28.04.13

Film•Peteback: I'm Not There


Diese Woche bewegen wir uns mal im musikalischen Genre, mit;

I'm Not There


Originaltitel: I'm Not There
Deutscher Titel: I'm Not There
Originalsprache: Englisch
Erschienen: 2007
Länge: ca. 135 Minuten
Regie: Todd Haynes
Drehbuch: Todd Haynes, Oren Moverman
Produktion: u.a. Christine Vachon, John Goldwyn
Musik: Bob Dylan
Cast: u.a. Christian Bale, Cate Blanchett, Richard Gere, Heath Ledger, Ben Whishaw, Charlotte Gainsbourg

Trailer: I'm Not There

Kurz gesagt: "I'm Not There" ist eine Filmbiografie über den amerikanischen Folk- und Rockmusiker Bob Dylan, aus dem Jahr 2007. Regie führte Independent-Regisseur Todd Haynes. Der Film zeigt in sechs einzelnen, nicht chronologischen Episoden Szenen und Ereignisse aus dem Leben Bob Dylans. Der Grundstoff besteht dabei aus biografischen Szenen, als auch aus abstrakten Metabetrachtungen.


"I'm Not There" ist ein Film, der aus sechs einzelnen Episoden besteht, die immer einen anderen Bob Dylan zeigen und dieser wird immer von einem anderen Schauspieler bzw. Schauspielerin verkörpert.  Der Film zeigt unterschiedliche Persönlichkeiten, sowie Facetten und Ausschnitte aus Dylans Leben, die nicht immer wahr sind, aber doch eine Bedeutung haben. Die Handlungen der einzelnen Episoden werden kurz umrissen:



1. Der erste Bob Dylan ist der vagabundierende, afroamerikanische, 11-jährige Junge Woody Guthrie (Marcus Carl Franklin), ende der 50er Jahre. Er fährt unbemerkt auf Güterzügen durch das Land und kommt mal hier hin und mal dort hin. Immer dabei ist sein Gitarrenkoffer, mit passendem Inhalt und der plakativen Aufschrift "Diese Maschine tötet Faschisten". Er lernt neue Lebensweisen kennen, sammelt Erfahrungen und lernt unaufhörlich dazu, was ihm eine sehr erwachsene Einstellung zum Leben einbringt.

2. Der zweite Dylan ist Arthur Rimbaud (Ben Wishaw). Er ist junge 19 Jahre alt und sitzt in seiner Episode vor einem Untersuchungsausschuss und offenbart dort sein Selbstverständnis als Künstler und seine Einstellung zu Kunst und Musik. Er ist nicht direkt in eine Handlung eingebunden, sondern spielt die Rolle als Dylan der interviewt wird.

3. Jack Rollins (Christian Bale) ist der dritte Dylan. Er ist ein Folk-Sänger und für seine politischen Texte bekannt, in denen er auf gesellschaftliche, politische und kulturelle Misstände hinweist und damit zur Stimme einer neuen Generation und einer neuen politischen Bewegung wird.

4. Die vierte Facette Dylans wird durch den Schauspieler Robbie Clark (Heath Ladger) verkörpert. Bruchstückhaft wird die Geschichte einer unglücklichen, gescheiterten Liebe erzählt. Vom ersten Treffen mit Malerin Claire (Charlotte Gainsbourg), wo noch prickelnde Romantik zu spüren ist, bishin zur bitteren Scheidung der beiden.

5. Der fünfte Dylan wird von Cate Blanchatt dargestellt, der einzigen weiblichen Facette Bob Dylans.  Sie spielt die Folk-Musikerin Jude Quinn, Mitte der 60er Jahre. In dieser Episode erlebt man den viel diskutierten Stilbruch Dylans, als er eine Umorientierung durchmachte vom gesellschaftspolitischen Folk mit Wandergitarre, zum lauten Rock bzw. massentauglichen Pop. Auch werden hier die Schattenseiten des Erfolgs Dylans thematisiert.

6. Die letzte und sechste Facette Dylans wird verkörpert durch Billy the Kid (Richard Gere). Diese Episode ist wohl am metaphorischsten geraten. Kid lebt in dieser Episode in einer ruhigen, abgelegenen Western-Szenerie und versteckt sich dort vor seinem Rivalen Pat Garrett. Alles in Anlehnung an den Film "Pat Garrett jagt Billy the Kid". In dieser Episode treffen auch einmalig zwei Facetten von Dylan aufeinander. Die Erste und die Letzte - jung trifft alt.




