31.07.13

Peteback's Alternate Art #31


Es ist auch schon wieder eine halbe Ewigkeit her, dass das letzte Mal ein Post aus dieser Rubrik kam.
Dennoch hat sich zu einem früheren Post ein kleines Update angeboten. Der Künstler DenisM79, hat eine neue Galerie herausgebracht, in der er Charaktere aus "Star Wars" in ein interessantes, neues Setting übertragen hat.

 


Wie man vielleicht schon erkennen kann, hat der Künstler es geschafft, Figuren aus dem Star-Wars-Universum in ein 80er Jahre High School Setting zu übertragen. Und das mit Erfolg. Darth Vader als fieser Schlägertyp mit Motorradhelm, Han Solo als rebellischer Draufgänger, Obi Wan als Schulleiter, C3-PO und R2D2 als Nerds und Yoda in der Rolle des Sportlehrers. Allerdings muss ich sagen, dass mich Luke teilweise an Marty McFly erinnert. Hier hat jede Figur ihr Element gefunden und sie passen sehr gut zu ihrem neuen Dasein. Die Zeichnungen haben außerdem einen wunderbaren Sketch-Art-Stil.

Wenn ihr noch mehr Eindrücke haben wollt, schaut doch mal auf seiner Deviant-Art-Seite vorbei, lasst ein Kommentar da, die Galerie ist genau hier verlinkt. Viel Spaß!




Bis dahin - Tschödeldö



28.07.13

Film•Peteback: The Illusionist


Diese Woche ist nichts wie es scheint. Wir beschäftigen uns mit Trugbildern und Illusionen und ziehen dazu auch einen Experten zu Rate.

The Illusionist


Originaltitel: The Illusionist
Deutscher Titel: The Illusionist
Originalsprache: Englisch
Erschienen: 2006
Länge: ca. 110 Minuten
Regie: Neil Burger
Drehbuch: Neil Burger
Produktion: u.a. Brian Koppelman, Cathy Schulman, Bob Yari
Cast: u.a. Erdward Norton, Jessica Biel, Paul Giamatti, Rufus Sewell, Eddie Marsan, Aaron Johnson, Eleanor Tomlinson

Trailer: The Illusionist

Kurz gesagt: "The Illusionist" ist ein US-amerikanischer Film aus dem Jahr 2006, von Regisseur Neil Burger. Der Film vereint verschiedene Genres in sich, darunter hat er Elemente von Fantasy, Drama und Thriller. Das Drehbuch für den Film basiert außerdem auf der Kurzgeschichte "Eisenheim der Illusionist" von Steven Millhauser. In der Geschichte geht es um den Illusionisten namens "Eisenheim", der nach langer Reise wieder in Wien auftritt und dort seine Jugendfreundin und erste Leibe wiedertrifft.




Eduard Abramovich (Edward Norton) ist der Sohn eines einfach Schreiners und verbringt seine Jugend in Wien, Anfang des 20. Jahrhunderts. Eines Tages lernt er die Herzogin Sophie von Teschen (Jessica Biel) kennen und die beiden werden, trotz ihres unterschiedlichen Standen, sehr gute Freunde und verlieben sich sogar ineinander. Der Kontakt zu einem Bürger der Unterschicht ist dem Adel allerdings ein Dorn im Auge und so werden die beiden auf Lange Zeit getrennt. Eduard wächst heran und bereist Böhmen, Russland und den Orient und kehrt 15 Jahre später als "Eisenheim - Der Illusionist" nach Wien zurück. Dort gibt er tägliche Zaubervorführungen, mit denen er das Wiener Publikum in Erstaunen versetzt. Schon bald erweckt er das Interesse der Aristokraten, nachdem er das untere Bürgertum und den Mittelstand mit einen Vorstellungen beeindrucken konnte. Eine Große Ehre wird Eisenheim zu teil, als der Kronprinz Leopold (Rufus Sewell) eine seiner Vorstellungen besucht. In seiner Begleitung befindet sich zu Eisenheims Erstaunen auch Sophie von Teschen, die inzwischen die Verlobte des Kronprinzens ist. Bei dem besagten Auftritt bittet der Illusionist um einen Freiwilligen aus dem Publikum und Sophie meldet sich auf Drängen ihres Verlobten freiwillig, unwissend, wen sie dort auf der Bühne eigentlich vor sich hat...




Ich mag Filme, die sich um Zauberei und Magie drehen. Damit meine ich nicht direkt die Fantasy-Filme wo Zauberer mit Rittern durch die Gegend ziehen, sonder eher die Zauberei der Gegenwart. Magie, Illusionen, Tricks, Shows und wenn dazu noch interessante Charaktere geschrieben werden, dann hat der Film schon einmal Potential sehr gut zu werden.
Man muss von vornherein sagen, dass man bei "The Illusionist" kein Effektfeuerwerk erleben wird, sondern eher bodenständige Effekttricks. Der Film ist kein groß produzierter Hollywood-Streifen, sondern kommt aus der Independent-Ecke. Mit nicht einmal 20 Millionen Dollar ist das Budget auch recht moderat geraten. Trotzdem hat man optisch einiges rausgeholt, um den Film so authentisch wie möglich wirken zu lassen. Die Geschichte spielt zwar im Wien am Anfang des 20. Jahrhunderts, aber gedreht wurde in Prag und anderen Orten in Tschechien. Selbst wenn man schon oft in Wien gewesen ist, oder auch dort lebt, dem wird zum Baustil kaum etwas auffallen. Dazu kommen die wirklich guten und stimmigen Kostüme und Accessoires, die ebenfalls der Authentizität zuträglich sind. Hier und dort gibt es kleine Ungereimtheiten, die das Zeitportrait ein wenig trügen. Dazu gehört zum Beispiel, dass Paul Giamatti in seiner Rolle als Chefinspektor Uhl, eben ein "Inspektor" und kein "Kommissar" ist. Letzterer Ausdruck hätte ein wenig besser gepasst.

