27.01.13

Film•Peteback: Idiocracy


Zukunftsmusik ist immer sehr interessant. Wenn dieser Blick in spätere Jahre erstens humoristisch ist und zweitens kritisch, dann ist das umso besser.

Idiocracy


Fakten:
Originaltitel: Idiocracy
Deutscher Titel: Idiocracy
Originalsprache: Englisch
Erschienen: 2006
Länge: ca. 84 Minuten
Regie: Mike Judge
Drehbuch: Mike Judge, Ethan Cohen
Produktion: Mike Judge
Cast: u.a. Luke Wilson, Maya Rudolph, Dax Shepard, Terry Crews, David Herman, Justin Long

Trailer: Idiocracy

Kurz gesagt: "Idiocracy" ist ein US-amerikanische Si-Fi-Komödie aus dem Jahr 2006, von Regisseur Mike Judge. Der Film zeigt eine dystopische Welt bzw. ein dystopisches Amerika im Jahr 2505, wo die degenerierte Gesellschaft am Rand eines Zusammenbruchs steht, Nun liegt es am durchschnittlichsten Mann der Gegenwart dies zu ändern.





"Nur ein mittlemäßiger Mensch ist immer in Hochform" - William Somerset Maugham.

Joe Bowers ist wohl der durchschnittlichste, mittelmäßigste Mensch, den man in den Vereinigten Staaten finden kann. Er kann nichts besonders gut, aber auch nichts besonders schlecht. Joe arbeitet als Bibliothekar bei der Army (was schon irgendwie merkwürdig klingt) und ist soweit mit seinem Job zufrieden, aber finanziell könnte es ein wenig besser laufe. Mit seiner Durchschnittlichkeit ist er ein optimaler Proband für ein streng geheimes Projekt der U.S.Army. Das Projekt mit dem Namen "Winterschlaf" soll erproben, ob es möglich ist Menschen einzufrieren, um sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufzutauen. Neben einen Mann soll noch eine Frau eingefroren werden. Dies soll die Prostituierte Rita sein, die aufgrund ihrer Fruchtbarkeit ausgewählt wurde. Das auf ein Jahr angesetzte Projekt gerät, durch einen internen Skandal, in Vergessenheit und Joe und Rita erwachen im Jahre 2505. Wie im Intro des Films klar wurden, haben sich die akademischen, intelligenten Menschen aufgrund ihrer Karrierevorstellungen nicht mehr vorgepflanzt und so haben sich die degenerierten, dümmlichen und einfach gestrickten Menschen immer weiter vermehrt, bis nun im Jahr 2505 die gesamte Menschheit mehr oder weniger verdummt ist. Joe muss nun in einer Welt zurechtkommen, die ihm ersten fremd ist und zweitens vor neue Herausforderungen stellt, denn anscheinend ist er nun der klügste Mensch auf dem Planeten...




Bei dem Namen Mike Judge, denkt man natürlich als erstes an seine Comicfiguren "Beavis und Butt-Head" die, durch die auf MTV großgewordene Serie, einen Kultstatus erreicht haben. Diese Serie ist nicht jedermanns Geschmack, dennoch hat sie eine ganze eigene Sozialkritik, die dem Zuschauer näher gebracht werden soll. Wo sich Mike Judge mit den beiden Figuren noch in der Gegenwart bewegte, wagt er mit seinem ersten abendfüllenden Film einen Blick in die Zukunft.

Die Art wie der Regisseur an die ganze Sache herangeht, ist alles andere als subtil. Viel mehr tut Judge das, was er auch schon mit Beavis und Butt-Head getan hat, er packt die Sache ganz unverblümt an. Es ist eine sehr offensive und ziemlich überzogene Darstellung die er gewählt hat, aber anders wäre es bei den Charakteren auch gar nicht möglich gewesen.

Wenn man die erste Hälfte des Films betrachtet, dann ist Judge wirklich ein grandioser Blick auf eine dystopische Zukunft gelungen. Nachdem Joe seiner Zeitkapsel entkommen ist und sich einigermaßen sicher in der Welt bewegen kann, gibt es einige gut platzierte Seitenhiebe auf die Konsumgesellschaft in der wir heute schon leben. So gibt es Einkaufsmöglichkeiten mit möglichst obszönen Namen und eine namenhafte Kaffeehauskette bietet auf subtile Art und Weise sexuelle Gefälligkeiten zum Kaffee an. Das Grundgetränk der Zeit ist ein Energydrink, die Reklame ist noch aufdringlicher und penetranter geworden und Nachrichten werden von Damen in knappen Kleidungsfetzen präsentiert. Die erfolgreichste Serie im Fernsehen dreht sich um einen Typ, der immer wieder etwas in die Eier bekommt und das schon seit über einhundert Folgen und von dem erfolgreichsten Film wollen wir gar nicht erst sprechen. Schaut's euch einfach an... Kurz gesagt, sämtliche moralischen und kulturellen Werte wurden über den Haufen geworfen und klassische, tugendhafte Ideale sind einer Reizüberflutung aus Sexualisierung und stupider Unterhaltung gewichen. Menschliche Abgründe tun sich da auf, dass es einen fast schon schockiert. Sehr interessant dabei ist zu sehen, wie die Menschen mit dem Verfall von Gebäuden umgegangen sind und wie sie die Vergangenheit in einem Museum aufgearbeitet haben. Zu köstlich! Was auf den ersten Blick sehr konservativ wirkt, entpuppt sich als gar nicht mal so an den Haaren herbeigezogen. Dennoch sollte man aber im Hinterkopf behalten, dass sich der Film in keiner Weise ernst nimmt.

