25.08.13

Film•Peteback: Lone Ranger


Eine Woche Blogpause ist sehr erholsam. Aber diese Woche geht es weiter, mit einem Film aus dem aktuellen Kinogramm, da ich mit der liebreizenden Nina Novel im Kino war. :)

Lone Ranger


Originaltitel: The Lone Ranger
Deutscher Titel: Lone Ranger
Originalsprache: Englisch
Erschienen: 2013
Länge: ca. 149 minuten
Regie: Gore Verbinski
Drehbuch: u.a. Ted Elliott, Terry Rossio
Produktion: Jerry Bruckheimer
Cast: u.a. Armie Hammer, Johnny Depp, Helena Bonham Carter, William Fichtner, James Badge Dale

Trailer: Lone Ranger

Kurz gesagt: "Lone Ranger" ist ein US-amerikanischer Western aus dem Jahr 2013, von Regisseur Gore Verbinski. Der Film basiert auf der gleichnamigen Radiosendung aus dem 30er Jahren und der später folgenden Fernsehserie "The Texas Rangers". Der Film erzählt die Geschichte von Anwalt John Reid, der zum "Lone Ranger" wird, nachdem er bei einem Banditenhinterhalt beinahe gestorben wäre. Gerettet wurde er vom Indianer Tonto. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach dem Banditen Butch Cavendish.




Der wilde Weste, um 1870.
Nachdem John Reid (Armie Hammer) sein Jura-Studium beendet hat, kehrt er in seine Heimatstadt zurück um dort als Anwalt zu arbeiten und seinen Bruder, einen anerkannten Texas Ranger, zu unterstützen. Amerika befindet sich gerade am Rande eines neuen Fortschritts, denn die Vollendung der transkontinentalen Eisenbahnstrecke zwischen Atlantik und Pazifik steht kurz bevor. Bekannterweise ist es im Westen ziemlich rau und so wird der Zug mit dem John unterwegs ist auch noch von Banditen überfallen. Warum? In dem Zug befindet sich, in einem verschlossenen und bewachten Wagon, der gesuchte Schwerverbrecher  Butch Cavendish (William Fichtner). Neben in angekettet sitzt der Comanche Tonto (Johnny Depp), der allerdings eher anteilnahmslos sein Schicksal hinnimmt und damit beschäftigt ist, seinen toten Vogel zu füttern den er auf dem Kopf trägt. Durch eine Verkettung von Ereignissen trifft John auf Tonto, der Zug entgleist und Cavendish kann entkommen. Zusammen mit seinem Bruder Dan Reid (James Badge Dale) macht sich John auf um Cavendish wieder einzufangen und ihn seiner gerechten Strafe zuzuführen. Die Gesetzeshüter geraten allerdings in einen Hinterhalt und werden alle bis auf John getötet. Gerade Tonto ist es, der John schwer verletzt findet und ihm erklärt, dass er nun ein Seelenwanderer ist, da er "Die andere Seite" gesehen hat und zurückgekehrt ist. John macht es sich nun zur Mission den Mörder seines Bruder zu finden, wobei sich Tonto und ein mysteriöses, weißes Pferd ihm anschließen. Anscheinend hat auch Tonto noch eine Rechnung mit Cavendish offen...




Wenn ein Film mit einer viertelmilliarde Dollar finanziert wird, dann sind die Erwartungen an Regisseur, Schauspieler und an den Film im Allgemeinen schon ziemlich groß. Allerdings muss man hier wieder feststellen, dass die altbekannte "Wir zeigen viel und erreichen auch viel"-Taktik nicht immer ganz aufgeht. Schon gar nicht, wenn man sich zu sehr an Versatzstücke aus anderen Filmen erinnert, was nicht gerade für eine Vielschichtigkeit des Handwerks des Regisseurs spricht.

Wenn man sich das Drehbuch zu "Lone Ranger" anschaut, dann würde man den potentiellen Film für einen Kassenschlager halten, der eigentlich jeden Geschmack trifft, selbst wenn man nicht auf die Wester-Thematik steht. Ein richtiger Blockbuster-Movie. Gore Verbinski + Johnny Depp + Jerry Brucheimer, das sollte eigentlich ein Erfolgsrezept ergeben und trotzdem ist der entstandende Film etwas schwierig zu bewerten, den er weiß anscheinend nicht, in welche Richtung er gehen möchte.