Kommen wir mal zum Fantasy-Aspekt des Films. Dieser wird verständlicher Weise durch den Illusionskünstler Eisenheim getragen und er dreht sich auch komplett um seine Person. Dabei wird der Zuschauer immer schön im Ungewissen gelassen und man darf selber rätseln, ob das was Eisenheim auf der Bühne tut wirklich Magie oder nur reine Trickserei ist. Die Frage schwebt die ganze Zeit im Raum, bis zum Ende. Dazu wurde auch die Person "Eisenheim" sehr gut geschrieben und man hat seine Mentalität und Herangehensweise an seine Zauberer gut ausgebaut. Er ist ein freundlicher, höflicher Mann zu dem man auch Vertrauen haben würde, wenn man nicht gerade auf der Bühne steht. Auch ist er bei seinen Aufführungen stets ruhig und spart sich großartige Show-Einlagen und überzogenes Gehabe. Auch braucht er für seine Auftritte nicht viel. Mal einen Spiegel, mal einen Blumentopf mit Erde, mal ein Schwert. Einfach muss es sein, aber dennoch soll es auch erstaunen. Leider hat Neil Burger nicht viele Zaubertricks in den Film einfließen lassen, gerade mal vier Auftritte von Eisenheim erlebt man mit und ein paar wenige Tricks zwischendurch gibt es auch zu sehen. Diese werden aber auch oft erklärt, was nicht ganz uninteressant ist. Dazu darf man aber anmerken, dass Edward Norton größtenteils auf der Bühne war und die Zaubereien durchgeführt hat. Nur bei gewissen Techniken wurden Spezialisten herangezogen, wenn es um Tricks ging die Fingerfertigkeit vorraussetzen und nur Aufnahmen von Händen gebraucht wurden.
Allgemein kann man sagen, dass der Film an Anfang seine stärkste Phase hat und dann etwas abflacht, was Spannung und Inspiration angeht. Interessant ist dabei vor allem die Schilderung von Eisenheims Kindheit, in einer speziellen Filmtechnik die an Stop Motion erinnern lässt. So entsteht von Anfang an auch ein Gefühl einer märchenhaften Biografie. Es kommt dabei aber nicht an Werke wie "Die fabelhafte Welt der Amelie" oder "Big Fish" heran. Der Film ist aber weniger Biografie und mehr Kriminalgeschichte, was an sich auch sehr gut funktioniert, aber dennoch ein wenig mit Spannung spart. Man hat natürlich auch wieder das obligatorische Twistende, was aber nicht wirklich überraschend kommt, wenn man die Grundthematik des Film im Hinterkopf hat. Dabei läuft das Ende dann auch wenig zu plump und abgestottert ab, als ob man plötzlich keine Zeit mehr hat und alles noch schnell auflösen muss. Dort wäre es dann wohl besser gewesen, wenn man den Zuschauer nicht mit konkreten Bildern, sondern mit einer Ungewissheit zurückgelassen hätte.

Beim Schauspiel gibt es auch nicht allzu viel zu meckern. Edward Norton, in der Rolle von Eisenheim, macht seine Sache gut und kann durch sicheres und authentisches Schauspiel überzeugen und stand, wie oben erwähnt, auch selber als Magier auf der Bühne. Jessica Biel macht hier auch eine sehr gute Figut und spielt die Herzogin von Teschen sehr überzeugen und wirkt dabei vor allem sehr ausdrucksstark, in Vergleich zu anderen Filmen. Rufus Sewell, in der Rolle von Kronprinz Leopold, spielt auch sicher und wirkt mit der Zeit wirklich aalglatt und unangenehm, ganz wie es sich für den Antagonisten gehört. Ein größeres Augenmerk sollte allerdings auf Paul Giamatti gelegt werden, der als Chefinspektor Uhl sehr viel Screen Time hat und diese auch gut nutzt. Er ist hin und hergerissen zwischen der Sympathie für den Künstler Eisenheim und seinem Pflichtbewusstsein und der Untergebenheit gegenüber des Kronprinzens. Sehr spannend und sehenswert.
Fazit.
"The Illusionist" ist trotz seiner Schwächen in Spannung und Genre-Spagat ein sehr sehenswerter Film, der eine sehr bodenständige Art der Zauberei zeigt, ohne viel Drumherum. Der Anfang ist gelungen und entschädigt dafür auch für kleine Leerläufe in der fortlaufenden Story und Edward Norton erlebt man mal wieder in Höchstform. Freunde von Magie und leichter Kriminalthematik können hier bedenkenlos reinschauen.





Bis dahin - Tschödeldö





Fakten: http://de.wikipedia.org/wiki/The_Illusionist_%282006%29
Bilder:  http://www.aceshowbiz.com/still/00001279/the_illusionist03.html
             http://www.fanpop.com/clubs/edward-norton/images/580154/title/edward-illusionist-photo

             http://www.fanpix.net/0673318/012041965/the-illusionist-2006-large-picture.html
             http://www.impawards.com/2006/illusionist_ver3.html

24.07.13

In Nuce #10 ~ Die Schöpfungsgeschichte mit Reus


Hat nicht jeder von uns einen kleinen Gottkomplex?
Zum Glück gibt es Spiele, wo man diese Leidenschaft ausleben kann.


Die einen oder anderen werden es sicher mitbekommen haben, dass vor kurzem der Steam Summer Sale war, bzw. zu Ende gegangen ist. Spiele werden für einen Bruchteil des eigentlichen Preises zum Download angeboten und das ist die Zeit, wo viele Steam-User ihre Bibliothek mit Spielen auffüllen, die sie vermutlich nie spielen werden. Ich bin nicht besonders aktiv bei Steam, doch um Freunden ein nettes Geschenk zu machen, ist der Sale wirklich perfekt. Für mich selber gab es dieses Mal allerdings nicht viel was mich interessiete. Das spart natürlich Geld.

