09.12.12

Film•Peteback: Hell


Diese Wochen wagen Sailor Strawberry und ich uns, auf die staubigen Straßen eines Endzeitszenario und dazu noch einem aus deutscher Hand. Ja ja!

Hell



Fakten:
Originaltitel: Hell
Originalsprache: Deutsch
Erschienen: 2011
Länge: ca. 89 Minuten
Regie: Tim Fehlbaum
Drehbuch: u.a. Tum Fehlbaum
Produktion: u.a. Roland Emmerich
Cast: u.a. Hannah Herzsprung, Lars Eidinge, Lisa Vicari, Stipe Erceg, Angela Winkler

Trailer: Hell

Kurz gesagt: "Hell" ist ein Endzeit-Thriller aus dem Jahr 2011, des schweizer Regisseurs Tim Fehlbaum. Der Film stellt sein Regiedebut dar und gewann einige namenhafte, deutsche Filmpreise und schaffte es sogar in die deutschen Kinos.





Im Jahr 2016 hat es durch Sonneneruptionen und die daraus resultierenden Sonnenstürme eine Klimaveränderung gegeben. Die Sonneneinstrahlung hat sich dramatisch erhöht und hat die einst fruchtbaren Regionen der Erde in karges Ödland verwandelt. Massentiersterben, Waldbrände, trockene Böden und Wasserquellen. Es ist ein Überlebenskampf für die restlichen Menschen geworden. Deutschland ist von dieser Katastrophe natürlich nicht verschont geblieben. Der Aufenthalt in der sengenden Sonne ist nur bedingt möglich und die nackte Haut und Augen müssen um jeden Preis geschützt sein. Selbst die Nächte sind nicht mehr das, was sie mal waren, denn es wird nicht mehr richtig dunkel, sondern sie sind hell wie bei Vollmond. Protagonisten sind Marie (Hannah Herzsprung), die mit ihrer jüngeren Schwester Leonie (Lisa Vicari) und ihrem Freund Phillip (Lars Eidinger), in einem ramponierten Auto ins Gebirge fahren, weil es dort noch Wasserressourcen geben soll. Unterwegs lesen sie an einer Tankstelle Tom (Stipe Erceg) auf, der sie zuerst berauben will und sogar Leonie bedroht, aber ihnen dann doch mit ihrem Auto hilft und für sein Bezin, etwas zu Essen bekommt. Als sie mit dem Auto einen umgestürzten Sendemast von der Straße schaffen, bemerkt die Notgemeinschaft an einem Abhang ein verunglücktes Fahrzeug...




Ein deutscher Endzeitfilm? Richtig gehört! Der schweizer Regisseur Tim Fehlbaum hat sich für sein Regiedebut an ein vernachlässigtes Genres des deutschen Films gewagt. Eigentlich eine gute Idee, gleich mit einem Film zu punkten, der Themen behandelt, die nicht schon 100 Mal im Jahr durchgekaut werden.

Deutscher Film, deutscher Cast und vorallem deutsche Drehorte! Man würde es bei den ausgedörten Landschaften, abgebrannten Wäldern, felsigen Gegenden und staubigen Straßen gar nicht vermuten, aber der Film wurde größtenteils in Deutschland gedreht. Drehorte waren unter anderem Höhlenalagen im bayrische Wald, das Rottaler Hügelland, Ostbayern und Gebiete um die Ilztalbahn. Die abgefackelten Wälder stammen aus Waldbrandgebieten auf Korsika. Dazu noch einen Überlichtungseffekt und das Endzeitsetting mit brennender Sonne ist perfekt.

Was "Hell" auf jeden Fall sehr gut schafft, ist Atmosphäre. Die Landschaften, die Menschen, die Ereignisse, die Handlungen der Personen. Was bei den Handlungen der Figuren zu sagen wäre, ist, dass diese sehr realitätsnah gehalten sind. Es gibt soweit keine überzogenen Szenen, nach der Art des One Man Soldier, wie es in "The Book of Eli" zum Beispiel der Fall war. Was den Bezug zu anderen Filme angeht, sind klare Anlehnungen an den genannten "The Book of Eli" oder "The Road" bzw. auch "Carriers" zu erkennen. Ob diese Anlehnungen nun bewusst gewählt waren, lässt sich nicht genau sagen. Trotzdem muss sich "Hell" nicht hinter den Genre-Kollegen verstecken.

