29.01.13

Game•Peteback: The Unfinished Swan (Mir schwant da etwas...)


Kennt ihr das auch? 

Ihr zockt euch durch die ganzen namenhaften Titel die ihr so im Regal stehen habt; Ballert mit einem ausgewählten Arsenal an Waffen um euch, sammelt mit sympathischen Figuren alles ein was nicht nieht- und nagelfest ist, meuchelt Wachen und böse Buben im Allgemeinen und zähmt ein paar Drachen und andere Ungeheuer, nur um dann später in einer aufgemotzen Karre den Highway entlang zu brettern. Man spielt und spielt und spielt, lässt sich von epischen Geschichten mitreißen und verbringt gerne Zeit mit Sidequests und Herausforderungen. Man ist daran gewöhnt ein Spielgeschehen zu erleben, welches auf mehrere Stunden ausgelegt bzw. gestreckt ist, sodass der Spieler lange daran Spaß hat.

Doch da ist auch diese kleine Ecke in einem jeden Gamerherzen, dass sich nach etwas "Anderem" sehnt. Etwas, das nicht jedes Spiel bietet. Etwas, dass das Spiel irgendwie einzigartig macht. Etwas, dass einen am Ende mit einem guten Gefühl zurücklässt und man etwas erlebt hat, das doch so kurz, aber so gehaltvoll war, dass man sich lange daran zurückerinnert. Ein Spiel das sagt; "Hey! Genieß mich! Beschäftige dich mit mir! Glaub mir, ich bin etwas ganz besonderes!"


Das Spiel, dass genau das zu mir gesagt hat war "The Unfinished Swan", ein Spiel vom Independent-Entwicklerstudio "Giant Sparrow". Ich hab es mir kurz vor Weihnachten bei einem Angebot im PlayStation Store gekauft und bin vor kurzen dazu gekommen es endlich mal anzufangen. Ich habe vorher schon einiges über dieses Indiespiel gehört und wusste ungefähr was mich erwartet.

Die Story wird einem kurz und knapp erläutert:
Man spielt den Waisenjungen Monroe. Nach dem Tod seiner Mutter soll er in ein Waisenhaus kommen. Seine Mutter war eine leidenschaftliche Malerin, mit dem einzigen Manko, dass sie niemals ein Bild zu ende gemalt hat. Als Andenken, durfte Monroe ein Bild mit ins Waisenhaus nehmen und er entschied sich für das Lieblingsbild seiner Mutter - den unvollendeten Schwan. Eines Nachts bemerkt der Junge, dass der Schwan aus seinem Bild verschwunden ist. Die gelben Fußspuren führen zu einer Tür, die vorher nicht dort war. Damit begibt sich Monroe in eine traumhafte Welt, die er noch nie gesehen hat.

Das Intro war zu ende und ich saß da und schaute auf einen weißen Bildschirm. Ich dachte das Spiel würde gerade laden. Ich bewegte nach ca. 2 Minuten einen Stick und hörte Schritte. Ich war also schon im Spiel, aber ich sah nichts - alles war weiß. Ich drückte einen beliebigen Knopf und ein kleiner schwarzer Ball flog hervor und zerplatze auf einer Oberfläche in einem großen, schwarzen Fleck. Mit diesen Farbbällen war es mir möglich meine Umgebung schemenhaft sichtbar zu machen. Bäume, Steine, Zäune, Gräser, Kisten, Treppen, Tore und sogar Tiere, alles war da! Nur es war alles weiß. Es ist ein merkwürdiges Gefühl, dass man selber eine Welt sichtbar machen kann, mit den einfachen Methode, dass man den Sachen Konturen verschafft.

So war ich mitten im Spiel. Ich folgte, in der Egoperspektive, den Fußspuren des Schwans der hier und dort auftauchte und mir die Richtung wies. Man hat in "The Unfinished Swan" vier Kapitel die man erleben kann. Diese sind von der Spielweise recht unterschiedlich, aber doch haben eine gewisse Grundstruktur. Während man sich im ersten Kapitel noch auf das Einfärben der Welt konzentrierte, kommt im zweiten Kapitel ein wenig Mechanik dazu. Man muss Rätsel lösen und mit seiner Umwelt agieren um voran zu kommen. Begleitet wird man nicht nur vom Schwan, sondern auch von der Geschichte an sich. Auf den vorgefertigten Wegen findet man immer wieder Buchstaben an den Wänden, die durch Interaktion eine Buchseite freigeben und man bekommt einen Teil der Geschichte um diese merkwürdige, teils farblose Welt erzählt. In der geht es, soviel sei gesagt, um einen König, der ein ganzes Königreich gemalt hat. Und Monroe bewegt sich nun in diesem Königreich. Das erklärt auch warum die Welt im zweiten Kapitel schon Konturen und Schatten hat. Der König hat in seiner Burgstadt angefangen Schatten an die Dinge zu malen, weil die Bewohner es satt hatten Sachen zu verlieren, oder irgendwo gegen zu laufen.

