23.06.13

Film•Peteback: Der kleine Nick


Comics sind super. Comic-Verfilmungen eine Sache für sich. Und doch geht es diese Woche um Letzteres.

Der kleine Nick


Originaltitel: Der kleine Nick
Deutscher Titel: Le petit Nicolas
Originalsprache: Französisch
Erschienen: 2009
Länge: ca. 90 Minuten
Regie: Laurent Tirard
Drehbuch: Laurent Tirard, Grégoire Vigneron
Produktion: Olivier Delbosc, Marc Missonnier
Cast: u.a. Maxime Godart, Valérie Lemercier, Kad Merad, Sandrine Kiberlain, Francois-Xavier Demaison, Anémone, Loise Bourgoin

Trailer: Der kleine Nick

Kurz gesagt: "Der kleine Nick" ist eine französisch-belgische Filmkomödie aus dem Jahr 2009, von Regisseur Laurent Tirard. Der Film basiert auf den französischen Kinderbüchern von René Giscinny und Jean-Jacques Sempé, welcher die Illustrationen dafür gezeichnet hat. Der Film wurde außerdem für Französischen Nationalen Filmpreis nominiert.




Frankreich, in den 1960er Jahre.
Als der kleine Nick (Maxime Godart) in der Schule aufschreiben soll, was er später einmal werden möchte, sitzt er etwas ratlos für dem leeren Blatt Papier. Von seinen Freunden kann er sich problemlos ausmalen, was sie später einmal werden, doch für sich hat er gar keine Pläne. Er hätte gerne, dass alles so bleibt, wie es ist. Veränderungen findet er gar nicht so klasse. Eines Tages kommt sein Mitschüler Joachim zu spät in die Schule und wurde damit entschuldigt, dass er seine Familie in der Nacht Zuwachs bekommen hat. Joachim ist gar nicht begeistert von dem Baby, obwohl er doch eigentlich glücklich sein sollte, ein Geschwisterchen bekommen zu haben. Das Baby schreit die ganze Zeit und keinen kümmert es, aber wenn Joachim Lärm macht, gibt es Ärger von den Eltern. Außerdem wollte er doch lieber ein Fahrrad. Nick erfährt von seinem Schulkamerad, dass seine die Eltern vor der Geburt auffällig nett und gut gelaunt waren und auch die Hausarbeiten erlassen wurden. Eindeutige Indizien. Nick wird misstrauisch, als seine Eltern genau dieses Verhalten an den Tag legen und das kann nur eins bedeutet: Nick bekommt ein Brüderchen! Er muss sich nun schnell etwas ausdenken, um dieses Unheil eines dauernd schreienden Babys abzuwenden, damit seine Eltern ihn nicht wohlmöglich noch im Wald aussetzen, wie es einst mit dem kleinen Däumling passiert ist. Natürlich bekommt Nick tatkräftige Unterstützung von seinen Freunden.




Der kleine Nick ist eine Kultfigur und das nicht nur in Frankreich. Neben den Asterix-Geschichten von René Giscinny, ist er seine bekannteste Figur. Die Kindergeschichte die sich um den kleinen, französischen Jungen Nick drehen, haben oft einen satirischen Charakter und können sowohl von Jung als auch von Alt genossen werden. Bisher gab es auch noch keine Verfilmung des Stoffes, da sich wohl kein Regisseur an die Geschichte gewagt hat, die bis dato auch als unverfilmbar galt.

