28.04.13

Film•Peteback: I'm Not There


Diese Woche bewegen wir uns mal im musikalischen Genre, mit;

I'm Not There


Originaltitel: I'm Not There
Deutscher Titel: I'm Not There
Originalsprache: Englisch
Erschienen: 2007
Länge: ca. 135 Minuten
Regie: Todd Haynes
Drehbuch: Todd Haynes, Oren Moverman
Produktion: u.a. Christine Vachon, John Goldwyn
Musik: Bob Dylan
Cast: u.a. Christian Bale, Cate Blanchett, Richard Gere, Heath Ledger, Ben Whishaw, Charlotte Gainsbourg

Trailer: I'm Not There

Kurz gesagt: "I'm Not There" ist eine Filmbiografie über den amerikanischen Folk- und Rockmusiker Bob Dylan, aus dem Jahr 2007. Regie führte Independent-Regisseur Todd Haynes. Der Film zeigt in sechs einzelnen, nicht chronologischen Episoden Szenen und Ereignisse aus dem Leben Bob Dylans. Der Grundstoff besteht dabei aus biografischen Szenen, als auch aus abstrakten Metabetrachtungen.


"I'm Not There" ist ein Film, der aus sechs einzelnen Episoden besteht, die immer einen anderen Bob Dylan zeigen und dieser wird immer von einem anderen Schauspieler bzw. Schauspielerin verkörpert.  Der Film zeigt unterschiedliche Persönlichkeiten, sowie Facetten und Ausschnitte aus Dylans Leben, die nicht immer wahr sind, aber doch eine Bedeutung haben. Die Handlungen der einzelnen Episoden werden kurz umrissen:



1. Der erste Bob Dylan ist der vagabundierende, afroamerikanische, 11-jährige Junge Woody Guthrie (Marcus Carl Franklin), ende der 50er Jahre. Er fährt unbemerkt auf Güterzügen durch das Land und kommt mal hier hin und mal dort hin. Immer dabei ist sein Gitarrenkoffer, mit passendem Inhalt und der plakativen Aufschrift "Diese Maschine tötet Faschisten". Er lernt neue Lebensweisen kennen, sammelt Erfahrungen und lernt unaufhörlich dazu, was ihm eine sehr erwachsene Einstellung zum Leben einbringt.

2. Der zweite Dylan ist Arthur Rimbaud (Ben Wishaw). Er ist junge 19 Jahre alt und sitzt in seiner Episode vor einem Untersuchungsausschuss und offenbart dort sein Selbstverständnis als Künstler und seine Einstellung zu Kunst und Musik. Er ist nicht direkt in eine Handlung eingebunden, sondern spielt die Rolle als Dylan der interviewt wird.

3. Jack Rollins (Christian Bale) ist der dritte Dylan. Er ist ein Folk-Sänger und für seine politischen Texte bekannt, in denen er auf gesellschaftliche, politische und kulturelle Misstände hinweist und damit zur Stimme einer neuen Generation und einer neuen politischen Bewegung wird.

4. Die vierte Facette Dylans wird durch den Schauspieler Robbie Clark (Heath Ladger) verkörpert. Bruchstückhaft wird die Geschichte einer unglücklichen, gescheiterten Liebe erzählt. Vom ersten Treffen mit Malerin Claire (Charlotte Gainsbourg), wo noch prickelnde Romantik zu spüren ist, bishin zur bitteren Scheidung der beiden.

5. Der fünfte Dylan wird von Cate Blanchatt dargestellt, der einzigen weiblichen Facette Bob Dylans.  Sie spielt die Folk-Musikerin Jude Quinn, Mitte der 60er Jahre. In dieser Episode erlebt man den viel diskutierten Stilbruch Dylans, als er eine Umorientierung durchmachte vom gesellschaftspolitischen Folk mit Wandergitarre, zum lauten Rock bzw. massentauglichen Pop. Auch werden hier die Schattenseiten des Erfolgs Dylans thematisiert.

6. Die letzte und sechste Facette Dylans wird verkörpert durch Billy the Kid (Richard Gere). Diese Episode ist wohl am metaphorischsten geraten. Kid lebt in dieser Episode in einer ruhigen, abgelegenen Western-Szenerie und versteckt sich dort vor seinem Rivalen Pat Garrett. Alles in Anlehnung an den Film "Pat Garrett jagt Billy the Kid". In dieser Episode treffen auch einmalig zwei Facetten von Dylan aufeinander. Die Erste und die Letzte - jung trifft alt.




Einen biografischen Film über eine Musiklegende zu machen, ist umso kniffeliger, wenn die Legende auch noch am Leben ist. Trotzdem hat es Haynes geschafft einen Film zu drehen und ein Drehbuch zu entwickeln, welches persönlich von Bob Dylan autorisiert wurde. Dabei haben sich Haynes und Dylan nie zu einem Gespräch getroffen. Nicht einmal Altmeister Martin Scorsese hat es mit "No Direction Home" von 2005 geschafft, eine Dylan-Doku zu schaffen, die die Aufmerksamkeit der Musiklegende auf sich zog. Dennoch ist die Doku sehr sehenswert.
"I'm Not There" ist wirklich ein spezieller Film geworden, den man so gar nicht als biografisch bezeichnen könnte.  Es ist eine experimentelle Art einer Biografie geworden, die zusammengesetzt ist aus dokumentarisch-anmutenden Aufnahmen, Originalmaterial, fiktionalen und metaphorischen Szenen, gepaart mit Originalmusik. Dabei wechselt der Film auch je nach Episode zwischen einen anmutenden schwarz-weiß Look, körnigen Filmaufnahmen und glänzenden Farbfilm. Regisseur Todd Haynes hat es geschafft die einzelnen Facetten in Mosaikform zu einem stimmigen Ganzen zusammenzufügen und dabei die verschiedenen Stilmittel und Dramaturgien der einzelnen Episoden voll auszuschöpfen. Als guten funktionierender Kleber fungiert dabei die eingesetzten Bob Dylan Songs, die u.a. als Brücken zwischen Episoden fungieren, als auch Szenen untermalen. Ein Spezialpreis für Todd Haynes, bei den Filmfestspielen in Venedig, konnte da natürlich nicht ausbleiben.

Marcus Carl Franklin, Christian Bale, Cate Blanchett, Richard Gere, Ben Wishaw und der kürzlich verstorbene Heath Ledger, alias. Woody Guthrie, Jack Rollins, Jude Quinn, Billy the Kid, Arthur Rimbaud und Robbie Clark, tun ist Bestes um die verschiedenen Facetten Dylans glaubhaft und individuell darzustellen. Dabei sind die Facetten mit dem jungen Marcus Carl Franklin und die mit Cate Blanchett wohl die, die vom Spiel her am interessantesten sind und auch in Punkto Story am meisten überzeugen können. Dennoch sollte man auch ein Augenmerk auf die Szenen mit Richard Gere und Heath Ledger legen, die nicht minder interessant geschrieben wurden. Die Interview-Szenen mit Ben Wishaw verblassen im Gegensatz zu den anderen ein wenig. Trotzdem ergeben nur alle Facetten zusammen ein Ganzes.
Fazit.
Todd Haynes hat einen faszinierenden Film geschaffen, der vor allem durch seine Machart und das Herzblut glänzen kann, was von Drehbuchautor, Regisseur und auch Schauspielern hineingesteckt wurde. Wer Dylan-Fan ist, der sollte diesem Film auf jeden Fall mal eine Chance geben. Verständlicher Weise, sollte man sich voll auf den Film einlassen und der der Handlung folgen. Da die einzelnen Episoden nicht chronologisch ablaufen, kann man auch schnell den Faden verlieren.






Bis dahin - Tschödeldö







Fakten: http://de.wikipedia.org/wiki/I%E2%80%99m_Not_There
             http://en.wikipedia.org/wiki/I%27m_Not_There
Bilder:  http://outnow.ch/Movies/2007/ImNotThere/Bilder/movie.fs/08
             http://gedankenzufilmen.blogspot.de/2011/11/im-not-there-2007-todd-haynes.html
             http://www.kinowerkstatt.de/index.php?p=archiv&id=3

21.04.13

Film•Peteback: Hidalgo


Diese Woche geht es rasant zur Sache, mit einem meiner Lieblingsfilme und gleich dazu noch mit einem meiner Lieblingsschauspieler.

