22.02.13

Game•Peteback: I Am Alive


Lachend geht die Welt zugrunde.

Wenn's doch mal so wäre. Wenn es um das Ende der Welt, das Ende der menschlichen Zivilisation, das Ende der einfachen, modernen Welt geht, dann gibt es dazu einige Spekulationen. Jüngst überlebten wir gerade noch den 21.12.2012, an dem die Welt eigentlich untergehen sollte. 2000 hatten wir Glück, dass die Computer nicht ausgetickt sind und die Welt in's Chaos gestürzt haben. Die Gefahr lauert überall!

Doch was ist, wenn es die Menschheit mal wirklich hart trifft? Atomare Kriege, Sonnenstürme, Erdbeben, Tsunamis, Vulkanausbrüche - and so on, and so on. Filme haben uns schon oft vor Augen geführt, wie so etwas aussehen kann und wie das ganze ablaufen wird. In Spielen kann man das ganze Ausmaß dieser Tragödien am eigenen, virtuellen Leib erfahren.


"I Am Alive". Ich bin noch am Leben.
In dem Szenario von "I Am Alive" tritt genau das ein, worüber ich weiter oben schon geschrieben habe. Die Welt wird ins Chaos gestürzt. Ob es nun wirklich die ganze Welt ist, kann man nicht genau sagen. Was man aber sagen kann, ist, dass es die USA extrem hart getroffen hat. Erdbeben haben Landstriche, Straßen, Stromnetz, Wasserversorgung und Städte zerstört und Überschwemmung haben die Küsten verwüstet. Die komplette Infrastruktur wurde lahmgelegt und die Regierung hat schon bald kapituliert, allen Menschen zu helfen.

Das post-apokalyptische Abenteuer wurde von "Darkworks" (Alone in the Dark, Cold Fear) angefangen und wurde später von "Ubisoft Shanghai" zu Ende gebracht. Wenn man sich frühe Trailer zu dem Spiel ansieht, dann wird man stutzig werden, denn man bekommt dort ganz andere Bilder zu sehen als später im Spiel. Das liegt größtenteils daran, dass das Spiel am Anfang ganz anders aussah, als Darkworks noch mit der Entwicklung beschäftigt war. Da diese aber ihren Fokus auf andere Spiele richten wollten, haben sie das Projekt an das Ubisoft-Studio in Shanghai weitergegeben, die das Spiel komplett überarbeitet haben.

Plot.
Ein Jahr nach dem "Vorfall" kommt der Protagonist in Haventon an. Die Stadt liegt an der Westküste der USA, während er, während des Vorfalls an der Ostküste war. Er brauchte eine Jahr um den Kontinent zu durchqueren, da es kaum noch Transportmittel gibt. Er kommt in die Stadt um seine Frau und seine Tochter zu suchen, von denen er seit dem Vorfall nichts mehr gehört hat. Seine Reise zeichnete er mit einer kleinen Videokamera auf. Sein ehemaliges Zuhause findet er leider verlassen vor und es gibt keine Spuren von seiner Familie. Die Suche geht also weiter. Draußen auf den Straßen trifft er ein kleines Mädchen, dass er fälschlicher Weise für seine Tochter hält. Er rettet die Kleine vor einigen Kerlen und sie sagt, dass sie Mei heiße und ihre Mutter suche, welche verschwunden ist. Mei hat ein Funkgerät bei sich, mit dem sie zu einem Mann namens Henry Kontakt hält. Dieser bitten den Protagonisten sie zu ihm zu bringen. Henry bittet uns später Meis Mutter zu finden und eine Flucht aus der zerstörten Stadt zu ermöglichen.


Man spielt den Protagonisten aus der Third-Person-Perspektive. Nur um mit einer Waffe zu zielen schaltet das Spiel in die Egoperspektive. Dabei wird ein Ziel immer automatisch anvisiert, man kann auf Wunsch aber auch manuell zielen um bestimmte Körperteile zu treffen.

"I Am Alive" legt sehr viel Wert auf die Interaktion zwischen den überlebenden Menschen. Diese Leute die man trifft kann man grob in drei Kategorien einteilen. Menschen die einem feindlich gesinnt sind und einen berauben wollen, Menschen die ihre Habseligkeiten verteidigen wollen und Menschen die Hilfe benötigen. Das Verhalten des Spielers ist dabei ausschlaggebend, wie eine Situation endet. Wenn wir um eine Ecke gehen und plötzlich mit einer Waffe bedroht werden und gesagt bekommen, dass wir uns verziehen sollen, haben wir die Möglichkeit den Aggressor zu beruhigen und uns zu entfernen. Optional können wir auch zuerst das Feuer eröffnen und ihn töten, um eventuell an seine Sachen zu kommen. Ein interessantes Feature ist, dass wir selbst mit einer ungeladenen Waffe Leute einschüchtern können. Dieses funktioniert eine gewisse Zeit lang, bis die Bedrohten den Bluff durchschauen und selbst handgreiflich werden. Bis dahin kann man die Leute aber in Abgründe oder in Lagerfeuer stoßen, oder sie niederschlagen.