Regisseur Laurent Tirard hat dann doch den Mut gefasst und hat sich der Sache angenommen und hauchte dem kleinen Nick Leben auf der Leinwand ein.  Er hat dabei versucht das Setting der Buchvorlagen zwar authentisch im Stil der 60er Jahre rüberzubringen, als auch etwas moderne Züge einfließen zu lassen, um es für die heutigen Kinder anprechender zu machen. Alle Kinder sind ganz der Erziehung der 1960er entsprechend noch höflicher und deutlich braver, die Mode nicht so gewagt und und die Häuser und die Autos kultig. Die Farben sind bunt und strahlend und das nicht nur auf die Kleidung bezogen. Allgemein sind die Ausstattung und die Drehorte wirklich gut ausgewählt worden und dem Film entsprechend umgestaltet worden.
Der Film bedient sich im Kern einer sehr kindlichen Thematik, nämlich der Angst vor Veränderungen. In Nicks Fall ist es die vermeidliche Ankunft eines kleinen Brüderchens, welches seine Angst schürt, dass seine Eltern ihn vergessen oder sogar aussetzen werden. Aufmerksamkeit und Liebe werden ihm komplett entzogen und auf das neue Menschlein projeziert. Das darf nicht sein! Die Kindliche Ausgangssituation gerät dann doch schon auf eine skurrile Bahn, als die Kinder versuchen einen vermeidlichen Auftragsmörder für das Baby zu engagieren, der in Wahrheit eigentlich ein Automechaniker ist. Ab diesem Moment geht der Spaß auch schon los, da die Kinder Gelb beschaffen müssen um den "Killer" zu bezahlen. Kinder werden auf dem Schulhof mit Glücksspiel um ihr Milchgeld erleichtert und es wird sogar ein Pseudozaubertrank gebraut, der angeblich super stark macht. Da haben wir die Asterix-Referenz. Hier haben wir auch den Unterhaltungswert des Films, der fast allein durch die Kinder und ihre Streiche und Aktionen beigesteuert wird. Der Humor ist größtenteils harmlos und verträglich und hat auch irgendwie seinen eigenen Charme.

Hierbei ein Wort an die jungen Schaupieler in dem Film. Der junge Maxime Godart hat hier seinen ersten Filmauftritt und die Rolle des pfiffigen Nick, scheint ihm wie auf den Leib geschrieben. Er zieht mühelos die Sympathien auf sich und man interessiert sich für seine Person und auch seine "schlimme" Lage, in der er sich befindet. Auch seine Schauspielkollegen in der Schule machen ihre Sache sehr gut. Jeder verkörpert dabei ein reines Klischeebild, welche so in der Schule existieren. Das Kind reicher Eltern, Streber, Schläger oder ein Versager. Alles ist hier vertreten und fügt sich wunderbar ins Gesamtbild ein. Jeder bekommt seinen kleine Auftritt um sich zu etablieren.
Fazit.
"Der kleine Nick" ist eine athentische Verfilmung der Kinderbuch- und Comicvorlage und kann durch gutes Schauspiel der Kinder, einer netten Story und seichtem Humor glänzen. Mit knapp 90 Minuten Spielzeit ist er auch von der Länge her genau richtig. Wer mal wieder Lust auf einen Kinderfilm hat, den man auch als Erwachsener genießen kann, der wird hier nicht enttäuscht werden.






Bis dahin - Tschödeldö






Fakten: http://de.wikipedia.org/wiki/Der_kleine_Nick_%28Film%29
Bilder:  http://www.tvmovie.de/der-kleine-nick-768343.html
             http://www.ingame.de/entertainment/kritiken/filmkritiken/der-kleine-nick-filmkritik/
             http://www.theatiner-film.de/th/wp-content/uploads/2010/08/derkleinenick2.jpg

16.06.13

Film•Peteback: The Awakening


Weg von japanischen Meisterdieben und hin zum guten, alten Grusel-Genre, mit;

The Awakening


Originaltitel: The Awakening
Deutscher Titel: The Awakening
Originalsprache: Englisch
Erschienen: 2007
Länge: ca. 103 Minuten
Regie: Nick Murphy
Drehbuch: Nick Murphy, Stephen Volk
Produktion: David M. Thompson
Cast: u.a. Rebecca Hall, Dominic West, Imelda Staunton, Lucy Cohu, John Shrapnel, Shaun Dooley

Trailer: The Awakening

Kurz gesagt: "The Awakening" ist ein britischer Horrorfilm aus dem Jahr 2011, von Regisseur Nick Murphy. Die Geschichte dreht sich um die junge Florence Cathcart, die einige Bücher über übernatürliche Phänomene geschrieben hat, denen sie nachgegangen und teilweise wiederlegt hat. Ihr neuster Fall führt sie in ein Knabeninternet auf dem Land, wo es nach dem Tod eines Schülers zu paranormalen Erscheinungen gekommen ist.