Hidalgo


Fakten:
Originaltitel: Hidalgo
Deutscher Titel: Hidalgo - 3000 Meilen zum Ruhm
Originalsprache: Englisc, Arabisch
Erschienen: 2004
Länge: ca. 130 Minuten
Regie: Joe Johnston
Drehbuch: John Fusco
Produktion: Casey Silver
Musik: James Newton Howard
Cast: u.a. Viggo Mortensen, Zuleikha Robinson, Omar Sharif, Malcolm McDowell, Elizabeth Berridge, Said Taghmaoui

Trailer: Hidalgo

Kurz gesagt: "Hidalgo" ist ein Abenteuerfilm aus dem Jahr 2004, von Regisseur Joe Johnston. Das Drehbuch basiert auf der Biografie von Frank Hopkins und seinem Mustang Hidalgo. Der Film erzählt die Geschichte um Hopkins und sein Pferd, wie sie am berühmten 3000-Meilen-Rennen durch Arabien teilnehmen.




Wir schreiben das Jahr 1890.
Nach dem Massaker am Wounded Knee, einem Nebenarm des White River in South Dakota, bei dem viele Mitglieder eines Indianerstammes von Kavallerie-Soldaten getötet wurden, ist der ehemalige Kurierreiter Frank Hopkins (Viggo Mortensen) dem Alkohol verfallen. Seinen Lebensunterhalt verdient er sich momenten mit Show-Reitterein in Buffalo Bills Wild-West-Show. Zur Seite steht ihm bei den Shows sein treuer Mustang Hidalgo. Hopkins wird nebenbei als bester und schnellster Ausdauerreiter Amerikas gefeiert. Eines Tages trifft Hopkins auf Scheich Riyadh (Omar Sharif), welcher eines Vorstellung der Wild-West-Show beiwohnt, da er großes Interesse an Geschichten aus dem Wilden Westen hat. Der Scheich erfährt von Hopkins inoffiziellem Titel und läd ihn zum spektakulären und gleichermaßen gefährlichen 3000-Meilen-Rennen 'Ocean of Fire' durch Arabien ein, da eigentlich seinem Zuchthengst Al Hattal der Titel des besten Ausdauerrennpferds gebührt. Hopkins ist zunächst abgeneigt, willigt aber ein, nachdem der Diener des Scheichs Hildalgo schwer beleidigte. Außerdem winkt ein stattliches Preisgeld, welches Hopkins sehr helfen würde.




Filme in denen Pferde eine tragende Rolle spielen, sind im Allgemeinen nicht so mein Fall. Ich kann einfach mit den Tieren nichts anfangen. Dennoch, sind sie bei einem guten Abenteuerfilm in den Weiten Amerikas und hier auch in den weiten, trockenen Gegenden von Arabien unumgänglich. Das stört vor allem weniger, wenn ein Pferd noch zu einem gut etablierten Sympathieträger wird.

Die Story zu dem Drehbuch soll angeblich auf einer wahren Geschichte beruhen, doch wie das bei Hollywood so üblich ist, steckt da immer mehr Werbung hinter als Wahrheit. Dennoch, das Drehbuch von John Fusco bietet wirklich großes Potenzial, was Spannung, Acion und Dramatik angeht und das wird auch über die mehr als zwei Stunden Filmlänge auch recht gut ausgenutzt. Es kommt keinerlei langeweile auf, solange man der Geschichte folgt und sich auch für die auftretenden Charaktere interessiert. Dabei wechseln sich Passagen, die die Reise durch die Wüste Arabiens betreffen, mit Action-Passagen ab, oder gehen sogar nahrlos ineinander über. Viel wer wird dabei auch auf die Beziehung zwischen Frank Hopkins und dem Scheich gelegt, der von Omar Sharif verkörpert wird, der auch schon im Klassiker "Lawrence von Arabien" eine tragende Rolle spielte. Erfrischend spielt er einen einflussreichen Mann, der zwischen alten Traditionen und einer Offenheit zur Moderne und zur Welt hin steht. Auf den ersten Blick nimmt er die Rolle des Gegners von Hopkins ein, wobei man aber schon früh merkt, dass er ihm eigentlich sehr positiv gegenübersteht und mit der Zeit entwickelt sich daraus auch die obligatorische Freundschaft.

So offensichtlich wie die Beziehungsentwicklung zwischen dem Scheich und dem Cowboy ist, so verfährt Joe Johnston auch mit dem Rest des Films. Es gibt erstaunlich weniger Überraschungen und Wendungen für den Zuschauer zu erleben. Das ist auf der einen Seite furchtbar unoriginell und lässt zum typischen "War ja klar, hab ich doch gesagt..."-Satz hinreißen, ist auf der anderen Seite auch recht zuträglich für die Story, sodass man ihr mühelos folgen kann. Bekannte Schemata werden also bedient und auch Klischees des Western- und Abenteuer-Genres werden nicht ausgelassen. "Hidalgo" geht mit diesem Umstand aber recht souverän um, kann sich aber von Genre-Kollegen aus diesen Gründen nicht so recht abheben. Zuträglich ist die von Anfang an aufgebaute Grundspannung und die fesselnde Atmosphäre, allerdings lässt man dadurch ein wenig die Dialoge schleifen. Sie sind zwar gut aufgebaut und haben auch ihren eigenen Witz, trotzdem fehlt ihnen ein wenig de Tiefgang und Überraschungen bleiben auch hier aus.

Hauptdarsteller Viggo Mortensen schafft es im Großen und Ganzen die Rolle von Frank Hopskins überzeugend darzustellen. Er trägt zusammen mit seinem behuften Begleiter die Sympathie in dem Film, allerdings scheitert seine Darstellungs als Halbindianer, die man ihm einfach nicht abnehmen kann. Es wird zwar gesagt, dass diese Abstammung existiert und in kleinen Sequenzen wird das auch gezeigt, allerdings hätte der Film auch ganz gut ohne diesen Umstand funktioniert. Die anderen Charaktere werden nicht weniger solide gespielt, allerdings fehlt zu ihnen ein wenig der Bezug. Auch arbeitet Johnston mit ein wenig zu viel Schwarz-Weiß-Shema, was bei dem Genre aber nicht ganz unüblich ist.

Ein weiteres Augenmerk sollte man noch auf die geniale Kameraarbeit legen, die gerade in den Szenen wo die Reiter durch die Füste galoppieren für eindrucksvolle Bilder sorgt. Auch die Musik untermalt die Bilder perfekt und die Landschaftsaufnahen sind einfach atemberaubend. Auch die Effekte wie der gewaltige Sandsturm können sich wirklich sehen lassen.
Fazit.
"Hidalgo" wird vermutlich keinen Zuschauer enttäuscht zurücklassen, weil er genug Potenzial auch außerhalb des typischen Western-, Abenteuer-Genres. Durch die Überlänge kann der Film sich voll entfalten, was er auch vollkommen ausnutzt. Wer also ein Interesse an Abenteuerfilmen hat und auch etwas mit Pferden anfangen kann, der wird mit dem Film vollkommen zufrieden sein. Doch auch Genre-Unkundige Zuschauer sollten auch gerne mal einen Blick riskieren.





Bis dahin - Tschödeldö





Fakten: http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Verurteilten
Bilder:  http://outnow.ch/Movies/2004/Hidalgo/Bilder/movie.fs/03
             http://outnow.ch/Movies/2004/Hidalgo/Bilder/movie.xl/01
             http://outnow.ch/Movies/2004/Hidalgo/Bilder/movie.fs/04
             http://www.dvdsreleasedates.com/poster/1095/Hidalgo-movie-poster.html

14.04.13

Film•Peteback: 187


Diesen Sonntag gehen wir wieder weg vom großen, koreanischen Kino und wenden uns einer Filmlegende zu.

187

Fakten
Originaltitel: One Eight Seven
Deutscher Titel: 187 - Eine tödliche Zahl
Originalsprache: Englisch
Erschienen: 1997
Länge: ca. 114 Minute
Regie: Kevin Reynolds
Drehbuch: Scott Yagermann
Produktion: u.a. Bruce Davey, Stephen McEveety
Cast: u.a. Samuel L. Jackson, John Heard, Kelly Rowan, Clifton Gonzalez Gonzalez, Karina Arroyave

Trailer: 187

Kurz gesagt: "187" ist ein US-amerikanisches Thriller-Drama aus dem Jahr 1997, von Regisseur Kevin Reynolds. Der Drehbuchautor Scott Yagermann ließ eigene Lebenserfahrung als Lehrer in das Script mit einfließen. Der Film handelt von einem Lehrer an einer New Yorker Schule, der nach einem fehlgeschlagenen Mordanschlag auf ihn, an einer neuen Schule in L.A, einen Neuanfang wagen will.




