23.02.14

Film•Peteback: Die Farbe


Lang ist's her und nun auch hier ein Lebenszeichen in dieser Rubrik.

Die Farbe


Originaltitel: Die Farbe
Deutscher Titel: Die Farbe
Originalsprache: Deutsch/Englisch
Erschienen: 2010
Länge: ca. 86 Minuten
Regie: Huan Vu
Drehbuch: Huan Vu/ Original: H. P. Lovecraft
Produktion: Huan Vu, Jan Roth
Cast: Ingo Heise, Michael Kausch, Olaf Krätke, Marco Leibnitz, Ralf Lichtenberg, Erik Rastetter, Friedrich Schilha, Marah Schneider,

Trailer: Die Farbe

Kurz gesagt: "Die Farbe" ist ein deutsches Independent Mystery-Drama aus dem Jahr 2010, von Jungregisseur Huan Vu. Vu adaptierte für das Drehbuch die aus dem Jahr 1927 stammende Kurzgeschichte "Die Farbe aus dem All/The Colour out of Space" des Horrorautors H. P. Lovecraft. Das Drehbuch von Vu weist im Vergleich zur Vorlage gravierende Unterschiede auf, wobei der größte Unterschied die transferierte Handlung ins Deutschland der 1970er Jahre ist.




Die Handlung beginnt in Arkham, im Jahr 1975.
Jonathan Davis (Ingo Heise) ist auf der verzweifelten Suche nach seinem Vater, der nach dem zweiten Weltkrieg verschwunden ist. Seine Spur führt dabei nach Deutschland, in die Nähe des Schwäbisch-Fränkischen Waldes. Dort soll er nach dem zweiten Weltkrieg stationiert worden sein. Danach verliert sich jede Spur. Jonathan reist also in die ländliche Gegend, wo er hoffentlich seinen Vater findet wird und nach Hause bringen kann. Doch tief in den Wäldern und Dörfer offenbaren sich ihm die Geheimnisse der Vergangenheit. Er befragt die Einheimischen nach seinem Vater und zeigt ihnen Bilder, doch zu seiner großen Enttäuschung kann ihm keiner der verschrobenen Dörfler einen Hinweis auf den Verbleib geben. Jonathan sieht sich schon mit der harten Realität konfrontiert die teure Reise ganz umsonst auf sich genommen zu haben. Dennoch trifft der Suchende schon bald auf den Einheimischen Armin Pierske (Marco Leibnitz/Michael Kausch), der von den anderen als verrückt bezeichnet wird, ihm aber von Ereignissen in der Vergangenheit berichtet. Von einem Meteor, der in den 30er Jahren in der Gegend einschlug und Flora und Fauna und sogar die Menschen zu verändern schien. Er war aus einem unbekannten Gestein, zerfiel sehr schnell und kühlte kaum ab. Auch reagierte das Gestein mit keinem bis dato bekannten Stoff. In dem Meteor befand sich allerdings eine Sphäre aus Glas, die in einer Farbe leuchtete, die es auf der Erde nicht gab. Die Sphäre wurde zerstört und die Farbe verschwand. Bald veränderte sich die Flora und Fauna rund um das Einschlagsgebiet. Die Pflanzen wuchsen prächtig, nahmen aber bald die seltsame Farbe an und zerfielen dann, wie es auch der Meteor tat. Und auch auf die Menschen hatte die Farbe einen krassen Einfluss...




Seid ihr auch so ein großer Fan von H. P. Lovecraft wie ich? Nicht umsonst ist der Herr Liebeshandwerk einer der einflussreichsten Autoren auf den Gebiet der fantastischen Horrorliteratur, der nicht nur den Anspruch auf Grausamkeit, sondern viel auf subtilen und anspruchsvollen Horror deckt. Unvergessen sind seine berühmten Werke wie "Berge des Wahnsinns", "Das Ding auf der Schwelle", "Die Ratten im Gemäuer",  "Das Grauen von Dunwich" und natürlich auch "Die Farbe aus dem All".