England, 1921.
Es sind düstere Zeiten, nach dem ersten Weltkrieg. Verlust, Trauer, Angst und Ungewissheit überschwemmen England. In dieser Zeit, hat es sich die Autorin Florence Cathcart (Rebecca Hall) übernatürliche und paranormale Phänomene unter die Lupe zu nehmen und auch zu entlarven. Darüber schreibt sie ihre Bücher und arbeitet auch mit der Polizei zusammen, um Trickbetrüger auffliegen zu lassen, die sich als Medium ausgeben oder Geistererscheinungen vorgaukeln. Auf die dringliche Bitte des Lehrers Robert Malory (Dominic West), reist die junge Autorin nun aufs Land. In dem Knabeninternat in dem Malory angestellt ist, ist es nach dem Tod eines Schülers zu merkwürdigen, paranormalen Erscheinungen gekommen. Die Schulleitung ist besorgt, dass der Ruf der Schule nach dem Tod noch mehr geschädigt werden könnte und so empfahl die Hausmutter Maud (Imelda Staunton), sich an Florence zu wenden. Florence ist nicht sehr überzeugt von diesem Auftrag und sie war sowieso von vornherein dagegen ihn anzunehmen. Die Sommerferien stehen in der Schule bevor und so ist Florence mit dr Belegschaft der Schule und einem einzigen Schüler alleine, doch die mysteriösen Ereignisse hören nicht auf. Die sonst so realistisch denkende Frau muss bald einsehen, dass es zwischen Himmel und Erde doch noch einiges gibt, was sich nicht rational erklären lässt...




Geisterfilme sind schon irgendwie etwas ganz Besonderes. Sie sind die Crème de la Crème des Horrorfilm-Genres und darunter gibt es einige Gute, viele Mittelmäßige und reichlich Schlechte. Bei Geisterfilmen geht es nicht um endlose Gewaltexzesse und sprudelnde Blutfontänen, nein, es ist gerade die passive, nicht greifbare Gewalt die der Protogonist erfährt. Böse Träume, Visionen, Erinnerungen die den Hauptdarsteller quälen und ihm keine Ruhe lassen, sodass er gezwungen wird sich mit dem übernatürlichen Problem zu konfrontieren.

Das dumme an Geistern ist, dass sie sich nicht einfach dadurch bezwingen lassen, dass man ihnen den Schädel wegpustet. Waffen sind wirkungslos und sie verfügen über Mittel, die einem Sterblichen verwehrt bleiben. Außerdem lassen sie sich nicht einfach stumm schalten, bis man hinter des Geheimnis des Spuks gekommen ist. Filme wie "The Others", "The Ring", "Paranormal Activity" oder "The Amityville Horror" haben in jüngerer Zeit gezeigt, dass man mit mehr oder weniger aufdringlichem Horror stimmungsvolle und atmosphärische Geschichten erzählen kann.
Nick Murphy hat sich dem Geisterfilm verschrieben und setzt in genre-gewohnter Art und Weise auf stimmungsvolles Schaudern, gedämpfte Lichter, unheimliche Drehorte und verzichtet dafür auf grelle Schockeffekte. Die Hauptfigur wird schon sehr früh etabliert und vorgestellt. Florence ist eine Frau, die fest im Leben der 1920er Jahre steht und frönt dazu noch dem Rationalismus. Das ist umso interessanter, da sie sich dem Auslöschen des Aberglaubens verschrieben hat. Angeblicher Spuk und pseudoparanormale Erscheinungen, sie macht allem den Garaus. Dazu raucht sie noch, hat ein loses Mundwerk (vor allem Männern gegenüber), verdient ihren eigenen Lebensunterhalt und ist eine gefragte, namenhafte Person. Komisch, dass das alles ins Gegenteilige gekehrt wird, wenn sie erstmal in dem Internat ankommt. Hier werden ganz klar düstere Töne angeschlagen, die sich auch auf die Protagonistin auswirken. Das merkt man auch ganz schnell, wenn Florence erst einmal die ersten Untersuchungen in dem alten Schulgebäude vornimmt.

Im Gesamtbild spart "The Awakening" an vielen gängigen Horrorelementen. Es gibt keine effektvollen Schockmomente und auch krasse Handlungsdreher bleiben größtenteils aus, denn im Kern ist Nick Murphys Film Drama mit Gruselementen. Sensibel und stimmig werden Schicksale einzelner, handelnder Personen geschildert, um so das Gesamtbild der Person zu vervollständigen und weiter auszubauen. Gerade für Florence ist die Konfrontation mit ihrer Veragangenheit belastend, da sie diese eher verdrängt hat. Naben den Geister-Erscheinungen sind es auch die Menschen, die dem Zuschauer ein Unwohlsein bereiten. Das Gebäude kommt einem komisch vor, die Lehrer kommen einem komisch vor, die Kinder kommen einem komisch vor und der Gärtner kommt einem komisch vor und es gibt noch einiges mehr.