Trevor Garfield (Samuel L. Jackson) ist Lehrer an einer High School in New York City. Er vertritt seine eigenen Ideale und versucht so, seine Schüler zum positiven zu beeinflussen, da die Schule einen hohes Aufkommen an afroamerikanischen und hispanischen Schülern und Schülerinnen hat, die aus keinen sehr guten Umfeld kommen. Gewalt, Desinteresse und Anarchie sind an der Tagesordnung. Als Trevor einem sehr schwierigen Schüler die Versetzung verweigerte, findet dieser später in seinen Lehrbüchern die Zahl "187" vor, was einer Morddrohung gleichkommt. Der Schüler sticht den Lehrer kurz darauf auf dem Schulgeläde nieder. Trevor wird dabei schwer verletzt, überlebt aber. Monate später ist Trevor wieder voll genesen, kann aber seinen Job an der Schule nicht wieder aufnehmen. Er zieht nach Los Angeles und nimmt an einer Schule in einem Ghetto-Bezirk eine Stelle als Vertretungslehrer an. Leider sind die Zustände an der Schule nicht viel besser, als bei seinem letzten Job - eigentlich ist es sogar noch schlimmer. Garfield kann nach seiner Nahtoderfahung nicht zulassen, dass sein idealistisches Weltbild vor seinen Augen zerbröckelt und stellt sich letzten Endes gegen diese Ideale indem er zu Selbstjustiz greift.




"187" bewegt sich auf einem schmalen Grat zwischen "Dangerous Minds" und "Club der toten Dichter" und bewegt sich damit in einer Grauzone, die zwar mit Klischees arbeitet, aber auch das amerikanische Schul- und Integrationssystem in vielen Staaten thematisiert.

DIe Gratwanderung die in dieserm High-School-Drama mit Thriller anleihen vorgenommen wird, ist leider nicht so geschickt, wie es sich der Regisseur gerne gewünscht hätte. Der Film stolpert mit fortschreiten des Films in eine Planlosigkeit hinein, gerade was die moralischen Aspekte angeht. Kult-Schauspieler Samuel L. Jackson nimmt hier die Rolle eines bis zum Äußersten getriebenen Lehrers ein, der in seiner eigenen idealistischen Welt gefangen ist und diese auch mit aller Macht durchsetzen will. Ebenfalls definiert er sich über seinen Beruf als Lehrer, da er dort die Position einer Respektsperson einnehmen sollte. So wird er auch etwas fahrig, wenn es jemand versucht an diesem Status zu rütteln, was er auch in einer Szene klar macht. Die einführenden Szenen bishin zum Mordanschlag auf Trevor bilden sein altes Leben, mit einer alten Gefühlswelt, die später einer ganz anderen Welt mit anderen Ansichten gewichen ist. Wo es zuerst darum ging, moralische und ethische Standpunkte zu vertreten und junge Leute auf eine ordentliche Bahn zu bringen, geht es später um die alte Devise "Auge um Auge, Zahn um Zahn" oder auch "Wie du mir, so ich dir". 
Die Narben liegen bei Lehrer Trevor tiefer als erwartet und so entbrennt anfangs ein interessantes Psychogramm eines gebeutelten Mannes, der sich wieder aufgerappelt hat, um eine Bestimmung zu erfüllen. Leider schießt er bei Weitem über's Ziel hinaus. Ab der Hälfte des Films verwandelt sich "187" von einem Psychodrama zu einer perfiden Rachefantasie, bei der Gewaltakte allerdings nur angedeutet werden, aber nie gezeigt. Man versucht Trevors Ausbruch aus seinem Weltbild als Verzweiflungstat mit einem tieferen Sinn darzustellen, doch wird es mit einer diebischen Freude von Samuel L. Jackson rübergebracht, dass es nicht wirklich durchkommt. Als Zuschauer wird man durch gut aufgebaute Spannung bei der Stange gehalten und das Spiel das Hauptdarstellers sorgt für den Rest. Allerdings fehlt in diesem Film gänzlich eine Sympathiefigur. Der Protagonist kann diese Position nicht einnehmen und der weibliche Gegenpart ist leider so blass, das sie dem Zuschauer eher egal ist. Auch die Klasse die Trevor betreut, entzieht sich jedem Gefühl von Mitleid oder Interesse.

Interessant bei dem Film sind aber die musikalische Untermalung vieler Szenen und vor allem die Kameraarbeit, die mit überraschenden Einstellungen glänzen kann und ein Gefühl für Lichtspiele und allgemein den Einsatz von Licht durchblicken lässt. Wenn das Sonnenlicht des Nachmittags durch ein die Schalosien der Klassenzimmerfenster fällt, dann sieht das schon sehr eindrucksvoll aus.
Fazit.
"187" ist bei Weitem nicht der beste Film mit Samuel L. Jackson, kann aber durch eine interessante Grundgeschichte und einen starken Hauptcharakter glänzen, dessen Potenzial allerdings nicht ganz ausgeschöpft wird. Der Film ist Spannend gemacht, bis zur letzten Minute, verfehlt aber etwas seine Aussage und schwankt zwischen klischeebehafteten, stereotypen Bildern und einer fragwürdigen Moralvorstellung des Hautpcharakters, die zu wenig kritisch betrachtet wird. Alles in allem hätte die Geschichte mit Einflüssen aus Drehbuchautos Scott Yagermann Leben als Lehrer, wohl als Roman besser funktioniert.





Bis dahin - Tschödeldö






Fakten: http://de.wikipedia.org/wiki/187_%E2%80%93_Eine_t%C3%B6dliche_Zahl
Bilder:  http://www.kino.de/kinofilm/187-eine-toedliche-zahl/fotoshow/44120/17699#fotoshowDetail
             http://www.imcdb.org/vehicle_11395-Crown-Supercoach-1974.html
             http://www.moviepostershop.com/187-movie-poster-1997

10.04.13

In Nuce #5 ~ Eine Reise durch's Adventure-Land - mit Evoland


Hurra, nach langer Zeit habe ich auch endlich mal wieder ein Thema für "In Nuce" gefunden.
Ich war intensiv auf der Jagd und konnte letztendlich ein kleines, interessantes Thema einkesseln und gefangen nehmen. 


Ich habe letztens, durch ein kleines Review-Video auf Youtube, von dem Adventure 'Evoland' erfahren und anscheinend ist es seit Kurzem sowieso in aller Munde. Als adventure-erfahrener, hipper Netzwerkpeople mit einem Hang zu Indie-Titeln, konnte ich es mir nicht nehmen lassen, mir das Spiel einen schmalen Taler zu organisieren.

Das kleine Entwicklerstudio 'Shiro Games' hat schon früher ein Spiel namens 'Evoland' herausgebracht, was nun unter dem Namen Evoland Classic bekannt ist. Da diese erste Version von Evoland fand so viel Zuspruch, dass Shiro Games sich an eine erweiterte Version machte und das das Resultat kann sich wirklich sehen lassen!

Bei 'Evoland' steckt der kleine, versteckte Hinweis auf 'Evolution' im Namen. Und der Name ist auch Programm,denn das Spiel durchläuft in vielerlei Hinsicht eine Entwicklung vom klassischem Adventure zum modernen. Im weiteren Sinne ist dieses Spiel eine Lobpreisung an das klassische Adventure-Genre und lässt dabei augenzwinkernde Hinweise und Anleihen auf bekannte Spielereihen wie "The Legend of Zelda", "Final Fantasy", "Dragon Quest" oder "Diablo" nicht aus. Auf der anderen Seite haben wir hier auch eine reine Persiflage vor uns, die mit kleinen, kritischen Seitenhieben zu dem Adventure-Stereotyp nicht spart. Gerade wenn man sich viel in diesem Genre bewegt, wird man um so herzhafter lachen können.

Das Game startet ganz altbacken. Der Held erwacht in einem Wald, irgendwo im Land Evolandia. Kein Name, keine Waffe und nur eine Fähigkeit - nach links laufen. Alles gehalten in einer gobpixeligen 8-Bit-Optik. Läuft man also nach links, findet man eine Kiste und erhält die Fähigkeit nach rechts zu laufen. Läuft man nach rechts, findet man die Fähigkeit sich auch nach oben und unten zu bewegen. In weiteren Kisten, findet man dann Fähigkeiten wie diagonal zu laufen, der Bildschirm wird erweitert, man findet ein Schwert und die Grafik wird merklich aufpoliert. Das Spiel baut sich allmählich selber im Spielverlauf auf und wird umfrangreicher, schöner und zeitgemäßer. Das ist wohl das interessanteste Feature des Spiels. Jede neue Erweiterung wird dabei mit einem kleinen "Kommentar" eingeblendet, der oftmal etwas zynisch ist. Nachdem man sich in Zelda-Manier durch den Wald gehackt hat, findet man auch ein Herzen-System, sodass man von Monstern nicht mehr per One-Hit kalt gemacht wird. Wenn man das letzte viertel der Herzen erreicht hat, schaltet das Spiel einen kleinen Pfeifton frei, mit dem passenden Untertitel "Dieser Ton kann ganz schön nerven, nicht wahr?". Das Zelda-Feeling ist damit komplett! Kommt man später aus dem Wald heraus, befindet man sich auf einer frei begehbaren Oberwelt. Bäm! Final-Fantasy-Style, natürlich auch mit Zufallskämpfen! Nahtlos gehen die Anspielungen ineinander über und ergänzen sich perfekt. Und so ist es auch nicht weit, bis zum nächsten Dorf und man begegnet dem ersten Party-Member und dann begibt man sich auch schon in den ersten Dungeon.