Eher aus Zufall stieß ich dann auf ein Spiel, dass runtergesetzt war und meine Aufmerksamkeit erregte. Reus. "Reus" ist eine Götter-Simulation vom niederländischen Indie-Entwicklerstudio "Abbey Games". Das Studio besteht aus vier Informatikstudenten, die das Spiel über zwei Jahre hinweg in ihrer Freizeit programmiert haben. Doch worum geht es in "Reus". Naja, am Anfang schuf Gott Himmel und Erde und blablabla. Alles Blödsinn. Am Anfang war da die trostlose Erde  - und dann kamen die Giganten. Zum Glück startet das Spiel mit einem ausführlichen Tutorial, dass dem Spieler alle Feinheiten über das Gott-Sein beibringt und dabei vor allem nicht langweilig wird. Das Ziel des Spiels ist es, dem Planeten Leben einzuhauchen und Zivilisationen zu schaffen und diese zu organisieren und am Leben zu halten. Dazu hat man vier Helfer, die den Spieler unterstützen. Den Giganten des Waldes, des Meeres, der Berge und des Sumpfes. Jeder hat ein individuelles Aussehen und individuelle Fähigkeiten, die die Umgebung beeinflussen. Diese muss man geschickt einsetzen, damit sich Nomaden ansammeln und das erste Dorf gründen.

Der Meeres-Gigant (Der aussieht wie eine gewaltige, blaue Krabbe) schlägt ein Loch in den Boden, dass sich schon bald mit Wasser füllt. Das erste Meer ist geschaffen und bewässert die umliegenden Gebiete. Hier kommen entweder der Wald- oder Sumpf-Gigant zum Einsatz. Der Wald-Gigant (eine Affengestalt) erschaff auf der einen Seite des Meeres den Wald und der Sumpf-Gigant (in der Gestalt eines grünen Alien) erschafft auf der anderen Seite den Sumpf. Das sind schon mal zwei der drei fruchtbaren Gebiete, wo sich Völker ansiedeln können. Der Gebirgs-Gigant (der Name beschreibt sein Aussehen) kann einen Berg aus der Erde wachsen lassen, an dessen Hang dann eine Wüste entsteht. Nun müssen Nomaden angelockt werden. Damit pflanzt man mit dem Wald-Gigant ein paar Gebiet mit Blaubeeren an und optional kann man dazu noch von Meeres-Gigant ein paar domestizierte Tiere erschaffen. Dann dauert es auch nicht lange und die Menschen treten auf den Plan. Nun kann es losgehen. Wichtig für das Überleben, sind drei statistische Werte. Nahrung, Technologie und Wohlstand. Wenn diese Werte stimmen, können die Menschen Gebäude in drei Stufen bauen. Ein Kornlager braucht beispielsweise 30 Nahrung, um zu entstehen. Hier können wir als Gigant eingreifen und dem Volk mehr Nahrung bescheren.
Man erinnere sich an das Gebiet mit den Blaubeerbüschen.  Es ist möglich den Ertrag zu steigern, indem man einen Erdbeerbusch-Gebiet daneben setzt. Also wird ein Blaubeer-Gebiet angesetzt und der Wald-Gigant nutzt seine Macht des "Blätter Aspekts" und stuft den Blaubeerbusch zu einem Erdbeerbusch hoch. Das ist Symbiose. Brilliant! Noch dazu kann man dem Meers-Giganten sagen, dass er Meereslebewesen an der Küste schaffen soll, damit Fischfang betrieben werden kann. Für Wohlstand erschafft der Sumpf-Gigant ein paar exotische Tiere (für Wohlstands-Punkte) und der Gebirgs-Gigant tut etwas, damit die Menschen auch Bergbau betreiben können, was Technologie-Punkte erzeugt . Wenn ein Gebäude fertiggestellt wurde, bekommt man einen Gesandten, der sich dann auf den Kopf eines Giganten setzt und ihm eine neue Fähigkeit verleiht. Dabei sollte man aber immer darauf achten, welchen Gesandten aus welchem Gebiet man welchem Giganten gibt. Der Pakt ist nämlich bindend und es wird fair verteilt.

Man kann sich also vorstellen, wie das weitere Spiel abläuft. Man bewirtschaftet das Land, kümmert sich um die Menschen und sorgt dafür, dass es keine Knappheiten oder Kriege gibt. Dabei muss man im späteren Verlauf wirklich die Augen auf jedes Dorf haben, da eigentlich immer irgendwo etwas passiert. Auch muss man aufpassen, dass man nicht die Missgunst der Menschen erregt, sonst wenden sie sich gegen die Giganten. Das ist auch schon alles. Durch Achievements wird das Handeln dokumentiert und man schaltet Errungenschaften frei, womit man neue Spielmodi freischalten kann. Wie lange dieses Konzept fesseln kann, ist allerdings fragwürdig, denn entweder kann man sich in einer Session mit Giganten-Attributen verzetteln, oder es läuft alles so gut, dass man bald nichts mehr zu tun hat.
Fazit.
"Reus" ist eine wirklich nette Götter-Simulation, die jeden Cent den ich bezahlt habe wert ist. Die Grafik ist stimmig und erinnert leicht an eine Cel-Shading-Optik. Das Gameplay ist interessant und motivierend und der Schwierigkeitsgrad ist je nach Spielfortschritt angemessen. Das Tutorial gibt eine sehr gute Einführung in das Spiel und die Lernkurve ist auch genau richtig. Allerdings kann das Spiel nicht durch Langzeitmotivation und Abwechslung glänzen. Für 1-2 Runden für Zwischendurch ist es alle mal eine wertvolle Ergänzung und macht vor allem Spaß. Ich spreche dem Spiel meine Empfehlung aus.




