13.01.13

Film•Peteback: Life of Pi - Schiffbruch mit Tiger


Da ich in letzter Zeit öfter im Kino war kann ich diese Woche mal etwas aus dem aktuellen Kinoprogramm vorstellen. Ein Film der mich, nach "Der Hobbit" sehr begeistert hat.


Life of Pi




Fakten:
Originaltitel: Life of Pi
Deutscher Titel: Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger
Originalsprache: Englisch
Erschienen: 2012
Länge: ca. 127 Minuten
Regie: Ang Lee
Drehbuch: David Magee
Produktion: Ang Lee
Cast: u.a. Suraj Sharma, Irrfan Khan, Rafe Spall, Gérard Departdieu

Trailer: Life of Pi

Kurz gesagt: "Life of Pi" ist ein US-amerikanisch-chinesischer Abenteuerfilm aus dem Jahr 2012, von Regisseur Ang Lee.  Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Yann Martel. Der Film erzählt die Geschichte von Pi (Piscine Molitor Patel), der einem Journalisten seine unfassbare Lebensgeschichte schildert, wie er mit einem Tiger einst Schiffbruch erlitt.




Pi (Piscine Molitor) Patel (Irrfan Khan) hat nicht nur einen außergewöhnlichen Namen, sondern auch eine außergewöhnliche Lebensgeschichte, die er einem Schriftsteller (Rafe Spall) erzählt. Er wuchs in Pondicherry auf, in einem harmonischen, stabilen Familienverhältnis. Sein Vater (Adil Hussain) war Zoowärter der einen eigenen, kleinen Zoo unterhalten konnte. So ist Pi von Anfang an mit wilden Tieren groß geworden und hat sie versehen und schätzen gelernt. In späteren Jahren, als Pi (Suraj Sharma) schon fast erwachsen ist, plagen die Familie Geldnöte und der Vater fasst den Entschluss den Zoo aufzulösen und mit der Familie nach Kanada zu gehen. Während der Reise gerät das Schiff in einen schweren Sturm, der das Schiff versenkt. Seitdem treibt Pi auf einem Rettungsboot mitten auf dem Ozean dahin. Er ist nun ein Schiffbrüchiger und ohne Familie, die es nicht mehr vom Schiff geschafft hat. Der einzige Mitüberlebende, mit dem er sich Pi das Rettungsboot teilen muss, ist ein  bengalischer Tiger namens Richard Parker. Es konnten sich auch noch ein verletztes Zebra, ein Orang-Utan und eine Hyäne auf das Boot retten. Doch man kann sich denken, wieso irgendwann nur noch der Tiger überlebt hat. So muss sich Pi mit diesem Raubtier auf engstem Raum arrangieren und baut mit der Zeit eine Beziehung zu dem Tier auf. Durch die Notfallausrüstung aus dem Rettungsboot, ist fürs erste für Verpflegung gesorgt, doch seine Reise mit Richard Parker über den Ozean soll noch sehr lange dauern...




"Schiffbruch mit Tiger" so einfach und plakativ der deutsche Titel des Films und des Romans doch ist, so fassen diese drei Worte die Handlung doch sehr gut zusammen. Wenn man dann noch den Originaltitel "Life of Pi" dazu nimmt, hat man ein Ganzes und es ist genau das was dem Zuschauer präsentiert wird; Das Leben von Pi, der Schiffbruch mit einem Tiger erleidet.

Wen man sich den Film angesehen hat, dann wird man die Parallelen zu den den üblichen "Feelgood-Movies" erkennen.  Ein Hoffnung spendender, emotional erhebender Film, der eine Botschaft zu vermitteln hat. Ein Mensch, der in geordneten Verhältnissen existiert, steht plötzlich vor nahezu unüberwindbaren Problemen und alles Elend der Welt prasselt auf ihn ein. Doch gegen Ende geht dieser Mensch gestärkt aus der Erfahrung hervor und erhebt sich wie der Phönix aus der Asche. Die Moral des gesehen kann auf das eigene Leben übertragen werden und der Zuschauer bekommt das zu hören, was eigentlich jeder hören möchte - nämlich, dass alles gut wird.

