20.01.13

Film•Peteback: Mean Creek


Independentfilme sind doch immer wieder sehenswert. Und wenn es sich dabei noch um einen Film über einen Jugendfilm handelt, ist es umso besser.

Mean Creek


Fakten:
Originaltitel: Mean Creek
Deutscher Titel: Mean Creek
Originalsprache: Englisch
Erschienen: 2004
Länge: ca. 90 Minuten
Regie: Jacob Aaron Estes
Drehbuch: Jacob Aaron Estes
Produktion: u.a. Susan Johnson, Rick Rosenthal
Musik: tomandandy
Cast: u.a. Rory Culkin, Josh Peck, Carly Schroeder, Trevor Morgan, Scott Mechlowicz, Ryan Kelley

Trailer: Mean Creek

Kurz gesagt: "Mean Creek" ist ein US-amerikanisches Drama aus dem Jahr 2004, von Regisseur Jacob Aaron Estes. Der Film bildet sein Spielfilmdebüt. Der Film erzählt die Geschichte von sechs Jugendlichen/Kindern, die eine Kanutour unternehmen wollen. Dies ist allerdings nur ein Teil eines perfiden Racheplan im Hinterkopf haben und einen von ihnen bloßzustellen.




Irgendwo in Oregon.
Sam (Rory Culkin) hatte eigentlich nur einen neugierigen Blick auf die Videokamera werfen wollen, mit der sich sein Schulkamerad George (Josh Peck) selbst beim Basketballspielen filmt. George findet das allerdings gar nicht super, das jemand an seine Kamera geht und noch weniger, das ihn jemand abschätzig beim Basketball spielen beobachtet. Prompt verpasst er Sam ein blaues Auge. George ist kein unbeschriebenes Blatt und die Auseinandersetzung mit Sam ist kein Einzelfall. Ständig macht ihm Geoge das Leben schwer und nicht nur ihm, sondern auch andren Mitschülern. Als Sam seinem großen Bruder Rocky (Trevor Morgan) von George erzählt, heckt sie zusammen mit dessen Freunde Marty (Scott Mechlowicz) und Clyde (Ryan Kelley) einen perfiden Racheplan aus, damit dem Schuldschläger endlich mal der Kopf gewaschen wird. Bei einer Kanutour soll dem gemeinen Raufbold endlich das heimgezahlt werden, was er sonst immer den anderen antut. Der Plan gerät allerdings in wanken, als während der Flussfahrt der vermeidliche Tyrann eine ganz andere Seite offenbart - nämlich die des bemitleidenswerten Außenseiters. Sam bittet daraufhin seinen Bruder den Plan abzublasen. Alle sind dafür, bis auf Rockys Kumpel Marty. In dem Teenager hat sich bereits so viel Wut gegenüber George und den Rest der Welt angestaut, dass er dem Plan auf keinen Fall kippen will. Zwischen ihm und George kommt es zu einer gefährlichen Auseinandersetzung mit folgenschweren Konsequenzen, welche das Leben der Kinder für immer verändern wird.




Coming-of-Age-Filme/Erzählungen sprechen mich ganz besonders an. Es ist etwas ganz anderes, zum großen Hollywoodkino mit hochkarätigen Schauspielern und millionenschweren Produktionskosten. Da ist es erfrischend zu sehen, dass auch Kinder bzw. Jugendliche eine spannende Handlung alleine tragen können.

Beste Beispiele sind hier natürlich die viel zitierten und hochgelobten "Stand by Me" von 1986, frei nach Stephen Kings Vorlage.  Zum anderen gibt es da noch "The Rivers Edge", der im gleichen Jahr erschien. Auch J.J. Abrams "Super 8" kann als Genrevertreter betrachtet werden und mit "Mean Creek" gibt es noch einen weiteren, wichtigen Vertreter, der sich hinter den anderen nicht zu verstecken braucht.