Bis dahin - Tschödeldö



21.07.13

Film•Peteback: Hitchcock


Letzte Woche gab es billigen Horror, diese Woche wenden wir uns einem Urvater des Thrillers zu. Ein Meister des Schocker-Kinos gibt sich die Ehre, in;

Hitchcock


Originaltitel: Hitchcock
Deutscher Titel: Hitchcock
Originalsprache: Englisch
Erschienen: 2012
Länge: ca. 98 Minuten
Regie: Sacha Gervasi
Drehbuch: John J. McLaughlin
Produktion: Ivan Reitman, Tom Pollock, Joe Medjuck
Cast: u.a. Anthony Hopkins, Helen Mirren, Scarlette Johansson, Ton Collette, Danny Huston, Jessica Biel, Michael Stuhlbarg, James D'Arcy, Michael Wincott

Trailer: Hitchcock

Kurz gesagt: "Hitchcock" ist eine Filmbiografie aus dem Jahr 2012, von Regisseur Sacha Gervasi. Das Drehbuch des Film basiert auf der Biografie "Alfred Hitchcock and the Making of Psycho" von Stephen Rebello. Der Film bezieht sich zeitlich auf die Entstehung von "Psycho", von der Findung der Grundgeschichte aus dem gleichnamigen Roman von Robert Bloch, bishin zur Erstaufführung des Films.




1959 brachte Regisseur Alfred Hitchcock den Agenten-Thriller "Der unsichtbare Dritte" heraus und feiert seit dem große Erfolge. Als Hitchcock (Anthony Hopkins) provokant von einem Reporter gefragt wird, ob er mit seinen sechzig Jahren nicht langsam mal aufhören möchte, ist der Regisseur empört und fasst den Entschluss ein neue Regiearbeit abzulegen. Es fehlt allerdings noch ein passender Roman. Er bekommt das Angebot "Casino Royal", den bekannten James-Bond-Roman zu verfilmen, lehnt die Herausforderung allerdings ab. Bald schon hat er sein neustes Projekt vor Augen. Im selben Jahr geistert ein Roman durch die Buchhandlungen Amerikas, der für viel Furore in der Fachpresse und bei Kritikern sorgt. "Psycho" von Robert Bloch. Der Roman fasziniert ihn, genau wie die Hauptfigur Norman Bates, die dem Serienmörder Ed Gein nachempfunden wurde. Für die Verfilmung castet er dann Janet Leigh (Scarlett Johansson), Anthony Perkins (James D'Arcy) und Vera Miles (Jessica Biel). Problematisch wird es um das Projekt, da die Produktionsfirma Paramount Pictures die Finanzierung verweigern und auch die Zensurbehörde geht auf die Barrikaden, da in dem Film vermutlich extreme Gewalt, Nacktheit und eine Toilettenspülung vorkommen sollten, was bis dato noch nicht in einem Film vorkam. Hitchcock und seine Frau Alma (Helen Mirren) beschließen den Film alleine zu finanzieren, doch leider kriselt es im Eheleben der beiden auch etwas, wodurch es abermals zu Spannungen kommt, auch im Privatleben.




Ich muss von vornherein sagen, dass ich kein großer Fan der Filme von Alfred Hitchcock bin, woran das genau liegt kann ich auch nicht sagen. Dennoch habe ich viele seiner Meisterwerke gesehen und erkenne sie auch an. Sei es "Psycho", "Das Fenster zum Hof", "Vertigo", "Der unsichtbare Dritte" oder "Bei Anruf Mord". Meine Mutter ist großer Hitchcock-Fan und so habe ich über die Zeit sehr viel von dem "Master of Suspense" mitbekommen.

Viel interessanter als die Filme die er gedreht hat, finde ich seine Person selbst, da er ein wirklich interessanter Mensch, sowie auch Regisseur war. Da war ich natürlich umso hellhöriger, dass ein annährend biografischer Film über Alfred Hitchcock erschienen ist. Im Endeffekt ist der Film weniger autobiografisch, als fiktional und es verwebt Interpretationen und Erdachtes in wahre Begebenheiten, rund um die Entstehung von "Psycho".
Gleich zu Anfang des Films, geht es auch schon thematisch richtig zur Sache. Man erlebt als Zuschauer den ersten Mord von Ed Gein, der Ausgangsfigur zu der Romanfigur Norman Bates aus dem Roman "Psycho". Alles wird kühl und distanziert von Alfred Hitchcock kommentiert, dabei immer gewand zum Publikum, wie ein Filmansager. Hier hat sich Anthony Hopkins schon in die typische Hitchcock-Manier eingefunden, das Publikum persönlich anzusprechen, wie er es in vielen Kinotrailern zu seinen Filmen getan hat.  Durch gutes Maskenbild wird Hopkins fast zu seiner Figur Hitchcock, lässt aber doch noch einige Unterschiede zu den Gesichtsmerkmalen des Regisseurs bestehen. Allerdings sollte sich an diesen Unterschieden kaum einer stören, denn darum geht es in erster Linie auch gar nicht. Es geht viel mehr um das Wesen und die Person des "Meister des Suspensens". Mimik, Gestik und Rhetorik, alles scheint zu stimmen, obwohl die meisten der Zuschauer Hitchcock wohl nur oberflächlich kennen. Hopkins Spielpartnerin Helen Mirren, in der Rolle von Hitchcocks Frau Alma, wirkt und spielt gleichermaßen authentisch. Sie ist die loyale Ehefrau des Großmeisters, stärkt ihm den Rücken, kümmert sich zu Hause um ihn, überarbeitet die Drehbücher und wirkt sogar am Set mit. Da ist es auch kein Wunder, dass sie über weite Strecken auch im Mittelpunkt der Handlung steht. Soweit ich weiß, stand Hitchcocks Frau in Wahrheit eher im Hintergrund des Geschehens, allerdings bekommt sie hier ihre Würdigung zugeschrieben.

