14.07.13

Film•Peteback: The Purge


Diese Woche wird endlich mal wieder ein wenig aktuell auf diesem Blog, mit einer Review zu einem Film, der momentan über die deutschen Kinoleinwände geistert.

The Purge


Originaltitel: The Purge
Deutscher Titel: The Purge - Die Säuberung
Originalsprache: English
Erschienen: 2013
Länge: ca. 85 Minuten
Regie: James DeMonaco
Drehbuch: James DeMonaco
Produktion: u.a. Michael Bay, Jason Blum, Adrew Form
Cast: u.a. Ethan Hawke, Lena Headey, Max Burkholder, Adelaide Kane, Tony Oller, Rhys Wakefield, Edwin Hodge

Trailer: The Purge

Kurz gesagt: "The Purge" ist ein US-amerikanischer, dystopischer Thiller aus dem Jahr 2013, von Regisseur James DeMonaco. DeMonaco schrieb auch das Drehbuch für den Film und Ethan Hawke und Lena Headey spielen die Hauptrollen. Der Film spielt in einer fiktiven Zukunft, wo in ganz Amerika einmal im Jahr eine "Säuberung" durchgeführt wird, wo die Menschen aufeinander Jagd machen können, ohne die Einschränkungen von Gesetzen oder Ähnlichem.




Wir schreiben das Jahr 2022 und in Amerika hat sich eine neue Regierung herauskristallisiert, die als die "Neuen Gründerväter Amerikas" bezeichnet werden. Es ist davon auszugehen, dass diese Regierung eine eher radikale Linie fährt, da sie "The Purge", die Säuberung, eingeführt haben. Um die Kriminalitätsrate und auch die Arbeitslosenzahlen niedrig zu halten und die Wirtschaft anzukurbeln, wurde eine spezielle Nacht eingeführt. Zwischen 19 Uhr abends und 7 Uhr morgens sind alle Notrufsysteme von Polizei, Krankenhäusern und Feuerwehr nicht erreichbar und Verbrechen wie Raub, Vandalismus und Mord sind legalisiert. Regierungsbeamte sind natürlich immun und es dürfen auch auch nur Waffen bis zu einer bestimmten Kaliberzahl getragen werden. James Sandin (Ethan Hawke) ist durch diese Nächte zu Reichtum gekommen, da er Sicherheitssysteme entwickelt, die einen vor marodierenden Bürgern schützen. Er lebt mit seiner Frau Mary (Lena Headey), seinem Sohn Charlie (Max Burkholder) und seiner Tochter Zoey (Adelaide Kane) in einem teuren Anwesen. In der Nacht passiert aber das Undenkbare. Charlie deaktiviert das Sicherheitssystem um aus Mitleid einen verletzten Mann hereinzulassen, der anscheinend gerade gejagt wird. Damit hat er dem Obdachlosen das Leben gerettet. Doch seine Verfolger lassen nicht so leicht von ihrer Beute ab...




Bevor ich hier jetzt meinen Senf ablasse, werde ich erst einmal eine kleine Geschichtsstunde abhalten. Bei uns gibt es regelmäßig Tombolas, damit ein wenig Geld in die Stadtkasse kommt. Dabei Kostet ein Los ca. zwei Euro und man gewinnt zu 80% immer irgendwas. Und sei es nur ne Packung Müsli oder eine Flasche Ketchup. Ich dachte mir also; Versuchste ma dein Glück. Und Froschgott sei gelobt, Fortuna war auf meiner Seite. Ein Kinogutschein für 7 Tage und ermäßigten Eintrittspreis. Eindeutig ein Wink des Schicksals.

Als erstes habe ich mir deshalb "World War Z" zu Gemüte geführt. Im Nachhinein hätte ich dafür dann auch den vollen Preis bezahlt, den er hat mir im Gesamten ganz gut gefallen. Am Freitag stand dann "The Purge" auf dem Plan und dieser Film hat mir wieder den Grund ins Hirn getrommelt, wieso ich eigentlich so selten ins Kino gehe.
James DeMonaco hat zu allererst ein schon interessantes Drehbuch, mit einer interessanten Grundidee geschrieben. Das kann man so nicht leugnen. Eine dystopische Zukunftsvision, in der die Bevölkerung sich selber reduziert und somit nur der "Stärkste" überleben kann und das auch noch schweigen und auch befürwortend hingenommen wird. Diese Grundthematik bietet wunderbares Potential für Zukunftskritik und Bezug auf die heutige Zeit, spricht Waffengesetze, Gesellschaftsschichten, Selbstjustiz. Gerade dieser Gedanke eines Amerikas, dass nicht fortschrittlicher geworden ist, sondern nur dekadenter. Die Reichen und Abgesicherten feiern "Purge-Parties" und verfolgen hinter dicken Mauern über den Fernseher, was so auf den Straßen los ist. Während und auch danach wird "Die Säuberung" auch noch kommentiert und analysiert, wie ein Sportereignis. Auch bietet der Plot viel Potential für beinharte Szenen und spannungsgeladene Katz- und Maus-Spiele. Was im Endeffekt aber daraus gemacht wurde, ist alles andere als spannend und alles andere als klug und durchdacht. Man muss dazu sagen, dass der Film mit einem verhältnismäßig geringen Budget werben kann, denn alles spielt sich im großen Anwesen der Familie Sandin ab. Für einen Thriller ist die Prämisse, das sich alles auf engem Raum abspielt alle mal zuträglich, wenn man weiß, wie man das Setting auszunutzen hat.

