17.04.14

Game•Peteback: Banished


Neues aus der wundervollen Welt der digitalen Spiele.


Wie man vielleicht schon erkennen kann, bin ich wieder einmal auf eines der bei Steam beworbenen Spiele hereingefallen. Hey, das Spiel wird in einer Slideshow präsentiert, also muss das schon irgendwie seinen Reiz haben. Ein Spiel fiel dabei besonders ins Auge und das war seit langer Zeit mal wieder eine Aufbausimulation. Und so habe ich mal eben 18.99€ hingeblättert und habe mir "Banished" zugelegt.

"Banished" ist das erste Spiel des ein Mann starken Entwicklerstudios Shining Rock Software, welches im Februar dieses Jahres erschien. Ein Mann? Ja, das ist richtig. Alleiniger Entwickler ist der Game Designer Luke Hodorowicz, welcher ca. drei Jahre an dem auf  C++ basierenden Spiel arbeitete. Das ansehnliche Produkt lässt sich am besten in die Genres der Aufbausimulationen bzw. der Echtzeit-Strategiespiele einordnen. Wenn man so will, kann man "Banished" als ein wohlgeratenes Kind von "Age of Empires", "Sim City" und "Die Siedler" betrachten - aber auf diese Weise Vergleiche anzustellen, wäre, als würde man Mandarinen mit Orangen vergleichen. Es ist nun mal schwierig im den Genres noch einzigartige, individuelle Werke zu schaffen, ohne das man sofort an die großen Vertreter der Genres denkt.
Worum geht es also in "Banished"? Das Szenario gestaltet sich recht einfach. Eine Gruppe von Verbannten Siedlern oder Ausgestoßenen (engl. "banished"/deut. "vebannt") sucht eine neue Heimat. Je nach gewählten Schwierigkeitsgrad muss man den Leuten helfen ein strukturiertes Leben führen zu können. Auf dem normalen Schwierigkeitsgrad hat man eine Hand voll Menschen, eine Scheune und die Grundmaterialien Holz, Stein und Eisenerz. Genre typisch beginnt man erst mit dem Häuserbau, damit die lieben Leute nicht im Regen stehen müssen. Dabei setzt "Banished" auf einfache Strukturen. Es gibt die günstigen Holzhäuser, die etwas robusteren Steinhütten und ein Obdachlosenheim in dem mehrere Familien Platz haben. Wie man startet ist dem Spieler selber überlassen. Nachdem die Menschen ein Dach über dem Kopf haben geht es nun an die Rohstoffbeschaffung, denn auch in "Banished" gelten die üblichen Genre-Regeln bzw. -Ziele. Die Menschen mit Obdach, Nahrung, Kleidung und Brennholz versorgen. Somit kommen sie zahlreich über den Winter. Die Zufriedenheit der Schützlinge muss beachtet werden und schlussendlich soll ja aus der kleinen Notgemeinschaft eine florierende Gemeinde werden, mit klaren Strukturen und funktionierender Wirtschaft.