Nach einiger Zeit wird einem schon auffallen, dass Regisseur Sacha Gervasi auch Wert auf eine gute Portion Humor gelegt hat. Die vermeidliche Biografie ist oft wirklich amüsant und er hat es geschafft, den makaberen und trockenen Humor Hitchcocks einzufangen. Dabei stehen im Vordergrund die Wortgefechte zwischen Hitch und seiner Frau, die Auseinandersetzungen des Regisseurs mit seiner Produktionsfirma und der staatlichen Zensurbehörde. Dabei geht es, aus heutiger Sicht, um völlig banale Sachen, wie den Drehwinkel bei der Duschszene und das Spülgeräusch einer Toilette. Damals ein "No Go" im Filmgeschäft. Es wird mit der Absurdität gespielt und man merkt schon, dass Hitchcock seiner Zeit schon vorraus war. Dabei wird auch hin und dort etwas übertrieben. Man kann sehr viel um die Person von Hitchcock zeigen, aber in manchen Szenen driftet es teilweise in fast lächerliche Szenen hab. Man erlebt die Thriller-Legende in Schlafanzug vor dem Fernseher, wie er Zeichentrickfilme schaut, wie er in der Badewanne sitzt und mein persönlicher Favorit; Hitchcock im Anzug mit einem Strohhut bei der Gartenarbeit mit Ehefrau Alma.
Im Gegensatz zum Humor von "Hitchcock" stehen die Schattenseiten des Regiesseurs, die Gervasi keinesfalls ausgelassen hat. Hitchcock wird als Voyeur dargestellt, der in Ähnlichkeit zur Hauptfigur Norman Bates in "Psycho", durch ein Loch in der Wand Darstellerinnen in der Umkleide beobachtet.  Dazu wird seine schwierige, fast schon egomanische Persönlichkeit gezeichnet, in Verbindung mit den Schauspielerinnen. Auch wird hier eine fiktive, seelische Nähe zwischen dem Serienmörder Ed Gein und Hitchcock aufgedeckt, als der Regisseur in einer Eifersuchtsphase hineingerät, da seine Frau mit einem anderen Mann ein Drehbuch schreibt. Geradezu werden im Mordgedanken unterstellt, wenn die Kamera auf Alma Halspartie zoomt. Etwas übertrieben, aber eventuell zweckdienlich.

Da wären wir auch bei der Zwickmühle, die sich im Laufe des Films auftut. Alma trifft sich mit dem Drehbuchautor Whitefield Cook, der sie überredet mit ihm ein Drehbuch zu schreiben. Hier wird der Ansatz aufgegriffen, dass sie sich danach sehnt mehr Anerkennung zu bekommen, für die Ratschläge, Unterstützung und die Leistung die sie ihrem Mann zukommen lässt. Dieser nimmt die Aufopferung seiner Frau allerdings für selbstverständlich. Dennoch wird die "Affaire" sehr lieblos über die Bühne gebracht und Whitefield Cook wird ein wenig zu schmierig dargestellt, als dass eine intelligente Frau wie Alma auf ihn reinfallen könnte. Kleiner Minuspunkt.
Fazit.
"Hitchcock" ist ein wirklich autobiografischer Film geworden, aber dafür ein sehr unterhaltsamer Film über den Großmeister des Thrillers. Wer Hitchcock-Fan ist, der kann hier mal einen Blick riskieren, allerdings sollte man die dargestellte Person nicht zu ernst nehmen. Anthony Hopkins überzeugt in seiner Darstellung als Alfred Hitchcock und blüht im Zusammenspiel mit Helen Mirren noch mehr in seiner Rolle auf. Meine absolute Empfehlung!





Bis dahin - Tschödeldö





Fakten: http://de.wikipedia.org/wiki/Hitchcock_%28Film%29
Bilder:  http://www.cinemafunk.com/movie-reviews/hitchcock.html
             http://haphazard-stuff.blogspot.de/2013/01/hitchcock-2012-review.html

14.07.13

Film•Peteback: The Purge


Diese Woche wird endlich mal wieder ein wenig aktuell auf diesem Blog, mit einer Review zu einem Film, der momentan über die deutschen Kinoleinwände geistert.

The Purge


Originaltitel: The Purge
Deutscher Titel: The Purge - Die Säuberung
Originalsprache: English
Erschienen: 2013
Länge: ca. 85 Minuten
Regie: James DeMonaco
Drehbuch: James DeMonaco
Produktion: u.a. Michael Bay, Jason Blum, Adrew Form
Cast: u.a. Ethan Hawke, Lena Headey, Max Burkholder, Adelaide Kane, Tony Oller, Rhys Wakefield, Edwin Hodge

Trailer: The Purge

Kurz gesagt: "The Purge" ist ein US-amerikanischer, dystopischer Thiller aus dem Jahr 2013, von Regisseur James DeMonaco. DeMonaco schrieb auch das Drehbuch für den Film und Ethan Hawke und Lena Headey spielen die Hauptrollen. Der Film spielt in einer fiktiven Zukunft, wo in ganz Amerika einmal im Jahr eine "Säuberung" durchgeführt wird, wo die Menschen aufeinander Jagd machen können, ohne die Einschränkungen von Gesetzen oder Ähnlichem.




Wir schreiben das Jahr 2022 und in Amerika hat sich eine neue Regierung herauskristallisiert, die als die "Neuen Gründerväter Amerikas" bezeichnet werden. Es ist davon auszugehen, dass diese Regierung eine eher radikale Linie fährt, da sie "The Purge", die Säuberung, eingeführt haben. Um die Kriminalitätsrate und auch die Arbeitslosenzahlen niedrig zu halten und die Wirtschaft anzukurbeln, wurde eine spezielle Nacht eingeführt. Zwischen 19 Uhr abends und 7 Uhr morgens sind alle Notrufsysteme von Polizei, Krankenhäusern und Feuerwehr nicht erreichbar und Verbrechen wie Raub, Vandalismus und Mord sind legalisiert. Regierungsbeamte sind natürlich immun und es dürfen auch auch nur Waffen bis zu einer bestimmten Kaliberzahl getragen werden. James Sandin (Ethan Hawke) ist durch diese Nächte zu Reichtum gekommen, da er Sicherheitssysteme entwickelt, die einen vor marodierenden Bürgern schützen. Er lebt mit seiner Frau Mary (Lena Headey), seinem Sohn Charlie (Max Burkholder) und seiner Tochter Zoey (Adelaide Kane) in einem teuren Anwesen. In der Nacht passiert aber das Undenkbare. Charlie deaktiviert das Sicherheitssystem um aus Mitleid einen verletzten Mann hereinzulassen, der anscheinend gerade gejagt wird. Damit hat er dem Obdachlosen das Leben gerettet. Doch seine Verfolger lassen nicht so leicht von ihrer Beute ab...




