17.11.13

Film•Peteback: Ender's Game


Diese gibt es etwas aus dem aktuellen Kinoprogramm. SiFi ist angesagt!

Ender's Game


Originaltitel: Ender's Game
Deutscher Titel: Ender's Game - Das große Spiel
Originalsprache: Englisch
Erschienen: 2013
Länge: ca. 114
Regie: Gavin Hood
Drehbuch: Gavin Hood
Produktion: u.a. Roberto Orci, Alex Kurtzman, Orson Scott Card
Cast: u.a. Asa Butterfield, Harrison Ford, Ben Kingsley, Abigail Breslin, Hailee Steinfeld, Moises Arias, Nonso Anozie, Viola Davis

Trailer: Ender's Game

Kurz gesagt: "Ender's Game" ist ein US-amerikanischer SiFi-Film aus dem Jahr 2013, von Regisseur Gavin Hood. Der Film basiert auf dem gleichnamigen SiFi-Roman von Orson Scott Card, welcher auch an der Produktion beteiligt war, nicht aber an Drehbuch mitschrieb. Der Film spielt in einer fernen Zukunft und die Menschheit steht in einem Konflikt mit einer außerirdischen, insektoiden Rasse, die schon zwei Invasionen auf den Planeten gestartet haben.




In einer fernen Zukunft führt die Menschheit mit vereinten Kräften einen Krieg gegen eine insektoide Alienrasse, genannt Formics oder Krabbler, die schon zwei mal versucht hat den Planeten zu invadieren. Beide Male konnte die Invasion nur knapp verhindert werden, was nicht nur Millionen von Tote unter den Soldaten nach sich zog. 70 Jahre nach den Invasionen wird der junge Andrew "Ender" Wiggin (Asa Butterfield) auf eine Militärschule geschickt, um dort das strategische Kriegshandwerk zu lernen. Tests haben ergeben, dass er durchaus dafür geeignet ist, da er auch die richtigen mentalen Werte dafür besitzt. Sein älterer Bruder Peter wurde ebenso getestet und als zu brutal bewertet, seine jüngere Schwester Valentine (Abigail Breslin) hingegen als zu sanftmütig. Ender ist das genaue Mittelstück. Die irdischen Streitkräfte der Interstellaren Flotte (IF) planen einen Gegenschlag gegen die Aliens, um weitere Angriffe zu unterbinden. In dem Ausbildungsverfahren geht es auch darum, einen Nachfolger für Mazer Rackham (Ben Kingsley) zu finden. Eben dieser hatte durch eine taktische Glanzleistung eine der Invasionen verhindert. In der Ausbildung muss sich Ender in strategischen Denken beweisen, was in einer Art Simulation, dem Battle Room, geschult wird. Auch muss er sich gegen andere Kadetten durchsetzen, mit denen er schon bald aneinander gerät. Alles überwacht von Colonel Hyrum Graff (Harrison Ford). Die Ausbildung wird von Tag zu Tag härter, denn der Kampf gegen die Formics steht schon bald bevor.




Zu "Ender's Game" muss ich sagen, dass ich weder Trailer zu dem Film gesehen habe, noch die Romanvorlage studiert habe. Ist doch mal nicht schlecht, wenn man ganz unvoreingenommen in einen Film gehen kann. Das kann leicht ins Auge gehen und man kann ziemlich enttäuscht von dem Film sein. Bei diesem schwanke ich ein wenig zwischen zwei Extremen.

In der Nachbearbeitung habe ich mir dann den Plot vom Film noch einmal zu Gemüte geführt und dann im Vergleich noch den Plot der Romane bzw. des ersten Romans. Und ich muss wirklich zugeben, dass zwischen den beiden Handlungen gewisse Welten liegen. Man kann zwar den roten Faden in Film und Roman erkennen, aber das Drumherum wurde im Film schon stark reduziert. In vorläufigen Drehbüchern, die der Romanautor selber verfasst hat, ist das auch der Fall. Er hat seinen eigenen Roman beschnitten, weil er Vieles für uninteressant hielt. Ein Autor der mal nicht hinter seinen eigenen Werken steht. Interessant...
Ich werde nun nicht die Unterschiede herausfiltern, dass kann sich jeder selber zusammenlesen und bewerten. Die Einleitung von "Ender's Game" bildet ein Resumé von Ender selber, in der er die Invasion der Formics schildert und dem Zuschauer die wichtigsten Informationen vermittelt. Im Grunde ein solider Einstieg, den man aber doch etwas besser hätte ausarbeiten können. Der Film legt ein Augenmerk auf die Handlung, ein Augenmerk auf den Protagonisten und ein Augenmerk auf die Präsentation. Da frag ich mich, wieso man die Vorgeschichte so heruntergebrochen hat, wo sie doch einiges an dramaturgischen und optischen Potential bietet. Schon früh fängt man an die Gefühlswelt von Ender Wiggin kennenzulernen. Im Grunde ist er eine interessante Figur, die viel Identifikationspotential hat. Er ist auf der einen Seite ein mitfühlender Junge, der ein gutes Verständnis von Moral und Ethik hat. Auf der anderen Seite ist er ein kleiner Soziopath, der in gewissen Situationen sehr abgeklärt und kaltblütig agiert. Außerdem hat er ein Problem damit sich unterzuordnen.