Einen biografischen Film über eine Musiklegende zu machen, ist umso kniffeliger, wenn die Legende auch noch am Leben ist. Trotzdem hat es Haynes geschafft einen Film zu drehen und ein Drehbuch zu entwickeln, welches persönlich von Bob Dylan autorisiert wurde. Dabei haben sich Haynes und Dylan nie zu einem Gespräch getroffen. Nicht einmal Altmeister Martin Scorsese hat es mit "No Direction Home" von 2005 geschafft, eine Dylan-Doku zu schaffen, die die Aufmerksamkeit der Musiklegende auf sich zog. Dennoch ist die Doku sehr sehenswert.
"I'm Not There" ist wirklich ein spezieller Film geworden, den man so gar nicht als biografisch bezeichnen könnte.  Es ist eine experimentelle Art einer Biografie geworden, die zusammengesetzt ist aus dokumentarisch-anmutenden Aufnahmen, Originalmaterial, fiktionalen und metaphorischen Szenen, gepaart mit Originalmusik. Dabei wechselt der Film auch je nach Episode zwischen einen anmutenden schwarz-weiß Look, körnigen Filmaufnahmen und glänzenden Farbfilm. Regisseur Todd Haynes hat es geschafft die einzelnen Facetten in Mosaikform zu einem stimmigen Ganzen zusammenzufügen und dabei die verschiedenen Stilmittel und Dramaturgien der einzelnen Episoden voll auszuschöpfen. Als guten funktionierender Kleber fungiert dabei die eingesetzten Bob Dylan Songs, die u.a. als Brücken zwischen Episoden fungieren, als auch Szenen untermalen. Ein Spezialpreis für Todd Haynes, bei den Filmfestspielen in Venedig, konnte da natürlich nicht ausbleiben.

Marcus Carl Franklin, Christian Bale, Cate Blanchett, Richard Gere, Ben Wishaw und der kürzlich verstorbene Heath Ledger, alias. Woody Guthrie, Jack Rollins, Jude Quinn, Billy the Kid, Arthur Rimbaud und Robbie Clark, tun ist Bestes um die verschiedenen Facetten Dylans glaubhaft und individuell darzustellen. Dabei sind die Facetten mit dem jungen Marcus Carl Franklin und die mit Cate Blanchett wohl die, die vom Spiel her am interessantesten sind und auch in Punkto Story am meisten überzeugen können. Dennoch sollte man auch ein Augenmerk auf die Szenen mit Richard Gere und Heath Ledger legen, die nicht minder interessant geschrieben wurden. Die Interview-Szenen mit Ben Wishaw verblassen im Gegensatz zu den anderen ein wenig. Trotzdem ergeben nur alle Facetten zusammen ein Ganzes.
Fazit.
Todd Haynes hat einen faszinierenden Film geschaffen, der vor allem durch seine Machart und das Herzblut glänzen kann, was von Drehbuchautor, Regisseur und auch Schauspielern hineingesteckt wurde. Wer Dylan-Fan ist, der sollte diesem Film auf jeden Fall mal eine Chance geben. Verständlicher Weise, sollte man sich voll auf den Film einlassen und der der Handlung folgen. Da die einzelnen Episoden nicht chronologisch ablaufen, kann man auch schnell den Faden verlieren.






Bis dahin - Tschödeldö







Fakten: http://de.wikipedia.org/wiki/I%E2%80%99m_Not_There
             http://en.wikipedia.org/wiki/I%27m_Not_There
Bilder:  http://outnow.ch/Movies/2007/ImNotThere/Bilder/movie.fs/08
             http://gedankenzufilmen.blogspot.de/2011/11/im-not-there-2007-todd-haynes.html
             http://www.kinowerkstatt.de/index.php?p=archiv&id=3

Kommentare:

  1. Landet auf meiner Liste. Ich hatte mal davon gehört, aber dann komplett aus den Augen verloren. Muss ich unbedingt nachholen. :-)

    Finde die Idee wirklich interessant, mit so vielen Schauspielern die verschiedenen Fassetten von Bob Dylan darzustellen.

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    1. Ja es ist ein gewagtes Projekt, es läuft aber sehr angenehm ab und lässt sich gut gucken, ohne das man zu schnell den Faden verliert.

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  2. Die Episode mit Ben Wishaw gefällt mir persönlich am besten. Viele Leute vergessen, dass Bob Dylan neben der Musik viel Geschrieben hat. Er ist eben auch ein Poet. Poeten sind sehr nah an der Wahrheit. Sie drücken sie sehr individuell aus. Ich bewundere das.

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