Bevor ich hier jetzt meinen Senf ablasse, werde ich erst einmal eine kleine Geschichtsstunde abhalten. Bei uns gibt es regelmäßig Tombolas, damit ein wenig Geld in die Stadtkasse kommt. Dabei Kostet ein Los ca. zwei Euro und man gewinnt zu 80% immer irgendwas. Und sei es nur ne Packung Müsli oder eine Flasche Ketchup. Ich dachte mir also; Versuchste ma dein Glück. Und Froschgott sei gelobt, Fortuna war auf meiner Seite. Ein Kinogutschein für 7 Tage und ermäßigten Eintrittspreis. Eindeutig ein Wink des Schicksals.

Als erstes habe ich mir deshalb "World War Z" zu Gemüte geführt. Im Nachhinein hätte ich dafür dann auch den vollen Preis bezahlt, den er hat mir im Gesamten ganz gut gefallen. Am Freitag stand dann "The Purge" auf dem Plan und dieser Film hat mir wieder den Grund ins Hirn getrommelt, wieso ich eigentlich so selten ins Kino gehe.
James DeMonaco hat zu allererst ein schon interessantes Drehbuch, mit einer interessanten Grundidee geschrieben. Das kann man so nicht leugnen. Eine dystopische Zukunftsvision, in der die Bevölkerung sich selber reduziert und somit nur der "Stärkste" überleben kann und das auch noch schweigen und auch befürwortend hingenommen wird. Diese Grundthematik bietet wunderbares Potential für Zukunftskritik und Bezug auf die heutige Zeit, spricht Waffengesetze, Gesellschaftsschichten, Selbstjustiz. Gerade dieser Gedanke eines Amerikas, dass nicht fortschrittlicher geworden ist, sondern nur dekadenter. Die Reichen und Abgesicherten feiern "Purge-Parties" und verfolgen hinter dicken Mauern über den Fernseher, was so auf den Straßen los ist. Während und auch danach wird "Die Säuberung" auch noch kommentiert und analysiert, wie ein Sportereignis. Auch bietet der Plot viel Potential für beinharte Szenen und spannungsgeladene Katz- und Maus-Spiele. Was im Endeffekt aber daraus gemacht wurde, ist alles andere als spannend und alles andere als klug und durchdacht. Man muss dazu sagen, dass der Film mit einem verhältnismäßig geringen Budget werben kann, denn alles spielt sich im großen Anwesen der Familie Sandin ab. Für einen Thriller ist die Prämisse, das sich alles auf engem Raum abspielt alle mal zuträglich, wenn man weiß, wie man das Setting auszunutzen hat.

Man fühlt sich eine wenig erinnert an "Funny Games U.S.". Psychopathen dringen in ein Haus ein und verfolgen die dort lebenden Menschen und spielen ihre Übermacht aus. Gerade bei den Zwillingen, aus Michael Hanekes Remake, hat sich DeMonaco reichlich bedient und ich wäre auch nicht verwundert gewesen, wenn wirklich einer der Beiden in dem Film mitgespielt hätte. Höflich und latent gefährlich, so treten die Gestalten auf, die sich vor dem Haus der Familie Sandin versammeln, um ihren Obdachlosen einzufordern. Der Anführer scheint höflich zu sein und gibt dem Familienvater eine Frist, um ihren Schützling rauszurücken, doch ob man ihnen wirklich vertragen kann, ist im Endeffekt doch fragwürdig. Hier wird nun mit dem inneren Schweinehund gespielt, ob man lieber ein Leben opfern sollte, um das Leben der eigenen Familie zu sicher, oder gibt es doch einen Weg mit dem alle gut da herauskommen. Diese Frage steht allerdings nur anstandsweise und rudimentär im Raum und wird nicht wirklich lang thematisiert. Man kann sich ja auch schon denken, wohin es sich entwickeln wird, sonst wäre der Film auch schon nach ca. vierzig Minuten zu Ende.
Was mich aber an dem Film viel mehr stört, sind die Logiklöcher, die Lieblosigkeit und nicht zu Ende gedachten Ideen. Es fängt schon bei den Charakteren an, die allesamt blass ausgefallen sind und für die man sich einen Feuchten interessiert. Dann haben wir das Haus, dass anscheinend die Größe von Berlin-Kreuzberg hat. Familienmitglieder schleichen minutenlang durch endlose Flure, hunderte Zimmer und Treppenhäuser und sie begegnen keiner Seele. Außer natürlich, wenn es brenzlig wird, dann taucht zufällig immer jemand auf. Dann der Grund warum dieses Haus existiert. James Sandin verkauft erfolgreich Sicherheitssysteme für Haus und Hof und ist dadurch zu viel Geld gekommen. Auch sein eigenen Haus hat so eine Sicherheitsanlage, die Türen und Fenster verrammelt, sodass niemand reinkommen sollte. Wenn man aber sieht, wie einfach die Aggressoren den Strom abschalten können und vor allem, wie einfach sie sich Zutritt zum Haus verschaffen können, lassen schon hart an der Qualität des Sicherheitssystems zweifeln. Kameras und eine Stahltür machen noch kein Sicherheitssystem! Schon gar nicht, wenn man Letzte mit einem Auto aus der Wand reißen kann. Dann der Tod des Freundes der Tochter, der einfach so eingebracht wurde und sowieso egal ist. Dazu wird dann noch Spannung aufgebaut, wo gar keine Spannung aufgebaut werden muss und an den Stellen wo Spannungsaufbau von Nöten wäre, verpufft diese Einfach, weil man schon von den vorherigen Szenen gelangweilt ist. Spannungstechnisch begeht "The Purge" wirklich erfolgreich Selbstmord. Auch die Idee der "Säuberung" weist ein paar Denkfehler auf; Wieso ziehen die Sozialschwachen nicht marodierend durch die Straßen, sondern lassen sich abknallen und aufknüpfen. Warum verlassen sie nicht die Städte? Wieso hält man sich an diese einzige Nacht, um seine animalische Seite rauszulassen? Welche Wirtschaft profitiert von der Purge, außer der Waffenindustrie und dem Totengräber aus Lucky Luke?