'Evoland' ist ein wirklich geniales Spiel geworden und ist jeden Cent der 8.99€ wert. Wer Adventures Marke Zelda, Final Fantasy und Co. mag oder liebt, der wird mit dieser Perle seine wahre Freude haben. Die Story ist adventure-typisch, die Musik klasse und die Charaktere sympathisch. Wenn man nicht alle Sidequests macht, wie Sterne oder Spielkarten sammeln, der wird mit dem Spiel in 3-4 Stunden durch sein. Mir hat das Spiel sehr viel Spaß gemacht und ich kann es wirklich nur empfehlen!





Bis dahin - Tschödeldö




07.04.13

Film•Peteback: Doomsday Book


Nach drei Wochen Blogpause bin ich nun wieder voll am Start! Zum Auftakt gibt es diesen Sonntag eine Review zu einem eher speziellen Film.

Doomsday Book


Fakten:
Originaltitel: Doomsday Book (인류멸망보고서)
Deutscher Titel: Doomsday Book
Originalsprache: Koreanisch
Erschienen: 2012
Länge: ca. 115 Minuten
Regie: Kim Ji-woon, Yim Pil-sung
Drehbuch: u.a. Kim Ji-woon, Yim Pil-sung
Produktion: Choi Hyeon-muk, Kim Myeong-eun, Oh Yeong-hun
Cast: u.a. Ryu Seung-beom, Kim Kang-woo, Song Sae-byeok

Trailer: Doomsday Book

Kurz gesagt: "Doomsday Book" ist ein Omnibusfilm aus dem Jahr 2012, von den koreanischen Regisseuren Kim Ji-woon, Yim Pil-sung. Der Film umfasst keine einhaltliche Story, sondern enthält drei in sich geschlossene Kurzfilme. "Brave New World" ein Zombie-Endzeitszenario, "Heavenly Creature" eine Geschichte über einen Roboter mit Bewusstsein und "Happy Birthday" erzählt die Geschichte um ein Mädchen, welches das Ende der Welt im Internet bestellt hat.





Plot - Brave New World
Im Zombie-Endzeitszenario "Brave New World" geht es um den jungen Yoon Seok-woo, welcher ein ziemlicher Taugenichts ist und auch bei seiner eigenen Familie keinen hohen Status einnimmt. Im misslingen selbst die einfachsten Sachen und die Alltagsroutine fällt ihm auch nicht sehr leicht. Als seine Familie ohne ihn in den Urlaub fährt, ist er ganz sich selbst überlassen und muss wohl oder übel den Haushalt schmeißen. Dafür das die Familie recht gut betucht ist, sind sie ganz schöne Schweine und lagern ihren Müll gerne in der Wohnung und davon nicht gerade wenig. Seok-Woo trennt also den Müll und schafft ihn nach draußen. Durch Windungen des Schicksal, kommt es zu einer chemischen (?) Reaktion und ein böses Virus wurde geschaffen. Ein Teil von Seok-woos Müll gerät in die Tierfutterverarbeitung und damit ist das Desaster komplett. So werden auch Rinder von dem Virus befallen und geben ihn so an Menschen weiter, die deren Fleisch essen.

Mit "Brave New World" von Yim Pil-sung,  wird der Auftakt für den Omnibusfilm gebildet und der Einstieg ist genau so interessant wie auch ausgeklügelt. Es war klar, dass sich Pil-sung, dem gepflegten Horror-Genre zuwenden würde, wo er doch schon mit seiner Horror-Komödie "Hansel & Gretel" überzeugen konnte. Der Regisseur hat ein feinen Sinn dafür auf einem schmalen Grad zwischen Horrorelementen und Comedy-Einlagen zu wandeln und dabei nie den Bogen zu überspannen. Im Gegensatz zu Genre-Kollegen ist "Brave New World" relativ gemächlich und dürfte auch etwas für schwache Nerven sein. Man entdeckt leichte Parallelen zu "Shaun of the Dead", so wie sich die Charaktere teilweise verhalten. Da es sich hier um einen Kurzfilm handelt, wird auch ohne Umschweife auf's Thema zugesteuert, indem man die Schlüsselsequenz schon gleich kurz nach dem Anfang einbaut. Der Titel, angelehnt an Aldous Huxleys gleichnamigen Roman, ist sehr vielsinnig zu interpretieren. Alles in allem macht Pil-sungs Evolutionssprung durch ein mutiertes Virus verdammt viel Spaß und ist einer der besseren Zombiefilme der letzten Jahre, für diejenigen, die nicht nur auf kopflose Fleischfresserei aus sind.


Plot - Heavenly Creature
Der zweite Kurzfilm "Heavenly Creature" bildet einen Kontrast zum vorherigen Zombiefilm. Regisseur Kim Ji-woon erzählt die Geschichte des Roboters 'RU-4', einen Roboter der Arbeiterklasse, der in einer fernen Zukunft in einem buddhistischen Kloster angestellt ist. Irgendwie erfährt er eine Art von Erleuchtung und entwickelt von selbst ein Bewusstsein und will seine Roboter-Kollegen aus der Knechtschaft der Menschen führen. Als diese Geschichte publik wird und die Produktionfirma davon erfährt, will sie diesen "defekten" Roboter beseitigen und ein neues Modell dafür anstellen lassen. Ein ansässiger Mönch und ein angestellter Maschineningenieur setzen sich allerdings für den Roboter ein, da er vielleicht die Reinkanation Buddhas sein könnte.

Es ist schon erstaunlich, dass gerade Kim Jee-woon einen Film mit so einer Thematik gedreht hat. Er ist doch eher ein Freund von härteren Filmen im Horrorbreich, wie seine Filme "A Tale of two Sisters" und "I saw the Devil" beweisen. In "Heavenly Creature" inszeniert er ein kleines SiFi-Märchen mit einer Thematik um Selbstfindung, Religion, Glaube und künstliche Intelligenz. Dabei ist der Film ganz unaufdringlich und spart sich auch den Kniff, den Zuschauer von etwas überzeugen zu wollen. Anleihen an Filme wie Steven Spielbergs "A.I." oder Alex Proyas "I, Robot" sind klar erkennbar und auch Verbindungen zum Anime-Klassiker "The Ghost in the Shell" sind nicht von der Hand zu weisen. Die Herangehensweise an die Handlung und an den Roboter 'RU-4' ist allerdings ganz individuell. In dem Film gibt es keinerlei schnelle Handlungssprünge, die Story läuft gemächlich ab und man kann sich Zeit nehmen auf Dialoge zu hören und sich sein eigenes Bild zu machen, von all dem, was dort angesprochen wird. Diese Dialoge können streckenweise etwas langweilig werden, wer allerdings mit der Thematik etwas anfangen kann, dem wird das nicht weiter auffallen.


Plot - Happy Bithday
Als letztes folgt eine Zusammenarbeit zwischen den beiden Regisseuren und sie nannten das Projekt "Happy Birthday". In diesem letzten Kurzfilm geht es um die kleine Park Min-seo, die im Internet eine schwarze 8er-Billardkugel bestellen wollte. Ihr Vater ist nämlich sehr angetan vom Pool-Spiel, ja geradezu fanatisch. Die Kleine hat leider die schwarze 8 kaputt gemacht und den Corpus Delicte verschwinden lassen, ohne es ihrem Vater zu beichten. Zwei Jahre später beschließt Min-seo also eine neue Kugel zu kaufen und bestellt eine bei einer merkwürdigen Internetseite, da ihr ihr Gewissen keine Ruhe lässt. Allerdings hat die Welt nun ganz andere Probleme. Ein Meteor hat Kurs auf die Erde genommen und ist so groß, dass er sehr großen Schaden anrichten könnte. Min-seos Familie bereitet sich auf den drohenden Einschlag vor und tätigt Hamsterkäufe und baut den Keller des Hauses zu einem Schutzbunker aus. Das interessante dabei; Teleskope zeigen, dass der Meteor starke Ähnlichkeit mit einer schwarzen 8 hat.