Als geneigter Lovecraft-Verehrer und auch Filmfreund wartet man freudig darauf, dass endlich mal eines der Werke verfilmt wird. Leider wird man in den meisten Fällen mit B-Movies abgefrühstückt, die leider nicht den Anspruch der Vorlagen erfüllen und sich nicht durch Handwerkliches Können auszeichnen. So gibt bis dato nur einige wenige Versuche, eine Lovecraft-Geschichte zu verfilmen. Dazu gehören "Re-Animator" aus dem Jahr 1985 von Stuart Gordon, "Hemoglobin" von Peter Svatek, von 1997 und "Dagon" ebenfalls von Stuart Gordon aus dem Jahr 2001. Kultregisseur Guillermo del Toro arbeitet schon seit Jahren an einer Realisierung von "Berge des Wahnsinns", findet aber kaum Produzenten.
Doch was ist nun mit "Die Farbe" von Huan Vu? Ein H. P. Lovecraft Drehbuchvorlage, umgeschrieben auf das Deutschland der 70er Jahre. Klingt merkwürdig, ist aber nicht lächerlich. Huan Vu arbeitete fast drei Jahre mit immer wechselnden Crew-Mitgliedern an der Realisierung seines Drehbuchs, was eigentlich sein Diplomfilm für die Hochschule für Medien in Stuttgart-Vaihingen werden sollte. Das Projekt wurde allerdings zu groß und nach zweijähriger Postproduktion und Finanzspritze durch Co-Produzent Jan Roth, wurde der Film in Eigenvertrieb und mit kleineren Partnern in Nordamerika, Schweden und Finnland in die Filmwelt entlassen. Die Reaktionen waren gemischt bis positiv. Im Großen und Ganzen kann man dem Drehbuch nichts vorwerfen. Entgegen der Erwartungen hat sich Vu doch stark an der Vorlage orientiert und hat die Rahmenhandlung belassen und nur die Umstände ein wenig zurecht geschrieben. Aus dem Landvermesser, der ein verlassenes Gehöft findet und von dem Einheimschen Ammi Pierce aufgeklärt wird, was mit der Bauernfamilie geschah, so ist es bei Vu ein Mann auf der Suche nach seinem Vater, der nach Deutschland kommt und eine merkwürdige Gegend vorfindet. Die Verlagerung der Handlungsstätte ist also nicht großartig von Belang. Die Figurenkonstellation ist im Grunde die gleiche geblieben, nur die Namen und eventuelle Berufe wurden geändert bzw. angepasst. Dabei spielt die Haupthandlung eigentlich in den 30er Jahren, wobei die Handlung der Gegenwart ein wenig in den Hintergrund rückt und beinahe uninteressant wird. Man hätte sich eventuell darauf konzentrieren sollen, eine kurze, einleitende Handlung zu schreiben, nahe am Lovecraft-Original.

