07.07.13

Film•Peteback: Beasts of the Southern Wild


Nach einer Woche Pause, geht es nun ohne Müdigkeit weiter mit einem Film der irgendwie ein bisschen anders ist.

Beasts of the Southern Wild


Originaltitel: Beasts of the Southern Wild
Deutscher Titel: Beasts of the Southern Wild
Originalsprache: Englisch
Erschienen: 2012
Länge: ca. 93 Minuten
Regie: Benh Zeitlin
Drehbuch: Lucy Alibar, Benh Zeitlin
Produktion: Michael Gottwald, Dan Janvey, Josh Penn
Cast: u.a. Quvenzhané Wallis, Dwight Henry, Levy Easterly, Lowell Landes, Pamela Harper, Gina Montana

Trailer: Beasts of the Southern Wild

Kurz gesagt: "Beasts of the Southern Wild" ist ein das Spielfilmdebut des Regisseurs und Drehbuchautors Benh Zeitlin, aus dem Jahr 2012. Der basiert auf einem Theaterstück von Lucy Alibar und gemeinsam mit Zeitlin hat sie auch das Drehbuch für den Film ausgearbeitet. Der Film spielt im Grenzland von Louisiana, wo das kleine Mädchen namens "Hushpuppy" mit ihrem Vater lebt. Alles gerät aus dem Fugen, als das Land von einem schweren Sturm heimgesucht wird.




Das sechsjährige, afro-amerikanische Mädchen Hushpuppy lebt gemeinsam mit ihrem Vater Wink im abgelegenen Sumpfland von Louisiana, an der Küste des Golfs von Mexiko. Der Ort wo sie mit einigen anderen Menschen leben, wird liebe voll von den Anwohnern "Bathtub", zu deutsch Badewanne, genannt. Hushpuppy hat Bathtub ne verlassen und hat auch nur wenig Ahnung von der Welt jenseits der Dämme und der Raffinerien, die man aus der Ferne sehen kann. Dort haben die Menschen angeblich nur einmal im Jahr Urlaub und essen Fische, die in Plastik eingeschweißt sind. Das alles lernt sie von ihrem Vater, der nicht unbedingt liebevoll ist, aber nur das Beste für seine Tochter will, nachdem ihre Mutter einfach weggegangen ist Er sorgt durch Fischerei, Krabbenfang und ein wenig Landwirtschaft für das Überleben der kleinen Familie und kann so einen bescheidenen Lebensstil für die beiden aufrechterhalten. In der Schule wird Hushpuppy die Geschichte von den gewaltigen Auerochsen erzählt, die am Tag, wo die Welt untergehen wird, aus dem arktischen Eis befreit werden und alles zerstören. Alles aufgrund der Klimakatastrophe. Das Leben gerät für das kleine Mädchen aus den Fugen, als ihr Vater nach einem Tag Abwesenheit zurückkehrt und Hushpuppy später erklärt, dass er sehr krank sei. Noch dazu wird wird Bathtub bald von einem schweren Sturm heimgesucht. Für Hushpuppy bedeutet das nur eins; Die Auerochsen werden kommen.




Geschichten mit Kindern als Hauptdarsteller können auf der einen Seite sehr unterhaltsam und auch sehr intensiv in der Story sein, können aber auch sehr schnell auf die Nerven gehen. Ben Zeitlin hat hier allerdings eine Gradwanderung geschafft, zwischen Coming-of-Age-Drama und düsterem Märchen, die sowohl eine kindliche Stimmung inszeniert, als auch erwachsenere Themen anspricht.
Die Welt in der Hushpuppy aufwächst könnte der realen Version eines "Nimmerlands" kaum ähnlicher sein. Eine Umgebung in der man nicht zu schnell erwachsenen wird und wenige Pflichten hat. Man fühlt sich fast erinnert an Figuren wie Huckleberry Finn. Leben mit der Umgebung und von der Umgebung lernen. Das Paradies eines sechsjährigen Freigeistes, dass allerdings auch irgendwann ein Ende finden muss. Dabei geht man als Regisseur und Drehbuchschreiber oft so vor, dass man den Aberglauben und die Hirngespinste der Kinder nacheinander auflöst und Platz für neue Weltanschauungen schafft. Dies ist hier nicht der Fall.

