipicstorage.com/t-z/tokyo-godfathers
             http://liferthemoviecorner.blogspot.de/2012/02/tokyo-godfathers.html
             http://www.filmequals.com/2012/12/17/your-guide-to-guys-christmas-movies/
             http://sibatmedia.wordpress.com/2011/02/18/mini-review-tokyo-godfathers/

Kommentare:

  1. Das lief damals bei uns im Kino und ich hab es leider total verpasst. >__< Aber wenn ich mir das hier noch mal so durchlese und ansehe, muss ich das endlich mal nachholen. Ach, es gibt immer so unglaublich viel, was ich verpasse. xD

    Frohe Weihnachten! ;-)

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    1. Den Film solltest du dir unbedingt besorgen. Gibts auch sehr günstig auf DVD und für ein bisschen mehr in einer tollen Box mit Extras :)

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  2. Oh ja, der Anime ist so toll. Habe ich hier auch auf DVD und muss ihn auch mal wieder ansehen. Es hat mich damals wirklich überrascht, dass es am Ende eine richtige Weihnachtsgeschichte war, was ich von Kon bis dato gar nicht so gewohnt war. Ein Jammer, dass er von uns gegangen ist.

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