Teilweise erinnert man sich bei "The Awakening" an "Das weiße Band" von Michael Hanekes, wo auch schon viel mit den Schrecken der Kindheit gearbeitet wurde, weil gerade in der Kindheit die Steine für das spätere Leben gelegt werden. Es wird einiges auf die Schilderung der gesellschaflichten und sozialen Umstände der Zeit verwendet, aber genau wie auf die Komplexität der Charaktere, wird daraus im Endeffekt nicht viel gemacht. Da gibt es noch ungenutztes Potenzial. Die Inszenierung die Murphy verfolgt ist wenig originell, etwas zu schmucklos und eher zweckdienlich. Die Auflösung ist nachvollziehbar und vertretbar, aber es fehlt dann doch irgendwie ein befriedigener Schlussstrich und das nicht nur für die Protagonistin. Auch aus dem Rollen der zwei wichtigsten Schauspieler Florence und Mr. Malory, hätte man einiges mehr rausholen können. Rebecca Hall tut ihr Nötigstes um die Rolle der rationalen Geisterjägerin zu mimen, aber im Großteil schleicht sie nur staunend und mit einem besorgen Gesichtsausdruck durch die Gänge Auch eine zu streng herbeigeführte Liebesgeschichte wirkt einfach nur aufgesetzt und fehl am Platz.
Fazit.
"The Awakening" ist ein Grusel-Drama, dass sich von der Stimmung her, gut in das Genre des Grusel-Genres einfindet und auch mit einer interessanten Grundidee aufwarten kann. Der Zuschauer für über einen Großteil des Films bei der Stange gehalten, dennoch ist der Film vielleicht zehn bis fünfzehn Minuten zu lang geraten. Die Darbietung der Schauspieler ist annehmbar, aber wie gesagt, sind die Rollen nicht falsch besetzt, sondern nur nicht richtig ausgebaut. Im Großen und Ganzen ein Gruselfilm den man sich mal gegen kann, der die Nerven nicht allzu sehr strapaziert.





Bis dahin - Tschödeldö






Fakten: http://en.wikipedia.org/wiki/The_Awakening_%282011_film%29
Bilder:  http://burguslasvegas.blogspot.de/2013/01/arets-basta-filmer-2012.html
             http://www.sfx.co.uk/2011/11/11/the-awakening-film-review/
             http://horror.about.com/od/2012theatricalreviews/fr/The-Awakening-Movie-Review.htm

09.06.13

Film•Peteback: The Legend of Goemon


Diese Woche bewegen wir uns erst einmal weg von Spielverfilmungen und widmen uns einer Legende aus dem fernen Osten.

The Legend of Goemon


Originaltitel: Goemon (五右衛門)
Deutscher Titel: The Legend of Goemon
Originalsprache: Japanisch
Erschienen: 2009
Länge: ca. 128 Minuten
Regie: Kazuaki Kiriya
Drehbuch: Kazuaki Kiriya, Tetsuro Takita
Cast: u.a. Yōsuke Eguchi, Takao Ōsawa, Ryōko Hirosue, Eiji Okuda, Jun Kaname, Gori, Hashinosuké Nakamura

Trailer: The Legend of Goemon

Kurz gesagt: "The Legend of Goemon" ist ein japanischer Actionfilm aus dem Jahr 2009, von Regisseur Kazuaki Kiriya. Vor dem historischen Hintergrund der Einigung Japans unter Tokugawa Ieyasu, wird die teils fiktive Geschichte des ehemaligen Ninjas Ishikawa Goemons erzählt, der sich als Meisterdieb einen Namen gemacht hat. Die Hauptrolle übernahm Yōsuke Eguchi. Durch den Diebstahl einer mysteriösen Box gerät er in einen Krieg der ihn zwingt zu seiner alten Berufung als Ninja zurückzukehren.