Genretypisch steht hier natürlich eine Gruppe Kinder/Teenager im Vordergrund. Erwachsene Spielen hier eine Neben- bzw. eine sehr untergeordnete Rolle. Der Fokus liegt auf dem Wesen der Kinder und ihrer Gefühlswelt. Es geht um den Verlust des Kindseins, der kindlichen "Unschuld" und einen plötzlichen, unverhofften Eintritt ins Erwachsensein mit all dem, was dazu gehört. Innerhalb eines engen Zeitrahmens wird eine ganze Welt auf den Kopf gestellt, durch folgenschwere, aufeinanderfolgende Ereignisse. Die Figuren werden in moralische Dilemmata versetzt und es steht die Frage im Raum, ob es nun dir richtige Zeit und ob die Charaktere stark genug sind Verantwortung für Andere, sich selbst und die eigenen Handlungen zu tragen. In "Stand by Me" ist es eine Bahnstecke die sinnbildlich für den Weg steht, in "Mean Creek" ist es der Fluss und beiden ist die Natur gemeinsam, in der diese Fragen thematisiert werden. Jacob Aaron Estes Regiedebut ist, im Gegensatz zu Rob Reiners Meisterwerk, viel kritischer und gleichzeitig ungeschönter. In dem Film gibt es kaum heitere Momente, die die bedrückende Stimmung auflockern, vor allem ab der zweiten Hälfte des Films.  Der Zuschauer bekommt eine atmosphärisch dichte Erzählung geboten. Estes schafft es von Anfang an einen gewissen, intensiven Grad an Spannung aufzubauen und auch aufrecht zu halten. So ein Film ist auch immer wieder ein Stück Charakterportrait. Es werden sowohl die positiven, als auch die negativen Seiten der Charaktere aufgezeigt und vor allem kritisch betrachtet. Es ist über die ganze Länge des Films nicht einfach eine klare Schuldzuweisung vorzunehmen und wie das Handeln der einzelnen Figuren nun wirklich zu bewerten ist. Erst im Abspann wird deinem vor Augen geführt, welche Strafen die jeweiligen Personen nun wirklich ereilen und wie die Gesellschaft die Schuldfrage bewertet. Keiner der Figuren wird dabei großartig in den Vordergrund gestellt und jeden bekommt die Zeit die wichtig ist, damit der Zuschauer sind identifizieren kann und bewerten kann.

Was das Aufzeigen von Moral und Ethik angeht, bleibt der Film recht distanziert. Es wird vermieden den Zuschauer mit der Nase draufzustoßen, was nun richtig und was falsch ist. Es bleibt einem selbst überlassen, wie man in der gegeben Situation nun am besten handeln sollte. Dabei im Hinterkopf aber immer den Fakt, dass es sich hier um Kinder bzw. Jugendliche handelt und ihre Gedankengänge doch ein wenig anders verlaufen, als die eines aufgeklärten Erwachsenen. Doch ist es gerade dieser innere Konflikt, mit dem sich die Figuren und der Zuschauer auseinandersetzten müssen und daraus resultiert auch ein Großteil der Spannung.

Was das Schauspiel betrifft, gibt es hier nichts zu meckern, sondern eher zu bestaunen. Die bekanntesten Vertreter im Cast sind wohl Josh Peck, Rory Culkin und Carly Schroeder. Mittlerweile dürfte Josh Peck durch seinen Serienerfolg "Drake & Josh" wohl der am besten gebuchte Schauspieler gehandelt. Hier sieht man ihn in einer sehr frühen Rolle, genauso wie den jungen Rory Culkin. Josh Peck verkörpert hier eine sehr wichtige Rolle, die des Schulraufbolds George. Estes hat es vermieden ihn als eindimensionalen Schläger darzustellen, der anderen Kindern gerne das Essensgeld abnimmt. Vielmehr ist er der vielschichtigste Charakter in der Erzählung, der aber erst nach und nach die einzelnen Facetten offenbart. Er hat gleichzeitig die Rolle als Täter und Opfer und Josh Peck weiß das auch sehr gut umzusetzen. Durchweg handeln die Figuren glaubhaft und authentisch. Jeder von ihnen weiß durch ein sensible Darstellung der jeweiligen Figur zu punkten. Die Komplexität der Gedankenwelt wird sehr gut aufgezeigt und die Emotionen werden grandios rübergebracht.


Fazit.
Jacob Aaron Estes "Mean Creek" ist ein film mit einer einfühlsamen, intensiven Charakterstudie. Die Story ist durchweg spannend erzählt und die Bilder die man gezeigt bekommt tun ihr Bestes um die Stimmung noch zu unterstreichen. Estes Regiedebüt ist ein Film, der sich hinter den großen Genrekollegen nicht zu verstecken braucht, denn er ist eindringlicher und irgendwo noch ein Stück erwachsener, was die Thematik angeht. Freunde des Genres kommen hier auf jeden Fall auf ihre Kosten.





Bis dahin - Tschödeldö






Fakten: http://de.wikipedia.org/wiki/Mean_Creek
Bilder:  http://www.impawards.com/2004/mean_creek_ver3_xlg.html
             http://exclaim.ca/Reviews/Film/mean_creek-jacob_aaron_estes
             http://thecia.com.au/reviews/m/mean-creek/
             http://www.fanpop.com/clubs/mean-creek/images/18517419/title/mean-creek-screencap
             http://www.carlyschroeder.com/projects.htm

Kommentare:

  1. Irgendwie würde ich ja schon gerne mal wissen, wie groß deine DVD-Sammlung eigentlich ist.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Schau in mein 150 Fakten Special. Da stehts drin :D

      Löschen