Gavin Hood spart hier nicht mit der Moralkeule. Sei es der Kampf zwischen Menschen und den Aliens oder der Punkt, dass man gerade Kinder zu Soldaten ausbildet. Es wird lange nicht geschildert, was genau die Absichten der Formics sind, wieso sie die Erde invadieren wollten, denn eine Kontaktaufnahme hat auch nie wirklich stattgefunden. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Der Stärkere wird überleben, frei nach Charles Darwin. Lange ist nicht klar, wer nun der Unterlegende ist und wer mehr Aggressionspotential hat. Das gerade Kinder ausgewählt werden, die irdischen Flotten zu befehligen liegt an der Auffassungsgabe. Ender ist der beste Beweis dafür. Er hat die Fähigkeit unglaublich schnell Inforationen und Daten zu verarbeiten und für sich zu nutzen, was ihn zu einem guten Strategen machen kann, wenn er lernt es gezielt einzusetzen.

Wie der Kampf zwischen Mensch und Alien, gibt es auch einen Kampf unter den Kadetten, der auch nach dem "Der Schwächste fliegt"-Prinzip abläuft. Von den vielen Stereotypen unter den Kindern und Jugendlichen sehen wir mal ab. Möglichst schnell aufsteigen, keine Schwächen zeigen und sich einen Namen machen. Das hat auch Ender verstanden und hintergeht die höher gestellten Kadetten trickreich und schart einen Kern von Mitschülern um sich.. Auch weiß er es seine Handlungen zu durchdenken und auszuschmücken, sodass sie für ihn ein Vorteil entsteht. Auf der einen Seite fällt es dabei sehr schwer für Ender Sympathie und Empathie zu empfinden. Er ist im Grunde ein ziemlicher Kotzbrocken, undurchsichtig und alles andere als sympathisch. Auch wenn er von Asa Butterfield gut gespielt wird. Haben wir hier eher einen Anti-Held vor uns? Vielleicht.
Der Großteil des Film spielt sich in der Ausbildungsanstalt ab, wo die Schüler in einem "Battle Room" in Teams gegeneinander antreten. Dort wird taktischen Geschick und Teamfähigkeit trainiert. Eine Mischung aus Football und Quidditsch, in einem dreidimensionalen Raum wo die Kadetten frei schweben. Mit einer Art Betäubungspistole können Körperteile "eingefroren" und Spieler ausgeschaltet werden. Die Matches zwischen den Kadetten sind die ersten Mal schon irgendwie interessant, verlieren aber schnell ihren Reiz. Dem Zuschauer wird zwar eindringlich erklärt, wieso dieses Spiel wichtig ist, dennoch wird es aber zu weit ausgereizt und gerät in die Ecke der Belanglosigkeit. Erst gegen Ende des Films passiert das, was der Zuschauer sehen will. Die aktiven oder in diesem Fall passiven Weltraumschlachten. Die Simulationen an denen die Kadetten trainieren, sind wirklich gut in Szene gesetzt und sehen auch sehr gut aus. Hier kann Ender sein Potential entfalten und die Schlachten laufen zügig, hektisch und stressig ab. Im Vergleich zu der vorherigen Handlung geht es gegen Ende Schlag auf Schlag, was alles Vorherige wie pubertäres Geplänkel erscheinen lässt. Es fehlt an Balance in Bezug auf die Spannung.