Nach dem Regisseur Han Jae-rim vom Projekt "Doomsday Book" abgesprungen ist, der eigentlich den dritten Film inszenieren sollte, mussten die beiden anderen Filmemacher in die Bresche springen. Und es ist ihnen gelungen. "Happy Birthday" ist eine emotionale und melancholische Geschichte um ein kleines Mädchen, dass nur ihr Gewissen reinwaschen wollte und ihrem Vater eine Freude machen wollte. Auch hier wird auf einem Grad zwischen Endzeitstimmung und Comedy gewandelt. Komödiantische Zwischentöne klingen zwischen der dem eher düsteren Setting an und lassen die gesamte Geschichte noch skurriler wirken. Ein Augenmerk sollte auch auf die Familie des kleinen Mädchen gelegt werden, die charmant inszeniert ist und einen positiven Kontrast zur Endzeit-Thematik bilden. Die Welt steht am Abgrund und diese Familie setzt einfach ihr normales Leben im Keller fort, ohne sich große Sorgen auf das zu machen, was draußen passiert. Sie wirklich auch ein wenig beschränkt, sodass sie vermutlich das gesamte Ausmaß und die Tragweite der Tragödie nicht ganz realisieren. Die Herangehensweise erinnert leicht an die Filme der Coen-Brüder, die ja auch immer etwas merkwürdig sind und angefüllt mir schwarzen Humor sind. "Happy Birthday" bildet ein gelungenen Abschluss für die Kurzfilmsammlung.

Fazit.
"Doomsday Book" ist eine eindrucksvolles Projekt zweier koreanischer Regisseuren, die Geschichten geschaffen haben, die auf den ersten Blick nicht wirklich zusammenpassen, aber auf den zweiten Blick doch irgendwo eine Verbindung in der Grundthematik haben. Freude asiatischer Filme und diejenigen die mit den jeweiligen Settings der Filme etwas anfangen können, die werden an der Filmsammlung ihre Freude haben.





Bis dahin - Tschödeldö






Fakten: http://en.wikipedia.org/wiki/Doomsday_Book_%28film%29
Bilder:  http://www.beyondhollywood.com/remember-that-doomsday-book-trailer-now-it-has-english-subtitles/
             http://klymkiwfilmcorner.blogspot.de/2012/10/doomsday-book-review-by-greg-klymkiw.html
             http://images1.wikia.nocookie.net/__cb20120912114055/de/images/f/f1/Doomsday3.jpg

06.04.13

Es ist ein schöner Tag zum taggen! - Episode 9 - Die Retrospektive


Nach langer Zeit werde ich mal wieder einen Tag-Post in Angriff nehmen, da ich jetzt schon zum zweiten Mal als Opfer auserkoren wurde. Ich hatte erst überlegt den Kindheits-Tag an mir vorbeirauschen zu lassen, doch da er auch Fragen zu medialen Themen beinhaltet, passt er doch irgendwie zum Blog.

Getaggt wurde ich übrigens von der glitzernden Kitty Erdbeer und auch von der 20% cooleren NinaNovel.
Legen wir los!



Lieblingsgetränk der Kindheit

Ich glaub ich bin da voll uncool, aber mein Lieblingsgetränk war die Capri-Sonne. Am liebsten die mit Drachenfrucht drin, obwohl ich mir nie vorstellen konnte, was denn eine Drachenfrucht sein könnte. Aber Drachen fand ich cool und die Capri-Sonne war lecker. Später kamen dann auch die XXL-Trinkpackungen raus, von denen hab ich dann gerne die mit Apfel getrunken. Sonst mochte ich auch gerne den gekörnten Instant-Eistee mit Zitronengeschmack. An was ich mich noch erinnere ist das Himbeerwasser, was es bei meiner Oma (väterlicherseits) gab. Wenn wir da zu Besuch waren, dann hab ich am Abend immer ein Butterbrot mit Salz gegessen und dazu gab es dann Himbeerwasser. Das war einfach nur Himbeersirup in Mineralwasser gelöst. So schmeckt die Kindheit! - Nach Himbeere...


Lieblingsessen der Kindheit

Ich war als Kind nie besonders wählerisch, was das Essen anging. Aber besonders gerne mochte ich die Frikadellen mit Bohnen und Kartoffeln die mein Vater gemacht hat. Die waren außen nämlich knusprig und die Kartoffeln hat er nochmal leicht in der Pfanne geschwenkt. Ich kann mich auch erinnern, dass wir am Wochenende, also Samstag, immer etwas geholt haben. Oftmals waren es belegte Baguettes. Das Baguette welches ich am liebsten mochte, war das mit Hähnchenfleisch und Spargel. Mit drauf waren natürlich Gurke, Tomaten und Salat und das alles mit einer Kräutersoße. Bei der Baguetteria holen wir auch heute noch Baguettes. 

Eine Besonderheit hat wieder mit meiner Oma zu tun (mütterlicherseits). Als ich noch in den Kindergarten gegangen bin hat mich oft meine Oma abgeholt, weil meine Mutter und entweder auf der Arbeit waren oder mein Vater geschlafen hat, wenn er Nachtschicht hatte. Sie hat dann extra für mich Mittagessen gemacht, auch wenn sie nie selber etwas gegessen hat. Mein Opa hat damals noch selber Kartoffeln in seinem Garten angepflanzt und da waren bei der Ernte auch gaaaanz kleine Kartoffeln dabei. Die hat mir meine Oma dann als Babykartoffeln verkauft und dazu gab es meistens eine Hühnerkeule und Gemüse (auch aus dem Garten). Unschlagbar war aber ihre selbstgemacht Nudelsuppe. Ein Traum! Es glaube es waren diese Erlebnisse, die dazu geführt haben, dass ich selber gerne koche und gutes und vor allem selbstgemachtes Essen zu schätzen weiß.


Lieblingsspielzeug der Kindheit

Ich habe schon immer gerne mit Actionfiguren gespielt. Am liebsten mochte ich meine Batman-Actionfiguren und meine Turtles -Actionfiguren. Ich hatte auch das Zubehör dazu. Sprich, Batmobil, Batwing und Batboat. Ich hatte auch nen Kumpel damals, mit dem ich immer gespielt hat und das ausschließlich mit den Batman Figuren. Er hat dann auch seine Schurken-Figuren mitgebracht, weil ich nur das Matschmonster und Mr. Freeze hatte. Später kamen dann die Beast-Wars-Figuren dazu, welche dann die Zeit der Transformers einleuteten. Die Beast-Wars's waren aber cooler, weil es Tiere waren, die sich in Roboter verwandeln konnten. Affengeil! Ich war auch großer Power Rangers Fan. Die Figuren hatte ich nie, aber dafür die großen Kampfroboter, die man aus Kleineren zusammensetzen konnte. Nebenbei hab ich natürlich auch sehr viel mit Lego und auch meinem Super Nintendo gespielt. 


Lieblingsserie der Kindheit

Da kann ich mich gar nicht so genau festlegen. Ich komm ja aus der Zeit, wo die ersten Animes im deutsches Fernsehen ausgestrahlt wurden, die man damals ja noch Zeichentrickserien oder Cartoons nannte. Größtenteils waren es ja auch amerikanische oder europäische Auftraggeber, für die japanisches Studios. Ich hab damals alles geguckt, was auf RTL II und dem Kinderprogramm von VOX lief. Von Heidi, über Captain Future bis Z wie Zorro, BraveStar, Calimero mit Sombrero, Lady Oscar und die drei kleinen Geister. Später natürlich auch die richtigen Animes, wie Pokemon, One Piece, Dragonball etc. . Meine liebste Serie war aber die Zeichentrickversion von "Das Dschungelbuch". Die Nennung aller Serie würde allerdings den Rahmen hier sprengen. Auf Pro7 habe ich dann die richtigen Cartoons geguckt. Wie Batman, Turtles, Freakazoid! (Was eine geniale Parodie auf alle Superheldenserien ist) , Beatlejuice und die Animaniacs. Am liebsten mochte ich von den Pro7-Serien aber Big Guy und Rusty. Später kamen ja auch Kanäle wie Nickelodeon und Super-RTL dazu, aber ich denke es soll reichen.


Lieblingsfilme der Kindheit

Ich mochte schon immer die Disney-Filme, welch ein Wunder. Mein erster Kinofilm in dem ich war, war auch Pocahontas. Ich mag den Waschbär da. Wir hatten auch immer die Videos zu den Filmen, weil wir eher selten ins Kino gegangen sind. Meine Lieblingsfilme davon sind bis heute Aladdin, Tarzan und Robin Hood. Die beste Musik hatte aber, meiner Meinung nach, immer Oliver & Co. Eine andere Liga waren da die Filme von Don Bluth, die ich immer gerne geschaut habe. Sie waren irgendwie ein Stück weit erwachsener als das, was Disney produziert hat. Wem der Name Don Bluth nun nichts sagt, dem gebe ich mal die Schlagworte "Feivel, der Mauswanderer", "Charlie, alle Hunde kommen in den Himmel" und the one and only "In einem Land vor unserer Zeit". Letzterer ist wohl mein Lieblingskinderfilm für alle Zeit. Außerdem fand ich natürlich den ersten Pokemon-Film ziemlich awesome.


