20.10.13

Film•Peteback: The Tall Man


Nach gemeinem Psycho-Horror gibt es diese Woche einen gemächlichen Msysty-Thriller.

The Tall Man


Deutscher Titel: The Tall Man
Originaltitel: The Tall Man
Originalsprache: Englisch
Erschienen: 2012
Länge: ca. 100 Minuten
Regie: Pascal Laugier
Drehbuch: Pascal Laugier
Produktion: u.a. David Cormican, Scott Kennedy, Kevin DeWalt
Cast: u.a. Jessica Biel, Jodelle Ferland, Stephen McHattie, Jakob Davies, William B. Davis, Samantha Ferris

Trailer: The Tall Man

Kurz gesagt: "The Tall Man" ist ein kanadischer Mystery-Thriller aus dem Jahr 2012, von Regisseur Pascal Laugier. Der Film wurde in Kootenay, einer Region in südöstlich British Columbia gedreht. Der Film spielt in einer kleinen Stadt, welche allein vom Bergbau einer Mine gelebt hat. Da die Mine stillgelegt wurde verwahrlost die Stadt immer mehr. Dazu kommen die zahlreichen Fälle von verschwundenen Kindern. Sie verschwinden in unregelmäßigen Abständen und man macht eine örtliche Legende, den "Tall Man", dafür verantwortlich.




Julia Denning (Jessica Biel) lebt in der kleinen Ortschaft Cold Rock im Staat Washington, inmitten von weitläufigen Wäldern. Sie ist die lokale Ärztin, obwohl sie eigentlich nur eine Krankenschwester ist. Sie hat damit die Arbeit ihres Mannes übernommen, welcher der einzige Arzt in der Stadt war. Die Stadt Cold Rock war einst eine Bergarbeiterstadt, doch seit die Mine geschlossen ist, verwahrlost die Stadt immer mehr. Geschäfte schließen, Häuser stehen leer und die Menschen ziehen weg. Es kommt kaum Krankenversorgung, nur zwei Polizisten und die Schule wurde auch geschlossen. Cold Rock verschwindet langsam von den Landkarten und ist bei weitem nicht mehr als eine Geisterstadt und das Leben für die Bewohner wird immer härter. Dazu kommen noch die Fälle einiger verschwundener Kinder. Die Kinder verschwinden einfach spurlos, ohne das jemand etwas mitbekommt. So hat sich bald eine urbane Legende gebildet - die, des "Tall Man". Eine große, vermutlich männliche Gestalt in schwarzer Kleidung, die die Kinder in die Wälder entführt und keine Spuren zurücklässt. Eines Abend kehrt Julia in ihr Haus am Rande der Stadt zurück, wo sie mit ihrem Sohn David und seiner Nanny lebt. Als sie in der Nacht von lauten Geräuschen aus der Küche geweckt wird, findet sie die Nanny gefesselt am Küchenboden vor und kann gerade noch mitbekommen, wie eine dunkle Gestalt mit ihrem bewusstlosen Sohn durch die Hintertür in einen Van verschwindet.



Pascal Laugier müsste Horrorfilm-Fans mindestens nach seinem Horror-Drama "Martyrs" aus dem Jahr 2008 bekannt sein. Ein wahrer Folterabtraum, der einem mit intensiven Bildern Unbehagen der besten Sorte vermittelt. Danach wurde es still um den Regisseur, bis er sich 2012 mit "The Tall Man" und an einem kanadischen Set wieder meldete. Vielleicht ist er dem Ruf der Ferne und dem amerikanischen oder kanadischen Traum gefolgt.