Das kleine Mädchen Hushpuppy, gespielt von der damals achtjährigen Quvenzhané Wallis, ist ein sehr interessantes Mädchen und auch eine sehr interessante Hauptfigur. Sie erlebt wilde Abenteuer, alles hervorgerufen durch ihre überlaufende Fantasie, die gar nicht mal so kindlich ist, wie es eigentlich sein sollte. Hushpuppy ist ein wildes Wesen, vor dem sogar die Wilden Kerle Respekt gehabt hätten. Sie ist zum einen süß und sympathisch und kann im nächsten Moment schon mit Thematiken aufwarten, die man von ihr nicht erwartet hätte. Ähnlich ist es auch mit ihrem Vater Wink (Dwight Henry), der zum einen auch sehr kauzig ist und Hillbilly-Alüren an den Tag legt und zum anderen ist er ein liebevoller Vater, der seine Tochter auf das spätere Leben vorbereiten will und versucht ihr alles zu bieten was sie braucht. Diese zwei-drei Seiten wechseln aber auch im Sekundentakt. Interessanter Weise spielen in diesem Film auch größtenteils nur Laiendarsteller mit, was dem Film auch ein wenig die Atmosphäre einer Dokumentation verleiht.
Der Film springt teilweise hin und her zwischen einem Märchen, einem Drama, einer Charakterstudie und schlägt auch kritische Töne an. Gerade als das große Unwetter über Hushpuppy Heimat hereinbricht, wird klar, dass hier auch eine kleine Botschaft versteckt ist. Das Problem des Klimawandels wird offen und ein bisschen verzerrt angesprochen, dass das Hochwasser kommen wird und auch die Auerochsen befreit werden. Wobei letztere, urzeitliche Wesen auch nur eine Art Metapher sind. Ähnlich wie bei den naturverbundenen Filmen von Hayao Miyazaki, spart man sich in "Beasts of the Southern Wild" auch den Fingerzeig auf die "Bösen", sondern lässt immer Freiraum für Interpretationen und Verständnis für die angeblichen Antagonisten.

Ein Augenmerk sollte auch die Umgebung gelegt werden, in der sich das kleine Mädchen befindet. Das kleine Städtchen Bathtub liegt, wie schon erwähnt, im abgelegenen Hinterland von Louisiana, wo die Menschen größtenteils noch Selbstversorger sind und man auf den Nachbarn noch angewiesen ist. Alles wirkt irgendwie dreckig und rostig, moderne Elemente wird man selten erblicken und wenn, dann haben diese ihre besten Tage schon hinter sich. So wohnt Hushpuppy auch in einem alten Bus und einer schäbigen Hütte. Das Boot des Vaters, mit dem er fischen geht, ist aus alten Autoteilen zusammengezimmert worden und Hushpuppys Spielsachen könnte man einem normalen Kind auch nicht wirklich anbieten. Die Perspektive wird dabei immer auf Höhe der Protagonistin gehalten um alles auch authentisch wirken zu lassen. Die Geschichte läuft dabei größtenteils temporeich ab, doch gibt es auch ruhige Momente.
Fazit.
"Beasts of the Southern Wild" ist nach langer Zeit mal wieder ein Film, wo ich sagen würde, dass er etwas Besonderes an sich hat. Die "Welt, die auftretenden Personen, die Geschichte, die Machart, der Soundtrack. Alles wirkt gut arrengeiert und perfekt auslastet und mit ca. 90 Minuten hat der Film auch eine angenehme Länge, die dem Film vollkommen zuträglich ist. Wer Lust auf ein spezielles, wildes, fantasievolles Märchen hat, dass mit hintersinnigen Botschaften nicht spart, der dürfte hier auf jeden Fall auf seine Kosten kommen. Kein Wunder, dass der Film beim Sundance Filmfestival so abgeräumt hat.






Bis dahin - Tschödeldö






Fakten: http://de.wikipedia.org/wiki/Beasts_of_the_Southern_Wild
Bilder: http://www.fastcocreate.com/1681010/how-a-new-orleans-collective-made-the-summers-critical-smash-beasts-of-the-southern-wild
            http://www.3fach.ch/events/3fach-prasentiert/beasts-of-the-southern-wild-im-bourbaki/
            http://joeltalksmovies.bangordailynews.com/files/2012/08/beasts-of-the-southern-wild.jpg

1 Kommentar:

  1. Hab ich anfang des Jahres angeguckt den Film :) war ne schöne Erfahrung. Hushpuppy auf ihrer Reise zu begleiten hatte etwas Besonderes, obwohl nur Normalität gezeigt wurde, hatte ich bei vielen Stellen das Gefühl ich selbst würde die Realität wieder durch Kinderaugen betrachten, einfach nur durch ihre Erzählerstimme. Dinge wurden auf einmal ganz anders zu betrachten. Auch der düstere Hauch war ganz nach meinen Geschmack ~

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