Das Schauspiel ist durch die recht Bank solide. Gerade der Hauptcharakter, gespielt von Asa Butterfield, wird dem Zuschauer gut vorgestellt und seine Vielschichtigkeit kommt gut heraus. Heraus sticht auch das Spiel von Hailee Steinfeld, die hier ihren nächsten Hollywood-Auftritt nach "True Grit" hat. Umso belangloser Fallen dabei die Rollen der beiden Größeren, Ben Kingsley und Harrison Ford aus. Ben Kingsley gibt den Kriegsveteranen mit einem soliden Spiel, wirkt aber jederzeit austauschbar und irgendwie überzeichnet. Harrison Ford in der Rolle eines mürrischen, abgeklärten Colonel ist die Person hinter Ender. Er überwacht alles was der Junge tut und denkt und kommentiert es für den Zuschauer. Auch ist er es, der Ender Steine in den Weg legt um sein Potential zu fördern. Seine Rolle in der Handlung wird aber kaum in Frage gestellt. Mal davon abgesehen, wirkt er wie in allen seiner letzten Filme wie ein grimmiger Gorilla, was seine deutsche Synchronstimme noch einmal unterstreicht. Sehr schade.
Fazit.
"Ender's Game" ist ein Film, bei dem ich mir nicht ganz sicher bin, ob sich das Kinogeld gelohnt hat. Im Grunde hätte etwas mehr Nähe zur Romanhandlung dem Film sehr gut getan, weil der Film sich doch schon mit reichlich Belangloskeiten beschäftigt, bis er wieder ein Hoch erreicht. Das Schauspiel ist aber solide und die Visualisierung stimmt auf jeden Fall. Gerade in 3D kommt der Film sehr gut. Ein Film der wert auf Optik und weniger auf Story legt, ist gut zu ertragen. Wenn aber versucht wird beides auf einem hohen Niveau zu betreiben, dann enttäuscht Gavin Hoods Film leider. Auch mit der Gesellschaftskritik und den moralischen/ethischen Fragen geht Hood nicht gut um, sodass sie schon bald in den Hintergrund rücken. Ich würde daher auf eine DVD/BluRay-Veröffentlichung warten und dann mal einen Blick darauf werfen. Es ist vielleicht ein großes Spiel geworden, aber kein großer Wurf.





Bis dahin - Tschödeldö





Fakten: http://de.wikipedia.org/wiki/Ender%E2%80%99s_Game_%28Film%29
             http://de.wikipedia.org/wiki/Das_gro%C3%9Fe_Spiel_%28Buch%29
Bilder:  http://www.businessinsider.com/the-first-enders-game-trailer-is-here-2013-5
             http://collider.com/enders-game-set-visit-harrison-ford/
             http://www.eggplante.com/2013/11/08/enders-game-review/
             http://www.itsartmag.com/features/enders-game-extended-tv-spot/#.UobeHT9c-So

Kommentare:

  1. Das ist ganz interessant, das aus der Sicht eines Zuschauers zu sehen, der das Buch nicht gelesen hat. :)

    Ich habe das Buch gelesen, ich fand es großartig, aber ich denke, den Film werde ich mir nur ansehen, wenn er mal im Fernsehen kommt. So viel ist doch verändert worden und ich hatte schon im Vorfeld befürchtet, dass hier viel Wert auf die Optik gelegt wurde.

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    1. Naja, ich hab auch nicht immer Lust vor jedem 3. Film ein Buch dazu zu lesen xD
      Es ist nichts verkehrt daran, wenn man viel Wert auf Optik legt. Solange es gut gemacht wird. Und "Ender's Game" sieht gut aus. Das muss man sagen. Aber dafür hapert es dann an anderen Stellen. Wie Spannungsbögen und das dahinplätschern der Story und dem lauen Ende...

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  2. Ich habe das Buch gelesen und letzte Woche auch den Film gesehen. Muss gestehen dass ich ihn so schlecht nicht fand, es ist ja immer das selbe mit dem Buch/Film Vergleich und zufrieden ist man damit ja nie, da man in die Bücher sowieso viel mehr Details einbauen kann und die eigene Phantasie ist dein Freund.. Wenn man etwas unkritischer in den Kinosaal geht dann ist er schon zumindest einmal sehenswert. Das ich mich hab zwingen lassen den Film zu sehen ist eine Sache, aber verschwendete Zeit war es nicht. *g*
    Sicher nicht der beste aber ein recht unterhaltsamer Film.

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    1. Nein, verschwendete Zeit war es nicht unbedingt. Das stimmt.

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