Wir befinden uns im Sengoku-Zeitalter um 1563, in Japan.
Der junge Goemon Ishikawa (Yōsuke Eguchi) verliert früh seine Eltern, die einen gewaltsamen Tod starben. Als ob das Leben es nicht schon schlecht mit ihm meinen würde, werden er und sein Vormund noch von Banditen überfallen, er kann allerdings von niemand anderem als Fürst Oda Nobunaga (Hashinosuké Nakamura) gerettet. Der Fürst sieht etwas spezielles in dem Jungen und nimmt ihn in seine Obhut, gemeinsam mit einem anderen Jungen. Kirigakure Saizō (Takao Ōsawa). An seinem Hof werden die beiden von Nobunagas Samurai Hattori Hanzō zu Ninjas ausgebildet und als Bewährungsprobe wird dem jungen Goemon die Aufgabe zu teil, die Nichte des Fürsten, Chacha, zu beschützen. Als sein Herr allerdings im Krieg getötet wird, legt Goemon seine Berufung ab und lebt seither in Freiheit. Nach Nobunagas Tod übernahm sein Vertrauter Toyotomi Hideyoshi (Eiji Okuda) die Herrschaft über Japan. Goemon wird zu einem gesuchten Mann, da er auch noch begonnen hat die Reichen um ihr Hab und Gut zu erleichtern und es den Armen zu geben. Unterstützt wird er dabei von seinem treuen Diener Sarutobi Sasuke (Gori). Bei einem Raubzug in Kyōto lässt Goemon neben Geld und Schätzen auch ein kleines, unscheinbares Kästchen mitgehen, unwissend, dass er die Büchse der Pandora entwendet hat. Da sie vollkommen leer ist, wirft er sei einfach weg. Der Wert des Kästchens wird ihm erst klar, als die Stadtwachen die gesamte Stadt nach dem Relikt durchforsten.



Filme über Sagengestalten oder Helden der Geschichte gibt es wie Sand am Meer und gerade wir in der westliches Welt, können auf eine gewaltige Bandbreite an Legenden zurückgreifen, die wir in Filmen verarbeiten können. Da ist es doch interessanter, wenn man über den Tellerrand hinaus blickt um sich mit Legenden aus anderen, fernen Ländern zu beschäftigen.

Vor einigen Jahren drehte Kazuaki Kiriya seinen ersten Film "Casshern". Dieser war ein Live-Actionfilm basierend auf dem Anime "Shinzō Ningen Casshern) aus den 70ern. Der Anime wurde 2008 noch einmal unter dem Titel "Casshern Sins" von Madhouse neu aufgelegt, mit geraffter, grob übernommener Story. Kiriya steuerte dazu, wie schon erwähnt, den gleichnamigen Realfilm bei, der in Japan einen großen Kinoerfolg feierte und außerhalb von Japan, mit guten Verkaufszahlen der DVDs glänzen konnte. Fünf Jahre ließ sich der Regisseur Zeit, um dann mit "Goemon" wieder auf der Bildfläche aufzutauchen.
Kiriyo schrieb das Drehbuch für "Goemon" selber und hat sich auf eine Art Volkshelden der japanischen Geschichte konzentriert, der dem Film auch seinen Namen gibt. Goemon Ishikawa, Meisterdieb und Wohltäter, vergleichbar mit der Figur des Robin Hood. Im Gegensatz zu dem grüngekleideten Bogenschützen, gibt es von Goemon immerhin geschichtliche Nachweise, die seine Existenz verifizieren. Der Regisseur entschied sich bei seinem ersten Erfolg "Casshern" für eine eher spezielle Optik, die geradeweg aus einem Videospiel stammen könnte. Bei "Goemon" legt Kiriya allerdings noch einmal eine Schippe drauf. Bei vielen Einstellungen und Szenen klappt einem schon so ein bisschen die Kinnlade runter, da man manche Set wirklich als "episch" bezeichnen könnte. Allerdings wird man auch schnell sehen, wo das Meiste des Budgets hingeflossen ist. Nämlich in die Animationen und die Effekte. Wenn man es mal runterbricht, dann ist von dem Film gerade mal 10% wirklich echt, gerade was die Sets und Hintergründe angeht. Es wurde viel vor dem Green-Screen gedreht und das sieht man den Film auch an und das soll man auch. So wirkt "Goemon" noch viel mehr wie ein Videospiel. Man bekommt knallige Farben, bombastische Effekte und eine Physik, die es nicht mal in einem Paralleluniversum geben kann. Gerade auf die Farben sollte in Augenmerk gelegt werden. Diese sind am Anfang noch schön und strahlend und nehmen im Laufe des Film stark ab, denn alles wird düsterer, dreckiger und feindlicher und untermalen in jedem Fall die Atmosphäre. Recht eigenwillig ist auch die Interpretation, mit der Kiriya sind die feudale Welt des Japans des 16. Jahrhunderts vorstellt. Gebäude und Kostüme sind alles andere als traditionell, weisen aber eigenen gewissen traditionellen Stil auf, jedenfalls wie sich ein Europäer etwas traditionell-japanisches vorstellt.