Man fühlt sich eine wenig erinnert an "Funny Games U.S.". Psychopathen dringen in ein Haus ein und verfolgen die dort lebenden Menschen und spielen ihre Übermacht aus. Gerade bei den Zwillingen, aus Michael Hanekes Remake, hat sich DeMonaco reichlich bedient und ich wäre auch nicht verwundert gewesen, wenn wirklich einer der Beiden in dem Film mitgespielt hätte. Höflich und latent gefährlich, so treten die Gestalten auf, die sich vor dem Haus der Familie Sandin versammeln, um ihren Obdachlosen einzufordern. Der Anführer scheint höflich zu sein und gibt dem Familienvater eine Frist, um ihren Schützling rauszurücken, doch ob man ihnen wirklich vertragen kann, ist im Endeffekt doch fragwürdig. Hier wird nun mit dem inneren Schweinehund gespielt, ob man lieber ein Leben opfern sollte, um das Leben der eigenen Familie zu sicher, oder gibt es doch einen Weg mit dem alle gut da herauskommen. Diese Frage steht allerdings nur anstandsweise und rudimentär im Raum und wird nicht wirklich lang thematisiert. Man kann sich ja auch schon denken, wohin es sich entwickeln wird, sonst wäre der Film auch schon nach ca. vierzig Minuten zu Ende.
Was mich aber an dem Film viel mehr stört, sind die Logiklöcher, die Lieblosigkeit und nicht zu Ende gedachten Ideen. Es fängt schon bei den Charakteren an, die allesamt blass ausgefallen sind und für die man sich einen Feuchten interessiert. Dann haben wir das Haus, dass anscheinend die Größe von Berlin-Kreuzberg hat. Familienmitglieder schleichen minutenlang durch endlose Flure, hunderte Zimmer und Treppenhäuser und sie begegnen keiner Seele. Außer natürlich, wenn es brenzlig wird, dann taucht zufällig immer jemand auf. Dann der Grund warum dieses Haus existiert. James Sandin verkauft erfolgreich Sicherheitssysteme für Haus und Hof und ist dadurch zu viel Geld gekommen. Auch sein eigenen Haus hat so eine Sicherheitsanlage, die Türen und Fenster verrammelt, sodass niemand reinkommen sollte. Wenn man aber sieht, wie einfach die Aggressoren den Strom abschalten können und vor allem, wie einfach sie sich Zutritt zum Haus verschaffen können, lassen schon hart an der Qualität des Sicherheitssystems zweifeln. Kameras und eine Stahltür machen noch kein Sicherheitssystem! Schon gar nicht, wenn man Letzte mit einem Auto aus der Wand reißen kann. Dann der Tod des Freundes der Tochter, der einfach so eingebracht wurde und sowieso egal ist. Dazu wird dann noch Spannung aufgebaut, wo gar keine Spannung aufgebaut werden muss und an den Stellen wo Spannungsaufbau von Nöten wäre, verpufft diese Einfach, weil man schon von den vorherigen Szenen gelangweilt ist. Spannungstechnisch begeht "The Purge" wirklich erfolgreich Selbstmord. Auch die Idee der "Säuberung" weist ein paar Denkfehler auf; Wieso ziehen die Sozialschwachen nicht marodierend durch die Straßen, sondern lassen sich abknallen und aufknüpfen. Warum verlassen sie nicht die Städte? Wieso hält man sich an diese einzige Nacht, um seine animalische Seite rauszulassen? Welche Wirtschaft profitiert von der Purge, außer der Waffenindustrie und dem Totengräber aus Lucky Luke?

Das Schauspiel lässt gleichermaßen zu wünschen übrig, wie die Ausarbeitung der Story. Ethan Hawke gibt hier einen Familienvater, der mit seinen Kindern redet, als wären es nicht seine eigenen. Und anscheinend kein Gefühl für Zeit hat, wie er durch sein eigenen Haus schleicht. Dann haben wir Lena Headey als Mutter, die zwar schon mehr Nähe zu den Kindern hat, aber durchweg auch nur einen besorgten Gesichtsausdruck hat. Die Kinder sind Kinder und nerven ziemlich, weil sie irrationales, dummes Verhalten an den Tag legen und die psychopathischen Yuppies tragen auch ein wenig zu dick auf. Junge Frauen in weißen Kleidern und Masken hüpfen mit Macheten durch den Garten und schaukeln auf der Kinderschaukel, Typen gucken mit ihren schwarzen Maskenaugen in die Kameras und machen mordlustige Gesten. Ja, wir wissen es, ihr seid gestört und gefährlich.
Fazit.
"The Purge" ist alles in allem kein sehr guter Thriller geworden, der mit einem interessanten Grundgedanken aufwarten kann, daraus aber nicht viel macht. Die schauspielerisch Leistung ist eher mittelmäßig und zweckdienlich und die Logiklöcher und Fahrlässigkeiten rauben dem Film die Spannung und die Authentizität. Es ist schwer zu verstehen, wieso gerade so ein Film in die Kinos kommt und nicht direkt auf DVD/BluRay erscheint, wie andere mittelmäßige Thriller. Vielleicht hatte Michael Bay seine Finger da im Spiel. Wer weiß...





Bis dahin - Tschödeldö





Fakten: http://de.wikipedia.org/wiki/The_Purge_%E2%80%93_Die_S%C3%A4uberung
             http://www.filmstarts.de/kritiken/201653/kritik.html
Bilder:  http://bloody-disgusting.com/film/158960/vigilandia/
             http://twi-ny.com/blog/2013/06/07/the-purge/
             http://www.cinestar.de/de/kino/duesseldorf-cinestar/kinoprogramm/the-purge
             http://scriptshadow.net/wp-content/uploads/2013/04/The-Purge-Poster.jpg

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