Das Wunderbare an "Life of Pi" ist, dass er auf vielen Ebenen angeschaut und verstanden werden kann. So ist für den einen, Pi's Abenteuer auf dem Ozean ein reiner Abenteuer Film, in dem ein junger Inder Schiffbruch erleidet und nun mit einem Tiger auf engstem Raum aushalten muss, ohne seine Krallen zu spüren. Auf dieser Ebene ist der Film grandios inszeniert. Der Mensch gegen die ungebändigte Natur und das gleich im extremsten Fall. Die einzige Sicherheit die der Junge hat, ist ein kleines selbstgebasteltes Floss, dass er sich aus einigen Teilen des Rettungsbootes zusammengeschnürt hat, welches gerademal genug Platz für ihn selbst bietet. Um ihn herum der lebensfeindliche Ozean und auf dem Boot der lebensfeindliche Tiger, der ihn nach den Tieren die er schon verschlungen hat, auch noch verfrühstücken will. Das ist eine Situation mit der nicht jeder auf Anhieb klar kommt. Doch Pi ist ein Mensch der Lösungen für seine Probleme findet und seien sie auch noch zu umständlich. So hat er, als kleiner Junge, auch das Problem mit seinem Namen behoben das er, aufgrund der Klangähnlichkeit zu "Pissing", in der Schule gehänselt wurde. Es gab einmal mehr den Moment, dass Richard Parker fast die Klauen in Pi's Leib geschlagen hätten. Dennoch fühlt sich der Zoodirektorssohn doch irgendwie für diesen Tiger verantwortlich, egal wie gefährlich er ihm sein kann. Sein Vater hatte ihn immer vor dem Tier gewarnt und ihm verschärft klar gemacht, dass man einen Tiger nie komplett dressieren und er schon gar kein Freund werden kann. Trotzdem teilt Pi seine Wasserrationen mit dem bengalischen König des Rettungsbootes und gibt ihm sogar zu essen. Schließlich macht er sich daran den Tiger zu bändigen und ihn sich gefügig zu machen, mit den beschränken Methoden, die ihm zur Verfügung stehen.

Auf der anderen Ebene funktioniert "Life of Pi" als Glaubensfindungsprozess, der ganz besonderen Art. Natürlich wird hier der Glaube an Gott bzw. an einen Gott nicht direkt propagiert, dennoch spielt der Film damit. Ang Lee hat es vermieden eine direkte Stellung zu einer Religion zu beziehen und so ist es auch im Buch. Der junge Pi versucht herauszufinden, welche der großen Religionen ihn nun näher an dieses Wesen namens "Gott" bringen kann und welche ihm das Sinnbild am besten vermittelt. Doch ist er mit jeder Religion in einer gewissen Weise unzufrieden und so probiert er sie halt aus. Er geht vom Hinduismus zum Christentum über und auch zum Islam, aber Gott kommt er nicht viel näher. Die Offenbarung zu seinen Fragen und seiner "Glaubenskrise" findet der Junge erst später im Film, in einer Situation, wo es eigentlich anderen zu tun gäbe. Und doch wird dann auch noch diese Offenbarung vom älteren Pi nicht direkt erklärt, denn es soll dem Zuschauer überlassen bleiben, was er nun aus dem Film mitnimmt und wie er die letzte und vermutlich wichtigste Frage im Film, für sich auslegt.

Das ist auch ein Punkt mit dem sich der Zuschauer zwangsweise auseinandersetzen sollte, selbst wenn man doch nur den Abenteuerfilm sieht. Die Frage am Ende. Die Aussage des Films, die Moral und Bildsprache, sie alle sollten richtig durchdacht werden. Wer nach dem Film nicht noch ein wenig nachgrübelt, der hat nichts aus dem Film mitgenommen und für denjenigen war er nur Popcornkino und das wird "Life of Pi" nicht gerecht. Ich will damit nicht sagen, dass es sich hier um einen Kunstfilm handelt, einen Film für Intellektuelle - es ist aber ein Film bzw. ein Buch, der/das sein wahres Potenzial komplett entfaltet, wenn man darüber nachdenkt. Man muss das, was man sieht verknüpfen. Was wird von Pi erzählt und was wird dem Zuschauer gezeigt. Erst dann weiß man wirklich, was man gesehen hat. Wie Tarkowskij einst gesagt hat "Wir schauen nur, aber wir sehen nicht."

Ang Lee ist ein Regisseur, der sich gerne Zeit für seine Charaktere nimmt und die Entwicklung leicht zugänglich macht, dass er damit auch wirklich jeden Zuschauer abholen kann. Trotzdem hat er auch einen feinen Sinn für Bildsprache und vor allem Bildgewalt, was vor allem an seinem Paradebeispiel "Tiger and Dragon" veranschaulicht wird. Diese Feinsinnigkeit für Figuren und Bilder kommt auch "Life of Pi" zugute. Pi ist der wichtigste Charakter im Film und wird von Anfang an aufgebaut, ausgebaut und veranschaulicht. Man lernt diesen Jungen kennen und vor allem schätzen und entwickelt Sympathie für ihn. Er hat nicht die Heldenambitionen, aber er weiß wie man die Dinge anpacken muss und ein kleine Portion Glück ist nun auch immer dabei. Das liegt natürlich auch an Suraj Sharma, der den jugendlichen Pi wunderbar spielt und darstellt, wobei er eigentlich ein Amateurschauspieler ist. Richard Parker ist auch ein Fall für sich. Er ist ein bengalischer Tiger und das durch und durch. Trotzdem merkt man über die Länge des Films, dass dieser Tiger etwas Besonders an sich hat, auch wenn das vermutlich nur durch die Augen von Pi geschieht. Der Tiger menschelt leicht. Man sieht ihn irgendwann nicht mehr als reelle Bedrohung, sondern als einen passiven Schicksalsgenossen, für den man auch Mitleid empfindet, wenn er sich wieder vom rauen Seegang übergeben muss. Ich erkannte da ein wenig Parallelen zu "Cast Away" mit Tom Hanks, der einen mit Blut beschmierten Volleyball als einen Gesprächspartner etablierte. So ist es auch mit Pi und seinem gestreiften Kollegen, außer, dass dieser ihm den Kopf abbeißen könnte.