Natürlich gibt es auch den typischen, japanischen/asiatischen Humor, der meist aus prekären Situationen entsteht und auch wert auf Slap-Stick legt. Dieser Humor kommt allerdings nur in der ersten Hälfte des Films vor, denn die Entwicklung die der Film einschlägt ist schon derbe.  Je dunkler die Stimmung des Films wird, desto weniger hübscher und lustiger ist der Film auch. Eigentlich nachvollziehbar. Wo es noch vorher darum ging, die Charaktere ein wenig vorzustellen und Eigenarten aufzuzeigen, geht es ab der Mitte doch schon ziemlich rund.  Die stilisierte Heldengeschichte über einen japanischen Meisterdieb, den und der das Volk liebt, entwickelt sich zu einer emotionalen Geschichte um Mord, Tod, Verrat und Macht. Es wird ein fast schon kritischer Blick auf Macht und Krieg geworfen und versucht dessen Ursachen klar herauszustellen und anzuprangern. Hass und Gewalt rücken in den Fokus und die leichte Liebesgeschichte zwischen Goemon und seiner Kindheitsfreundin Chacha, rückt dabei mehr und mehr in den Hintergrund. Kiriya geht dabei sehr schonunglos mit dem Zuschauer um und versucht ihn durch ein Wechselbad der Gefühle schwimmen zu lassen und dabei geht er auch mit seiner Hauptfigur nicht sehr pfleglich um.
Es sei noch etwas zu der Action gesagt, denn die kann sich wirklich sehen lassen. Der Stil der Action ist in diesem Fall sehr japanisch und übertrieben. Schon in den ersten 15 Minuten geht einiges zu Bruch, Granaten sprengen ganz Häuser und Wohnbezirke werden glatt dem Erdboden gleich gemacht. Massenkämpfe und auch Zweikämpfen sprudeln vor Martial-Arts über und die Kämpfenden Personen scheinen gar Superkräfte zu haben. Goemon springt Meter weit und erklimmt die höchsten Höhen in Sekunden und streckt dabei noch hundert Gegner mit einem Streich nieder. Bei all dem Gemetzel wurde aber auf künstliches Blut verzichtet und man hat sich daher auf animiertes Blut geeinigt. Da muss man allerdings Abstriche machen, da es doch etwas zu sehr animiert aussieht.

Die Synchronisation kann man sich geben und die Stimmen sind im Großen und Ganzen gut gewählt worden. Allerdings empfehle ich dann doch eher den Originalton und die Untertitel, denn so kommt die Atmosphäre des Films wirklich besser rüber und die Charaktere wirken auch authentischer.
Fazit.
Wer überzeichnete Action mag und wem der Trailer auch schon gut gefallen hat, der sollte sich "The Legend of Goemon" wirklich mal anschauen. Mit knapp über zwei Stunden, ist der Film meines Erachtens ein wenig zu lang geraten, aber da muss man halt durch. Die Story ist solide und interesssant, die Charaktere sind sympathisch und der Look fantastisch. Alles in allem, ein sehenswerter Actionfilm.




Bis dahin - Tschödeldö





Fakten: http://de.wikipedia.org/wiki/The_Legend_of_Goemon
             http://www.filmstarts.de/kritiken/171916.html
Bilder:  http://www.bloggang.com/mainblog.php?id=nanatakara&month=19-11-2009&group=11&gblog=15
             http://theincrediblystrangemovie.blogspot.de/2012/01/goemon-uk-dvd-release.html
             http://www.movieman.de/Images/Film/00027638_de-1000157832-photo4.jpg
             http://animeradius.com/goemon-on-blu-ray/

02.06.13

Film•Peteback: Halo 4: Forward Unto Dawn


Wer gedacht hat, jetzt ist es erst einmal vorbei mit Videospiel Content aus dem dann Filme produziert werden - der liegt falsch. Aus gegebenen Anlass geht es diese Woche mit "Halo" weiter. Dieses mal aber auf einer "realen" Ebene.