Entwickler Hodorowicz setzte den Fokus seines Spiels weniger auf die massige Erschaffung von Gebäuden, sondern auf die Menschen und das Ressourcenmanagement. Gerade letzteres ist ein entscheidender Faktor für den Anfang des Spiels. "Banished" spart sich nämlich ein ausführliches Tutorial und ist damit auch nicht sehr einsteigerfreundlich. So kann es schon mal vorkommen, dass man sich mit den Rohstoffen verkalkuliert und ein Großteil oder die gesamte Bevölkerung im ersten Winter über den Jordan geht. Man hat zwölf Menschen, davon sind drei noch Kinder die nicht arbeiten. Durch Nahrungsmangel verhungert der Fischer und dazu noch zwei Landwirte und ein Forstmeister. Weil der Fischer keine Nahrung mehr einbringt verhungern noch die Kinder und zwei Sammler. Und so führt es sich immer weiter fort. Daher muss man die Nahrungsbeschaffung akribisch planen. Beeren sammeln ist eine gute Grundlage und der Fischfang, sowie die Jagd ebenso. Landwirtschaft ist da schon eine andere Geschichte, da man wirklich mehrere Monate warten muss um die erste Ernte einzubringen. Obstbäume sind da sogar noch pingeliger was ihr Wachstum angeht. So viel zum Realismus. Gleichermaßen muss man die Menschen im Auge behalten, denn der demografische Wandel spielt keine unwichtige Rolle. Denn was passiert, wenn die Bevölkerung immer älter wird und der Nachwuchs ausbleibt? Die Bevölkerung wird zu alt zum arbeiten und das Wirtschaftssystem bricht zusammen. In Bezug auf die Geburtenrate spielt auch die Zufriedenheit der Menschen eine wichtige Rolle. Gleichermaßen ist es mit der Bildung. Kinder die einen oder mehrere Bildungswege durchlaufen, können erst viel später in Berufen eingesetzt werden als die Ungelehrten.
Wo wir gerade schon bei den Menschen und Berufen sind, kann man hier auch das bunte Treiben in dem Dörfchen aufgreifen. "Banished" ist trotz der geringen Mittel eine ansehnliche Simulation geworden, die sogar den neusten "Sim City"-Teil in den Schatten stellen kann, was das Leben der Stadtbewohner angeht. Auf Wegen werden Waren hin und her transportiert und man kann den verschiedenen Arbeitern bei ihrer Tätigkeit zuschauen. Ob Landwirt, Sammler, Holzfäller, Fischer, Baumeister, Minenarbeiter, Steinmetz, Geistlicher, Jäger oder Arzt. Jeder hat am Tag etwas zu tun und durch die Verfolgerfunktion kann man sehen wie es funktioniert. Man kann dem Jäger auf der Jagd folgen und sehen wie er Fleisch von Fellen trennt. Dann bringt er alles zu seiner Jagdhütte und später werden die Güter zum Lagerhaus gebracht. So wird mit allen Berufen eine lebendige und vor allem sinnvoll funktionierende Umwelt geschaffen. Dies kann sich auch alles sehen lassen, denn "Banished" entgegen aller Erwartungen von der Grafik her sehr befriedigend. Die Menschen sehen ausreichend modelliert aus, gleiches gilt auch für die Häuser und alle anderen Gebäude und es ist alles gegeben, was die Umwelt noch lebendiger erscheinen lässt. Vielleicht hätte man noch einen stufenweisen Aufbau der Gebäude animieren sollen, denn momentan ploppen die verschiedenen Bauphasen einfach nur auf. Sehr hübsch ist auch der Wechsel der Jahreszeiten gestaltet worden, den man vor allem an der Natur erkennen kann. Die verschiedenen Jahreszeiten bringen natürlich auch Veränderungen bei der Bevölkerung mit sich. Im Winter werden zum Beispiel keine Farmer benötigt, da sowieso nichts wächst. So kann man sie über den Winter in anderen, wintertauglichen Berufen einsetzen, wie zum Holz sammeln z.B..

Natürlich ist "Banished" nicht perfekt. Die Umwelt wirkt trotz aller Versuche noch ein wenig zu hölzern. Auch ist der Umfang des Spiels etwas zu gering. Es gibt allein den Singleplayer mit dem man sich begnügen muss und selbst dort ist man noch alleine auf der Karte. Weitere Dörfer wären eine nette Erweiterung, denn so kann man auch viel gezielter Handel treiben. So alleine handelt man nur über ein Menü und kauft Waren wie Saatgut ein. Dazu fehlt noch ein wenig mehr Einsatzbereitschaft in der Gemeinde. Wenn z.B. ein Feuer ausbricht liegt es alleine an den Bewohnern den Brand zu löschen, während die Leute drumherum ihrem Tagwerk nachgehen. Dazu ignorieren die Menschen gerne oft Mauern, Zäune und die vorgegebenen Wege. Immer diese Freigeister. Dazu kommt noch, dass der Wiederspielwert leicht gemindert wird, wenn man erstmal den Dreh raushat, wie man eine funktionierende Stadt aufbaut. Es fehlt einfach an Variation im Gameplay. Es gibt zwar noch die Naturkatastrophen, doch davon habe ich noch keine miterleben dürfen. Sie machen sich etwas rar. Immerhin ist in Aussicht, dass "Banished" noch ein paar Updates erhalten wird, darunter auch ein Mod-Kit. Damit ist das Spiel frei für die Ideen der User, die hoffentlich mit interessanten Ideen und guten Erweiterungen mehr Farbe ins Spiel bringen werden.
Fazit.
"Banished" ist trotz seinem Indie-Status ein handwerklich guter, motivierender und aussagekräftiger Vertreter des Aufbausimulations-Genres geworden. Es ist neben den großen Genre-Kollegen ein eher ruhiger Zeitgenosse, wo man während des Spielens einfach mal die Seele baumeln lassen kann und sich keine Sorgen machen muss, dass von irgendwoher eine Armee anmarschiert kommen könnte. Man Baut sich ein Dörfchen auf, dieses wird zu einer Stadt und man kümmert sich um die dort lebenden Menschen, mehr ist es dann doch nicht. Auf lange Sicht wird "Banished" leider nicht fesseln können, denn es bleiben nur die drei Schwierigkeitsgrade, die etwas Variation ins Spiel bringen. Dennoch ist das Spiel der Verbannten auf jeden Fall für Genre-Fans gutes Futter und man kann 18.99€ sicher auch schlechter anlegen.





Bis dahin - Tschödeldö





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