Man würde es bei der Thematik des Films gar nicht vermuten, aber "Life of Pi" ist ein recht bildgewaltiger Film. Ich habe mit den Film in 3D angesehen und ich muss sagen, dass ich es nicht bereut habe. Man kann ihn sich aber genauso gut mit digitalem Bild geben. Denn natürlich ist der Film nicht durch und durch ein Effektfeuerwerk, doch gibt es hier und da Szenen die einem die Augen groß werden lässt. Sei es der Blick vom Pi, unter Wasser auf den untergehenden Frachter mit seinen Lichtern oder ein Wal der aus der Tiefe des Meeres hervorbricht, auf der Jagd nach leuchtenden Quallen und Plankton. Auch die Darstellung der indischen Stadt Pondicherry ist wirklich sehenswert und dabei auch die Szenen wo Pi im Zoo unterwegs ist. Es wirkt leicht losgelöst von der Welt.

Auch Richard Parker ist eine wahre Augenweide. Natürlich ist es nicht möglich alle Szenen mit einem echten Tiger zu drehen, das wäre von der Dressur und vom Tierschutz her gar nicht möglich gewesen. So hat sich Ang Lee dazu entschieden die Bodenständigen Szenen mit einem echten Tiger drehen zu lassen und den Tiger auf dem Boot größtenteils aufwändig animieren zulassen. Und Richard Parker ist der beste, animierte Tiger den ich je gesehen habe. Nur durch ein paar Kleinigkeiten fällt es einem auf, dass der Tiger nicht ganz echt wirkt, aber das ist zu verschmerzen.


Fazit.
"Life of Pi - Schiffbruch mit Tiger" ist ein Film der meiner Meinung nach das Prädikat "wertvoll" verdient hat. Der Film funktioniert als Abenteuerfilm so gut wie als Drama und lässt den Zuschauer, wenn er will, mit einigem Stoff zum Nachdenken aus der Vorstellung.  Der Film bietet für jeden etwas und kann sowohl von Groß als auch von Klein gesehen werden. Ang Lee Umsetzung des Bestsellers kann durch grandioses Schauspiel und eindrucksvolle Kameraeinstellungen und Bilder punkten, die sich garantiert im Gedächtnis versetzen. Wehe es hagelt da keine Preise von der Academy!





Bis dahin - Tschödeldö






Fakten: http://de.wikipedia.org/wiki/Schiffbruch_mit_Tiger
             http://www.filmstarts.de/kritiken/54343.html
Bilder:  http://www.internationalreporter.com/News-19779/movie-review-life-of-pi.html
             http://www.filmkritiker.com/life-of-pi-kino-film-kritik-com/
             http://www.frankfurt-tipp.de/kino/s/film/life-of-pi-schiffbruch-mit-tiger-usa-2012.html
             http://www.critic.de/film/life-of-pi-3829/bilder/58384/
             http://megatruh.deviantart.com/art/life-of-Pi-342105709

Kommentare:

  1. Hab den Film gerade gestern gesehen :) ich fand das Ende so toll, beziehungsweise den ganzen Film. Besonders die Möglichkeit die den Zuschauer gegeben wurde mit den Geschichten, nimmt man alles an oder denkt man nach, wobei dieses Ende das reine Betrachten des Filmes als Abenteuer sehr schwer macht, wenn man nicht total ignorant ist, weil einfach so viel aufgeworfen wird, was einen weiteren Blick verdient hätte, so viel wird angeschnitten und doch wird einem keine vorgefertigte Meinung geliefert, sondern die Möglichkeit selbst nachzudenken. Ich fand dieses Spiel mit der Erzählung spannend, aber ganz am Anfang hat mich der Journalist in seiner zweiten Szene gestört... gedanklich schon in der anderen Geschichte und dann wird man plötzlich in die filmische Gegenwart zurückgeholt ^^"

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    1. Ja gut, dass ist so ein kleiner Punkt der so oder so aufgenommen werden kann. Ich fand die kleinen Szenen, wo man wieder in der Gegenwart ist, nicht so schlimm da es ja immmerhin eine wirklich Erzählung ist, der man folgt. Aber die Einschnitte in die Gegenwart hätten ein bisschen gehaltvoller sein können.

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  2. Ich hab mir nur dein Fazit durchgelesen, da ich weder Buch noch Film kenne und mich da überraschen lassen wollte. Werde ihn aber nun auf alle Fälle sehen und dann les ich mir den Rest durch. :-)

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    1. Es sind eigentlich keine Spoiler in meiner Review drin, aber oke xD Ich freu mich auf deine Meinung zu dem Film! :)

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