Das Schauspiel lässt gleichermaßen zu wünschen übrig, wie die Ausarbeitung der Story. Ethan Hawke gibt hier einen Familienvater, der mit seinen Kindern redet, als wären es nicht seine eigenen. Und anscheinend kein Gefühl für Zeit hat, wie er durch sein eigenen Haus schleicht. Dann haben wir Lena Headey als Mutter, die zwar schon mehr Nähe zu den Kindern hat, aber durchweg auch nur einen besorgten Gesichtsausdruck hat. Die Kinder sind Kinder und nerven ziemlich, weil sie irrationales, dummes Verhalten an den Tag legen und die psychopathischen Yuppies tragen auch ein wenig zu dick auf. Junge Frauen in weißen Kleidern und Masken hüpfen mit Macheten durch den Garten und schaukeln auf der Kinderschaukel, Typen gucken mit ihren schwarzen Maskenaugen in die Kameras und machen mordlustige Gesten. Ja, wir wissen es, ihr seid gestört und gefährlich.
Fazit.
"The Purge" ist alles in allem kein sehr guter Thriller geworden, der mit einem interessanten Grundgedanken aufwarten kann, daraus aber nicht viel macht. Die schauspielerisch Leistung ist eher mittelmäßig und zweckdienlich und die Logiklöcher und Fahrlässigkeiten rauben dem Film die Spannung und die Authentizität. Es ist schwer zu verstehen, wieso gerade so ein Film in die Kinos kommt und nicht direkt auf DVD/BluRay erscheint, wie andere mittelmäßige Thriller. Vielleicht hatte Michael Bay seine Finger da im Spiel. Wer weiß...





Bis dahin - Tschödeldö





Fakten: http://de.wikipedia.org/wiki/The_Purge_%E2%80%93_Die_S%C3%A4uberung
             http://www.filmstarts.de/kritiken/201653/kritik.html
Bilder:  http://bloody-disgusting.com/film/158960/vigilandia/
             http://twi-ny.com/blog/2013/06/07/the-purge/
             http://www.cinestar.de/de/kino/duesseldorf-cinestar/kinoprogramm/the-purge
             http://scriptshadow.net/wp-content/uploads/2013/04/The-Purge-Poster.jpg

07.07.13

Film•Peteback: Beasts of the Southern Wild


Nach einer Woche Pause, geht es nun ohne Müdigkeit weiter mit einem Film der irgendwie ein bisschen anders ist.

Beasts of the Southern Wild


Originaltitel: Beasts of the Southern Wild
Deutscher Titel: Beasts of the Southern Wild
Originalsprache: Englisch
Erschienen: 2012
Länge: ca. 93 Minuten
Regie: Benh Zeitlin
Drehbuch: Lucy Alibar, Benh Zeitlin
Produktion: Michael Gottwald, Dan Janvey, Josh Penn
Cast: u.a. Quvenzhané Wallis, Dwight Henry, Levy Easterly, Lowell Landes, Pamela Harper, Gina Montana

Trailer: Beasts of the Southern Wild

Kurz gesagt: "Beasts of the Southern Wild" ist ein das Spielfilmdebut des Regisseurs und Drehbuchautors Benh Zeitlin, aus dem Jahr 2012. Der basiert auf einem Theaterstück von Lucy Alibar und gemeinsam mit Zeitlin hat sie auch das Drehbuch für den Film ausgearbeitet. Der Film spielt im Grenzland von Louisiana, wo das kleine Mädchen namens "Hushpuppy" mit ihrem Vater lebt. Alles gerät aus dem Fugen, als das Land von einem schweren Sturm heimgesucht wird.




Das sechsjährige, afro-amerikanische Mädchen Hushpuppy lebt gemeinsam mit ihrem Vater Wink im abgelegenen Sumpfland von Louisiana, an der Küste des Golfs von Mexiko. Der Ort wo sie mit einigen anderen Menschen leben, wird liebe voll von den Anwohnern "Bathtub", zu deutsch Badewanne, genannt. Hushpuppy hat Bathtub ne verlassen und hat auch nur wenig Ahnung von der Welt jenseits der Dämme und der Raffinerien, die man aus der Ferne sehen kann. Dort haben die Menschen angeblich nur einmal im Jahr Urlaub und essen Fische, die in Plastik eingeschweißt sind. Das alles lernt sie von ihrem Vater, der nicht unbedingt liebevoll ist, aber nur das Beste für seine Tochter will, nachdem ihre Mutter einfach weggegangen ist Er sorgt durch Fischerei, Krabbenfang und ein wenig Landwirtschaft für das Überleben der kleinen Familie und kann so einen bescheidenen Lebensstil für die beiden aufrechterhalten. In der Schule wird Hushpuppy die Geschichte von den gewaltigen Auerochsen erzählt, die am Tag, wo die Welt untergehen wird, aus dem arktischen Eis befreit werden und alles zerstören. Alles aufgrund der Klimakatastrophe. Das Leben gerät für das kleine Mädchen aus den Fugen, als ihr Vater nach einem Tag Abwesenheit zurückkehrt und Hushpuppy später erklärt, dass er sehr krank sei. Noch dazu wird wird Bathtub bald von einem schweren Sturm heimgesucht. Für Hushpuppy bedeutet das nur eins; Die Auerochsen werden kommen.