Für die erste US-Produktion hat er anscheinend einen Gang runtergeschaltet und schlägt klassische Töne an und versucht sich an einem Thriller, der vor allem durch Storywendungen und Charaktere überzeugen soll. Allerdings kann man schon sagen, dass die Atmosphäre und deren Intensität nicht an "Martyrs" herankommt. Aber vielleicht muss es das auch gar nicht, da der Film ja in eine ganz andere Richtung geht.
Man muss als erstes wirklich ein Lob für den Anfang aussprechen. Eine guter Einleitung macht einem Lust auf den Film und ist sehr wichtig für die passende Grundstimmung die vermittelt werden soll. "The Tall Man" schafft das alles sehr gut. Es wird die Umgebung gezeigt, in der der Film spielen wird und das gefällt mir persönlich schon sehr gut. Wenn ich etwas an Horrorfilmen bzw. Thrillern mag, dann sind es die ausgedehnten Wälder auf dem nordamerikanischen Kontinent. Das liegt nicht nur an der Natur, sondern auch an den Menschen die dort leben und wie sie dort leben. Die Stimme eines jungen Mädchens vermittelt dabei die Hintergrundgeschichte und führt auch schon an die namensgebende Figur des Films heran. "The Tall Man". Dabei wird man über längere Zeit im Ungewissen gehalten, wer oder was dieser "Große Mann" eigentlich ist. Ist er real? Ist er ein Mensch? Steckt eine Organisation oder ein Kult dahinter? Und wo bringt der die Kinder hin und was tut er mit ihnen? Man erfährt es später. Man kann Vermutungen anstellen, aber die werden bei den wenigen Informationen schnell beiseite geschoben. Ich war selber nicht sicher, was nun auf mich wartet, weil ich in erster Linie einen Horrorfilm erwartete, was ich aber bekam war etwas anderes.

Laugier beginnt den Film ebenfalls mit einem kleinen Portrait der Bewohner der Gegend und natürlich der kleinen Stadt Cold Rock, was nebenbei gesagt, ein furchtbar unkreativer Name ist. Hier haben wir ähnliche Zustände wie in Debra Graniks "Winter's Bone". Eine Region in der das Leben härter und rauer ist und wo man sich auf den Nachbarn verlassen muss, um nicht komplett unterzugehen. Arbeit ist rar und der Lebensunterhalt gering und so wirken die Menschen etwas sonderlich. Auch unter den Bewohnern gibt es gespaltene Meinungen den "Großen Mann" betreffend. Einige halten ihn für eine Legende, andere wollen ihn gesehen haben. Als Zuschauer weiß man es nach einer halben Stunde natürlich besser. Allerdings wird es mit dem Auftreten der mysteriösen Gestalt alles sehr seltsam. Der Film macht so gesehen eine Kehrtwende und führt den Zuschauer aufs gut eingesetzte Glatteis, sodass man das was man bisher verstanden hat noch einmal über den Haufen werfen kann. Das wird vor allem dadurch erreicht, dass die Erzählposition geändert wird, da man von Julia Denning wegkommt und den Blick auf ein junges Mädchen names Jenny (Jodelle Ferland) richtet.
So etwas hat man wirklich selten. "The Tall Man" beginnt wie ein typischer, generischer Horrorfilm, mit oberflächlichen Charaktere, einer unkreativen Umgebung und einer banal anmutenden Story, kriegt dann aber noch die Kurve und entwickelt sich zu einem Thriller mit dramatischem Kontext und pseudophilosophischen Fragen. Das alles wird dann unterstützt durch eine Inszenierung die in keiner Weise vorhersehbar ist und bei der man nie sicher sein kann, wer nun der Gute und wer der Böse ist. Man ist stellenweise fast versucht noch einmal zurückzuspulen um zu sehen, ob man nicht irgendwas verpasst hat. Alles ist geplant. Da beweist Pascal Laugier wirklich handwerkliches Geschick und zeigt, dass er niemand ist der stumpfe Filme drehen will. Er darf damit auf jeden Fall als ein solider Geheimtipp behandelt werden.

Fazit.
"The Tall Man" ist ein Film der auf jeden Fall überraschen wird und kann mit einer gut durchdachten, leicht verwirrenden Story und guten Ideen und Story Twists glänzen. Das Schauspiel der auftretenden Personen ist solide und man sieht hier Jessica Biel in einer ihrer besseren Rollen. Wer ein spannenden, unvorhersehbaren Thriller sehen möchte, der dürfte hier genau an der richtigen Adresse sein.




Bis dahin - Tschödeldö





Fakten: http://en.wikipedia.org/wiki/The_Tall_Man_%28film%29
             http://www.imdb.com/title/tt1658837/
Bilder:  http://www.releasedonkey.com/dvd/the-tall-man-dvd-release-date-1697/still-186624000
             http://www.moviepilot.de/movies/the-tall-man/images/10023135
             http://adventureamigos.net/movie-review-the-tall-man-2012/
             http://bizzammovienews.com/2012/10/19/the-tall-man-2012-dvd-review/

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