Lieblingsrituale der Kindheit

Hier muss ich jetzt ein bisschen nachdenken. Also ein Ritual war, das wir am Wochenende immer die Omas besucht haben. Samstag die Oma väterlicherseits und Sonntag die mütterlicherseits. Das war immer recht spaßig, aber auch teilweise manchmal langweilig, vor allem, wenn man viel lieber etwas anderes mit dem Tag angefangen hätte. Ich war auch einmal die Woche schwimmen, meistens Sonntags morgens. Eine Mutter von nem Kumpel hat mich dann immer mitgenommen, weil die halt dieses Ritual hatten und ich hab mich dann einfach mit eingeklinkt. Mit Freunden macht schwimmen gehen ja viel mehr Spaß. Ein anderes Ritual wäre da noch, dass ich zum Einschlafen immer Kassette gehört habe. Ich hatte die Benjamin Blümchen Kassetten und Bim Bam Bino, den größten Entertainer meiner Kindheit. Er leitete nämlich das Kinderprogramm auf Tele5 und später auf RTL II. Später kamen natürlich die Kassetten von TKKG und dann Die Drei ??? dazu, welche ich heute immer noch gerne höre.


Prägnante Erinnerungen der Kindheit

Ich bin mir nicht ganz sicher, was ich nun hier schreiben soll. Ich kann mich noch an die Beerdigung meines Opas (väterlicherseits) erinnern. Mir wurde gar nicht gesagt, dass mein Opa gestorben ist und dann standen wir eines Tages auf dem Friedhof, zusammen mit Familie und Freunden. Eine Vase wurde dann in der Erde vergraben und Familienmitglieder und andere sind dann zu dem Loch gegangen und haben nacheinander Erde hineingeworfen. Dann wurde noch einen langer, schwer zu entschlüsselnder Blick in das Loch und auf die Vase geworfen. Mir war die ganze Prozedur ziemlich suspekt und im Nachhinein frage ich mich, wieso ich nicht gefragt habe, was da eigentlich gerade abging. Jedenfalls wäre ich dann an der Reihe gewesen Erde ins Loch zu werfen, aber ich bin einfach nicht nach vorne gegangen. Meine Oma hat mir dann einen vorwurfsvollen Blick zugeworfen und ich hab dann einfach auf den Boden geschaut, bis die Beisetzung vorbei war. Ich war ziemlich verwirrt. Später habe ich dann erfahren, dass mein Opa in dieser Vase war, weil er sich eine Feuerbestattung gewünscht hatte. Meine Mutter hat mir mal erzählt, dass ich diese Information ziemlich gefasst und gleichgültig aufgenommen habe. Sie hatte mir extra deswegen nichts erzählt, weil sie dachte ich würde mit diesem Sachverhalt noch nicht klar kommen. Ich war fünf Jahre alt, oder so.

Eine andere prägnante Erinnerung ist die, wie mein Vater aus dem Baum gefallen ist. Es war Sommer und mein Vater sollte die große Hainbuche schneiden, die wir im Garten stehen hatten. Er ist also mit Leiter und Säcke raufgeklettert und hat angefangen zu sägen und zu schnippeln. Ich hab unten im Garten mit meiner Schwester Federball gespielt, weil wir später helfen sollten die kleinen Äste klein zu machen und in Säcke zu stopfen. Plötzlich gab es ein großes Geraschel, einen Aufschrei und mein Vater kam aus dem Baum gefallen, wobei er gegen jeden Ast geschlagen ist, der auf seinem Weg nach unten lag. Man stelle sich die Situation vor, wie dieses Holzspielzeug, wo ein kleines, längliches Männchen auf ein Gitter gesetzt wird und dieses sich an den Holzstreben des Gitters nach unten hangelt. Mein Vater schlug also, im Sinne der physikalischen Gesetze der Schwerkraft, auf den Boden auf (ca. 3 Meter Falltiefe) und hatte sich einen komplizieren Beinbruch zugezogen. Wie man es aus Cartoons kennt, bin ich natürlich erstmal in Gelächter ausgebrochen. Ich glaube, das nimmt er mir bis heute noch übel...






Das war also der Kindheits-Tag. Mir haben die Fragen ganz gut gefallen und war mal schon, an die eigene Kindheit zurückzudenken. Wem der Tag gefallen hat und wem die Fragen gefallen haben, der kann den Tag gerne übernehmen. Ich werde hier jetzt keine Personen speziell taggen, denn am Ende machen sie es sowieso nicht, oder oder oder. Ich lasse da lieber die freie Entscheidung.





Bis dahin - Tschödeldö




03.04.13

Game•Peteback: Tomb Raider


Ich bin wieder da!

Mein letztes Game-Peteback widmete ich dem Survival-Spiel "I am Alive", welches das Leben nach einer verheerenden Naturkatastrophe als Grundlage genommen hat. In diesem Erfahrungsbericht geht es wieder um ein Spiel mit Survival-Anleihen. Allerdings hat es ein anderes Setting gewählt und gleichzeitig einleutet es den Reboot einer erfolgreichen Spiele-Serie ein.

Tomb Raider


Ich war wirklich überrascht, als ich damals den ersten Teaser zu einem neuen "Tomb Raider"-Teil gesehen habe. Ich hätte einfach nicht erwartet, dass Crystal Dynamics die wohl populärste Grabräuberin auf diese Weise wiederbeleben würden. Es kam zwar ein kleiner Spin-Off Teil (Lara Croft and the Guardian of Light), dieser war aber gutes Mittelmaß und reichte nicht ganz an den Ursprung der Serie heran. Für die meisten hat die Tomb-Raider-Reihe sowieso mit dem vierten Teil geendet. Publisher ist allerdings dieses Mal Square Enix und nicht mehr Eidos, wie es sonst immer der Fall war.

Man entschied sich bei Crystal Dynamics also alles auf Null zu setzen, einen kompletten Reboot der Serie, um sich von alten Schwächen zu lösen und Platz für neue Ideen und Betrachtungsweisen zu schaffen. Das Gameplay wurde überarbeitet und Lara Croft sollte neu definiert werden. Es sollte Laras erstes Abenteuer sein, den Aufstieg einer Heldin verdeutlichen, einer Grabräuberin. Alles was man vorher über Tomb Raider wusste, sollte man am besten vergessen. Hier beginnt ein Neuanfang.




Kommen wir kurz zur Story:
Lara Croft ist 21 Jahre alt, als sie zu ihrer ersten, richtigen Expedition aufbricht. Sie ist als junge Archäologin mit dem Forschungsschiff "Endurance" unterwegs, unter der Leitung von James Whitman, der ebenfalls ein renommierter Archäologe ist. Das Ziel ist die geheimnisvolle Insel Yamatai, auf der einst eine mächtige Herrscherin regiert haben soll. Da es ihre erste Expedition ist, will Lara natürlich nicht mit leeren Händen nach Hause fahren und dem Namen Croft alle Ehre machen. Die Expedition zeigt aber seit Tagen keine Spur von der mysteriösen Insel. Lara schlägt vor Kurs auf das Drachen-Dreieck zu nehmen und dort nach der Insel zu suchen. Whitman und weitere Mitglieder der Besatzung sind gegen die Idee, da Yamatai niemals so weit östlich vermutet wurde. Auf Laras Bauchgefühl vertrauend, lässt sich Conrad Roth, der Kapitän des Schiffes, welcher auch gleichzeitig Laras Mentor ist, auf die Idee ein und setzt Kurs auf das Drachen-Dreieck. Eine verhängnisvolle Entscheidung, denn das Schiff gerät in einen schweren Sturm und wird auf ein Riff geschwemmt. Bei der Flucht aus ihrer Kabine schafft es Lara nicht mehr zu den Rettungsbooten und stürzt in die raue See. Glücklicher Weise wird sie an den Strand einer Insel getrieben, wo schon andere Besatzungsmitglieder der "Endurance" die Verwundeten versorgen. Plötzlich wird Lara niedergschlagen und findet sich Kopf über hängend, in Tücher gewickelt in einer Höhle wieder...