Atmosphärisch ist Tim Fehlbaums Erstwerk ein Brett. Als Thriller funktioniert "Hell"  einwandfrei, obwohl es auch gerne an Spannung mangelt und kommt auch authentisch rüber. Das Schöne ist, dass man hier Menschen vor sich hat, die  genre-untypisch, gänzlich unbewaffnet sind was Schusswaffen angeht. Einfach Gegenstände wie Hämmer oder Schraubenschlüssen tun es ja auch, außerdem ist Munition in Deutschland schwer zu finden. Das erhöht natürlich auch den Spannungsgehalt etwas. Der Überraschungsgehalt der Handlung und was die Wendungen angeht, ist nicht sehr hoch, denn genre-kundige Zuschauer werden schon schnell mitbekommen, auf was die jeweiligen Ereignisse hinauslaufen werden. So ist ein junges Mädchen allein in einem Auto ein Garant für einen Überfall, oder ein einsamer Bauerhof mit einer verschrobenen, alten Frau ist auch sehr verdächtig und mysteriös. Die Charaktere erleben auch eine leichte Entwicklung über die Dauer der Handlung. Im Vordergrund stehen dabei natürlich die beiden Schwestern Marie und Leonie, die größtenteils ordentlich von Hannah Herzsprung und Lisa Vicari verkörpert werden. Hier haben wir das Motiv einer starken Frauenfigur vor Augen, die sich in einer Welt behauptet und sogar noch miteinander einige Probleme ausfechten müssen. Die Charaktere sind dabei sogar gegensätzlich wie auch unterschiedlich. Leider sind die Frauen nicht gleich gewichtet, was manchmal für einige Kopfschüttler sorgt. So ist die ältere Marie der sinnbildliche Mutterersatz für ihre Schwester und Leonie verkörpert leider eine reine Opferfigur. So wird sie mehrmals im Film bedroht oder gefangengenommen oder verschleppt. Sie bildet damit auch das Hauptziel in der zweiten Hälfte des Films.

Oft ist der Film von der Erzählung und Logik her verständlich und nachvollziehbar, aber es gibt auch genug Stellen, wo man sich denkt, dass die Leute nicht aus vorangegangen Fehlern gelernt haben. So die Sache mit Leonie, dass sie am Anfang von dem späteren Mitreisenden Tom bedroht und als Geisel genommen, wo vorher noch gesagt wurde, dass sie bei Phillip bleiben soll, des Schutzes halber. Allerdings wird sie 10 Minuten später wieder alleine im Auto gelassen und dann entwickelt sich das ganz zu einer Tragödie, weil man ja zwei Männer und eine Frau braucht um Benzin zu zapfen. Auch die Mitreise des Mechanikers Tom ist fraglich, da man eigentlich niemand in seine Notgemeinschaft aufnimmt, der ein junges Mädchen bedroht, die Gruppe beklaut und sich dann noch mit dem Mann der Gruppe prügelt. 

Meiner Meinung nach hätte man auch wenig mehr aus der Endzeitprämisse rausholen können, also die Sonnenstürme und die erhöhte Einstrahlung. Der Film ist, wie der Name auch sagt, hell und das ist auch schon die ganze Sache. Durch die Überlichtung der Szenen wird die hohe Sonneneinstrahlung verbildlicht und natürlich sieht man halt die ausgedörten Landschaften. Auch wird gezeigt, wie sich Phillip mit Mütze, Schal und Schutzbrille ausstaffiert um etwas draußen am Auto zu machen. Auch sind die Scheiben des Autos alle verblendet um so wenig Licht wie möglich hineinzulassen. Dann gibt es auch reichlich Szenen, wo die Gruppe ohne irgendwelchen Schutz draußen herumlaufen, ohne das irgendwelche Probleme auftreten. Damit wird eigentlich die Gefahr der Sonne auf Null heruntergespielt. Auch sind karge Landschaften ein interessantes Bild und auch sehr bezeichnend für die Zerstörung der Welt, aber es hätte sich sicher auch gelohnt, mal ein bis zwei verlassene Dörfer oder Städtchen zu zeigen, um auch den Verfall der Zivilisation zu zeigen.


Fazit.
Insgesamt bietet Tim Fehlbaums "Hell" ein allgemein positives Bild. Roland Emmerich hat das Potenzial des Films schon recht gut eingeschätzt und hat seine Hand über das Projekt gehalten, vorallem da Emmerich ja selber einen Faible für Endzeitfilme hat. Ein Film in einem untypisches, deutsches Genre, der es versteht den Zuschauer abzuholen und eine Atmosphäre zu erzeugen, die ein klaustrophobisches und beklemmendes Endzeitflair vermittelt und das ohne die übliche Computergrafik einzusetzen, die auch in solchen Filmen gang und gäbe sind. Die Idee, dass die Sonne, unser Lebensspender unser Feind wird, ist nicht revolutionär und wurde bei "Sunshine" schon besser verarbeitet. Die Darsteller leisten alle ihr Bestes und das ausnahmslos. Für ein Regiedebut hat Felhbaum hier wirklich ein ordentliches Produkt abgeliefert, das seine Existenzberechtigung hat, mit Schwächen zu kämpfen hat, aber trotzdem sehenswert ist.






Bis dahin - Tschödeldö






PS: Wie immer an dieser Stelle auch der Link zum Blog der Erbeerkriegerin und ihrer Kritik zu dem Film. Schaut mal rein!

Fakten: http://de.wikipedia.org/wiki/Hell_%282011%29
             http://www.filmstarts.de/kritiken/180824.html

Bilder:  http://www.bluplay.net/?blu-ray=hell
             http://www.screen-magazin.de/2011/09/13/hell-gewinnt-publikumspreis-beim-fantasy-filmfest/

             http://edieh.de/2011/filme/fff-2011-hell/
             http://www.moviegod.de/x/viewer/image_viewer.php?s=8&k=1329&i=40209

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