Der Film ist komplett in schwarz-weiß gehalten und dieser Stil verleiht dem Film einen gewissen Retro Touch, ist aber in erster Linie zweckdienlich. Es sind größtenteils Außenaufnahmen zu sehen und bei der Verwendung von Schwarz-Weiß-Optik muss man sich daher weniger Gedanken um Licht und Farbabstimmungen machen. Zumal das Equipment, welches beim Dreh verwendet wurde auch nicht das beste war. Dennoch ist der Stil geradezu malerisch und durch Spiel mit Licht und Schatten, sind ein paar beeindruckende Einstellungen gelungen, die noch durch Nachbearbeitung am Computer verstärkt wurden. Man kann dem Film und auch dem Regisseur schon ein handwerkliches Können zusprechen, was die Licht- und Bildstimmung angeht.  Dazu trägt auch die Musik bzw. die Geräuschkulisse bei. Gerade der Anfang des Films ist befremdlich, da Sekunden lang alte und verfallene Gebäude gezeigt wurden, schätzungsweise um die Auswirkungen des Meteoriteneinschlags zu veranschaulichen. Bei diesen Bildern herrscht absolute Stille vor und so ist es auch oft im Verlauf des Films.
Was bei einer Schwarz-Weiß-Produktion natürlich besonders gut hervorsticht ist - Die Farbe. Ich spoilere einfach mal die "Farbe", denn sie ist ja auch schon im Trailer zu sehen und stellt meines Erachtens auch einen Schwachpunkt des Films dar. Die verwendete Farbe ist Pink bis Purpur. Das ist nun keine sehr bedrohliche Farbe, wenn man bedenkt, dass diese Farbe Menschen, Tiere und Pflanzen beeinflussen kann und zerfallen lässt. Ich habe mit bei der Geschichte eine Art Grün-Blau vorgestellt. Obwohl das auch schon widersinnig ist, da es ja eine Farbe sein muss, die auf der Erde nicht existiert. Allerdings, stößt der menschliche Verstand da schon an seine Grenzen, eine Farbe zu beschreiben die es nicht gibt. Es ist, als müsste man einem Blinden die Farbe "Lila" erklären. Viele Szenen mit "der Farbe" führen durch die Farbwahl ein wenig ins ungewollt Niedliche, aber nicht unbedingt ins Lächerliche. Dennoch gibt es auch mit der Farbe einige gute Einstellungen und man hat sich darauf besonnen, sie aufwändig und kunstvoll in Szene zu setzen und auch den Eindruck der "Beweglichkeit" der Farbe zu verdeutlichen.

Ein weiterer, kleiner Negativpunkt wäre das Schauspiel. Für die Verhältnisse einer Low-Budget-Produktion ist das Schauspiel der handelnden Personen durchaus solide ausgefallen, wobei man bedenken muss, dass größtenteils Amateurschauspieler bzw. unbekannte Schauspieler auftreten. Man kann sich eventuell an den Statisten stören, die die Dorfbewohner verkörpern, die mit ihrem Auftreten und den wenigen Dialogen schon etwas zu unbeholfen und stockbeinig wirken. Aber wie schon erwähnt, es ist nun mal eine Low-Budget-Produktion. Ebenfalls ist "Die Farbe" etwas zu lang geraten, für das, was einem dann geboten wird. Der Film ist gute 86 Minuten lang, bietet aber gerade mal Inhalt für ca. 60 Minuten. Somit kommt viel Leerlauf zustande, der meistens auch aus unsinnigen Aufnahmen und Rückblenden besteht. Da hätte man die eigentliche Rahmenhandlung vielleicht kürzen sollen, damit der Fokus wirklich auf der Handlung der 30er Jahre liegt, so wie es auch sein sollte.
Fazit.
"Die Farbe" ist zwar eine Billigproduktion eines Filmstudenten, kann als Independentfilm mit einem an H. P. Lovecraft angelehnten Drehbuchs aber überzeugen. Huan Vu hat es verstanden, eine fühlbare Atmosphäre zu erzeugen, die dem Original schon sehr nahe kommt. Auch Aufnahmen der Umgebung und die Veranschaulichung des Verfalls durch die "Farbe" sind subtil in Szene gesetzt. Leider leidet der Film etwas an der Rahmenhandlung, die nicht mit der Handlung in der Vergangenheit mithalten kann. Wenn man mich fragt, ist "Die Farbe" ein guter Schritt in die richtige Richtung, wie man einen Film drehen muss, der sich an den Werken von Lovecraft orientiert und sie auch versteht.





Bis dahin - Tschödeldö







Fakten: http://genrefilm.net/die-farbe/
             http://www.die-farbe.com/
Bilder:  http://weird-xperience.de/weird-xperience-im-september-die-farbe-2010/
             http://genrefilm.net/die-farbe/

Kommentare:

  1. Der Film liest sich sehr interessant, ich glaube der wird am We mal geguckt, suche wie wild nach neuem Stoff. *lach*

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