Das Waffenarsenal ist denkbar gering. Am Anfang hat man nur eine Machete und eine Pistole mit denen man sich verteidigen kann. Später bekommt man noch einen Jagdbogen und kann optional noch eine Schrotflinte ergattern. Wer sich nun sicher fühlt, der irrt. Munition für die Pistole ist rar und man sollte sich jeden Schuss gut überlegen. Die Pfeile des Jagdbogens kann man hingegen immer wieder einsammeln. Die Shotgun ist in dem Spiel nur ein Extra und man bekommt sie mit fünf Schuss. Wenn diese verbraucht sind, dann war's das mit der Waffe. Sie ist aber noch zum bluffen sehr nützlich.

Ein Hauptaugenmerk wird bei "I Am Alive" auf das Klettern gelegt. An Hauswänden, Hochhäusern, Strommasten, Brücken und und und. Der Protagonist ist dabei sehr flink und widerstandfähig, aber jede Klettereinlage senkt auch sofort den Ausdauerbalken und man kann sehr leicht abstürzen. Das Klettern wird vereinfacht durch einen Enterhaken, den man später im Spiel findet und Kletterhaken, die man in Wände rammen kann, um sich auszuruhen. Diese Kletterpartien sind oft sehr stressig, weil man den Weg oft nicht sofort sieht und die Ausdauer stetig runtertickt. Da kann schon mal zu Frustmomenten führen.

Ein kniffeliger Punkt ist das Ressourcen-Management, welches auf dem normalen Schwierigkeitsgrad schon recht streng ist. Der Protagonist hat einen Gesundheits- und einen Ausdauerbalken, welche auch gepflegt werden wollen. Durch laufen, klettern und hängen leert sich der Ausdauerbalken und wenn dieser leer ist, dann verringert er sich auch noch. Dem entgegenwirken kann man mit Nahrungsmitteln und Medikamenten. Hier und dort findet man in der Stadt Konservendosen, Wasserflaschen, Soda-Getränke, Erste-Hilfe-Kästen und Schmerzmittel. Dazu kann man noch andere Gegenstände finden, mit denen man anderen Menschen helfen kann, wie z.B. eine Weinflasche, Gemüse, Batterien oder Inhalatoren. Man sollte sich also gut in der Stadt umsehen um den Rucksack voll zu haben. Der Weg muss sich aber lohnen. Wenn man anderen Menschen hilft, bleibt das auch nicht ganz unvorteilhaft, denn dadurch bekommt man "Wiederholungen". Diese erlauben dem Spieler beim Tod vom letzten Kontrollpunkt neu zu starten.


"I Am Alive" ist wohl das grauste Spiel, was ich je gespielt habe. Farben sieht man nur selten und alles ist in bedrückende Grau- oder Brauntöne gehalten. Diese Farbgebung ist der Atmosphäre aber sehr zuträglich, denn diese soll auch gedrückt sein. Man merkt, dass die Stadt eine ganz andere Welt ist, eine böse Welt, eine Welt die schreit - Du bist hier nicht willkommen! Gefahren lauern hinter jeder Ecke, Munition und Lebensmittel sind rar, allein die Luft ist kaum atembar und Menschen brauchen dringend Hilfe. Man hat die Wahl den Menschen zu helfen. Mit Wasser, Nahrung, Medikamenten oder Gebrauchsgegenständen, die man selber eigentlich braucht. Wer allerdings den Weg des guten Karmas folgt, der wird mehr "Wiederholungen" haben und am Ende mit einer guten Endwertung belohnt.