Halo 4: Forward Unto Dawn


Originaltitel: Halo 4: Forward Unto Dawn
Deutscher Titel: Halo 4: Forward Unto Dawn (Vorwärts in den Sonnenaufgang)
Originalsprache: Englisch
Erschienen: 2012
Länge: ca. 80 Minuten
Regie: Stewart Hendler
Drehbuch: Todd Helbing, Aaron Helbing
Produktion: Microsoft Studios, 343 Industries, Arc Productions
Cast: u.a. Tom Green, Anna Popplewell, Enisha Brewster, Osric Chau, Kat de Lieva, Daniel Cudmore

Trailer: Halo 4: Forward Unto Dawn

Kurz gesagt: "Halo 4: Forward Unto Dawn" ist eine Web-Miniserie, bestehend aus 5 Episoden mit jeweils ca. 15 Minuten Länge. Die erste Episode wurde am 5. Oktober 2012 auf 'Halo Waypoint' und dem Youtube Channel "Machinima Prime" veröffentlicht und wurde wöchentlich fortgeführt. Die Miniserie wurde im Vorfeld, als Marketing- und Promotionstrategie produziert, um "Halo 4" zu bewerben, welches im November 2012 veröffentlicht wurde.




Seit Generationen haben Menschen unter Führung des United Nations Space Command  (UNSC) fremde Planeten besiedelt. Doch Aufständische haben einen Bürgerkrieg entfacht, der die gesamte Galaxie erfasst hat. Kadett Thomas Lasky und die jungen Studenten der Corbulo Militärakademie trainieren, um diesen Krieg für immer zu beenden. Lasky wird jedoch von Zweifeln an seinen Fähigkeiten geplagt und befürchtet, die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllen zu können. Als die Akademie das Ziel eines verheerenden Angriffs von Außerirdischen wird, muss er sich seinem Schicksal endgültig stellen. An der Seite eines geheimnisvollen Verbündeten, einem bewaffneten Supersoldaten, der nur als der Master Chief bekannt ist, müssen die Kadetten um ihr Überleben und das Überleben der gesamten Menschheit kämpfen.
- offizieller Klappentext via.




Vermutlich haben diejenigen, die nichts mit Halo am Hut haben (oder haben wollen), schon beim Titel das Fenster wieder geschlossen. Ich kann das sehr gut verstehen. Alles was mit Themen zu tun hat, die eine bestimmte Fan-Base ansprechen, ist ja öfters gleich uninteressant, wenn man nicht direkt drinsteckt. Allerdings sollte man hier vielleicht mal die Augen und Ohren aufsperren, denn diese Web-Serie kann DER Schritt in die richtige Richtung sein.
In die richtige Richtung zu was? Natürlich einem Blockbuster-Halo-Film-Mit-Master-Chief-Der-Alienärsche-Tritt. Klangvoller Titel. Halo ist Kult und das kann man nun wirklich nicht abstreiten. Es ist eine der stärksten Franchise, dass Microsoft zu bieten hat und hat sich über die verschiedenen Teile eine gewaltige Fan-Base aufgebaut. Spiele, Romane, Anime und Comics haben das Universum ausgebaut und vertieft und man hat eine charismatische Frontfigur, den fucking Master Chief. Ein Si-Fi-Rambo mit Doppelsprung und er kann sogar zwei Waffen halten. Jedenfalls seit "Halo 2". Mit einer gesunden Fangemeinde und genug Action-Potenzial, bietet das Halo-Franchise genug Stoff für einen Leinwandadaption, auf die schon viele Fans gewartet haben. Doch bisher kam da nicht viel bei rum. 2005 wurde sogar Peter Jackson als Produzent für eine Halo-Verfilmung genannt, doch leider gab es anscheinend interne Schwierigkeiten, weil Microsoft wohl zu wenig Kohle beisteuern wollte. Regie sollte ursprünglich Neill Blomkamp führen, der dann mit einem Bruchteil des angedachten Halo-Budgets "District 9" auf die Beine gestellt hat. Dieser spielte allein schon über 200 Milliarden US-Dollar ein und wurde in verschiedenen Kategorien bei den Oscars nominiert. Da hat sich wohl irgendwer ziemlich in den Po gebissen...

