21.07.13

Film•Peteback: Hitchcock


Letzte Woche gab es billigen Horror, diese Woche wenden wir uns einem Urvater des Thrillers zu. Ein Meister des Schocker-Kinos gibt sich die Ehre, in;

Hitchcock


Originaltitel: Hitchcock
Deutscher Titel: Hitchcock
Originalsprache: Englisch
Erschienen: 2012
Länge: ca. 98 Minuten
Regie: Sacha Gervasi
Drehbuch: John J. McLaughlin
Produktion: Ivan Reitman, Tom Pollock, Joe Medjuck
Cast: u.a. Anthony Hopkins, Helen Mirren, Scarlette Johansson, Ton Collette, Danny Huston, Jessica Biel, Michael Stuhlbarg, James D'Arcy, Michael Wincott

Trailer: Hitchcock

Kurz gesagt: "Hitchcock" ist eine Filmbiografie aus dem Jahr 2012, von Regisseur Sacha Gervasi. Das Drehbuch des Film basiert auf der Biografie "Alfred Hitchcock and the Making of Psycho" von Stephen Rebello. Der Film bezieht sich zeitlich auf die Entstehung von "Psycho", von der Findung der Grundgeschichte aus dem gleichnamigen Roman von Robert Bloch, bishin zur Erstaufführung des Films.




1959 brachte Regisseur Alfred Hitchcock den Agenten-Thriller "Der unsichtbare Dritte" heraus und feiert seit dem große Erfolge. Als Hitchcock (Anthony Hopkins) provokant von einem Reporter gefragt wird, ob er mit seinen sechzig Jahren nicht langsam mal aufhören möchte, ist der Regisseur empört und fasst den Entschluss ein neue Regiearbeit abzulegen. Es fehlt allerdings noch ein passender Roman. Er bekommt das Angebot "Casino Royal", den bekannten James-Bond-Roman zu verfilmen, lehnt die Herausforderung allerdings ab. Bald schon hat er sein neustes Projekt vor Augen. Im selben Jahr geistert ein Roman durch die Buchhandlungen Amerikas, der für viel Furore in der Fachpresse und bei Kritikern sorgt. "Psycho" von Robert Bloch. Der Roman fasziniert ihn, genau wie die Hauptfigur Norman Bates, die dem Serienmörder Ed Gein nachempfunden wurde. Für die Verfilmung castet er dann Janet Leigh (Scarlett Johansson), Anthony Perkins (James D'Arcy) und Vera Miles (Jessica Biel). Problematisch wird es um das Projekt, da die Produktionsfirma Paramount Pictures die Finanzierung verweigern und auch die Zensurbehörde geht auf die Barrikaden, da in dem Film vermutlich extreme Gewalt, Nacktheit und eine Toilettenspülung vorkommen sollten, was bis dato noch nicht in einem Film vorkam. Hitchcock und seine Frau Alma (Helen Mirren) beschließen den Film alleine zu finanzieren, doch leider kriselt es im Eheleben der beiden auch etwas, wodurch es abermals zu Spannungen kommt, auch im Privatleben.




Ich muss von vornherein sagen, dass ich kein großer Fan der Filme von Alfred Hitchcock bin, woran das genau liegt kann ich auch nicht sagen. Dennoch habe ich viele seiner Meisterwerke gesehen und erkenne sie auch an. Sei es "Psycho", "Das Fenster zum Hof", "Vertigo", "Der unsichtbare Dritte" oder "Bei Anruf Mord". Meine Mutter ist großer Hitchcock-Fan und so habe ich über die Zeit sehr viel von dem "Master of Suspense" mitbekommen.

Viel interessanter als die Filme die er gedreht hat, finde ich seine Person selbst, da er ein wirklich interessanter Mensch, sowie auch Regisseur war. Da war ich natürlich umso hellhöriger, dass ein annährend biografischer Film über Alfred Hitchcock erschienen ist. Im Endeffekt ist der Film weniger autobiografisch, als fiktional und es verwebt Interpretationen und Erdachtes in wahre Begebenheiten, rund um die Entstehung von "Psycho".
Gleich zu Anfang des Films, geht es auch schon thematisch richtig zur Sache. Man erlebt als Zuschauer den ersten Mord von Ed Gein, der Ausgangsfigur zu der Romanfigur Norman Bates aus dem Roman "Psycho". Alles wird kühl und distanziert von Alfred Hitchcock kommentiert, dabei immer gewand zum Publikum, wie ein Filmansager. Hier hat sich Anthony Hopkins schon in die typische Hitchcock-Manier eingefunden, das Publikum persönlich anzusprechen, wie er es in vielen Kinotrailern zu seinen Filmen getan hat.  Durch gutes Maskenbild wird Hopkins fast zu seiner Figur Hitchcock, lässt aber doch noch einige Unterschiede zu den Gesichtsmerkmalen des Regisseurs bestehen. Allerdings sollte sich an diesen Unterschieden kaum einer stören, denn darum geht es in erster Linie auch gar nicht. Es geht viel mehr um das Wesen und die Person des "Meister des Suspensens". Mimik, Gestik und Rhetorik, alles scheint zu stimmen, obwohl die meisten der Zuschauer Hitchcock wohl nur oberflächlich kennen. Hopkins Spielpartnerin Helen Mirren, in der Rolle von Hitchcocks Frau Alma, wirkt und spielt gleichermaßen authentisch. Sie ist die loyale Ehefrau des Großmeisters, stärkt ihm den Rücken, kümmert sich zu Hause um ihn, überarbeitet die Drehbücher und wirkt sogar am Set mit. Da ist es auch kein Wunder, dass sie über weite Strecken auch im Mittelpunkt der Handlung steht. Soweit ich weiß, stand Hitchcocks Frau in Wahrheit eher im Hintergrund des Geschehens, allerdings bekommt sie hier ihre Würdigung zugeschrieben.