Ich war an manchen Stellen schon bestürzt über die Stadt, in der ich mich bewege. Man sieht Leichen und Skelette an Häusern lehnen und in Zelten liegen. An einer Straße steht ein Rollstuhl in dem ein Teddy sitzt und daneben liegt ein Skelett. Pures Unwohlsein. Die Menschen haben sich auf Häuser zurückgezogen um dem Staub zu entkommen, der in Bodennähe wabert und die Lunge zerstört. Ich habe eine Mall gesehen die zwar voll mit Zelten und Behelfswohnungen war, aber keine Menschen beherbergte. Perfider Weise wurden aber Schaufensterpuppen in Zelte und auf Stühle gesetzt. In einem Kanalrohr entdeckte ich einen aufgehängten Mann. In einem Hotel entdeckte ich menschliche Rippen und ein Bein und blutige Messer im Waschbecken. Auf einem gekaperten Schiff entdeckte ich einen Raum voll mit Skeletten und halb verwesten Leichen. In einem U-Bahn-Schacht entdeckte ich einen bewachten Raum mit gefangenen Menschen. Sollte ich ihnen helfen? Das würde Munition verschwenden und vermutlich auch Medikamente?

Hier dort erlebt man noch Menschlichkeit. Ein Mann schenkte mir eine Weinflasche und eine Konserve, von zwei Kindern bekam ich zwei Tomaten geschenkt. Älteres Ehepaar sitzt auf Campingstühlen auf einem Dach und erzählen von damals. Es sind Glücksmomente wie diese, die die Welt ein wenig heller machen.

Man kann das Spiel durch und durch als Survival Horror bezeichnen. Im Staub kann man kaum zwei Meter weit sehen und in der Nacht werden die Straßen erst richtig gruselig. Es kommt dabei leichtes Silent-Hill-Feeling auf. Die Munition ist knapp, man kann sich nur schwer erwehren und die Gegner sind meist in der Überzahl und auch gut bewaffnet. Schleichen und verstecken kann hilfreich sein. Der Soundtrack tut dabei den Rest. Er untermalt jede Situation perfekt. Atmosphärisch ist "I Am Alive" wirklich ein Brett.


"I Am Alive" ist durch und durch ein Arcade-Titel und kommt so auch nicht ohne Schwächen aus. Das Charakter Modelling ist recht mies und das Spiel hat eine gewisse Tiefenunschärfe, die in einigen Situationen sehr störend ist. So kann man oft nicht sofort erkennen, welcher Gegner nun eine Pistole trägt. Das kann sehr frustrierend sein, da man dadurch wieder Gesundheit verliert oder stirbt. Die Ausdaueranzeige ist auch oft nervig. Man kann nie in Ruhe seinen Kletterweg planen, alles muss spontan funktionieren. Zum Glück sind die meisten Wege linear und gut sichtbar. Auch eine bessere Kamera wäre ratsam gewesen, damit man besser um Ecken schauen kann. Auf den Konsolen dürfte die Grafik wohl für Gänsehaut sorgen, mit verwaschenen Texturen, Kantenflimmern, Unschärfe - das ist alles nicht sehr schön anzusehen. Auf dem PC sieht das Spiel um einiges schöner aus. Wenigstens sind die Lichteffekte sehr schön.

Das Spiel spart auch an Abwechslung. Es gibt eine Kletterpassage, dann wird wieder gekämpft, dann wird wieder geklettert, dann gekämpft und dann macht man sich auf den Weg zum Ausgangspunkt. Auch die Gegner sind Einheitsbreit. Entweder haben sie eine Machete, Pistole, oder eine Schutzweste. Vielleicht mal ein Beil, Axt oder ein Jagdmesser einzufügen wäre schön gewesen. Auch das man besiegte Gegner nicht plündern kann, ist schade. So findet man manchmal schon eine ungeladene Waffe. Enttäuschung pur.

Fazit.
"I Am Alive" hat mir eine wunderbare post-apokalyptische Welt gezeigt, in der das Leben hart und rau ist. Das Spiel ist atmosphärisch sehr dicht und teilweise auch nichts für schwache Nerven. Die Klettereinlagen sind teilweise recht fordernd, genau wie die Kämpfe und das Ressourcen-Management. Wer einen guten, post-apokalyptischen Survival-Trip erleben will, der ist mit "I Am Alive" auf der sicheren Seite. Meine Endwertung betrug übrigens 98%, da ohne viele Tode und recht zügig durchgekommen bin, ich versucht habe vielen Menschen zu helfen und auf den Konsum von "Fleisch" verzichtet habe.





Bis dahin - Tschödeldö






Bilder: http://www.ign.com/blogs/leedoc93/2012/10/15/i-am-alive-review/
            http://splitkick.com/i-am-alive-impressions/
            http://www.ign.com/boards/threads/review-i-am-alive-long-read-cliffs.452437916/

Kommentare:

  1. Irgendwann, irgendwann wird eine Zeit kommen, in der ich dieses Spiel auch ohne ragequit aus dem Fenster werfen kann. Einfach so. Weil ich es scheiße finde.

    XD

    ;P

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    1. Man kann ja auch noch Träume haben, nech? :D

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