Geschichten mit Kindern als Hauptdarsteller können auf der einen Seite sehr unterhaltsam und auch sehr intensiv in der Story sein, können aber auch sehr schnell auf die Nerven gehen. Ben Zeitlin hat hier allerdings eine Gradwanderung geschafft, zwischen Coming-of-Age-Drama und düsterem Märchen, die sowohl eine kindliche Stimmung inszeniert, als auch erwachsenere Themen anspricht.
Die Welt in der Hushpuppy aufwächst könnte der realen Version eines "Nimmerlands" kaum ähnlicher sein. Eine Umgebung in der man nicht zu schnell erwachsenen wird und wenige Pflichten hat. Man fühlt sich fast erinnert an Figuren wie Huckleberry Finn. Leben mit der Umgebung und von der Umgebung lernen. Das Paradies eines sechsjährigen Freigeistes, dass allerdings auch irgendwann ein Ende finden muss. Dabei geht man als Regisseur und Drehbuchschreiber oft so vor, dass man den Aberglauben und die Hirngespinste der Kinder nacheinander auflöst und Platz für neue Weltanschauungen schafft. Dies ist hier nicht der Fall.

Das kleine Mädchen Hushpuppy, gespielt von der damals achtjährigen Quvenzhané Wallis, ist ein sehr interessantes Mädchen und auch eine sehr interessante Hauptfigur. Sie erlebt wilde Abenteuer, alles hervorgerufen durch ihre überlaufende Fantasie, die gar nicht mal so kindlich ist, wie es eigentlich sein sollte. Hushpuppy ist ein wildes Wesen, vor dem sogar die Wilden Kerle Respekt gehabt hätten. Sie ist zum einen süß und sympathisch und kann im nächsten Moment schon mit Thematiken aufwarten, die man von ihr nicht erwartet hätte. Ähnlich ist es auch mit ihrem Vater Wink (Dwight Henry), der zum einen auch sehr kauzig ist und Hillbilly-Alüren an den Tag legt und zum anderen ist er ein liebevoller Vater, der seine Tochter auf das spätere Leben vorbereiten will und versucht ihr alles zu bieten was sie braucht. Diese zwei-drei Seiten wechseln aber auch im Sekundentakt. Interessanter Weise spielen in diesem Film auch größtenteils nur Laiendarsteller mit, was dem Film auch ein wenig die Atmosphäre einer Dokumentation verleiht.
Der Film springt teilweise hin und her zwischen einem Märchen, einem Drama, einer Charakterstudie und schlägt auch kritische Töne an. Gerade als das große Unwetter über Hushpuppy Heimat hereinbricht, wird klar, dass hier auch eine kleine Botschaft versteckt ist. Das Problem des Klimawandels wird offen und ein bisschen verzerrt angesprochen, dass das Hochwasser kommen wird und auch die Auerochsen befreit werden. Wobei letztere, urzeitliche Wesen auch nur eine Art Metapher sind. Ähnlich wie bei den naturverbundenen Filmen von Hayao Miyazaki, spart man sich in "Beasts of the Southern Wild" auch den Fingerzeig auf die "Bösen", sondern lässt immer Freiraum für Interpretationen und Verständnis für die angeblichen Antagonisten.

Ein Augenmerk sollte auch die Umgebung gelegt werden, in der sich das kleine Mädchen befindet. Das kleine Städtchen Bathtub liegt, wie schon erwähnt, im abgelegenen Hinterland von Louisiana, wo die Menschen größtenteils noch Selbstversorger sind und man auf den Nachbarn noch angewiesen ist. Alles wirkt irgendwie dreckig und rostig, moderne Elemente wird man selten erblicken und wenn, dann haben diese ihre besten Tage schon hinter sich. So wohnt Hushpuppy auch in einem alten Bus und einer schäbigen Hütte. Das Boot des Vaters, mit dem er fischen geht, ist aus alten Autoteilen zusammengezimmert worden und Hushpuppys Spielsachen könnte man einem normalen Kind auch nicht wirklich anbieten. Die Perspektive wird dabei immer auf Höhe der Protagonistin gehalten um alles auch authentisch wirken zu lassen. Die Geschichte läuft dabei größtenteils temporeich ab, doch gibt es auch ruhige Momente.
Fazit.
"Beasts of the Southern Wild" ist nach langer Zeit mal wieder ein Film, wo ich sagen würde, dass er etwas Besonderes an sich hat. Die "Welt, die auftretenden Personen, die Geschichte, die Machart, der Soundtrack. Alles wirkt gut arrengeiert und perfekt auslastet und mit ca. 90 Minuten hat der Film auch eine angenehme Länge, die dem Film vollkommen zuträglich ist. Wer Lust auf ein spezielles, wildes, fantasievolles Märchen hat, dass mit hintersinnigen Botschaften nicht spart, der dürfte hier auf jeden Fall auf seine Kosten kommen. Kein Wunder, dass der Film beim Sundance Filmfestival so abgeräumt hat.






Bis dahin - Tschödeldö






Fakten: http://de.wikipedia.org/wiki/Beasts_of_the_Southern_Wild
Bilder: http://www.fastcocreate.com/1681010/how-a-new-orleans-collective-made-the-summers-critical-smash-beasts-of-the-southern-wild
            http://www.3fach.ch/events/3fach-prasentiert/beasts-of-the-southern-wild-im-bourbaki/
            http://joeltalksmovies.bangordailynews.com/files/2012/08/beasts-of-the-southern-wild.jpg