Theoretisch könnte die Web-Serie auch für Halo-Neueinsteiger interessant sein, da "Forward Unto Dawn" sehr früh in der Timeline angesetzt wurde. In dem 5-Teiler wird nämlich der erste Auftritt bzw. Angriff der Covenant (Allianz) gezeigt. Was die Covenant ist? Gute Frage. Wie der Name sagt, ist es eine Allianz verschiedener, außerirdischer Rassen, die alle einem religiös-fanatischen Glauben folgen. Also eine Art Theokratie. Die Oberhäupter der Allianz, Propheten genannt, sehen die menschliche Rasse als die fleischgewordene Beleidigung ihres Glaubens. Somit muss die Menschheit so schnell wie möglich ausgelöscht werden. Diese erste Begegnung zwischen Mensch und Alien ist in der vierten Episode sehr gut in Szene gesetzt worden, wie eines Nachts der Krieg losbricht und die Invasionsschiffe der Aliens über dem Ausbildungslager erscheinen. Ort des Geschehens ist übrigen die Kolonie auf einem erd-ähnlichen Planeten namens 'Cirnicus-IV'.  Vor allem Fans werden hier mit den Füßen zappeln, weil Regisseur Stewart Hendler sehr vorlagengetreu vorgegangen ist und sich keinerlei Interpretationsfreiheiten rausgenommen hat. Nicht-Kenner wird das eher weniger mitreißen.
Zum Auftritt des Master Chief sei gesagt, dass er hier eindeutig als Mittel zum Zweck dient. Er ist der Good Guy, der Big Daddy der kleinen Rekruten. Damit verstricken sich die Drehbuchschreiber ein wenig in Widersprüche mit dem eigentlich Spartan-117. Der Master Chief ist in den Spielen bzw. auch in den Romanen gar nicht mal so der Team Player. Er hat sogar gar kein Problem damit auch mal Kameraden zu opfern, wenn es dem Sieg zuträglich ist. Nun ja, es ist so gesehen der erste Kontakt mit den Aliens, da kann man ja schon mal sozial sein. Der Master Chief ist dabei aber sehr gut in Szene gesetzt und endcool wie eh und jeh. Allerdings werden auch die Truppen der Covenant nicht vernachlässigt. Wer sich schon immer mal einen ordentlich-detaillierten Eliten vorgestellt hat, der wird hier nicht enttäuscht werden. Die Effekte mit denen die Aliens erschaffen wurden sind wirklich erste Klasse und anscheinend hatte der Regisseur sehr viel für Slow Motion übrig. Man sieht wo das Geld hingeflossen ist. Zwei weitere Alien-Rassen haben auch noch ihren Auftritt und sind nicht weniger schlecht inszeniert.

Doch was gibt es neben dem Master Chief? Ach ja, die normalen Menschen. Hauptcharakter ist hier eigentlich Thomas Lasky (Tom Green), ein Rekrut der Militärakademie. Er ist nicht gerade beliebt und hat auch mit großen persönlichen Probleme zu kämpfen. Es wird viel von ihm erwartet, weil auch schon seine Mutter und sein Bruder eine starke, militärische Laufbahn eingeschlagen haben. Sein Charakter wird recht langsam aufgebaut, dafür aber auch ausführlich. Der Film ist übrigens eine Retrospektive seines älteren Ichs, in der Zukunft. Hier und da gibt es leichte Ungereimtheiten und Anschlussfehler und die kleine Liebesgeschichte zwischen ihm und Chyler Silva (Anna Popplewell) ist auch nicht das gelbe von Ei. Da ist die Serie doch etwas oberflächlich. An der darstellerischen Leistung der Jungschauspieler kann man jedoch nicht meckern.
Fazit.
"Halo 4: Forward Unto Dawn" ist Fan-Service von vorne bis hinten. Wer Si-Fi mag und/oder sogar Halo-Fan ist, der wird mit den fünf Episoden seinen diebischen Spaß haben. Wenn man sich die DVD/Blu-Ray kauft bekommt man sogar 80 Minuten Making-of und Bonusmaterial, wie Interviews mit den Schauspielern, Regisseur und und und. Es lohnt sich wirklich. Obwohl ich glaube, dass man sich das auch auf Youtube ansehen kann. Was man bedenken sollte und was noch wichtiger ist, ist der Fakt, dass "Forward Unto Dawn" bei der Community sehr gute Resonanz erzeugte. Es zeigt, dass ein Halo-Kinofilm mit dem richtigen Budget, einem kompetenten Regisseur und motivierten Produzenten, wirklich realisierbar wäre. Zu hoffen ist es. Bitte Hollywood.






Bis dahin - Tschödeldö






Fakten: http://en.wikipedia.org/wiki/Halo_4:_Forward_Unto_Dawn
             http://de.halo.wikia.com/wiki/Halo_4:_Forward_Unto_Dawn
Bilder:  http://www.doblu.com/2012/12/06/halo-4-forward-unto-dawn-review/
             http://einfogames.com/news/files/2013/01/halo-4-forward-unto-dawn-series.jpg
             http://www.wallpaperpics.net/wallpaper/halo-4-forward-unto-dawn.html
             http://de.halo.wikia.com/wiki/Halo_4:_Forward_Unto_Dawn