Erstmal muss man sich als europäischer Kinogänger fragen, wer der so genannte "Lone Ranger" eigentlich ist. Hierzulande ist der masken-tragende Weißhut-Träger nämlich gänzlich unbekannt und ist auch nicht in der medialen Nostalgiekultur verwurzelt, wie vielleicht Bonanza. Den ersten Auftritt hatte der Gesetzeshüter mit dem weißen Hut und dem weißen Pferd in den 30er Jahren, in Form eines Radio-Hörspiels. In den 50ern bekam der Cowboy dann eine gut und lang laufende Fernsehserie spendiert. Darauf wird in den ersten Minuten auch angespielt und so wird auch die Einleitung gestaltet. Ein Jung befindet sich im Lone-Ranger-Kostüm mit schwarzer Maske auf einem Jahrmarkt, wo es auch ein Kabinett mit Ausstellungsstücke des wilden Westens gibt.  In dem großen Zelt trifft der Kleine, Erdnüsse futternd, auf Tonto. Ja, DEN Tonto, den er auch aus dem Fernsehen kennt, auch wenn er Zweifel hat, dass es der echte Tonto ist. Sogesehen ist der Grundstein für einen 2013er Blockbuster doch etwas altbacken, wobei die damalige Serie im Vergleich zu heutigen Produktionen eher trocken ist und viel mit der Moralkeule wedelt. Damals wollte man auch noch Werte vermitteln, wie bei der Batman-Serie mit Adam West. Steuern zahlen ist Bürgerpflicht. Ich denke man versteht, wo es hingehen sollte.
Wie lässt man also einen gealterten Cowboy auf die große Blockbuster-Leinwand zurückkehren? Man entschied sich für das angeblich wasserdichte Erfolgsrezept, welches schon bei den "Fluch der Karibik"-Teilen zum Einsatz kam. Allerdings war man etwas zu sehr bedacht, das Konzept 1 zu 1 zu übernehmen. Was bekommt der Zuschauer also? Eine Mischung aus Action, Klamauk, Drama und Komik. Gore Verbinski hat es allerdings nicht ganz verstanden, wie man diese Genre-Versatzstücke gibt kombinieren kann. So sind viele Passagen des Films zu gegensätzlich, die Charaktere oft ein wenig zu eindimensional und der Humor ist teils auch etwas zu flach gehalten. Die Einfälle die verarbeitet wurden sind zwar vielversprechend, aber nicht wirklich gut ausgearbeitet. Die Rahmenhandlung ist im Endeffekt nur eine Erzählung vom Tonto der Gegenwart, wie er die Entstehungsgeschichte des wahren "Lone Rangers" schildert. Drei bis vier Mal wird man immer wieder in die Gegenwart zurückgeholt, nur weil der kleine Junge den Faden verloren hat oder belanglose Fragen stellt. Das ist einer mitreißenden Handlung nicht zuträglich, da man immer wieder aus dem Western-Feeling rausgerissen wird.