Was vielleicht ein wenig an dem Film stört, sind einige Logiklücken die sich hier und dort auftun. So gibt es in dieser Gesellschaft immer noch eine Polizei und erstaunlich wenig Kriminalität. Auch hat man auf eine sehr einfache Art von Politik nicht verzichtet und es gibt sogar ein Rechtswesen. Diese Ämter sind aber allesamt nur noch ein Schatten ihrer selbst und mit genau denselben Idioten besetzt, die auch auf der Straße herumlaufen. Was will man sagen, wenn man erfährt, dass der Präsident der Vereinigten Staaten ein Pornostar/Wrestler ist. Auch fragt man sich, wie bei all der fehlenden Intelligenz diese ganzen futuristischen, technischen Maschinen entwickelt werden konnten, wenn es schon Probleme bei den einfachsten Matheaufgaben gibt. Ich schätze mal, dass es Mike Judge es mit der Logik allgemein nicht so genau genommen hat und so großartig stört es auch nicht. "Idiocracy" ist halt durch und durch Trash und ein B-Movie erster Güte. Das lässt sich auch an einigen Szenen sehr gut betrachten, denn die Hintergrundkulissen sind oft nicht wirklich gut, was dem geringen Budget dem Film zu schulden ist.

Was ein wenig mehr in Gewicht fällt, ist, dass der Film einem einfach zu lang vorkommt. Die Story würde um einiges mehr bieten mit dem man arbeiten könnte und das es sich zu zeigen lohnen würde. Leider verschießt "Idiocracy" sein gesamtes Pulver schon in den 40-50 Minuten Laufzeit und der Rest wirkt dabei wie ein leidender Lückenfüller. Mit der fortschreitenden Länge des Films geht auch das Witzpotenzial flöten. Der Humor geht langsam den Bach runter mit Szenen in denen einfach das primitive Unvermögen der Menschen ausgeschlachtet wird. Sprich, der Humor bewegt sich gegen Ende auf derselben Ebene wie der Humor im Fernsehprogramm der Zeit. Wer sich aber trotzdem noch amüsiert, dem wird anscheinend der Spiegel vorgehalten. Das bringt einen ja schon fast zum Nachdenken.

Was das Schauspiel angeht, so lässt sich gar nicht so viel meckern. Luke Wilson spielt die Rolle des durchschnittlichen Joe Bauers hervorragend und glaubhaft. Man nimmt ihm einfach ab, dass er sich in dieser Welt fremd fühlt und das er gar nicht so recht Lust hat, nun als intellektueller Retter der Menschheit zu gelten. Seine Partnerin Maya Rudolph, in der Rolle der Prostituierten Rita verblasst hingegen ziemlich und wirkt doch relativ austauschbar. Terry Crews in der Rolle von Präsident Comacho glänzt wie immer mit überzogenen Schauspiel, wie in eigentlich allen Filmen wo er mitgespielt hat.


Fazit.
"Idiocracy" ist ein wunderbarer Trashfilm über eine vielleicht nicht ganz so ferne Zukunft, mit einigen interessanten Denkanstößen und Seitenhieben auf unsere Heutige Zeit. Trotz der mäßigen Schwächen von Mike Judge erster großen Regiearbeit, ist der Film auf jeden Fall eine Empfehlung wert, denn unterhalten tut er wirklich vortrefflich. Das Schauspiel ist durchweg solide und wenigstens die Hauptcharaktere sind griffig und irgendwie sympathisch.





Bis dahin - Tschödeldö






Fakten: http://de.wikipedia.org/wiki/Idiocracy
Bilder:  http://collider.com/idiocracy-camacho-terry-crews-election/
             http://www.empireonline.com/features/how-cinema-sees-the-future/p13
             http://bmoviesofthedigitalage.blogspot.de/2011/02/idiocracy-2006.html
             http://www.filmstarts.de/kritiken/109539/bilder/?cmediafile=18760625
             http://movieline.com/2012/08/06/idiocracy-movie-spin-off-terry-crews-president-camacho/

Kommentare:

  1. Tolle Rezension! Ich mag den Film auch und kann ihn ebenfalls nur empfehlen, auch wenn er wirklich etwas zu lang ist. Er zeigt jedoch eine Zukunft, die ich - in ihren Befürchtungen - gar nicht mal so unwahrscheinlich finde. ^^;

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    1. Unwahrscheinlich ist sie nicht, aber wir wollen doch das Beste hoffen D:

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    2. *Finger kreuz* Pooositiv denken! :-)

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