Crystal Dynamics hat sich für den Reboot entschieden und der Spieler wird erstmal mit einer geanz neuen Lara konfrontiert. Schließlich tritt sie sogesehen, zum ersten Mal in Erscheinung. Sie ist jung, zielstrebig, intelligent, ein wenig naiv, aber nicht wehrlos. Es wird schon gleich in den ersten Spielsekunden wert auf Atmosphäre und Stimmung gelegt.  Gleich nachdem man sich aus dem Sack befreit hat, in den man Lara gesteckt hat, wird es ernst. Lara stürzt aus einigen Metern auf den Boden und ein Stahlbolzen rammt sich in ihre Hüftseite. In einem QTE muss man sich nun den Bolzen aus der Seite ziehen. Kein schöner Anblick. Von solchen Nerven aufreibenden Szenen gibt es im gesamten Spiel einige. Lara muss sich auf ihrer Mission, das Geheimnis der Insel zu ergründen und ihre Freude wiederzufinden, in einige waghalsige Situationen begeben. Und sie wird leiden...

Das Intro zum neuen Tomb-Raider-Teil ist action-reich, gut inszeniert und gibt auch schon gleich den Ton für das bevorstehende Abenteuer an. Genau genommen ist das Spiel mehr Action-Adventure und Shooter als Survival-Abenteuer. Das lässt auch die Third-Person-Perspektive vermuten. Actionreich geht es daher, wenn Lara über einstürzende Gebäudeteile laufen muss, einen reißenden Fluss hinuntergerissen wird oder von einer Bodenschlinge überraschend hochgezogen wird und sich Kopf über hängend Feinden erwehren muss. Dabei wechseln sich ruhige mit action-geladene Passagen ab, sodass man dann auch wirklich verschnaufen kann, wenn man einen Abschnitt beendet hat.

Hab ich da gerade etwas von Feinden gesagt? Jawoll, ja! Ohne einen guten Bösewicht und Gegenspieler kommt kein 'Tomb Raider' aus, das war schon immer so. Der Antagonist auf der Insel ist ein gewisser Vater Mathias, der auch auf der Insel gestrandet ist und ihr Geheimnis kennt und es sich zu nutzen gemacht hat. Er hat über viele Jahre einen Kult um die Königen Himiko aufgebaut, die einst Yamatai regierte. Der Kult wächst immer weiter, je mehr Schiffbrüchige auf die Insel kommen. Wenn sie sich also skrupellos, hartn gnadenlos und loyal erweisen, werden sie in den Kult der "Solarii" aufgenommen. Wenn nicht, tja - Nur die Harten komm' in Garten.
Mit diesen Solariis liefert man sich abschnittsweise kleine bis größere Schießerein. Wenn es nur zwei Männer sind, die gerade Wache schieben, dann hat man auch die Möglichkeit die Jungs lautlos auszuschalten, indem man sich schleichend nährt und dann totbringend zuschlägt. In anderen Szenen bekommt man es mit zehn bis zwanzig der Kerle zu tun, die wirklich alles daran legen Lara das Licht auszupusten. Sie kommen dabei auch in verschiedenen Klassen daher. Die einen positionieren sich auf Gebäuden und schießen mit Bögen oder Gewehren, andere gehen mit Macheten in den Nahkampf und wieder andere werfen Dynamit oder schießen Brandpfeile. Dann gibt noch ein paar zähe Burschen, die mit einem Schild bestückt sind und nur im Nahkampf erledigt werden können, außer man hat etwas Explosives dabei. Die K.I. ist in der Hinsicht ordentlich und tut ihr Nötigstes. Die Männer gehen in Deckung und wechseln ihre Positionen bzw. nähren sich Lara, sodass man auch in Bedrängnis geraten kann. Auch rufen Wachen Verstärkung, wenn man sich nicht ganz geschickt anstellt. Allerdings sind sie gegen die Ein-Frau-Armee Lara Croft eher chancenlos.

Das Kampfsystem ist in Tomb Raider einfach gehalten und intuitiv. Lara kann zwischen vier Waffen für den Fernkampf wählen. Einem Bogen, einer Pistole, einem Maschinengewehr und einer Schrotflinte. Die Waffen findet man nacheinander im Laufe des Spiels. Der Bogen ist natürlich für lautlose Arbeiten geeignet, ist aber auch im offenen Gefecht eine durchschlagende Waffe. Die Pfeilschleuder ist sowieso euer bester Freund, weil man ihn in vielerleih Hinsicht benutzen kann. Man kann mit ihm Feinde ablenken, Seile über Abgründe schießen, hängende Gegenstände heranziehen oder Gegner von Plattformen ziehen. So lässt man den Bogen eigentlich immer als Standardwaffe ausgerüstet und entwickelt eine innige Beziehung zu dieser Waffe.

Mit Bergungsgut, welches man aus Kisten, Schränken, gelösten Nebenaufgaben und getöteten Feinden bekommt, kann man die Waffen verbessern. So bekommt man z.B für den Bogen eine stärkere Sehne, einen stabileren Griff für das MG, oder einen Schalldämpfer für die Pistole. Durch Waffenteile lassen sich die Waffen auf eine neue Stufe bringen und schaltet neue Upgrades frei. Ja, Lara kann selber Waffen modifizieren. Mit gesammelten EP kann man Fähigkeitspunkte freischalten durch die man Skills erwerben kann. So schaltet man Nahkampfangriffe frei, oder sorgt dafür, dass Lara Munition bei toten Feinden finden kann. Das ist natürlich ein sehr arcade/adventure-lastiges System, was sich nicht ganz in die Spielwelt einfügen will.

Kommen wir mal zum Design des Spiels. Auf sämtlichen Plattformen ist das Spiel wirklich eine Augenweide. Man steht auf einer Klippe und schaut auf die Steilküste mit den Riffen, mit zerstörten Schiffen aus dem verschiedensten Jahrhunderten und Flugzeugen, die an Berghängen liegen. Bewaldete Gebiete mit kleineren Gebäuden, Wegslampen und Treppen, alles in einem asiatischen Stil gehalten. Die Entwickler waren sehr bemüht eine detailreiche, atmosphärische Umwelt zu schaffen, die den Spieler einfängt und nicht wieder loslässt. Dichte Wälder werfen wunderbare Schatten auf den grünen Boden, Büsche und Sträucher können als Deckung dienen und über allem liegt ein leichter Nebel. Erwähnenswert ist zudem das Feuer. Sich ausbreitendes Feuer und Glut sieht fantastisch aus und wirkt sehr realistisch, gerade wenn man Stoffe oder Holz anzündet.
Hingegen bekommt man ein Gefühl der Beklommenheit in der Magengegend, wenn man durch eine Höhle schleicht, nur mit einer Fackel als Lichtquelle, zu den Füßen liegen Knochen und Schädel und an den Wänden Handabdrücke und einfache Malerein mit weißer Farbe. Andere Räume sind mit Kerzen und Wrackteilen zu Altaren umgebaut worden, wo auch geopfert und gefoltert wird. Man merkt schnell, dass es auf dieser Insel keine Regeln, keine Moral und keine Menschlichkeit gibt. Es gab wirklich Locations, wo ich vor dem Eingang stand und mir dachte, dass ich da eigentlich gar nicht rein möchte. Die Lichtatmosphäre ist oft gedrückt. Der Himmel ist oft wolkenverhangen mit leichtem Regen und Wind. Wirklichen Sonnenschein gibt es nur selten.

Als geneigter Tomb-Raider-Spieler fragt man sich, sind denn da auch genug Plünderein und Sammelbares in Tomb Raider? Die Antwort darauf ist ein verhaltenes 'Ja'. Wenn man Gebiete betritt, die etwas weitläufiger sind, bekommt man bis zu zwei Nebenaufgaben angezeigt. Das sind immer Sammelaufgaben oder man muss etwas zerstören. Man sammelt Pilze, zerstört Totems, verbrennt Banner der Solarii oder durchstöbert kleine Hügelgräber. Diese Nebenaufgaben bringen Erfahrungspunkte und Bergungsgut. Desweiteren sollte man die Augen nach Geo-Caches offen halten, deren Nutzen sich erst erschließt, wenn man sie alle gefunden hat. Außerdem gibt es noch Relikte zu finden, die ganz verschieden sein können. Dolche, Vasen, Fächer, Münzen, Helme, Fotos und und und. Sie geben ein wenig Auskunft über die Insel und ihre Bewohner. Gleiches tun auch die Dokumente. Diese stammen entweder von Solarii-Anhängern, Vater Mathias, Laras Freunden, Soldaten die einst auf der Insel stationiert waren, oder früheren Bewohnern von Yamatai. Der Großteil der Hintergrundstory wird durch diese Dokumente erzählt. Die Dokumente sind dazu noch vertont worden, sodass man das Controller auch mal aus der Hand legen kann, um sich etwas vorlesen zu lassen.