Nach einiger Zeit wird einem schon auffallen, dass Regisseur Sacha Gervasi auch Wert auf eine gute Portion Humor gelegt hat. Die vermeidliche Biografie ist oft wirklich amüsant und er hat es geschafft, den makaberen und trockenen Humor Hitchcocks einzufangen. Dabei stehen im Vordergrund die Wortgefechte zwischen Hitch und seiner Frau, die Auseinandersetzungen des Regisseurs mit seiner Produktionsfirma und der staatlichen Zensurbehörde. Dabei geht es, aus heutiger Sicht, um völlig banale Sachen, wie den Drehwinkel bei der Duschszene und das Spülgeräusch einer Toilette. Damals ein "No Go" im Filmgeschäft. Es wird mit der Absurdität gespielt und man merkt schon, dass Hitchcock seiner Zeit schon vorraus war. Dabei wird auch hin und dort etwas übertrieben. Man kann sehr viel um die Person von Hitchcock zeigen, aber in manchen Szenen driftet es teilweise in fast lächerliche Szenen hab. Man erlebt die Thriller-Legende in Schlafanzug vor dem Fernseher, wie er Zeichentrickfilme schaut, wie er in der Badewanne sitzt und mein persönlicher Favorit; Hitchcock im Anzug mit einem Strohhut bei der Gartenarbeit mit Ehefrau Alma.
Im Gegensatz zum Humor von "Hitchcock" stehen die Schattenseiten des Regiesseurs, die Gervasi keinesfalls ausgelassen hat. Hitchcock wird als Voyeur dargestellt, der in Ähnlichkeit zur Hauptfigur Norman Bates in "Psycho", durch ein Loch in der Wand Darstellerinnen in der Umkleide beobachtet.  Dazu wird seine schwierige, fast schon egomanische Persönlichkeit gezeichnet, in Verbindung mit den Schauspielerinnen. Auch wird hier eine fiktive, seelische Nähe zwischen dem Serienmörder Ed Gein und Hitchcock aufgedeckt, als der Regisseur in einer Eifersuchtsphase hineingerät, da seine Frau mit einem anderen Mann ein Drehbuch schreibt. Geradezu werden im Mordgedanken unterstellt, wenn die Kamera auf Alma Halspartie zoomt. Etwas übertrieben, aber eventuell zweckdienlich.

Da wären wir auch bei der Zwickmühle, die sich im Laufe des Films auftut. Alma trifft sich mit dem Drehbuchautor Whitefield Cook, der sie überredet mit ihm ein Drehbuch zu schreiben. Hier wird der Ansatz aufgegriffen, dass sie sich danach sehnt mehr Anerkennung zu bekommen, für die Ratschläge, Unterstützung und die Leistung die sie ihrem Mann zukommen lässt. Dieser nimmt die Aufopferung seiner Frau allerdings für selbstverständlich. Dennoch wird die "Affaire" sehr lieblos über die Bühne gebracht und Whitefield Cook wird ein wenig zu schmierig dargestellt, als dass eine intelligente Frau wie Alma auf ihn reinfallen könnte. Kleiner Minuspunkt.
Fazit.
"Hitchcock" ist ein wirklich autobiografischer Film geworden, aber dafür ein sehr unterhaltsamer Film über den Großmeister des Thrillers. Wer Hitchcock-Fan ist, der kann hier mal einen Blick riskieren, allerdings sollte man die dargestellte Person nicht zu ernst nehmen. Anthony Hopkins überzeugt in seiner Darstellung als Alfred Hitchcock und blüht im Zusammenspiel mit Helen Mirren noch mehr in seiner Rolle auf. Meine absolute Empfehlung!





Bis dahin - Tschödeldö





Fakten: http://de.wikipedia.org/wiki/Hitchcock_%28Film%29
Bilder:  http://www.cinemafunk.com/movie-reviews/hitchcock.html
             http://haphazard-stuff.blogspot.de/2013/01/hitchcock-2012-review.html

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