"The Unfinished Swan" hat eine Spieldauer von ca. 2-3 Stunden. Ich empfehle aber das Spiel an einem Stück durchzuspielen. Man sollte sich Zeit für das Spiel, die Geschichte und die Welt nehmen. Alles geschieht wie in einem Fluss und das sollte nicht unterbrochen werden. Wer sich in das Spiel einfindet, der findet sich in einem kleinen, feinen Märchen wieder, dass Stück für Stück erzählt wird. Ein Märchen, dass zu noch mit nicht allzu schweren Rätseln und Adventure-Aufgaben gespickt ist.


Das Spiel lebt viel von seiner Optik und die auf der einen Seite recht simpel, aber doch so genial. Gerade Menschen die sowieso eine kreative Ader haben, wird es auf jeden Fall ansprechen. Man muss nicht stinkt geradeaus laufen. Es lohnt auch mal sich umzugucken, die Welt zu begutachten, um hier und dort Sachen zu entdecken. So schläft in der Stadt ein Riese und auf einem Dach kann man vom Schloss aus einen Teller mit Toastscheiben erkennen, den der Riese dort abgestellt hat. An einem anderen Punkt im Spiel kann man durch die Kanäle der Stadt ein Seeungeheuer tauchen sehen und mit den später auftauchenden Blumenranken lässt sich auch einiges anstellen. Ich selber erwischte mich dabei, wie ich Räume und Mauern mit Ranken dekorierte, nur um ihre Form greifbarer zu machen und um zu sehen, wo sie überall hinreichen können. Man ist nicht direkt der Erschaffer dieser Welt, aber man nimmt mit ihr Kontakt auf und kann sie formen und sie sich zu eigen machen.

Die Stimmung des Spiels ist anfangs recht heiter und man jagt dem Schwan hinterher, bis man im dritten Kapitel in einem dunklen Wald landet und nun mit dem konfrontiert wird, was man vorher verbreitet hat. Schwärze. Hier ist es an Monroe den Weg aus dem Wald zu finden und dabei nicht von den Spinnen erwischt zu werden, die in der dunklen Schwärze lauern. Hilfe bekommt er dabei von birnenartigen Früchten die buntes Licht abgeben. So taucht man immer tiefer ein in die Geschichte ein und merk selber, wie man immer melancholischer wird, wie auch die Geschichte um den König. Sie wird düsterer, aber nie unangenehm. Es ist wie ein kleines Lebensdrama, welches man sich von außen betrachtet, aber doch mitten drin ist. Dabei wird immer darauf geachtet, dass nie zu viel erzählt wird. Die Geschichte um den König, seine Werke und seine Frau ist angefüllt mit Metaphern und Andeutungen. Es ist das, was der Spieler darin sieht und deshalb sollte man der Geschichte aufmerksam folgen.

Ein klein wenig störend fand ich den Ansatz, dass die Entwickler versucht haben einen Wiederspielwert im Spiel zu schaffen. So verteilten sie in den Kapiteln Luftballons, die man finden soll, damit man im Hauptmenü kleine Gadgets und Concept Arts freischalten kann. Wirklich interessant sind dabei aber nur die Konzeptzeichnungen und die kann man auch freischalten, denn man die Ballons einsammelt, die sowieso auf dem Weg liegen. So etwas wirkt einfach unpassend und teilweise stört es ein wenig das Gesamtbild. Wenn ein Spiel kurz ist, dann sollte es das auch bleiben. Wenn der Spieler es noch einmal spielen möchte, dann doch aus den Motiven, dass das Spiel gut ist und nicht, dass das Spiel an das Sammlebedürfnis appeliert.


Fazit.
"The Unfinished Swan" ist ein Spiel wo ich nach langer Zeit mal wieder "Wow!" gesagt habe. Das Spiel hat mich gefesselt, mich beeindruckt und vor allem berührt. Es war jeden Cent wert, den ich dafür ausgeben habe und ich bin froh, dass es Entwicklerstudios gibt, die einen aus dem Gamer-Alltag rausholen und zeigen, dass es noch andere Welten geben kann. Welten, die fantstisch und traumhaft sind. Welten, die sich auf einfache Darstellung beschränken, aber doch so viel zeigen und geben können. Welten, die in sich geschlossen sind, die nicht unbedingt frei begehbar sein müssen. "The Unfinishes Swan" ist ein Spiel das genossen und geschätzt werden möchte. Ich sehe es im Nachhinein als kleinen Urlaubstrip in eine Welt, die ich so vorher nicht nicht gesehen habe.





Bis dahin - Tschödelödö





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