Ein nennenswerter Punkt sind dabei auch die "geheimen" Gräber. Diese werden auf der Karte angezeigt, wenn man in der Nähe ist. In ihnen gibt es ein Rätsel zu lösen und als Belohnung bekommt man EP, Bergungsgut, eine Gebietskarte und eventuell auch Waffenteile. Die Rätsel sind eine nette Abwechslung zum harten Alltag auf der Insel, halten einen Adventure-Erfahrenen-Spieler nicht lange auf. In den meisten Fällen muss man mit Gewicht- und Balancerätseln arbeiten oder sich einen Weg freischaffen. Ich habe für die Rätsel im Schnitt nur fünf Minuten gebraucht. Da sind Rätsel in der Story fast schon kniffliger. Genau genommen sind die Gräber ein Witz und hätten ruhig ein wenig besser ausgearbeitet werden können. Vereinfacht wird das auch durch den Instinkt den man aktivieren kann, der relevante Gegenstände aufleuchten lässt.
Wer mich kennt, der weiß, dass ich gerne auf hohem Niveau meckere, deswegen sind die folgenden Kritikpunkte rein subjektiv und muss nicht auf jedes Spielerlebnis zutreffen;

Ich bin Tomb-Raider-Fan und bin abgehärtet was diese Spiele angeht. Sein wir mal ehrlich, die Tomb-Raider-Spiele waren keine leichten Spiele. Was Feinde, Rätsel und Wegfindung angeht. Viele sind an diesen Spielen verzweifelt, was nicht zuletzt am Game Design lag. Bis zu einem viertel des Spiels hatte ich da so ein Gefühl. Ein Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt - irgendetwas nicht richtig ist. Und ich glaube, es ist der Titel. Es ist ein wenig wie den vielen neuen Sonic Spielen oder den Batman Filmen von Christopher Nolan. Jemand nimmt sich einen Titel und die dazugehörigen Figuren und strickt daraus etwas Neues. Sprich, man hat das, was man vorher schon kannte und auch mochte im Hinterkopf, spielt aber etwas anderes. Und das beißt sich dann. Da kann das Spiel an sich nichts dafür, da es ja an mir, dem Spieler liegt. Allerdings hätte man ruhig mehr Elemente aus den alten Teilen einbauen können. Im Grunde würde ich sagen, dass "Tomb Raider" viel zu wenig  "Tomb Raider" ist, um noch wirklich als solches bezichnet zu werden. Hätte man der Protagonistin ein anderes Oberteil und einen anderen Namen gegeben, dann hätte man daraus ein eigenständiges Spiel machen können, mit eigenem Titel. "A Survivor Is Born" wäre doch schon mal ein griffiger Titel gewesen.

Vom Gameplay her ist der neue Teil ein wenig zu leicht geraten, wenn man auf "Normal" spielt. Ja natürlich, wir leben in der Zeit wo Spiele für jeden erschwinglich sein müssen, sodass auch Otto Normal mit Tomb Raider sein Gamer-Leben beginnen kann. Casual Spiele verkaufen sich einfach besser, dafür kommt man auch zügig durch. Ich würde erfahreneren Spielern einen höheren Schwierigkeitsgrad empfehlen. Wenn man hört, dass die Entwickler "Tomb Raider" revolutionieren und neuerschaffen wollten, dann wird man während des Spiels leider eines Besseren belehrt. Das alte, kantige Konzept wurde aufgelöst und durch ein Konzept ersetzt, welches schon in anderen Spielen zu Genüge eingesetzt wurde - teilweise auch besser.  Man hat Lara Croft einfach nur auf eine andere Gameplay-Ebene gehoben, die flüssiger von der Hand geht und vor allem zeitgemäßer ist. Muss ja ne tolle Revolution gewesen sein, Crystal Dynamics.

Das Upgrade-Feature, dass man die Waffen mit Bergungsgut und Waffenteilen verbessern kann, ist eine nette, einfache Lösung, die aber ein wenig zu adventure-lastig ist. Das man auch Bergungsgut aus getöteten Tieren und Feinden bekommt, ist allerdings eine fragwürdige Sache. Auch hätte man die Upgrades für die Waffen besser ins Spiel integrieren können. Theoretisch hätte man statt drei Waffenteilen auch drei Baupläne finden können, wie man die Waffe ummodifizieren kann. Dann hätte vielleicht auch mal ein Freund von Lara eine ordentliche Aufgabe bekommen, als nur ein zu rettender Nebencharakter zu sein. Das wäre besser in's Spiel integriert gewesen und hätte eine sinnfreie Sammelmission ersetzt. Die Fähigkeitspunkte die man bekommt, sind soweit ganz in Ordnung. Allerdings frage ich mich, ob die Entwickler wissen, dass wir nicht mehr in den 90ern leben. Wenn man mit Laras Kletteraxt in den Nahkampf gehen möchte, muss man einen Fähigkeitspunkt opfern, um diese Fähigkeit zu kaufen. Ich kann froh sein, dass Lara wenigstens von Anfang an springen konnte.

Das sind die Momente wo ich mir denke, dass manche Ideen nicht zu Ende gedacht wurden. Auch gibt es einen kleinen Abschnitt, wo man einen Hirsch töten muss, weil Lara Hunger hat. Aus diesem Grund tötet man ein Tier nur einmal. Später geben erlegte Tiere nur Bergungsgut und Erfahrungspunkte. Diese Prämisse führt dann leider dazu, dass man allem ein Pfeil in den Kopf jagt was sich bewegt, weil man dafür halt Punkte bekommt. Hirsche, Wildschweine, Vögel, Hühner, Ratten, Hasen, Krabben, kein Tier ist vor Lara sicher. Green Peace würde ihr auf's Dach steigen. Ein kleines, sinnvolles Jagd-Feature wäre nicht schlecht gewesen.
Ich bin kein zart besaitetes Wesen, das mal vorweg. Allerdings muss ich sagen, dass die Entwickler den Gore-Faktor und die Gewalt in "Tomb Raider" an eine Grenze gebracht haben, die teilweise auch schon überschritten wird. Wenn man durch einen Gang stolpert der über und über mit Leichenteilen ausgelegt ist und Arme, Beine und Köpfe rollen (die sehr detailliert sind), dann frag ich mich wo die Ästhetik hin ist. Man kann Horror und morbide Atmosphäre auch anders erzeugen, als mit dem Holzhammer. Auch Laras Sterbeszenen sind teilweise etwas zu detailliert.

Lara ist schon ein sehr gefasster Charakter, mit dem was sie auf der Insel erlebt, allerdings ist oft ein wenig zu gefasst. Nehmen wir das Bild mit den Gang voll Leichenteile. Da gibt sie keinen Ton von sich, kein Wort des Entsetzens auch nicht, was das töten der Feinde angeht. Wenn sie allerdings einen Hirsch töten muss, dann bedauert sie das. In Zwischensequenzen gibt sie die Menschenfreundin, aber im Spiel mäht sie die Solarii Massenweise nieder. Da haben wir wieder das Uncharted-Prinzip, wo Protagonist Nathan Drake auch Feinde in Massen niederschießt und sich nicht damit auseinandersetzt, obwohl er in den Zwischensequenzen der Typ dafür wäre.
Ziehen wir ein Fazit.
Lara Croft ist wieder da und hebt sich deutlich von ihren Auftritten Vorgängerteilen ab, erfindet aber mit dem neuen Konzept aus Action, Shooter-Elementen und ein bisschen Rätselei das Rad bei weitem nicht neu. Leider hat es auch mit einigen Schwächen zu kämpfen, die das Gameplay aber nicht großartig beeinflussen, aber hier und dort schon lästig auffallen können. Lara Crofts neues Abenteuer bietet eine wunderbare Grafik, Liebe zum Detail, interessante Schauplätze und eine Atmosphäre die einem die Schuhe auszieht. Die Story ist motivierend, die Hintergrundinformationen interessant, nur die Charaktere sind etwas zu flach, teilweise plakativ und eindimensional geraten. Dafür ist das Spiel im Deutschen aber sehr gut vertont.

Der Reboot von "Tomb Raider" ist garantiert jetzt schon ein Kandidat für das Game of the Year, allerdings auch einer, bei dem die Meinungen auseinander gehen. Tomb-Raider-Veteranen müssen sich wohl mit den neuen Gameplay und dem Design erst anfreunden. Allen Neueinsteignern wird das Ganze leichter fallen. Ich bin auf jeden Fall gespannt auf den nächsten Teil, der hoffentlich ein paar Schwächen ausmerzen wird. Crystal Dynamics hat am Ende des Spiels sogar einen kleinen verschlüsselten Hinweis auf Laras nächstes Abenteuer gegeben. Man darf wirklich gespannt sein.





Bis dahin - Tschödeldö







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