Wo wir gerade bei Tonto sind, kann man auch gleich einen Blick auf Johnny Depp werfen, den wohl namenhaftestens Darsteller von "Lone Ranger". Wo der Indianer Tonto, in der Originalserie, der heimliche Held war, aber trotzdem nicht aus seinem Sidekick-Dasein rauskam, hieft man seine Rolle nun eine Stufe höher. Aus nachvollziehbaren, wirtschaftlichen Gründen hat man Tonto zum gleichberechtigten Hauptdarsteller gemacht, der die eigentliche Hauptperson fast verblassen lässt. Theoretisch hätte eine Nebenrolle Depp nicht unbedingt schlecht getan, denn selbst da kann er gut glänzen. Seine Piraten-Allüren aus "Fluch der Karibik" sind schwer zu übersehen. Wüste Haare, merkwürdiger Kleidungsstil, teils kryptische Sprache, unvorhersehbares Verhalten. Hallo, Captain Jack Sparrow. Auch verfolgt der Charakter einen ähnlichen Humor, ist aber in seinem Verhalten nicht ganz so überzeichnet wie Captain Jack. Tonto wirkt im Vergleich noch etwas bodenständiger.
Sein Spielpartner Armie Hammer (The Social Network, J. Edgar) hat hier endlich mal seinen großen Auftritt und spielt die Rolle des Lone Ranger eigentlich ganz gut. Vorher nur in Nebenrollen in Film und Serien zu sehen, trägt er die Hauptrolle würdevoll und meistert sie zur Zufriedenheit, wobei das gegen Johnny Depp schon wirklich schwierig ist. Dennoch hat er größtenteils starke Momente, wo er seinen berühmten Spielpartner in den Schatten stellt. Er ist hin und her gerissen zwischen seinem Pflichtbewusstsein als Anwalt und dem harten Alltagsleben eines Gesetzeshüters, wo man mehr zu Schießeisen greift, als zum Gesetzbuch. Anfangs noch tollpatschig und mehr gewollt als gekonnt, wird er über die Länge des Films immer sicherer und mutiger. In ersten Berichten war von Ryan Gosling und Brad Pitt die Rede, wenn es um die Rolle des Lone Rangers ging, doch mit Armie Hammer hat man auch einen guten Griff gemacht. Vielleicht sogar einen besseren.

Allgemein poltert die Handlung von "Lone Ranger" dahin, wie die Züge die darin vorkommen. Man den Film auf ein Familienpublikum konzipiert, was bei all der Action, den durchsiebten Körper und herausgeschnittenen Herzen nicht ganz aufgehen kann. Man bekommt zwar aufwändige Action-Szenen zu sehen, die auch wirklich gut aussehen und einiges hermachen, aber da ist dann auch mehr Schein als Sein. Trotzdem muss man sagen, dass man, auch wenn es nur Pferde und Züge gibt, der Film extrem rasant ist. Leider fehlt es dem Film auch etwas an gewissen Feingefühl und Gleichgewicht. Es gibt oft genug ernste Szenen, wo es um die Schicksale der Ureinwohner geht, oder um Begebenheiten in der Vergangenheit und eine Sekunde später wird schon der nächste Gag rausgehauen, als ob nichts gewesen wäre. Damit hilft man weder dem ernsten Aspekten noch den humoristischen, wenn beide falsch platziert werden. Für die Kulissen und Drehorte (New Mexiko, Mexiko) muss man allerdings ein Lob aussprechen.
Fazit.
"Lone Ranger" ist bei weitem nicht der Erfolgs-Blockbuster, der er dem Budget nach hätte werden sollen. Mit einem Fazit tue ich mich dieses Mal etwas schwer, weil ich hier schlecht für die Allgemeinheit sprechen kann. Trotzdem all der Kritik und den Schwachpunkten hat mir der Film im Endeffekt doch gut gefallen und er hat mich über die gesamte Laufzeit sehr gut unterhalten, sodass es mir um das Kinogeld nicht schade war. Ich glaube bei diesem Film heißt es dann wohl Probieren geht über Studieren und man sollte es einfach mal wagen. Wer am Trailer schon Spaß hatte, dem wird auch der Film in den meisten Fällen zusagen. Mehr kann ich nicht sagen.





Bis dahin - Hey ho, Silver!





Fakten: http://en.wikipedia.org/wiki/The_Lone_Ranger_%282013_film%29
Bilder:  http://collider.com/the-lone-ranger-images/
             http://www.critic.de/film/the-lone-ranger-4007/bilder/
             http://www.tvmovie.de/so-entsteht-die-lone-ranger-maske-4524177.html

Kommentare:

  1. Mir geht es mit der Meinung über den Film da ähnlich. Story mäßig hat er mich geradezu gelangweilt aber Johnny Depp und seine Art wie er sich in der Rolle präsentiert hat auch entschädigt. ;)

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    1. Ja, die Story ist nicht gerade die starke Seite des Films, sondern eher die Präsentation und die auftretenden Figuren und wie sie gespielt haben. Wenn man sich davon mitreißen lässt, dann ist der Film auch keines Falls so langweilig wie die 0815-Story.

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